Divertikulitis-OP. Operation bei Divertikeln

In der Regel führen unsere Chirurgen die Operationen bei Divertikulitis minimal-invasiv, also mittels der Schlüsselloch-Methode, durch. Dadurch sind nur kleine Hautschnitte erforderlich und die Patienten können sich schneller wieder erholen. 

Wann Operationen bei der Divertikel-Krankheit erfolgen

Patienten, die unter den Symptomen einer Divertikel-Krankheit leiden, kommen teils über unsere Notaufnahmen, teils zu den speziellen Sprechstunden in unsere Klinik. 

Operationen aufgrund einer Divertikulitis erfolgen heutzutage überwiegend dann, wenn diese Entzündung einen komplizierten Verlauf zeigt. Große Abszesse, ein Durchbruch des entzündeten Divertikels oder Engstellen im Darm können Gründe für eine Operation bei Divertikeln sein.

Bei einem chronischen Verlauf der Divertikel-Krankheit, der die Lebensqualität stark beeinträchtigt, wird die Operationsentscheidung sorgfältig abgewogen.

Sofort - im Notfall - operiert wird nur, wenn – in sehr seltenen Fällen – entzündete Divertikel durchbrechen und demzufolge keimhaltiger Darminhalt in die Bauchhöhle gelangt: dann gilt es, eine gefährliche Bauchfellentzündung oder Blutvergiftung (Sepsis) zu verhindern oder zu behandeln.  

Wann empfiehlt die Wissenschaft eine OP der Divertikel?

Die medizinischen Leitlinien für die Divertikel-Krankheit legen Operationen dann nahe, wenn es sich um eine akute komplizierte Divertikulitis handelt.

Bei unseren Empfehlungen orientieren wir uns stets an den aktuellen medizinischen Leitlinien, die anerkannte Experten des Fachs auf der Basis sämtlicher weltweiter wissenschaftlicher Erkenntnisse erstellen und fortlaufend aktualisieren.

Wir besprechen in Ruhe mit unseren Patienten, aus welchen Gründen wir Operationen bei der Divertikel-Erkrankung in Erwägung ziehen.

Herausgeber der Leitlinien sind die federführenden Fachgesellschaften:

  • Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
  • Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie e.V. (DGAV)

Informationen zu medizinischen Leitlinie

Was eine Divertikulitis kompliziert macht

Als kompliziert gilt vor allem, wenn die Divertikel durchbrechen.

Bei den Divertikeln handelt es sich um Ausstülpungen der Darmschleimhaut, die durch die Muskelschicht des Darms in den Bauchraum hervorgetreten sind. Demzufolge ist die Haut der Divertikel nur dünn und gerät durch die Entzündung unter Druck. In einigen Fällen treten offene Durchbrüche auf, in anderen Fällen jedoch deckeln beispielsweise andere Darmschlingen die offene Stelle und es entsteht ein Abszess. 

In welchen Fällen der Leidensdruck ausschlaggebend ist

Treten wiederholt Divertikel-Entzündungen auf, die zu starken Schmerzen und Verdauungsproblemen führen, ist unter Umständen eine Operation anzuraten, auch wenn die Divertikulitis keinen komplizierten Verlauf nimmt. „Diese Entscheidung treffen wir individuell mit jedem einzelnen Patienten“, berichtet Dr. Philipp Steiner, der Leitende Oberarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der München Klinik Harlaching. „Wenn die Lebensqualität, vor allem durch häufige starke Bauchschmerzen, stark beeinträchtigt ist, kann eine Operation diese nachhaltig verbessern.“ Bei einer chronisch wiederauftretenden (rezidivierenden) oder gar anhaltenden Divertikulitis sei der Leidensdruck – in Abwägung gegen eventuelle Operationsrisiken aufgrund von Nebenerkrankungen – das ausschlaggebende Kriterium.

