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Knowledge Sharing

Knowledge Sharing – Wissen verfügbar machen

Wir, die München Klinik, behandelten bereits Ende Januar 2020 die ersten Patienten, die sich mit dem SARS-CoV-2-Erreger infiziert hatten. In Deutschland und Europa besitzen wir damit die längste Praxiserfahrung in der Behandlung von Covid-19-Patienten. Alles Wissen um die Erkrankung und deren Behandlung basierte anfangs auf den Erfahrungen aus China und dem engem Austausch mit internationalen Experten. Die München Klinik konnte dieses Wissen in der Zusammenarbeit mit anderen Kliniken, u.a. dem Institut für Virologie der Charité und das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr stetig ausbauen und stellt nun ihrerseits die gewonnenen Erkenntnisse der Fachwelt, anderen Klinik und der Politik zur Verfügung.

Kann man sich auf eine Pandemie vorbereiten?

Ja, wenn man das Glück hat, sich rechtzeitig der Herausforderung annehmen zu können.

Gute Ausbildung, eingeübte Verfahren, klare wissenschaftliche Leitlinien und vieles mehr geben dem klinischen Alltag eine verlässliche Struktur. Und trotzdem ist man als Ärztin, Arzt oder Pflegekraft bereits zu normalen Zeiten besonders gefordert.

Aber in der aktuellen Situation ist der Klinikalltag herausforderner denn je. Wir betreten zum Teil auch für uns neues Terrain.

Neue Räumlichkeiten für die COVID-19-Patienten mussten geschaffen, neue Wegeleitsysteme etabliert und der generelle Umgang mit Verdachtspersonen und bestätigten Fällen erlernt werden. Und das innerhalb kürzester Zeit.

Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, aber wir waren gerade durch die Ereignisse in Italien vorgewarnt und konnten uns sofort mit aller Macht der Krise widmen.

Wie bereitet man viele schnell auf eine neue völlig Situation vor?

Durch konsequenten Wissenstransfer - auch über Grenzen hinweg!

Ende Februar 2020 wurde auf oberster Ebene ein eigener COVID-19-Pandemiestab ins Leben gerufen, der mehrmals die Woche tagt. In diesem Stab sitzen Kolleginnen und Kollegen verschiedener Fachrichtungen mit gebündeltem Expertenwissen und Fähigkeiten zusammen, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten und Entscheidungen zu treffen. Der Pandemiestab ist zusätzlich in verschiedene Arbeitsgruppen unterteilt.

Regelmäßig werden wir von unserer Geschäftsführung mit einem eigenen COVID-19-Newsletter über aktuelle Entwicklungen und Entscheidungen aus dem Pandemiestab informiert. Von Patientenzahlen über Hygienemaßnahmen bis zu Kinderbetreuungen wird alles abgedeckt.

„Von der Geschäftsführung erhalten wir viel Unterstützung. Wenn wir etwas wünschen, wird das meist umgesetzt.“
Prof. Dr. Clemens Wendtner, Chefarzt Hämatologie und Infektiologie der München Klinik Schwabing

Maßnahme 1: Aufbau einer zentralen Wissensplattform

Sehr früh hat sich der Pandemiestab entschieden, eine zentrale Schulungs- und Wissensplattform zur Verfügung zu stellen. Was Mitte März 2020 mit wenigen medizinischen Leitlinien begann, hat sich inzwischen in ein veritables Portal gewandelt.

Wir finden Behandlungsstandards für die Notfallzentren, Intensiv- und Normalstationen, Flowcharts beschreiben auf einem Blick Verfahren der Diagnostik und Therapie, Schulungsfilme und Poster klären über korrekte Schutzkleidung und das richtige An – und Ausziehen auf.

Auch logistische Informationen, Telefonnummern und vieles mehr ist schnell und übersichtlich erreichbar. Wir schätzen die Bündelung der Informationen und die täglichen updates.

Die zentrale Wissensplattform zu Covid-19 im Intranet der München Klinik

2020 bereitgestellte Informationen

>125Covid-19 Newsletter an alle 8.000 Mitarbeitenden versendet
45Video-Tutorials mit detaillierten Erklärungen erstellt
≈100Medizinische Leitlinien, Flowcharts, Arbeitsanweisungen entwickelt

Maßnahme 2: Entwicklung und Schulung in klinischen Standards

Besonders die Diagnostik und Behandlung erweist sich als herausfordernd, schließlich gibt es zu COVID-19 noch keine etablierten Leitlinien. Das haben die Mitglieder der Arbeitsgruppe Medizin aus dem Pandemiestab geändert. Sie entwickelten Behandlungsleitlinien für COVID-19-Patienten für Intensivstationen, Normalstationen und Notfallzentren, um eine einheitlich gesicherte Versorgung von Covid-19-Patienten sicherzustellen.

Wir  haben nicht nur die längste Erfahrung mit der Behandlung von COVID-19-Patienten, wir haben bereits an zahlreichen etablierten Behandlungsleitlinien für andere Erkrankungen mitgewirkt und hier unsere Expertise gebündelt. Die Leitlinien enthalten detaillierte Angaben unter anderem zur persönlichen Schutzausrüstung, zur Erstdiagnostik und weiteren Diagnostik bei gesicherter COVID-19-Erkrankung, zur Therapie sowie zum Entlassmanagement.

