Nigelnagelneues Zuhause für ein erfahrenes Team: Ende Juni ist die Knochenmarktransplantationsstation (KMT) aus Schwabing in den Bogenhausener Erweiterungsbau umgezogen und hat sich in diesem Rahmen auf acht Betten vergrößert. Die immunsupprimierten Krebspatient*innen, die eine Knochenmark- oder Stammzellspende erhalten, werden auf der neuen Station in hochmoderner, geschützter Atmosphäre versorgt – und doch nur eine Glastür getrennt von der Intensivstation. Die KMT komplettiert die große Klinik für Hämatologie und Onkologie, die bereits vor einem Jahr in ihre neuen Räumlichkeiten im Bestandsgebäude eingezogen ist.
München, 18. Juli 2025. Mondlandung. Mit einer solchen war für das KMT-Team der 3. Juli vergleichbar. Denn an diesem Tag, nur eine Woche nach dem Umzug aus Schwabing, erhielt die erste Patientin am neuen Standort in Bogenhausen eine Stammzelltransplantation – und noch am selben Tag erfolgte eine zweite Transplantation bei einem weiteren Patienten. Mit diesem erfolgreichen „Startschuss“ ist das Team um Chefarzt Prof. Tobias Herold und Stationsleitung Yvonne Jegodtka voll und ganz im neuen Habitat angekommen. „Die moderne Umgebung spiegelt die moderne Medizin und Pflege, die hier stattfindet. Wir versorgen Krebspatient*innen, die eine maximal invasive Therapie benötigen und viel Zeit hier verbringen. Deswegen freut es uns besonders, dass wir die Station so gestalten konnten, dass der lange, teilweise völlig isolierte Aufenthalt angenehmer wird“, sagt Chefarzt Prof. Tobias Herold. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Versorgung von Transplantationspatient*innen liegt in der Erfahrung des Teams. „Wir sind stolz auf unsere langjährige Erfahrung, viele Kolleg*innen sind seit Jahrzehnten da – deswegen haben wir im Pflegeteam auch überdurchschnittlich viele Kolleg*innen mit einer onkologischen Fachweiterbildung“, ergänzt Stationsleitung Yvonne Jegodtka, die gemeinsam mit der Pflegbereichsleitung Eva Hellinger über mehrere Jahre die neue Station geplant und beide federführend den Umzug begleitet haben.
Ein modernes „Raumschiff“, das vor Infektionen schützt
Die brandneue Station vergleicht das Team augenzwinkernd mit einem Raumschiff – denn der Weg zu ihr führt über Schleusen, hygienisch abgeschirmt von der Außenwelt. Und doch nur eine Glastür entfernt von der Intensivstation, die im Bedarfsfall ganz nah ist, ebenso wie die weiteren Fachbereiche des Bogenhausener Maximalversorgers. Auch die Intensivstation wurde mit speziellen Isolierzimmern ausgestattet, sodass im Falle einer schweren Infektion eine nahtlose Weiterbetreuung unmittelbar möglich ist. Von 5 auf 8 Betten hat sich die KMT im Rahmen des Umzugs vergrößert, im Schnitt 4 Transplantationen können so zu Beginn pro Monat durchgeführt werden. Die Patient*innen sind dazu 6 Wochen oder länger stationär in Bogenhausen. Die Phase der strengen Isolation nach einer Transplantation dauert in der Regel 4 Wochen. „In dieser Zeit ist das neue Immunsystem noch nicht funktionsfähig, und der Schutz vor Infektionen besonders wichtig. Wir bieten hier das Maximum an Sicherheit für unsere Patient*innen“, sagt Prof. Herold. Daher verfügt die neue Transplantationsstation über ein spezielles Mehrzonen-Belüftungssystem mit vier Schutzstufen: vom normalen Klinikflur bis hin zum gefilterten Überdruck-Einzelzimmer mit eigenem Bad. Auch die Wasserleitungen sind mit speziellen Filtern ausgestattet.
Gebündelte Expertise für Krebspatient*innen im Münchner Norden
Bereits vor einem Jahr, im Juli 2024, ist die Klinik für Hämatologie und Onkologie aus Schwabing nach Bogenhausen umgezogen, und wird mit der KMT-Station nun komplettiert. Die neue Klinik für Hämatologie und Onkologie im Bestandsgebäude umfasst zwei Hämatoonkologische Allgemeinstationen sowie die Hämatoonkologische Tagesklinik. In 1-und 2-Bett-Zimmern erhalten Patient*innen eine hochspezialisierte Versorgung für alle hämato-onkologischen Krankheitsbilder von gutartigen Bluterkrankungen über Blutkrebs bis hin zu soliden Tumoren. „Wir haben hier aktiv ein Umfeld mitgestaltet, in dem sich Patient*innen und Personal gleichermaßen wohlfühlen. Die zentrierte Behandlung von Krebspatient*innen ist beispielhaft für eine zukunftsfähige und hochqualitative onkologische Versorgung“, sagt Bereichsleitung Eva Hellinger.
