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Meldung
17.09.2026

Trinken bis zur OP? Ja bitte!

Sip til Send: Neues Nüchternheitskonzept in Harlaching und Neuperlach

Wer operiert wird, muss vorher nüchtern bleiben, so der Standard. Nicht bei uns. Wir stellen unsere Nüchternheitsregeln vor der OP an den Standorten Harlaching und Neuperlach um. 

Chefarzt PD Dr. Thomas Felbinger und Oberärztin Dr. Dorothee Stähler haben das neue Konzept „Sip til Send" (sinngemäß: „Trinken bis zum Abholruf") eingeführt. Es erlaubt geeigneten Patientinnen und Patienten klare Flüssigkeiten wie Wasser, Tee oder Kaffee ohne Milch bis direkt zum Abruf zur OP zu trinken. Ein Ampelsystem aus roten, gelben und grünen Nüchternheitskarten gibt den Patientinnen und Patienten Klarheit.

 

„Das neue Nüchternheitsprotokoll vor OPs bricht mit dem historischen 2-Stunden-Dogma für klare Flüssigkeiten – ein Meilenstein für einen evidenzbasierten, zukunftsorientierten Ablauf vor der Operation.“
PD Dr. Thomas Felbinger, Chefarzt der Anästhesiologie Harlaching und Neuperlach

 

„Sip til Send“ ersetzt starres 2-Stunden-Dogma

Essen bis 6 Stunden, Trinken klarer Flüssigkeiten bis 2 Stunden vor der Narkose - das ist die übliche Regel in vielen Kliniken vor einer OP mit Narkose, um zu verhindern, dass Mageninhalt in die Lunge gerät (Aspiration). „Wir wissen, dass der Patient nicht 2, sondern im Mittel 10 bis 12 Stunden nüchtern bleibt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Unsicherheit, aber auch ein OP-Plan, der sich aufgrund von Notfällen verschieben kann“, erklärt Oberärztin Dr. Dorothee Stähler.

Die Folgen können gravierend sein: Austrocknung, Kreislaufprobleme – und wer länger als sechs Stunden nichts trinkt, hat ein zehnfach erhöhtes Risiko für einen postoperativen Verwirrtheitszustand (Delir). Hinzu kommt ein wenig bekannter medizinischer Zusammenhang: Wer 10 Stunden nichts isst und trinkt, hat einen übersäuerten Magen. Klare Flüssigkeiten führen zu einer Magenentleerung und können der gefürchteten Aspiration sogar vorbeugen.

 

Sip til Send auf einen Blick

✓ Neue Nüchternheitsregel: Klare Flüssigkeit erlaubt bis zum Abruf in den OP-Saal

✓ Klare Ampelsystem: Ob getrunken werden darf, zeigen rote, gelbe und grüne Nüchternheitskarten am Patientenbett

✓ Gesundheitliche Vorteile: Reduktion von Dehydratation und Aspirationsrisiko

Einführung von „Sip til Send“ als Standard

Das Konzept „Sip til Send“ wurde aus der Kinderanästhesie übertragen, wo verkürzte Nüchternheitsgrenzen bereits erprobt sind.

Seit April 2026 hat die Anästhesiologie unter Leitung von Chefarzt PD Dr. Thomas Felbinger und Oberärztin Dr. Dorothee Stähler das Konzept auf zwei Pilotstationen in der München Klinik Harlaching eingeführt. Schrittweise wird es auf alle Harlachinger Stationen ausgerollt und ist auch bereits auf die ersten Stationen in Neuperlach übertragen worden.

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