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Frauengesundheit, Frauenheilkunde

Lipödem

Ein Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung

Ein Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung, die vor allem bei Frauen auftritt. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung, bei der sich Unterhautfettgewebe unkontrolliert vermehrt. Die Fetteinlagerungen treten vor allem an den Beinen (Ober-, Unterschenkel und Knie) und den Hüften auf, die Arme sind seltener betroffen.  Die Fetteinlagerungen sind fast immer symmetrisch verteilt. Charakteristisch ist auch das Missverhältnis zwischen deutlich schlankerem Oberkörper und dem voluminöseren Unterkörper.

Zahlen, Daten, Fakten

10Prozent

Circa 10 % der Frauen leiden an einem Lipödem.

10Jahre

Bis die richtige Diagnose gestellt wird, vergehen meist 10 Jahre

20 - 30Jahre

Das Lipödem tritt meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf.

Welche Formen eines Lipödems gibt es?

Reiterhosen, Säulenbeine oder Suavenbeine

Was umgangssprachlich als Reiterhosen bezeichnet wird, ist tatsächlich ein typisches Erscheinungsbild einer Patientin, die an einem Lipödem leidet. Dabei lagert sich Unterhautfettgewebe im Oberschenkel und dem Gesäß an. Bei Säulenbeinen betreffen die Fetteinlagerungen die gesamte Länge des Beines. Bei den Suavenhosen verteilt sich das Fettgewebe von den Hüften bis zu den Sprunggelenken. Oft sind aber auch nur die Unterschenkel betroffen.

Bilderklärung:

  • Typ I: Hüfte, Gesäß (Reiterhose)
  • Typ II: Hüfte, Oberschenkel bis Knie
  • Typ III: Hüfte, Beine bis zum Fußknöchel (Säulenbeine)
  • Typ IV: Beine und Arme
  • Typ V: nur Unterschenkel (Suavenhose)

Ein Lipödem kommt nicht nur an den Beinen vor

30Prozent

der Frauen mit einem Lipödem der unteren Extremität haben ebenfalls ein Lipödem an den Armen

Ein Lipödem kommt nur sehr selten ausschließlich an den oberen Extremitäten vor. Aber ca. 30 Prozent der Frauen, die ein Lipödem der unteren Extremitäten haben, haben auch eine Fettverteilungsstörung an den Armen. 

Wie entsteht ein Lipödem?

Übergewicht ist nicht der Grund für ein Lipödem
Das Lipödem betrifft praktisch nur Frauen. Eins vorweg: Das Körpergewicht hat keinen Einfluss auf die Entstehung eines Lipödems. Dünne Frauen können ebenfalls ein Lipödem entwickeln wie normalgewichtige oder Übergewichtige. Die Fettansammlungen sind nicht auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen.

Was aber genau die Ursache ist, dass sich Fettzellen vermehrt in Körpergewebe einlagern ist noch nicht geklärt. Eine genetische Veranlagung spielt ebenso eine Rolle wie hormonelle Umstellungen in Schwangerschaft oder Pubertät. Aber auch hormonelle Verhütungsmittel können die Ursache sein. Daher liegt das Erkrankungsalter meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. 

Mögliche Ursachen die eine Entstehung begünstigen

  • genetische Veranlagung
  • hormonelle Umstellungen in Schwangerschaft oder Pubertät
  • hormonelle Verhütungsmittel

Wie erkenne ich ein Lipödem?

Charakteristisch für ein Lipödem ist die sichtbare und seitengleiche Fettvermehrung an den Beinen, seltener auch den Armen. Es können Beschwerden wie Spannungs- und Druckgefühl sowie Berührungsempfindlichkeit auftreten. Geschwollene Beine und das häufige Auftreten von blauen Flecken sind ebenfalls typisch. Aufgrund der Schmerzen leiden Betroffene unter einer starken Bewegungseinschränkung. Als Langzeitfolge kann es durch die vermehrte Fetteinlagerung zu einem veränderten Gangbild, Fehlstellungen und Gelenkverschleiß führen.

Durch die ausgeprägten Fetteinlagerungen an den Innenseiten der Oberschenkel kommt es häufig zu einem Wundscheuern.

Achtung Lipo-Lymphödem
Bei einem fortgeschrittenen Lipödem kann es zu Wassereinlagerungen zwischen den Fettzellen in den Beinen kommen, da die Lymphflüssigkeit nicht mehr abfließen kann. Durch den Stau der Lymphflüssigkeit entsteht so ein sekundäres Lymphödem, in dem Fall ein Lipo-Lymphödem. Diese Ödeme drücken auf das Gewebe und verursachen Schmerzen. Bereits kleine Berührungen können dann sehr schmerzhaft sein.

Welche Stadien des Lipödems gibt es?

Man unterscheidet drei Stadien des Lipödems

  • Stadium 1: Gleichmäßige Verteilung des Fettgewebes, meist glatte Haut, die betroffenen Bereiche f+ühlen sich meist noch weich an und es bestehen häufig keine Schmerzen.
  • Stadium 2: Die Haut wird zunehmend uneben, es bilden sich Beulen und Knoten. Die betroffenen Stellen können Schmerzen, damit einhergehend kommt es zu Einschränkungen der Mobilität
  • Stadium 3: Das Fettgewebe hat stark zugenommen, es bilden sich regelrechte Fettwülste.Es bilden sich große schmerzende Knoten und Beulen

Wie wird ein Lipödem festgestellt?

