Lunge, Atmen

COVID-19

Die Krankheit COVID-19 (vom englischen coronavirus disease 2019, im deutschen Coronavirus-Krankheit 2019) wird durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöst. COVID-19 ist eine Infektion der Atemwege. In den meisten Fällen befällt der Erreger zuerst die oberen Atemwege. Erst nach einigen Tagen kann es dann zu einem Befall der unteren Atemwege mit schwerer Lungenentzündung kommen.

ICD-Schlüssel

Die WHO hat die Erkrankung COVID-19 mit folgendem ICD-Schlüssel belegt:

ICD U07.1

COVID-19 ist unter dem Primärkode U07 "Krankheiten mit unklarer Ätiologie und nicht belegte Schlüsselnummern" angelegt. 

Ansteckung und Inkubationszeit

Die Ansteckung mit dem SARS-CoV-2-Erreger erfolgt hauptsächlich über Tröpfcheninfektion. Auch eine Schmierinfektion scheint denkbar, da das Virus einige Stunden an trockenen Oberflächen überleben kann.

Die Inkubationszeit beträgt im Schnitt fünf bis sechs Tage. Allerdings sind auch Inkubationszeiten von bis zu zwei Wochen bekannt. Personen, die sich mit dem Virus angesteckt haben, sind bereits vor Auftreten der ersten Symptome infektiös, daher kam es auch zu der raschen Verbreitung des Virus und der Erkrankung.

INFO: Coronavirus, SARS-CoV-2

Coronaviren sind genetisch hochvariabel und können auch Artenbarrieren überwinden. Sie infizieren also sowohl Menschen als auch Tiere.

Alle Infos über das Coronavirus

Wer ist besonders gefährdet, an COVID-19 zu erkranken?

Menschen jeden Alters können erkranken. Ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen sind aber anfälliger für einen schweren Verlauf der Erkrankung. In den Kliniken werden aber auch jüngere Patienten unter 50 Jahren auf Intensivstation behandelt, die keinebekannten Vorerkrankunghaben.

Warum die klinischen Verläufe sehr heterogen sind und von asymptomatisch bis zu schwersten Verlaufsformen reichen, ist nicht wirklich zu erklären, aber dieses Phänomen findet man bei vielen Infektionserkrankungen.

Zur Risikogruppe gehören

  • ältere Personen ab etwa 50–60 Jahren
  • Raucher
  • übergewichtige Menschen
  • Personen mit Vorerkrankungen:
    • des Herz-Kreislauf-Systems (z.B. koronare Herzerkrankung, Bluthochdruck)
    • chronische Lungenerkrankungen (z.B. COPD)
    • chronische Lebererkrankung
    • Diabetes mellitus
    • Krebserkrankung
    • geschwächtes Immunsystem (aufgrund einer Erkrankung oder durch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten)

Welche Symptome treten auf?

Die Symptome von COVID-19 ähneln sehr der einer Influenza oder Erkältung, daher ist allein durch die Symptomatik eine Unterscheidung schwierig. Die häufigsten Krankheitszeichen sind

  • Fieber
  • Trockener Husten
  • Erschöpfung
  • Geruchs- und Geschmacksverlust

Seltener waren

  • Muskel- und Gliederschmerzen
  • Atemnot
  • Hals- und Kopfschmerzen
  • Schüttelfrost
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Schnupfen
  • Durchfall

Der Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf von COVID-19 ist sehr variabel. Die meisten Erkrankten haben keine bis milde Symptome. Aber auch schwere Verläufe mit beidseitigen Lungenentzündungen, Dyspnoe (Atemnot), einer hohen Atemfrequenz, einer verminderten Sauerstoffsättigung des Blutes bis hin zum Atemversagen (ARDS), septischem Schock und/oder Multiorganversagen und damit dem Tod des Patienten treten auf.

Die Krankheit weist unterschiedliche Phasen auf.

  1. In der frühen Infektionsphase sind die Patienten zunächst symptomfrei oder symptomarm. Es folgen hohes Fieber und milde Atemwegssymptome.
  2. Nach 7-10 Tagen kann es bei einem Teil der Patienten zu einer Besserung kommen und die Erkrankung langsam ausheilen. Bei schwereren Verläufen kommt es dagegen zu einer zunehmenden Lungenentzündung mit Atemnot (pulmonale Manifestation). Mit fortschreitender Infektion bleibt weniger funktionelles Lungengewebe für die Atmung verfügbar, was die Atmung erschwert.
  3. Nach circa 10 Tagen kann es zu einer Hyperinflammation kommen: Der Körper reagiert mit einer überschießenden Immunreaktion. Durch die Immunreaktion werden die Lungenbläschen in ihrer Funktion stark eingeschränkt und die Sauerstoffaufnahme wird reduziert. Weiterhin kann es zu einem Ungleichgewicht zwischen Lungendurchblutung und Lungenbelüftung kommen.