Warum auch Engstellen eine Operation bedingen können

In seltenen Fällen bilden sich auch Fisteln, unnatürliche Gangsysteme, die zu anderen Darmabschnitten oder auch in Blase oder Scheide führen.

Neben Durchbrüchen, Abszessen und Fisteln können auch Engstellen im Darm, die durch Entzündungen und Vernarbungen am Divertikelhals, also der Austrittstelle in der Darmwand, entstehen, eine Operation erfordern.

Engstellen im Darm könnten unter Umständen zu einem vollständigen Darmverschluss führen, der eine gefährliche Komplikation darstellt. 

Steigt das Komplikationsrisiko mit der Anzahl der Entzündungsschübe?

Anders als noch vor einigen Jahren empfehlen die Leitlinien heutzutage jedoch nicht mehr grundsätzlich eine Operation, wenn mehrere Entzündungsschübe der Divertikulitis aufgetreten sind. „Früher galt die Meinung, dass nach jedem akuten Schub das Risiko für Komplikationen steigt“, erklärt Oberarzt Dr. Philipp Steiner. Doch wisse man heute, dass im Gegenteil mit jedem Schub das Risiko eines Durchbruchs sinke. Daher habe das Patientengespräch einen noch höheren Stellenwert erhalten, wenn bei chronischen Divertikel-Erkrankungen eine Operationsentscheidung ansteht. 

Wie wir Patient*innen auf die Divertikel-Operation vorbereiten

Warum wir so viel Wert darauf legen, den Darm sorgfältig zu reinigen

Um vor der Operation andere Ursachen für die Symptome und vor allem auch bösartige Erkrankungen auszuschließen, benötigen wir einen relativ aktuellen Befund einer Darmspiegelung.

Zudem müssen die Patienten eine klassische Operationsvorbereitung (Blutwerte und EKG) bei ihrem Hausarzt oder Internisten durchführen.

Am Tag vor der Operation müssen die Patienten ihren Darm vollständig entleeren und spülen – dafür erhalten sie von uns genaue Anweisungen. Zudem geben wir ihnen ein Antibiotikum.

Das Ziel ist, den Darm zu dekontaminieren, also möglichst keimfrei zu machen. Damit senken wir die Operationsrisiken und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die Darmnähte später gut heilen.

Vollnarkose auch bei minimal-invasiven Eingriffen?
Wir klären unsere Patienten in Ruhe auf über den bevorstehenden Eingriff – und auch über die Narkose. Divertikel-Operationen erfolgen nahezu ausnahmslos unter Vollnarkose.

Zwar operieren wir in der Regel minimal-invasiv, benötigen also nur kleine Hautschnitte. Doch müssen wir, um eine gute Sicht im Bauchraum zu erhalten, Kohlendioxid-Gas in den Bauchraum einströmen lassen, und dieser aufgeblähte Bauch würde ohne Vollnarkose zu Schmerzen und Verspannungen führen. 

So läuft die Divertikulitis-Operation im Detail ab

Außer bei Komplikationen der Divertikulitis, die eine Notfall-Operation erfordern, wählen wir für den Eingriff stets einen entzündungsfreien Zeitraum. Daher liegt der Operationstermin – je nach Ausprägung der Erkrankung – im Abstand von einer bis sechs Wochen zu der Antibiotika-Therapie.

Schonende Operation mit kleinen Schnitten (Narben)

Divertikel-Operationen führen wir in der Regel im Rahmen einer Laparoskopie, einer minimal-invasiven Bauchspiegelung durch: Durch kleine Hautschnitte führen wir das Laparoskop, das vorne eine Lichtquelle und einen Kamerachip trägt, sowie die Operationswerkzeuge in den Bauchraum ein. Wir lassen Kohlendioxid einströmen, um uns Sicht im Bauchraum zu verschaffen.

