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Aktuelle Mitteilung der München Klinik

Meldung
12.06.202612:33 Uhr

AR-Brillen im OP-Saal: Bessere „Sicht“ und Präzision bei Wirbelsäulenoperationen

Hightech in der Neurochirurgie

München, 12. Juni 2026. Als erste Klinik in München und eine der ersten Kliniken in Deutschland setzt die Neurochirurgie der München Klinik (MüK) Bogenhausen innovative AR-Brillen (Augmented Reality) bei Versteifungsoperationen an der Wirbelsäule ein. Die AR-Brillen sind kompatibel mit dem hochmodernen, mobilen CT-System „Loop-X“, das in der Bogenhausener Neurochirurgie seit der Inbetriebnahme des Erweiterungsbaus in 2025 zum Einsatz kommt, und ermöglichen eine millimetergenaue Platzierung von Schrauben durch dreidimensionale Echtzeitvisualisierung direkt im Sichtfeld der Operateur*in. Die erste Operation mit AR-Brille fand am 23. April statt, ab sofort sollen die AR-Brillen standardmäßig bei Versteifungsoperationen zum Einsatz kommen – auch eine Ausweitung auf weitere Eingriffe ist perspektivisch möglich. Die erfolgte Digitalisierung der Neurochirurgie ist Teil der übergreifenden Digitalisierungsoffensive der München Klinik, die über das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) des Bundes finanziert ist.

Präzise Bildgebung im OP-Saal mit Virtual Reality
Bei Versteifungsoperationen an der Wirbelsäule zählt jeder Millimeter. Eine falsch platzierte Schraube kann Nerven oder Rückenmark verletzen und schwere Folgen haben. Die Neurochirurgie der München Klinik Bogenhausen ist auf komplexe Wirbelsäulenoperationen spezialisiert – etwa die Hälfte der jährlich bis über 600 Wirbelsäulen-OPs sind Versteifungsoperationen. Diese Eingriffe helfen Patient*innen mit Wirbelgleiten, schweren Spinalkanalstenosen mit Instabilität, traumatischen Wirbelfrakturen oder Tumorerkrankungen. Dabei werden Schrauben präzise durch den sogenannten Pedikel eingebracht -das ist ein knöcherner Verbindungssteg im Wirbel-, um die Wirbelsäule zu stabilisieren. Für diesen Schritt ist eine möglichst gute Orientierung der Operateur*in entscheidend – seit vielen Jahren wurden die Schrauben unter ständiger Röntgenkontrolle gesetzt, was jedoch eine hohe Strahlenbelastung für Patient*in und OP-Team bedeutet hat. Seit Ende der 1990er bzw. Anfang der 2000er Jahre wird in der sogenannten Navigation auf MRT- oder CT-Bilder zurückgegriffen, die vor oder während der Operation erstellt werden. Dabei müssen die Operateur*innen die dargestellten Bilder auf einem separaten Monitor kontrollieren und ihren Blick zwischen Operationsfeld und Bildschirm hin- und herwechseln. Mit modernen AR-Brillen in der Navigation entfällt dieser ständige Blickwechsel, da die Informationen direkt im Sichtfeld eingeblendet werden.

Prof. Jens Lehmberg, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie in der München Klinik: „Wir freuen uns, dass wir als erste Klinik in München diese Technologie einsetzen können. Die AR-Brillen sind ein wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung des neurochirurgischen Fachs und wir sind stolz darauf, diesen Weg aktiv mitzugestalten. Diese Innovationen sind ein echter Gewinn für die Patient*innen."

Oberarzt Prof. Alexander Romagna ergänzt: „Beim Setzen der Pedikelschrauben ist ein starkes räumliches Vorstellungsvermögen entscheidend – man muss sich die Anatomie in drei Dimensionen gleichzeitig vorstellen können. Früher mussten wir uns die räumliche Tiefe aus verschiedenen zweidimensionalen Monitor-Ansichten zusammensetzen. Mit der AR-Brille sehen wir jetzt alle drei anatomischen Ebenen gleichzeitig in einem Raum, direkt überlagert auf der realen Wirbelsäule. Die Neuronavigation wird dadurch intuitiver und natürlicher."

Alles im Blick
Die AR-Brillen funktionieren nach dem Augmented-Reality-Prinzip: Der Operateur bzw. die Operateurin sieht die reale Wirbelsäule des Patienten überlagert mit dreidimensionalen CT-Daten – Wirbelkörper, Nervenbahnen, Gefäße und die geplanten Schrauben-Trajektorien können direkt ins Sichtfeld eingeblendet werden. Alle drei anatomischen Ebenen sind somit gleichzeitig sichtbar. Die AR-Technologie wird gezielt beim Setzen der Pedikelschrauben eingesetzt – dem komplexesten Schritt der Operation. Die millimetergenaue Platzierung in alle drei Raumdimensionen gleichzeitig verhindert Nervenwurzelverletzungen, Rückenmarkschäden und Gefäßverletzungen mit potenziell lebensbedrohlichen Blutungen. Nach der Schraubenplatzierung und Kontrolle mittels Loop-X kann die Brille abgenommen werden. Die übrigen Schritte der Operation -also das evtl. nötige Entfernen der Bandscheibe, das Einsetzen eines Platzhalters und das Verbinden mit Stäben- werden wie gewohnt durchgeführt.