Bei milden Verläufen klingen die Symptome innerhalb von zwei Wochen ab. Müssen Erkrankte stationär behandelt werden, kann es bei schweren Verläufen bis zu sechs Wochen und länger dauern, bis die Patienten sich wieder halbwegs erholt haben.

Wie kann COVID-19 diagnostiziert werden?

Die durch die COVID-19- Erkrankung auftretenden Lungenveränderungen sind im CT als milchglasartige Veränderungen zu sehen. Dieses Muster der Infiltrate ist typisch für virale Lungenentzündungen. Auch sonographisch lassen sich die Veränderungen aufgrund ihrer pleuranahen Lage oft gut darstellen.

In der frühen Phase der Infektion kann das Virus durch den direkten Erregernachweis in der PCR mittels Nasen- Rachenabstrich oder Sputum nachgewiesen werden.

Informationen zum Corona-Test / PCR-Test

Wie erfolgt die Testung im Labor und was wird überhaupt getestet?

Wie funktioniert der Corona-Test?

Wie kann COVID-19 behandelt werden?

Derzeit existiert noch keine spezifische Behandlung. Die Therapie richtet sich nach der Schwere der Erkrankung und besteht in der Regel aus supportiven Maßnahmen. Werden die Patienten stationär aufgenommen, erfolgen regelmäßige Blutabnahmen mit Erstellung eines Differential-Blutbildes, Parametern zur Organfunktion und Entzündungswerten als Verlaufskontrolle.

Wichtig ist, dass Komplikationen frühzeitig erkannt und behandelt werden, dazu zählen neben der Lungenentzündung insbesondere Thrombembolien, Herzrhythmusstörungen, myokardiale Schädigungen oder akutes Nierenversagen.

Wenn Patienten beatmet werden müssen

Eine intensivmedizinische Überwachung und Versorgung ist bei Patienten mit schwerem und kritischem Verlauf indiziert. Je nach Bedarf wird eine High-Flow-Therapie, eine nicht-invasive oder invasive Beatmung angewendet. Die Beatmung von COVID-19-Patienten ist anspruchsvoll und muss individuell angepasst werden.

Bei langen Erkrankungsverläufen kann sich das Lungengewebe versteifen und es kann zur Lungenfibrose kommen. Unter Umständen ist während der Beatmung eine Bauchlagerung notwendig, um den Gasaustausch zu verbessern. In der München Klinik kümmern sich spezielle Lagerungsteams um die Patienten, die sie regelmäßig von der Bauch- in die Rückenlage und zurück drehen.

Sauerstoffgabe und HighFlow-Verfahren

In der München Klinik werden Patienten, die mit COVID-19 und respiratorischer Erschöpfung auf der Intensivstation liegen, zunächst mittels Sauerstoffsubstitution über Nasenbrille bzw. „HighFlow“ - also der Sauerstoffgabe mit höherem Fluss - stabilisiert. Ziel ist, eine Sauerstoffsättigung über 90 Prozent zu erreichen.

Insbesondere bei jüngeren Patienten und Patienten ohne schwere Lungenvorerkrankung scheinen von der Behandlung zu profitieren. Es konnten hierdurch invasive Beatmungen vermieden und eine schnellere Verlegung von den Intensivstationen auf Normalstationen erreicht werden.

Intubation und ECMO

Bei Verschlechterung des Zustands – wenn die nicht-invasiven Maßnahmen nicht ausreichen, um die Atemnot, die unzureichende Sauerstoffsättigung und die Verschlechterung der Vitalparameter in den Griff zu bekommen - muss intubiert werden. Das heisst, dass die Beatmungsmaschine die Atemarbeit übernimmt und dem Patienten ein Luft-Sauerstoffgemisch verabreicht wird.

Sollte auch hierunter keine ausreichende Oxygenierung erreicht werden, steht noch die ECMO Therapie zur Verfügung. Hierbei wird das Blut außerhalb des Körpers über eine Maschine mit Sauerstoff angereichert und dem Blut Kohklenstoffdioxid entzogen. Die Sauerstoffanreicherung findet also nicht in der Lunge statt. Die Therapie mit der veno-venösen ECMO ist sehr komplex und aufwändig. Ziel der ECMO ist es, die Lunge zu entlasten, bis diese sich von der virusbedingten Entzündung erholt hat.

Welche Medikamente werden bei COVID-19 eingesetzt bzw. erprobt?

Die Studienlage zu den diskutierten Medikamenten

Das Vielversprechendste: Remdesivir

Es laufen weltweit Studien zu verschiedenen Medikamenten. In der Diskussion als vielversprechendes Medikament gegen COVID-19 ist u.a. das ursprüngliche Ebolamedikament Remdesivir. Unser Studienzentrum der München Klinik Schwabing beteiligt sich unter der Leitung von Prof. Clemens Wendtner an wissenschaftlichen Studien zur Wirksamkeit des Medikaments.

