Logout
Stammzelltransplantation

Blutstammzelltransplantation

Hämatopoetische Zelltransplantation - Knochenmarktransplantation, Stammzelltransplantation - im hämatoonkologischen Zentrum der München Klinik.

Die Transplantation von Stammzellen ist eine wichtige Säule der personalisierten Krebstherapie in der München Klinik. Wir behandeln Patientinnen und Patienten individuell nach klassischer oder dosisreduzierte Konditionierung mit Stammzellentransplantationen von HLA-identischen Familien- oder Fremdspendern. Gegebenenfalls werden auch Transplantationen von HLA-mismatch Fremdspendern oder haploidentischen Familienspendern durchgeführt.

Was ist eine Stammzellentransplantation?

Die Transplantation von Stammzellen ähnelt einer Bluttransfusion.

Heutzutage werden die Begriffe Knochenmarktransplantation (KMT) und Blutstammzelltransplantation (PBSZT) meist gleichbedeutend verwendet. In beiden Fällen geht es darum, einem Menschen mit einer schweren Erkrankung des Blutes oder Immunsystems ein neues gesundes Immunsystem zu geben.

Der Begriff „Transplantation“ lässt an eine Operation denken. Das Vorgehen ähnelt aber eher einer Bluttransfusion. Die gesunden Blutstammzellen werden mittels Infusion durch die Venen in den Körper eingebracht. Von dort wandern sie dann selbstständig ins Knochenmark und wachsen nach etwa zwei bis drei Wochen an. Die eigene Blutbildung setzt ein und ein neues Immunsystem entsteht.

Wann ist dies notwendig? Bei schweren Krebserkrankungen wie Leukämie oder Lymphom werden Chemotherapie, Bestrahlung, teilweise auch Antikörper, eingesetzt. Diese Verfahren bekämpfen die Krebszellen, schädigen aber auch die gesunden Blutstammzellen des Knochenmarks; so massiv, dass sie sich nicht mehr erholen können. Der Körper benötigt nach diesen Therapien neue Blutstammzellen. Diese stammen entweder aus dem Blut oder Knochenmark. Das erklärt die unterschiedliche Namensgebung. Je nach Krankheitsbild bevorzugt man die eine oder die andere Stammzellquelle.

Allogen und autolog: Welche Arten der Stammzelltransplantation gibt es?

Hämatopoetische Stammzelltransplantation‎ (HSZT)

Grundsätzlich unterscheidet man Stammzelltransplantionen nach Art des Spenders:

  • Autologe Transplantation: 
    Die Stammzellen werden aus dem eigenen Blut – oder in selteneren Fällen auch aus dem Knochenmark – der Patientin bzw. des Patient gewonnen. Nach einer intensiven Chemotherapie erhalten sie die eigenen, zuvor eingefrorenen Stammzellen zurück, um die Blutbildung rasch wieder in Gang zu bringen. Die autologen Stammzelltransplantationen werden u.a. bei Lymphom und Multiplem Myelom eingesetzt.
  • Allogene Transplantation:
    Die Stammzellen stammen von einer anderen Person. Das können Geschwister, Eltern oder Kinder sein – oder auch Fremdspender. Ziel ist es, dass das neue Immunsystem nicht nur gesundes Blut bildet, sondern auch gegen verbliebene Krebszellen vorgeht. Das macht die allogene Transplantation zu einer sehr effektiven Form der Immuntherapie. In der Erwachsenenmedizin ist die häufigste Indikation für eine allogene Stammzelltransplantation eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems wie akute Leukämien.

Ob eine allogene oder autologe Stammzelltransplantation die besten Heilungsaussichten verspricht, hängt vom vorliegenden Krankheitsbild und dem Stadium der Erkrankung ab.

Wer kommt als Stammzellen-Spender in Frage?

Die Auswahl eines geeigneten Spenders ist hochkomplex. Neben der Verwandtschaft spielen Gewebemerkmale, Alter, Verfügbarkeit und viele andere Faktoren eine Rolle. Wichtig ist vor allem das Humanes Leukozytenantigen (HLA).