Oft haben Patientinnen eine jahrelange Odyssee und Stigmatisierung hinter sich, bis ein Arzt die Diagnose Lipödem feststellt. Dabei gilt auch hier der Grundsatz: Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Behandlungschancen. Die Erkrankung kann nicht geheilt werden, sie kann aber erfolgreich am Fortschreiten gehindert werden, wenn konsequent behandelt wird. Leider wird häufig ein Lipödem aber als Adipositas fehlgedeutet.

Daher sollte die Untersuchung bei einem Phlebologen, einem Venenfacharzt, oder einem Lymphologen - einem Facharzt für Erkrankungen des Lymphsystems - erfolgen. Häufig rät der Facharzt auch zuerst zu einer Diät um herauszufinden, an welchen Stellen die Patientin abnimmt. Nimmt die Patientin z.B. nur am Oberkörper ab, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Lipödem vorliegt.

Der Facharzt checkt bei der Anamnese folgende Fragen:

  • Wie ist der Körper proportioniert?
  • Ist das Fettgewebe symmetrisch verteilt?
  • Bleibt bei Druckausübung eine Delle zurück oder nicht?
  • Lassen sich beim Abtasten kleine Kügelchen unter der Haut fühlen?
  • Gab es in der Familie bekannte Fälle?

Wie kann ein Lipödem behandelt werden?

Ein Lipödem kann nicht geheilt werden. Ziel der Therapie ist, die Symptome zu lindern und die weitere Zunahme der Fetteinlagerungen zu verhindern. Zur Behandlung des Lipödems gibt es zwei Optionen: konservativ oder operativ

Option1: die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE)

Eine Möglichkeit der Behandlung ist die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE). Die Therapie umfasst verschiedene Maßnahmen und wird von speziell ausgebildeten Physiotherapeuten durchgeführt:

  • manuelle Lymphdrainage
  • Kompressionstherapie (Kompressionskleidung oder -strümpfe)
  • Bewegungstherapie
  • Hautpflege
Zielder KPE

Ziel ist, die Schwellungen zu reduzieren, den Lymphfluss zu verbessern und verhärtetes Gewebe zu lockern.

Achtung: Unterschiedliche Behandlung bei Lymphödem, Lipödem und Lipo-Lymphödem
Die richtige Diagnose, welche Art von Ödem vorliegt, ist essentiell für den Physiotherapeuten. Jedes Ödem hat eine eigene Behandlungstechnik. Wird eine falsche Lymphtechnik angewandt, kann die Behandlung das Gegenteil bewirken.

Option 2: Fettabsaugung (Liposuktion)

Eine alternative zur konservativen Behandlung ist die gezielte Fettabsaugung. Ab einem Stadium 2 kann die sogenannte Liposuktion in Betracht gezogen werden. Wichtig: In diesem Fall ist die Fettabsaugung kein ästhetischer Eingriff sondern medizinisch notwendig, um die Symptome zu lindern. Die Fettabsaugung ist die einzige Möglichkeit. das krankhaft vermehrte Fettgewebe zu reduzieren. Verschiedene Technicken wie Ultraschall, Wasserstrahl oder Vibrationen können eingesetzt werden, um die Fettzellen vom umliegenden Gewebe zu lösen und dann abzusaugen.

Die OP sollte nur in einer spezialisierten Klinik durchgeführt werden. Eine deutliche Besserung der Symptome bis hin zur Beschwerdefreieheit ist möglich. Patientinnen berichten vor allem auch von einer deutlichen Steigerung ihrer Lebensqualität und einem deutlich höheren Selbstwertgefühl. Zudem belegen verschiedene wissenschaftliche Studien die Wirksamkeit der Behandlung.

Die OP an sich ist relativ risikoarm. Als Komplikationen können Wundinfektionen und Nachblutungen auftreten. In seltenen Fällen kommt es zu einem Wiederauftreten des Lipödems.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Fettabsaugung?

Die Liposuktion bei Lipödem ist nun für alle Stadien eine Regelleistung der Krankenkasse

Die Liposuktion bei Lipödem ist künftig unabhängig vom Stadium der chronischen Erkrankung eine Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Sie gilt künftig für Beine und Arme. Die Leistung, die sowohl ambulant als auch stationär erfolgen kann, ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft.

Voraussetzungen für eine Kostenübernahme

  • keine Gewichtszunahme in den sechs Monaten vor der Indikationsstellung zur Liposuktion
  • Bei BMI-Werten zwischen 32 nd 35 ist die Behandlung zudem nur bei einer sogenannten „Waist-to-Height-Ratio“ – also dem Taille-zu-Größe-Verhältnis – unterhalb altersentsprechender Grenzwerte möglich. Bei BMI-Werten größer als 35 muss zunächst eine Behandlung der Adipositas erfolgen. (Eine Liposuktion ist dann nicht mehr als GKV-Leistung eingeschlossen)
  • Für eine GKV-Leistung braucht es eine fachärztliche Diagnose im sogenannten Vier-Augen-Prinzip. Die Diagnose kann durch Fachärzte für Innere Medizin und Angiologie, für Physikalische und Rehabilitative Medizin oder für Haut- und Geschlechtskrankheiten oder mit Zusatz-Weiterbildung Phlebologie gestellt werden.
  • Eine Indikationsstellung und die Liposuktion selbst sind durch Fachärzte für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, andere Fachärzte des Gebiets Chirurgie sowie Fachärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten möglich.

Unsere Spezialistinnen & Spezialisten: An Ihrer Seite bei Lipödem

Prof. Dr. med. habil. P. Niclas
Chefarzt
Prof. Dr. med. habil. P. Niclas Broer, FACS, FEBOPRAS, ABPLS, MHBA
München Klinik Bogenhausen München Klinik Harlaching

Termine: Der schnelle Kontakt zur Klinik für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Therapie

Telefonische Kontaktaufnahme

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