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Jetzt ist mein neues Leben da!

Erste Stammzellentransplantation in der neuen KMT in Bogenhausen

Es sieht unspektakulär aus. Ein kleiner Beutel, schnell vorbereitet vom erfahrenen Team. Und doch ist es nicht weniger als „eine zweite Geburt“, wie Prof. Dr. Herold sagt: die erste Stammzellentransplantation im Bogenhausener Neubau. Nur eine Woche nach Umzug der Traditionsklinik von Schwabing nach Bogenhausen erhält dort eine Patientin ihre Stammzellenspende. Ein langes Warten hat ein Ende. Für alle.

Die erste Patientin der KMT Bogenhausen.

Um 14:13 Uhr rollt der Wagen mit der Stammzellenspende über den Flur. Der kleine Infusionsbeutel kommt aus Norddeutschland. Darin frische Stammzellen, in knapp fünf Stunden mittels Apherese-Maschine aus dem Blut eines anonymen Spenders herausgefiltert. Sie nehmen ihren Weg durch die vier Schutzstufen der neuen Transplantationsstation – vom normalen Klinikflur bis hin zum gefilterten Überdruck-Einzelzimmer mit eigenem Bad.

„Raumschiff“ nennt das Team ihre neue Station in Bogenhausen augenzwinkernd, da sie die schwerkranken Menschen darin hygienisch abgeschirmt von der Außenwelt. Genau hier wartet jetzt die 67-jährige Patientin auf die passende Spende. Am 25. Februar hatte sie die Diagnose Akute Myeloische Leukämie (AML) bekommen. „Ich kam direkt für 5,5 Wochen ins Krankenhaus. Der Kühlschrank war voll“, berichtet sie über das Gefühl, so plötzlich aus dem Leben gerissen zu werden.

„Die Patientinnen und Patienten feiern ab jetzt dreimal Geburtstag“, weiß Stationsleitung Yvonne Jegodtka: Ihren echten, den Tag der Transplantation und dann nochmals rund zwei Wochen später, wenn klar ist, dass die übertragenen Stammzellen im Knochenmark angewachsen sind.

Mondlandung im sicheren Raumschiff

Die neue KMT: Eine Station abgeschirmt von der Außenwelt – Tür an Tür mit der Maximalversorgung.

Arzt bereitet erste Stammzellenspende in der neuen KMT vor.

„Hoffentlich will das Transplantat auch zu mir“, sagt die Patientin hoffungsvoll. Vier Monate nach der Diagnose wartet sie auf ihre neuen, gesunden Stammzellen in ihrem hellen Einzelzimmer der KMT. Beim Betreten des Raumes fallen viele schöne Details ins Auge. Nur ein leichter Unterdruck in den Ohren lässt erkennen: Wir befinden uns in Zone 4 des speziellen Mehrzonen-Belüftungssystems, das dafür sorgt, dass die Luft keimfrei ist. Auch die Wasserleitungen besitzen Filter.

Die Patientin sitzt auf ihrem Bett. Das Zimmer ist ausgestattet mit Fernseher und WLAN, Sitzbänken am Fenster und sogar einem Kühlschrank im Nachtkästchen. „Viele Patient*innen präferieren eher kühle Lebensmittel und ein eigener Kühlschrank bedeutet hier ein großes Stück Lebensqualität“, betont Stationsleitung Yvonne Jegodtka. Weitere Details wie die schallisolierte Tür mit Jalousie oder die kleine Klappe neben der Tür, durch die Infusionen gewechselt werden können, sorgen für die dringend nötige Ruhe.

Neu ist hier aber nicht nur die Adresse und Ausstattung, sondern das ganze Umfeld. Nur eine Glastür trennt die KMT von der Intensivstation, die für den Notfall spezielle Isolierzimmer vorhält. Weniger Schritte weiter warten alle Abteilung des Maximalversorger-Hauses.

Die erste Patientin mit Prof. Herold am Tag der Stammzellentransfusion.

Über das Fensterchen werden Infusionen gewechselt, ohne die Patientin zu stören.

Chefarzt Prof. Herold und Stationsleitung Yvonne Jegodtka freuen sich über die neue Station.

„Die Umgebung spiegelt die moderne Medizin und Pflege, die hier stattfindet. Wir versorgen Krebspatient*innen, die eine maximal invasive Therapie benötigen und viel Zeit hier verbringen. Deswegen freut es uns besonders, dass wir die Station so gestalten konnten, dass der lange, teilweise völlig isolierte Aufenthalt angenehmer wird“, sagt Chefarzt Prof. Tobias Herold.

Zwei Jahre hat das Team auf diesen Umzug, auf diese erste Transplantation am neuen Standort gewartet. Auch für sie ist dieser Tag besonders. Die neue KMT befindet sich im nagelneuen Erweiterungsbau – mit Blick auf das Bestandsgebäude, wo die Hämatologie und Onkologie bereits ein Jahr zuvor ein neues Zuhause gefunden hat. Ein großes Fassadenfoto vom Karwendelgebirge soll in Zukunft die Aussicht verschönern.