Loop-X: Der „Bildgebungsroboter“ als Basis
Grundlage der neuen Visualisierungsmöglichkeiten ist das Loop-X-System – ein mobiler Bildgebungsroboter, der seit Juli 2025 in der München Klinik Bogenhausen im Einsatz ist. Das System liefert während der Operation hochauflösende CT-Bilder in Echtzeit. Ein Ring fährt über den OP-Tisch und erstellt binnen Sekunden dreidimensionale Schnittbilder mit extrem hoher Genauigkeit. „Der Loop-X hat die Art, wie wir operieren, bereits grundlegend verändert. Früher haben wir mit CT-Bildern gearbeitet, die vor der Operation aufgenommen wurden, oder mit Röntgenbildern, die während der Operation entstanden sind und je nach Situation unterschiedliche Bildqualität hatten. Heute stehen uns Echtzeit-Daten direkt aus dem OP-Saal zur Verfügung. AR-Brillen sind dabei der nächste konsequente Schritt dieser digitalen Entwicklung.", erklärt Prof. Lehmberg. Die CT-Bilder des Loop-X werden nun direkt auf die Brillen und damit ins Sichtfeld der Operateur*innen übertragen, und weiterhin zusätzlich auf die OP-Monitore. Eine weitere Innovation des Loop-X: Die Schnittmarkierung erfolgt mit virtuellem Laser – Nadeln oder andere Instrumente zur Höhenmarkierung sind nicht mehr nötig.

Lehren und Lernen per Augmented Reality
Ein zusätzlicher Vorteil der AR-Brillen liegt in der Didaktik. Die München Klinik hat aktuell vier AR-Brillen verfügbar, davon können zwei Brillen gleichzeitig im OP eingesetzt werden. So können mehrere Teammitglieder gleichzeitig dieselben 3D-Bilder sehen – das ist insbesondere hilfreich bei der Ausbildung junger Ärztinnen und Ärzte, die die OP-Schritte und anatomische Struktur auf diese Weise besser nachvollziehen können.

Digitalisierungsoffensive der München Klinik
Im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) des Bundesgesundheitsministeriums wurden im Jahr 2020 über 4 Milliarden Euro für die Digitalisierung von deutschen Krankenhäusern zur Verfügung gestellt. Die München Klinik setzt seitdem große Digitalisierungsprojekte mit einem Fördervolumen von 33 Millionen Euro um. Die erfolgte „Digitalisierung der Neurochirurgie" mit der Anschaffung des Loop-X-Systems im Rahmen der KHZG-Förderung ist Teil dieser übergreifenden Digitalisierungsstrategie. Zu den großen Digitalisierungsprojekten gehören neben der digitalen Neurochirurgie und der digitalen Dermatologie unter anderem die Digitalisierung der Pflegedokumentation, eine neue Software in den Notaufnahmen, die Digitalisierung der Pathologie und ein Patientenportal zum digitalen Informationsaustausch.

Die München Klinik (MüK) ist mit ihren Standorten in Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach, Schwabing und Europas größter Hautklinik in der Thalkirchner Straße Deutschlands zweitgrößte kommunale Klinik und der größte und wichtigste Gesundheitsversorger der Landeshauptstadt München. Rund 8000 Mitarbeitende setzen sich „JEDEN TAG für JEDES LEBEN“ ein. Die München Klinik bietet Diagnostik und Therapie für alle Erkrankungen in München und im Umland und genießt deutschlandweit einen ausgezeichneten Ruf – mit innovativer und hoch spezialisierter Medizin und Pflege und gleichzeitig als erste Ansprechpartnerin für die medizinische Grundversorgung. Rund 110 000 Menschen lassen sich hier im Schnitt pro Jahr stationär und teilstationär behandeln. Mit jährlich rund 6000 Geburten kommen hier deutschlandweit die meisten Babys zur Welt. Auch in der Notfallmedizin ist die München Klinik die Nummer 1 der Stadt: Knapp 150.000 Menschen werden jedes Jahr in den vier Notfallzentren ambulant und stationär behandelt – das entspricht rund einem Drittel aller Notfälle der Landeshauptstadt. Im Rahmen des Zukunftskonzeptes MüK 20++ und unter dem Leitgedanken „Medizin führt“ stellt sich die MüK als DIE Gesundheitsversorgerin der Stadt zukunftsfähig auf und investiert in eine moderne Infrastruktur und Digitalisierung. Die Standorte sind entweder Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität oder der Technischen Universität München. Der eigene Bildungscampus ist mit rund 500 Ausbildungsplätzen die größte Bildungseinrichtung im Pflegebereich in Bayern. Als gemeinnütziges Krankenhaus  finden in der München Klinik Daseinsvorsorge und herausragende Medizin zusammen und stellen das Gemeinwohl in den Vordergrund: Patient*innen, deren Angehörige und die Mitarbeitenden aus Medizin und Pflege, die sich mit ihrer täglichen Arbeit für die Gesundheitsversorgung Münchens einsetzen, können von Zuwendungen in Form von Spenden profitieren – beispielsweise durch die Finanzierung von Spielzimmern für Geschwisterkinder, Erholungsmöglichkeiten und Fortbildungen. Dafür zählt jeder Euro.

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Am 23. April 2026 wurde in der Neurochirurgie der München Klinik Bogenhausen als eine der ersten Kliniken in Bayern eine Versteifungsoperation an der Wirbelsäule unter dem Einsatz von AR-Brillen durchgeführt. Ab sofort sollen die Brillen standardmäßig bei Versteifungsoperationen zum Einsatz kommen – auch eine Ausweitung auf weitere Eingriffe ist perspektivisch möglich. Bildnachweis: München Klinik.

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Visualisierung: Auf dieser Visualisierung sieht man die Sicht der Operateur*innen mit der AR-Brille. Bildnachweis: München Klinik.

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