Transplantationen von HLA-identischen Familien- oder Fremdspendern

Die erste Wahl ist stets ein HLA-identischer Familienspender, bei dem die HLA-Gewebemerkmale auf der Oberfläche der blutbildenden Zellen bereinstimmen. Doch nicht immer lässt sich im familiären Umfeld ein passender Spender finden.

Transplantationen von HLA-mismatch Fremdspendern oder haploidentischen Familienspendern

HLA-Mismatch heißt, dass die HLA-Merkmale des Spenders und des Empfängers nicht vollständig übereinstimmen. Das können Fremdspender sein oder haploidentische Spender; d.h. halbidentische Spender aus der Familie, wie Eltern oder Kinder. Ermöglicht wird das durch das Post-Transplant-Cyclophosphamid (PTCY). Diese spezielle Form der Chemotherapie wird erst nach der Transplantation durchgeführt. Sie eliminiert die T-Zellen, die eine schwere Abstoßung auslösen würden. Die guten T-Zellen für die Immunabwehr und die Bekämpfung der Krankheit, bleiben aber erhalten.

Wissenswertes zur KMT in Bogenhausen

8Betten

Die KMT - unsere Station für Stammzelltransplantation und Zelluläre Therapien in Bogenhausen - hat 8 Betten.

⌀4Transplantation / Monat

Im Schnitt vier Transplantationen von Knochenmark oder Stammzellen können pro Monat durchgeführt werden.

≈6Wochen

Ca. 6 Wochen dauert der stationäre Aufenthalt, davon 4 Wochen in strenger Isolation nach der Transplantation.

Wie lassen sich Stammzellen aus dem Körper gewinnen?

Stammzellengewinnung aus dem Blutkreislauf

In der Regel werden Stammzellen aus dem peripheren Blut gewonnen. Vor der peripheren Stammzellenentnahme aus dem Blutkreislauf erhält der Spender so genannte Wachstumsfaktoren. Sie bewirken, dass Stammzellen in großer Zahl vom Knochenmark in den Blutkreislauf wandern.

Nach vier bis 14 Tagen – je nach Verfahren – werden die Blutstammzellen dann im Rahmen einer mehrstündigen Apherese (ugs.: Blutwäsche, Blutreinigung) mit einem Zellseparator aus dem Blut herausgefiltert.

Stammzellengewinnung aus dem Knochenmark

In selteneren Fällen entnehmen die Hämatologen die Stammzellen aus dem Knochenmark, in der Regel im Beckenkamm. Hierfür ist eine Vollnarkose erforderlich.

Bei der autologen Stammzelltransplantation

Ist die krebskranke Person selbst der Spender, müssen wir zunächst eine Vorab-Chemotherapie durchführen, bevor wir Stammzellen gewinnen können, um die Krebszellen aus Blut und Knochenmark weitestgehend zurückzudrängen.

Gewonnene Blutstammzellen werden in der Regel gleich transplantiert oder im Labor getestet, portioniert und mittels flüssigem Stickstoff eingefroren.

 

Knochenmarkspender-Register

Durch nationale und internationale Register, in denen die Merkmale von Millionen bereitwilliger Spender vorgemerkt sind, ist die Chance inzwischen relativ groß, einen Fremdspender zu finden.

Knochenmarkspender-Register

Wie läuft eine Stammzellentransplantation ab?

Eine Transplantation ist ein aufwändiger Prozess. Wenn alles optimal läuft, dauert der stationäre Aufenthalt etwa 6 Wochen. Bei Komplikationen kann es aber auch deutlich länger sein.

Arzt bereitet Blutstammzellenspende für Transplantation vor.

So läuft eine Blutstammzellen- oder Knochenmarktransplantation ab:

  1. Vorbereitung & Konditionierung: Der Empfänger wird mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung, teils auch mit Antikörpern vorbereitet. Im Rahmen einer kleinen OP wird ein Port, d.h. einen dauerhaften Zugang zum Blutkreislauf, angelegt. Parallel wird der Spender vorbereitet.
  2. Transplantation: Die Stammzellen aus Blut oder Knochenmark werden frisch übertragen. Dies geschieht mittels Infusion über den Port. Direkt danach ist das neue Immunsystem noch nicht aktiv, die Abwehr fast auf null.
  3. Aplasie & Isolation: In der Zeit braucht der Körper besonders viel Schutz vor Infektionen. Nicht ungewöhnlich sind deshalb mehrere Wochen Isolation auf einer Station mit Spezialluftfiltern, in abgeschirmten Einzelzimmern.
  4. Anwachsen: Meist dauert es 14 bis 21 Tage, bis sich neue Zellen im Blut bilden und das Immunsystem wiederherstellen. Das größte Risiko sind jetzt Infektionen, aber auch die Graft versus Host Disease (GvHD) kann auftreten. Deshalb wird engmaschig beobachtet und behandelt.
  5. Nachsorge: Nach dem "Anwachsen" des neuen Immunsystems beginnt die ambulante Nachsorge in der KMT-Ambulanz. In den ersten 100 Tagen sind die Kontrollen sehr engmaschig. Später werden die Abstände größer.
„Viele Patientinnen und Patienten erleben die Zeit der Behandlung als anstrengend, aber bewältigbar. Manche sind sehr erschöpft, andere lesen, telefonieren oder nutzen digitale Medien. Manche Arbeiten sogar oder spielen Computer oder bauen ein Lego-Technik Löschfahrzeug mit über tausend Teilen zusammen. Die Möglichkeit zu essen, zu sprechen oder fernzusehen besteht weiterhin. Natürlich gibt es auch nicht so gute Tage. Aber heute gibt es viele Möglichkeiten, Beschwerden zu lindern und Nebenwirkungen zu behandeln. Gerade auf diesem Gebiet hat sich in den letzten Jahrzehnten viel verbessert.“
Prof. Dr. Tobias Herold

Im Detail: Stammzellentransplantation Schritt für Schritt

Unsere Hämatologinnen und Hämatologen nehmen sich viel Zeit, um jeder Patientin und jedem Patienten zu erläutern, wie die Stammzelltherapie abläuft und wirkt. Auch zu erwartende Nebenwirkungen und Risiken werden gemeinsam besprochen.

Wir besitzen eine große Expertise und können daher sehr individuell auf die Menschen eingehen. Dabei zählt sowohl der medizinische als auch der menschliche Faktor. Unsere Pflegekräfte besitzen spezielle Weiterbildungen und bringen viel Empathie für die individuelle Situation mit.

Bevor wir mit der Stammzelltransplantation beginnen können, werden die Betroffenen sorgfältig untersuchen: Herz-, Lungen-, Leber- und Nierenfunktion werden systematisch durchgecheckt. Zudem müssen wir sicherstellen, dass der Körper frei von jeglicher Infektion ist. Es erfolgen mehrere Blutuntersuchungen und auch eine Untersuchung des Knochenmarks.

„Wir wollen gewiss sein, dass die Patientin bzw. der Patient wirklich weiß, was auf sie oder ihn zukommt. Nur wenn wir einen guten Konsens finden, führen wir die Stammzelltransplantation durch.“
Prof. Dr. Tobias Herold

Bei welchen Krebsarten kommt eine Knochenmarktransplantation in Frage?

Und wann hat sie die größten Chancen auf Erfolg?

Anwendungsschwerpunkte von Blutstammzell- und Knochenmarktransplantationen:

  • Akute oder chronische Leukämie
  • Myelodysplastische Neoplasien (MDS)
  • Multiples Myelom
  • Hodgkin-Lymphome
  • Rezidive indolente und aggressive Non-Hodgkin-Lymphom (NHL)
  • Schwere aplastische Anämie
  • Solide Tumorerkrankungen (Keimzelltumoren, Sarkome)

In selteneren Fällen wird auch bei erblichen Erkrankungen transplantiert. Das betrifft häufiger Kinder und Jugendliche und wird zum Beispiel an der München Klinik Schwabing durchgeführt.