Türklappe und Kühlschrank machen den Unterschied
Alle Zimmer der KMT sind Einzelzimmer, ausgestattet mit Fernsehern und W-LAN, um den Patient*innen den wochen- bis monatelangen Aufenthalt zu „verkürzen“. Eine Klappe in der Zimmertür ermöglicht es, dass das Personal die Infusionen wechseln kann, ohne das Zimmer betreten und die Patient*innen wecken zu müssen. Für mehr Ruhe sorgen ebenfalls die schallisolierten Türen mit integrierter Jalousie. Auch ein eigener Kühlschrank ist in allen Zimmern vorhanden. „Das klingt nach Hotel, erfüllt aber einen wichtigen Zweck. Unsere Patient*innen erhalten viele Medikamente, die den Geschmackssinn beeinträchtigen können. Viele Patient*innen präferieren eher kühle Lebensmittel und ein eigener Kühlschrank bedeutet hier ein großes Stück Lebensqualität“, sagt Stationsleitung Yvonne Jegodtka. Ein wichtiger Wohlfühlfaktor sind auch Besuche von Angehörigen, die unter entsprechenden Hygienevorgaben ermöglicht werden – dazu gehört das Tragen spezieller Kleidung und das Umkleiden vor dem Zutritt zur Station. Um die Mobilität während des langen Klinikaufenthaltes zu fördern, sind alle Zimmer mit Bettfahrrädern ausgestattet – und in der täglichen Physiotherapie werden die Patient*innen ermuntert, sich auf der Station außerhalb des Zimmers zu bewegen. Zusätzlich erhalten die Patient*innen eine Diätberatung und psychoonkologische Unterstützung.
Revolutionäre Behandlung ermöglicht weniger Abstoßungsreaktionen
Früher war bei Knochenmark- oder Stammzellspenden eine nahezu 100-prozentige genetische Übereinstimmung der Immunmerkmale eines Spenders und des Empfängers eine zwingende Voraussetzung. „Heute ist der mögliche Spenderpool viel größer – ermöglicht hat das eine medizinische Revolution“, sagt Prof. Herold. In den letzten Jahren hat die haploidentische Transplantation immer mehr zugenommen, also eine halbidentische Spende eines Verwandten mit einer Übereinstimmung von 50 Prozent. Eine entsprechende Übereinstimmung ist zum Beispiel bei den Eltern oder Kindern der Patienten gegeben. Eine spezielle Form der Chemotherapie, die erst nach der Transplantation durchgeführt wird, das sogenannte PTCY (Post-Transplant-Cyclophosphamid) ermöglicht das Verfahren. Sie eliminiert die T-Zellen, die eine schwere Abstoßung auslösen würden – die guten T-Zellen, für die Immunabwehr und die Bekämpfung der Krankheit, bleiben aber erhalten. „Durch PTCY sehen wir deutlich weniger Abstoßungsreaktionen im Vergleich zu früher“, ordnet der Chefarzt ein. Am Nachmittag des 3. Juli, kurz nach 14.00 Uhr, kamen die Stammzellen der ersten Bogenhausener Transplantationspatientin im Infusionsbeutel an. Angereist aus Norddeutschland, dort hatte ein anonymer Spender „gematcht“. Die Patientin empfing ihre Stammzellen mit den Worten: „Jetzt ist mein neues Leben da!“
Medizinische Hintergrundinformationen zu Stammzelltransplantationen
(für die redaktionelle Berichterstattung beispielsweise im Rahmen eines ergänzenden Infokastens oder „3 Fragen, 3 Antworten“ geeignet)
Was versteht man unter einer Knochenmarktransplantation?
Die Begriffe "Knochenmarktransplantation" und "Blutstammzelltransplantation" werden heute meist gleichbedeutend verwendet. In beiden Fällen geht es darum, einem Menschen mit einer schweren Erkrankung des Blutes oder Immunsystems, zum Beispiel einer Leukämie, ein neues gesundes Immunsystem zu geben. Die dafür benötigten Blutstammzellen stammen entweder aus dem Knochenmark oder aus dem Blut eines Spenders. Das erklärt die unterschiedliche Namensgebung. Medizinisch verfolgen beide Verfahren dasselbe Ziel, und je nach Krankheitsbild bevorzugt man die eine oder die andere Stammzellquelle.
Grundsätzlich unterscheidet man:
- Autologe Transplantation: Der Patient erhält seine eigenen, zuvor eingefrorenen Stammzellen zurück. Ziel ist hier, nach einer intensiven Chemotherapie die Blutbildung rasch wieder in Gang zu bringen.
- Allogene Transplantation: Die Stammzellen stammen von einer anderen Person. