Stoma, künstlicher Darmausgang

Um Erkrankungen des Darms heilen oder lindern zu können, ist in manchen Fällen ein künstlicher Darmausgang notwendig. Dieser wird entweder vorübergehend angelegt, damit beispielsweise eine Darmnaht gut verheilen kann, oder aber dauerhaft. Der künstliche Darmausgang wird nach dem griechischen Wort für „Mund, Öffnung“ auch Stoma genannt.

Bei welchen Erkrankungen wird ein Stoma gelegt?

Prinzipiell versuchen die Chirurgen Behandlungsmethoden anzuwenden, bei denen eine Stoma-Anlage nicht erforderlich ist. Bei folgenden Erkrankungen ziehen unsere Mediziner einen künstlichen Darmausgang in Erwägung:

  • bei Mastdarmkrebs
  • bei Morbus Crohn
  • bei Colitis ulcerosa

Der künstliche Darmausgang ist wesentlich häufiger erforderlich, wenn wir notfallmäßig operieren müssen. Dann ist dies oft eine lebensrettende Maßnahme. Die gute Nachricht: Das notfallmäßig angelegte Stoma kann fast immer zurückverlegt werden.

Warum muss ein künstlicher Darmausgang gelegt werden?

Bei Darmkrebs oder stark ausgeprägten entzündlichen Darmerkrankungen wie z.B. Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ist angezeigt, Abschnitte des Darms zu entfernen. Die verbleibenden Enden des Darms nähen die Chirurgen dann wieder zusammen. Um diese Nähte möglich ungestört heilen zu lassen, ist es unter Umständen sinnvoll, einen künstlichen Darmausgang anzulegen, damit das Risiko späterer Undichtigkeit der Nähte sinkt. Denn dadurch wird verhindert, dass Stuhlgang (mit Milliarden von Bakterien) an der kritischen Stelle vorbeifließt.

Der künstliche Darmausgang wird später zurückverlegt, so dass die natürlichen Verdauungsvorgänge wieder funktionieren. Selbst bei Rektumkarzinomen können unsere Viszeralchirurgen meist schließmuskelerhaltend operieren, so dass oft nur ein vorübergehendes Stoma angelegt werden muss.

In sehr seltenen Fällen können auch Analfisteln ohne Morbus Crohn einen künstlichen Darmausgang bedingen. Diese unnatürlichen Gewebegänge, die oftmals mit eitrigen Abszessen in der Analregion einhergehen, können wir meist ohne Folgen für den Schließmuskel beseitigen. Doch in manchen Fällen ist eine nachhaltige Heilung nur möglich, wenn ein Stoma den Stuhlgang auf anderem Wege aus dem Körper leitet.

In manchen Fällen, vor allem wenn der Tumor im Mastdarm sich tief in den After und den Schließmuskel ausgebreitet hat, und diese daher ebenfalls entfernt werden müssen, ist ein dauerhafter künstlicher Darmausgang unumgänglich. Dies gilt auch bei Morbus Crohn, wenn Analfisteln den Schließmuskel zerstören.

Keine Angst vor einem Stoma!

„Bei der Operationsvorbereitung sind zwei Dinge ganz zentral: Informative Gespräche, die die Fragen der Patienten ernst nehmen und die Erkrankung und deren Behandlung erklären, und die Stomamarkierung“, betont Prof. Dr. Igors Iesalnieks, der Leitende Oberarzt der Klinik für Viszeralchirurgie in der München Klinik Bogenhausen. Er berichtet, dass viele Patienten befürchten, mit dem Stoma unangenehm aufzufallen und nicht mehr am sozialen Leben teilnehmen zu können. „Tatsächlich sind die Patienten wesentlich freier als ihnen vorschwebt“, stellt Prof. Iesalnieks klar.

„Die vielen Vorbehalte versperren den Patienten oftmals sogar den Blick auf die Vorteile, die die Operation ihnen bringt. Die Verbesserungen, die sie erreichen, wenn sie ihre Krankheit loswerden, sind ungleich höher als die Einschränkungen, die ein Stoma mit sich bringt.“

Mit Stoma haben Sie so gut wie keine Einschränkungen

  • höhere Lebensqualität
  • keine Gerüche
  • Fast jede Sportart oder Freizeitaktivität möglich (auch Schwimmen oder Sauna), aber keine Sportarten, bei denen Bauchmuskeln beansprucht werden wie z.B. Gewichtheben oder Kampfsport.
  • keine Einschränkung bei der Sexualität
  • keine spezielle Stoma-Diät. Nach Kostaufbau können Sie alles essen, sollten aber faserhaltige Nahrungsmittel wie Spargel reduzieren

Vorbereitung auf die Stoma-OP

Eine wichtige Rolle bei der Behandlung der Patienten mit Stoma spielen unsere Stomatherapeuten. Diese spezialisierten Pflegekräfte sind von Anfang an einbezogen. Bereits vor der Operation zeigen sie den Patienten die zur Verfügung stehenden Materialien und geben die ersten Tipps für die Zeit danach. Im ruhigen Austausch mit dem Patienten markieren sie vor der Operation die optimale Stelle für die künstliche Öffnung. Stomamarkierung bedeutet, dass sie die Stelle festlegen, wo der künstliche Darmausgang aus dem Körper austritt.

Die Stomatherapeuten beachten eine Vielzahl von Regeln, beispielsweise, dass die Stelle nicht in einer Hautfalte liegen darf. Der Beutel soll später sowohl im Stehen als auch im Sitzen und bei der Beugung in einer vorteilhaften Position verbleiben. Wichtig ist dabei, dass der Patient gut dorthin sehen kann und sich nicht schwer tut, diese Stelle selbstständig zu versorgen. Zudem achten sie darauf, dass er die Kleiderwahl möglichst wenig einschränkt, schauen also beispielsweise, dass ein Hosenbund oder Gürtel die Beutel nicht einschnüren würde.

Nachdem die Stomatherapeuten sich für die optimale Stelle für den künstlichen Darmausgang entschieden haben, kennzeichnen sie diese am Tag vor der OP mit einem wasserfesten Stift.

Nach der Operation begleiten die Stomatherapeuten die Patienten so lange, bis diese sich sicher fühlen, wie sie die Beutel anlegen und wechseln und die zusätzlich geschaffene Körperöffnung pflegen.

Was sind Stomatherapeuten?

Stomatherapeuten sind ganz besondere Pflegekräfte: Sie sind hoch spezialisiert auf die Stomapflege durch eine umfangreiche Fachweiterbildung zur Stomatherapie. Zudem haben sie meist auch überdurchschnittliches Wissen in Ernährungsfragen und Wundversorgung. Sie sind trainiert, auch schwierige Stomata zu versorgen und wissen, wann der Arzt hinzuzuziehen ist, um bei Bedarf das Stoma zu korrigieren.

Stomatherapeuten arbeiten viel mit Patienten, haben Zeit für Gespräche, kennen die familiäre Situation und sind noch nach der Entlassung ansprechbar. Dies alles macht sie zu ganz besonderen Bezugspersonen für Patienten – oft über viele Jahre.

Die Stoma-Operation

Die Anlage eines künstlichen Darmausgangs erfolgt in der Regel, nachdem die stark entzündeten oder von einem Tumor befallenen Regionen des Darms entfernt wurden.

An der zuvor gekennzeichneten Stelle legen unsere Viszeralchirurgen eine zwei bis drei Zentimeter lange Öffnung der Bauchdecke an. In diese Öffnung wird dann ein Darmende, das zuvor freigelegt wurde, eingenäht.

Die unterschiedlichen Darmausgänge

Betrifft die Operation einen Abschnitt des Dickdarms (Kolon) sprechen die Mediziner von einem Colostoma, das sie normalerweise an der linken Bauchseite anlegen. Als „Schutzausgang“ zum Schutz gefährdeter Darmnähte ist der Dünndarm (Ileum) besser geeignet. Dieser mit dem Begriff Ileostoma betitelte künstliche Darmausgang liegt meist auf der rechten Bauchseite. Ein Ileostoma ist auch dann angesagt, wenn der komplette Dickdarm bei Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn entfernt werden musste.

Colostoma

Ileostoma

Stoma: endläufig oder doppelläufig?

Sowohl bei Colostoma als auch beim Ileostoma können die Chirurgen die künstlichen Darmausgänge in zwei Formen erstellen: als endständiges oder als doppelläufiges Stoma.

Beim endständigen Stoma wird der Darm komplett durchtrennt und der untere (der abgehende) Abschnitt verschlossen. Das obere (zuführende) Darmende fixieren die Chirurgen dann in der zuvor geschaffenen Öffnung in der Bauchdecke.

Beim doppelläufigen Stoma hingegen ziehen die Chirurgen eine Darmschlinge vor die Bauchdecke und schneiden die Schlinge ein, durchtrennen sie jedoch nicht vollständig. Die dadurch entstehenden Öffnungen nähen sie an der Bauchdecke fest.

„Ob wir die endständige oder doppelläufige Form wählen, hängt von sehr vielen Faktoren ab, die mit komplexen medizinischen Fragestellungen zusammenhängen“, schildert Prof. Iesalnieks. Da sich ein doppelläufiges Stoma besser zurückverlagern lasse, bevorzuge man diese Form häufig, wenn das Stoma nur dem vorübergehenden Schutz dienen solle. Ein endständiges Stoma, so der anerkannte Experte, sei aber langfristig oft von besserer Qualität und seltener undicht.

Fixierung des Stomas

Damit das Stoma gut fixiert ist und sich nicht in den Bauchraum zurückzieht, dürfen die Chirurgen nicht zu eilig operieren. Es ist wichtig, dass der fürs Stoma vorbereitete Abschnitt so vorpräpariert wird, dass er locker durch die Öffnung in der Bauchdecke gleitet und nicht zurück rutscht.

Falls das Stoma länger oder dauerhaft bleiben soll, verstärken wir die Austrittstelle in vielen Fällen mit einem Netz, das hinter der Bauchmuskulatur eingebracht wird. So wird einem Bauchdeckenbruch am Stoma vorgebeugt, der sonst sehr oft auftritt.

Renommierte Expertise bei künstlichem Darmausgang

Die Stoma-Anlage und -Therapie ist ein bewusst gewählter Schwerpunkt in unserer Klinik. Die Ärzte besitzen viel Erfahrung, die sich der renommierte Wissenschaftsverlag Springer zunutze macht und Prof. Iesalnieks beauftragt hat, ein Buch über Stomata zu schreiben. Dies wird das erste deutschsprachige Buch über dieses Thema sein.

Aufgrund des weitgefächerten Wissens und der Erfahrung lassen sich die möglichen Komplikationen bei der Stoma-Anlage auf ein Minimum begrenzen. Ein Stoma, das an der optimalen Stelle liegt und bei dem die Operation gemäß den neuesten Regeln erfolgte, ist weniger störanfällig. Zudem sorgen unsere Stomatherapeuten durch ihre umsichtige Nachsorge dafür, dass die möglichen Probleme möglichst erst gar nicht auftreten.

Nach der Stoma-Operation

Den Umgang mit dem Beutel lernen

Das wenige Zentimeter aus der Haut herausragende Stoma besteht aus Schleimhaut und hat daher eine rötliche Farbe – so wie die Schleimhaut des Mundes. Das Gewebe ist in den ersten Wochen meist noch geschwollen, ist aber weder schmerzempfindlich, noch kann es in irgendeiner Form gesteuert werden. Daher muss ein davor angebrachter Beutel den heraussickernden Stuhlgang auffangen. Dieser Beutel wird mittels unterschiedlicher Systeme, die allesamt jegliche Gerüche herausfiltern, an der Bauchdecke angebracht.

In den ersten Tagen nach der Operation stehen Ihnen als Patienten unsere Stomatherapeuten mit Rat und Tat zur Seite: Sie erklären, wie Sie die Beutel leeren, anlegen und wechseln können. Meist nimmt das Stoma innerhalb weniger Tage nach der Operation seine Funktion auf, so dass die Patienten bereits in der Klinik vielfältige Erfahrungen sammeln und das passende Versorgungssystem auswählen können. Zudem erhalten sie Informationen, wie sie die Stomabeutel und das benötigte Zubehör bestellen und von der Krankenkasse finanzieren lassen können.

Darmentleerung mittels Spülung

Falls die Patienten ein Colostoma, also ein Stoma im Dickdarmbereich, erhalten haben, können sie unter Umständen auch ohne Beutel auskommen. Falls der überwiegende Teil des Dickdarms erhalten werden konnte, kann man das Stoma mit einer Klappe verschließen und die Patienten können den Darm willentlich zu festen Zeiten entleeren.

Dazu spülen sie den Darm mit körperwarmem Leitungswasser und regen damit Darmbewegungen an, so dass der Darm sich komplett entleert.

Diese Methode, Irrigation genannt, hat den Vorteil, dass sich damit Darmentleerungen für 24 bis 48 Stunden ausschalten lassen. Falls sie bei Ihnen in Frage kommt, üben unsere Stomatherapeuten den Ablauf mit Ihnen.

Begleitung auch nach der Entlassung

Auch nach der Entlassung begleiten wir unsere Patienten. Sie erhalten Termine, bei denen Stomatherapeuten die Haut rund um das Stoma betrachten und Pflegetipps weitergeben, die sich bei vielen Patienten im Alltag bewährt haben. Zudem beraten wir die Patienten bezüglich ihrer Ernährung. Die Patienten interessieren sich vor allem für die Tipps, wie sich die Gas- und Geruchsbildung sowie Durchfall vermeiden lassen.

Zum Teil ist es auch möglich, dass unsere Stomatherapeuten die Patienten zu Hause aufsuchen und weiterhin unterstützen. „Die Stomatherapeuten haben eine große Bedeutung als Vertrauenspersonen für die Patienten“, unterstreicht der Leitende Oberarzt Prof. Iesalnieks.

Unsere Spezialistinnen & Spezialisten für Stoma, künstlicher Darmausgang

Prof. Dr. med. Ayman
Chefarzt, Stv. Leitung der Darmkrebs- & Pankreaskarzinomzentren
Prof. Dr. med. Ayman Agha
Prof. Dr. med. Natascha C.
Chefärztin (Allgemein-, Viszeralchirurgie und endokrine Chirurgie)
Prof. Dr. med. Natascha C. Nüssler

Darm- und Bauchwanderkrankungen im Überblick