In den Anfangsjahren der Transplantationsmedizin war die Therapie so belastend, dass nur junge, sehr fitte Menschen in Frage kamen. Heute ist das anders: Dank großer Fortschritte in der Behandlung, besserem Verständnis der Erkrankungen und moderner Medizin sind Transplantationen auch im Alter von 70 oder mehr Jahren möglich. Entscheidend ist weniger das Alter als vielmehr die körperliche und geistige Verfassung.

Die Erfolgsaussichten hängen ebenfalls von mehreren Faktoren ab: Wie aggressiv ist die Erkrankung? Wie gut spricht sie auf Vorbehandlungen an? Wie fit ist der Patient oder die Patientin? Und: Wie groß ist die Gefahr eines Rückfalls? Tatsächlich ist meist das Wiederauftreten der Erkrankung nach Transplantation das größte Risiko. Aber: Wenn die Transplantation gelingt, kann sie eine dauerhafte Heilung bedeuten. Es gibt Menschen, die vor über 40 Jahren transplantiert wurden und bis heute gesund sind.

Tumorboard: Wie es zur Entscheidung für eine Stammzelltransplantation kommt
Bevor wir unseren Patientinnen und Patienten eine Stammzelltransplantation empfehlen, diskutieren wir zunächst alle Therapie-Optionen im Rahmen eines hämatologischen Boards. Mehrere erfahrene Experten der Hämatologie und Onkologie besprechen gemeinsam alle vorliegenden Untersuchungsbefunde und erwägen die Behandlungsstrategien, die sich stets an den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie orientieren.

Wenn wir im ärztlichen Kreis die Stammzelltransplantation als beste Therapie festlegen, informieren wir die Patientin bzw. den Patienten – und auch die Angehörigen – ausführlich.

Spezialistinnen und Spezialisten für Stammzellentransplantation in der München Klinik

Prof. Dr. med. Stefan
Chefarzt
Prof. Dr. med. Stefan Böck, MHBA
München Klinik Harlaching München Klinik Neuperlach
Dr. med. Martin
Chefarzt, Leitung onkologisches und viszeralonkologisches Zentrum
Dr. med. Martin Fuchs
Dr. med. Michael
Leitender Oberarzt
Dr. med. Michael Starck
München Klinik Bogenhausen München Klinik Schwabing
APL Prof. Dr. Dr. Irene
Oberärztin / Leiterin des Schwerpunktes Hämatologie/Onkologie und Zelltherapie
APL Prof. Dr. Dr. Irene Teichert-von Lüttichau
Dr. med. Charlotte
Geschäftsführende Oberärztin
Dr. med. Charlotte Weyermann
München Klinik Bogenhausen München Klinik Schwabing
Dr. Karin
Oberärztin, Ärztliche Leitung der Tagesklinik 10at
Dr. Karin Beutel
Dr. med. Veronika
Oberärztin, Koordinatorin Brustzentrum
Dr. med. Veronika Piger
Dr. med. Dipl. Chem. Sven
Oberarzt
Dr. med. Dipl. Chem. Sven Thorspecken
München Klinik Bogenhausen München Klinik Schwabing

Unser Angebot für Ihre Kontaktaufnahme zur München Klinik Bogenhausen mit KMT

Telefonische Kontaktaufnahme

Allgemeines, Sekretariat, Befundabfrage, werktags von 8:00 - 16:00 Uhr:

(089) 9270-4189

Aufnahmezentrum, Mo.–Mi. 09:00 – 14:00 Uhr: (089) 9270-2465

24/7 Einweiser-Hotline: Arzt-zu-Arzt

(089) 9270-4199

Online-Kontakt. Ihre E-Mail an uns

Zur Entlastung der Telefonleitungen nutzen Sie bitte auch unseren Online-Fragebogen. Das Formular hilft uns den für Sie geeigneten Ansprechpartner gezielt auszuwählen.

Wir melden uns schnellstmöglich mit einer Antwort bei Ihnen.

Online: Termine & Anfragen an uns