Rund sechs Wochen sind die Patientinnen und Patienten hier stationär. In dieser Zeit ist Mobilität besonders wichtig. „Ich bin ein aktiver Mensch. Ich will aktiv bleiben“, sagt die Patientin, die ihrer Hoffnung so Ausdruck verleiht. Sie denkt an ihre Zukunft, ihre Tochter, ihre Freunde, die ihr auch in dieser Zeit immer zur Seite stehen. Ihr Zimmer ist ebenso wie die anderen mit Bettfahrrädern ausgestattet. Täglich grüßt die Physiotherapie. Zusätzlich gibt es Diätberatung und psychoonkologische Unterstützung.

Dieses überdimensionale Bild soll den Patient*innen in Zukunft die Aussicht verschönern.

Kleine Infusion, große Hoffnung

Die Patientin erhält die Stammzellenspende.

„Jetzt ist mein neues Leben da“, sagt die Patientin, als der Arzt mit dem kleinen Beutel zur Tür hereinkommt. Sie ist aufgeregt, zu lange musste sie schon warten. Der Blutdruck ist hoch. Es ist keine Narkose notwendig, kein Schnitt. Ein „einfacher“ Transfusionsbeutel wird aufgehängt. 0,5 Liter gesunde Stammzellen gelangen jetzt über die Vene in ihren Blutkreislauf.

Und jetzt? Wieder warten. Immer wieder blickt sie zur Infusion, schaut dem langsamen Tropfen zu. Rund zwei bis drei Wochen wird es dauern, bis die Zellen angewachsen sind, wenn alles gut geht.

Die Phase der strengen Isolation nach einer Transplantation dauert in der Regel 4 Wochen. „In dieser Zeit ist das neue Immunsystem noch nicht funktionsfähig, und der Schutz vor Infektionen besonders wichtig. Wir bieten hier das Maximum an Sicherheit für unsere Patient*innen“, sagt Prof. Herold. Noch am selben Tag erfolgte eine zweite Transplantation bei einem weiteren Patienten. Ein gelungener Start der neuen KMT. Und ein wichtiger Schritt zurück ins alte Leben: „Man merkt, wie vielen Leuten man wichtig ist. Familie und Freunde waren sehr für mich da. Das war eine schöne Erfahrung, die ich mitnehme!" Eine zweite Geburt.

Wissenswertes zur KMT in Bogenhausen

8Betten

Die KMT - unsere Station für Stammzelltransplantation und Zelluläre Therapien in Bogenhausen - hat 8 Betten.

⌀4Transplantation / Monat

Im Schnitt vier Transplantationen von Knochenmark oder Stammzellen können pro Monat durchgeführt werden.

≈6Wochen

Ca. 6 Wochen dauert der stationäre Aufenthalt, davon 4 Wochen in strenger Isolation nach der Transplantation.

Wie läuft eine Stammzellentransplantation im Krankenhaus ab?

Zur Vorbereitung des Empfängers auf die Transplantation werden eine Chemotherapie, Bestrahlung oder Antikörper eingesetzt. Parallel wird der Spender vorbereitet. Die Stammzellen werden frisch mittels Infusion übertragen. 

Früher brauchte man einen "Blutzwilling", eine Knochenmark- oder Stammzellspende, die nahezu 100-prozentige mit den eigenen Immunmerkmalen übereinstimmt. „Heute werden auch halbidentische Spende durchgeführt – eine medizinische Revolution“, sagt Prof. Herold. Möglich wird dies durch eine spezielle Chemotherapie nach der Transplantation, das PTCY. Sie eliminiert die aktiven T-Zellen, die zur Abstoßung führen – die guten T-Zellen bleiben aber erhalten.

Nach dem "Anwachsen" des neuen Immunsystems beginnt die ambulante Nachsorge. In den ersten 100 Tagen sind engmaschige Kontrollen nötig.

Klinik-Umzug abgeschlossen
Ende Juni 2025 ist die Knochenmarktransplantationsstation (KMT) aus Schwabing in den Bogenhausener Erweiterungsbau umgezogen und hat sich in diesem Rahmen auf acht Betten vergrößert. Die immunsupprimierten Krebspatient*innen, die eine Knochenmark- oder Stammzellspende erhalten, werden auf der neuen Station in hochmoderner, geschützter Atmosphäre versorgt.

Die traditionsreiche Klinik für Hämatologie und Onkologie existiert seit 1995. Am Standort München Klinik Schwabing hat sie sich auf die Behandlung von Blutkrebs spezialisiert. 2024 ist die Abteilung nach Bogenhausen umgezogen. Mit dem Nachzug der Einheit für Knochenmarktransplantation ist sie nun komplett am neuen Standort angekommen.
17.07.2025Süddeutsche Zeitung
„Auf der neuen Transplantationsstation der München Klinik erhalten Patienten Stammzelltransplantationen. Wegen ihres schwachen Immunsystems werden sie mit ausgeklügelten Methoden geschützt.“
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02.06.2025Münchner Merkur Heimatzeitungen
„Neue Behandlungserfolge dank der Immuntherapie: München-Klinik-Chefarzt Prof. Tobias Herold verabreicht einem Patienten sogenannte bispezifischen Antikörper.“
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