Unter hochaufgelöster Videokontrolle präparieren wir dann nicht nur das betroffene Segment, sondern auch die darüber liegenden Abschnitte des Enddarms frei, damit wir die verbleibenden Darmenden später spannungsfrei zusammenführen können.

Welcher Darmabschnitt ist am häufigsten betroffen?

In den meisten Fällen liegen die Divertikel, bei denen Entzündungen aufgetreten sind, im letzten Abschnitt des Dickdarms vor dem Mastdarm, dem Sigma oder Krummdarm. In diesem Abschnitt ist der Druck des Stuhls auf den Darm am höchsten, daher stülpen sich dort die meisten Divertikel aus. Bei diesen sogenannten Sigma-Divertikeln wird stets dieser gesamte Darmabschnitt zusammen mit einem kleinen Teil des Mastdarms, der sogenannten Hochdruckzone, entfernt. Verursachen Divertikel in anderen Darmsegmenten Probleme, entfernt man den Divertikel tragenden Abschnitt, teilweise auch in Form von Keilen.

Unsere erfahrenen Viszeralchirurgen trennen das von der Divertikulitis betroffene Darmsegment an beiden Seiten vom restlichen Darm und bergen es durch einen Schnitt im Unterbauch.

Welche Technik eine sichere Naht der Darmenden ermöglicht

Die verbleibenden Darmenden werden zwischenzeitig mit Titanklammern verschlossen, so dass kein Darminhalt in den Bauchraum strömen kann.

Mit Hilfe eines sogenannten Zirkularstaplers, der über den After eingeführt wird, verbinden die Chirurgen die beiden Darmenden miteinander. Dieses pistolenartige Spezialgerät ermöglicht durch eine ausgefeilte Methodik eine überlappende Klammernaht, die die Darmwände kreisförmig zusammenfügt und dicht verschließt.

Nur selten notwendig: vorübergehender künstlicher Darmausgang

In seltenen Fällen sind die Darmenden, die zu verbinden sind, stark entzündet oder sonstwie geschädigt. Dann kann es erforderlich sein, einen künstlichen Darmausgang, ein sogenanntes Schutz-Stoma, anzulegen, um die Naht im Darm vorübergehend zu entlasten.

In der Regel wird dieser künstliche Darmausgang wenige Wochen später wieder zurückverlagert.

Was nach einer Divertikel-Operation passiert

Nach einer Divertikel-Operation bleiben die Patienten in der Regel vier bis fünf Tage in unserer Klinik und erhalten in dieser Zeit auch eine Ernährungsberatung:

Unsere Diätassistentinnen geben ihnen Tipps, wie sie ihre Kost langsam wieder aufbauen und durch ballaststoffreiches Essen in Zukunft Probleme vermeiden können.

Im Rahmen von täglichen Visiten beobachten unsere Mediziner den Genesungsprozess sehr aufmerksam und sind offen für alle Fragen ihrer Patienten.

Nach der Entlassung müssen die Hautfäden entfernt werden – dies kann entweder in unserer Sprechstunde oder aber auch beim Hausarzt geschehen. Sollten unerwartet Probleme auftreten, stehen wir – auch über unsere jederzeit geöffneten Notaufnahmen – unseren Patienten gerne zur Seite.

Unsere Spezialistinnen & Spezialisten für Divertikel-Operationen

Prof. Dr. med. Ayman
Chefarzt, Stv. Leitung der Darmkrebs- & Pankreaskarzinomzentren
Prof. Dr. med. Ayman Agha
Prof. Dr. med. Natascha C.
Chefärztin (Allgemein-, Viszeralchirurgie und endokrine Chirurgie)
Prof. Dr. med. Natascha C. Nüssler
Dr. med. Marco
Ärztliche Leitung
Dr. med. Marco Rudolph
Dr. med. Reinhard
Chefarzt (Coloproktologie)
Dr. med. Reinhard Ruppert

Darm- und Bauchwand: Erkrankungen und Therapien im Überblick