Wir haben bereits die ersten Patientinnen und Patienten in diese Studien aufnehmen können. Es handelt sich hierbei um eine weltweite Phase III-Studie unter Beteiligung von zahlreichen Studienzentren und mit sehr klar definierten Aufnahmekriterien und Untersuchungszielen.

Unter den derzeit diskutierten antiviralen Therapien halten unsere Experten Remdesivir für eines der aussichtsreicheren Medikamente. In Zellkulturen hat Remdesivir die Replikation von SARS-CoV-2 effektiv unterdrückt.

Es ist wichtig, dass eine Wirksamkeit beim Menschen für COVID-19 derzeit noch nicht nachgewiesen ist. In einer NEJM-Publikation (New England Journal of Medicine) zum Einsatz von Remdesivir im Rahmen von „Compassionate Use“ beobachteten die Ärztinnen und Ärzte in diesem Kontext eine klinische Verbesserung. Es sind aber klinischen Studien nach wissenschaftlichen Standards erforderlich, an denen wir uns aktuell beteiligen. Erste Ergebnisse werden für Mai erwartet.

Die weiteren Medikamente

Bei einer überschießende Immunreaktion können immundämpfende Medikamente eingesetzt werden, wie beispielsweise das Rheumamittel Tocilizumab. Dieser Wirkstoff wird zur Zeit in Rahmen von Studien geprüft.

Manche Patienten bekommen eine Superinfektion, also zusätzlich zu der Covid-Lungenentzündung eine Infektion mit Bakterien. Hier müssen klassische Antibiotika verabreicht werden. Eine Hemmung des Immunsystems ist dann kontraindiziert.

Zudem stehen weitere Arzneimittel im Rahmen von Studien oder für einen individuellen Heilversuch zur Verfügung: Lopinavir/Ritonavir, Hydroxychloroquin, Favirpiravir, Camostat.

 

  • Favirpiravir ist in einigen Ländern zur Influenza-Therapie zugelassen. Das Medikament soll die Fieberperioden der Patienten verkürzt und die Vermehrung der Viren gehemmt haben. Wissenschaftliche Daten wurden bisher aber noch nicht veröffentlicht.
  • Camostat hemmt ein Enzym, das dem Virus Eintritt in die Zellen verschafft. Studien sollen folgen.
  • Chloroquin und Hydroxychloroquin werden bislang zur Malariaprophylaxe eingesetzt. Die bisherigen Studiendaten sind dazu sehr widersprüchlich. Erste Ergebnisse aus den USA weisen für Hydroxychloroquin sogar eine Verschlechterung der Symptome aus.
  • Erste Studien bei Covid-19 mit den HIV-Medikamenten Lopinavir und Ritonavir zeigten keine Besserung.

Frührehabilitation nach bzw. bei Covid-19

Eine Covid-19 Erkrankung und ein Aufenthalt auf der Intensivstation mit Beatmung können Patientinnen und Patienten körperlich sehr stark schwächen. Neben Lungenproblemen zählen dazu eine starke Schwächung der Muskulatur, Nierenprobleme oder die Entwicklung eines Delirs.

Invasiv beatmete Patienten können zudem eine Schluckstörung entwickeln. Ein frühzeitiger Beginn von Rehamaßnahmen unter entsprechenden hygienischen Vorkehrungen ist zu empfehlen und wird in der München Klinik durch „mobile Frühreha-Teams“ umgesetzt.

Atemtherapie bei COVID-19

Die Atemtherapie ist ein wichtiger Bestandteil auf dem Weg zur Genesung. Sie muss früh ansetzen, damit keine funktionellen Störungen zurückbleiben bzw. der Patient seine verbliebene Lungenfunktion verbessern kann.

Mit Atemtherapie Lungenschäden minimieren

Ist man nach überstandener COVID-19-Erkrankung immun?

Erste Tests zeigen, dass Personen, die eine COVID-19-Erkrankung überstanden haben, gegen den Erreger Antikörper bilden. Allerdings in unterschiedlicher Konzentration.

Aufgrund von Tierversuchen und früheren Erkenntnissen zu SARS gehen Mediziner momentan davon aus, dass genesene Patienten zunächst immun sind. Wie lange aber diese Immunität anhält ist im Moment noch Forschungsgegenstand.

Was sind die Spätfolgen der Erkrankung?

Über Spätfolgen der Erkrankung können bis dato keine Aussagen getroffen werden, da bisher keine ausreichende Datenlage existiert. Durch die Erkrankung wird nicht nur die Lunge geschädigt, es kann auch zu Schäden an Leber, Niere, Herz und dem zentralen Nervensystem kommen.

Inwieweit sich die Organe wieder vollständig erholen, ist unklar. Genauso ist unklar, ob es zu fibrotischen Veränderungen der Lunge, herzbedingten Spätfolgen oder neurologischen Folgeerkrankungen kommen kann.

Lungen- und Atemwegserkrankungen im Überblick