 

Behandlungsleitlinie bei COVID-19 Patienten auf Intenisvstation

So empfehlen wir beispielsweise, dass Patienten, die mit COVID-19 und respiratorischer Erschöpfung auf der Intensivstation liegen, zunächst mittels Sauerstoffsubstitution über Nasenbrille bzw. „HighFlow“ stabilisiert werden sollten. Ziel ist, eine Sauerstoffsättigung über 90 Prozent zu erreichen. Insbesondere jüngere Patienten unter 50 Jahren und ohne schwere Lungenvorerkrankung scheinen von der Behandlung zu profitieren und es konnten hierdurch invasive Beatmungen vermieden werden. Intensivressourcen und der Aufenthalt auf der Intensivstation konnten wesentlich verkürzt werden.

Federführend in der Entwicklung der Leitlinien waren Dr. Michael Seilmaier, Oberarzt Infektiologie und Tropenmedizin in Schwabing; Prof. Dr. F. Joachim Meyer, Chefarzt Lungenzentrum München in Bogenhausen und Harlaching; Prof. Dr. Clemens Wendtner, Chefarzt Hämatologie, Onkologie, Infektiologie in Schwabing; Dr. Niklas Schneider, Oberarzt Intensivmedizin in Schwabing.

ECMO Pflegestandard

Im Bereich der Pflege haben wir den „ECMO Pflegestandard“ zur Verfügung gestellt. ECMO steht für „Extracorporeal Membrane Oxygenation“ - zur extrakorporalen Lungenunterstützung. Vereinfacht gesagt ist es eine „externe Lunge“, die vorübergehend die Aufgabe übernimmt und das eigentliche Organ entlastet. Die Therapie ist so komplex, dass neben dem materiellen Equipment vor allem spezialisiertes Personal eingesetzt werden muss.

Die Therapie mit der veno-venösen ECMO gilt als eine der höchsten invasiven Behandlungen. Ziel der ECMO ist, bei einem akuten Lungenversagen die Oxygenierung sowie die Decarboxylierung (CO²-Entfernung) des Körpers zu sichern und die Lunge zu entlasten, damit diese sich von der Entzündung erholen kann.

Anleitung zur strukturierten Befundung

Die Radiologen der München Klinik haben ein wegweisendes Dokument zur strukturierten Befundung von CT-Untersuchungen der Lunge bei Verdacht auf COVID herausgebracht. Es beschreibt die Rolle der CT-Untersuchung im Management von COVID-Verdachtsfällen.

Nicht alle Patienten mit Verdacht auf SARS-CoV-2 Infektion brauchen ein CT. Nur Patienten, die bestimmte klinische Kriterien erfüllen und seitens der Lunge schwer beeinträchtigt sind, werden im CT untersucht. „Strukturierte Befundung“ bedeutet, dass der CT-Befund in bestimmte Kategorien gefasst wird. Diese Kategorisierung ist eine wichtige Hilfe für die diagnostische Einordnung und das weitere Management der Patienten.

Das ist bahnbrechend, da es bedeutet, dass nun nicht jeder Verdachtsfall ins CT muss. Denn dann hieß es immer, alles desinfizieren und das CT war in dieser Zeit nicht nutzbar.

Maßnahme 3: Persönliche Trainings und Schulungsvideos

Wie lege ich die Schutzkleidung zur Behandlung von Covid-19-Patienten richtig an und wie funktioniert Pflege von schwerstkranken Patienten auf der Intensivstation? Zur Verstärkung der Intensivstationen wechseln viele Pflegekräfte aktuell von den Normalstationen. Die Schulungsvideos dienen nicht nur dazu, Wissen aufzufrischen, sondern erklären auch die wichtigsten Schritte in der Versorgung von Covid-19-Patienten. Natürlich kommen auch persönliche Trainings zum Einsatz, um alle bestmöglich vorzubereiten.

Die Videos liegen bei uns auf einer Online-Plattform. Es hat nicht nur jeder von uns darauf Zugriff, auch andere Fachkliniken können darauf zugreifen und unsere Videos für Schulungen ihrer Mitarbeiter nutzen. In der aktuellen Pandemie ist Zeit essenziell und so tragen wir einen Teil dazu bei, andere Kliniken mit bereits erarbeitetem Wissen zu entlasten und dem Gesundheitssystem eine „Doppelarbeit“ zu ersparen.

In der täglichen Arbeit merkt man schnell, wo noch Bedarf an Videotutorials ist. Das merkt man vor allem daran, wenn man ständig erklären muss, wie was funktioniert oder warum man manches nun anders machen muss als gewohnt. Den Bedarf meldet man dann dem Pandemiestab. Er stimmt es ab und gibt es an die Akademie weiter, die uns hier super unterstützt. Und schneller als man denkt steht das Video zur Schulung zur Verfügung.

Bisher wurde eine Vielzahl Video-Tutorials mit detaillierten Erklärungen erstellt.

Maßnahme 4: Offene Online-Plattform für andere Kliniken

Heute haben wir als München Klinik in Deutschland die längste Praxiserfahrung in der Behandlung von Covid-19-Patienten und stellen unser gewonnenes Wissen zu klinischen Standards und wissenschaftlichen Erkenntnissen auch anderen Kliniken zur Verfügung.

Neben der internen Wissensplattform wurde eine zweite Online-Plattform eingerichtet, die nicht nur den eigenen Mitarbeitenden an allen Standorten zugänglich ist, sondern auf die auch andere behandelnde Kliniken über Internetzugang haben können. Diese Internetseite stellen wir auf Anfrage auch anderen Kliniken als COVID-19 Share Seite zu Verfügung.

 

Fachleute können durch unsere Online-Plattform von unserem Wissen profitieren.

Fachleute können auf der Online-Plattform alle Dokumente abrufen.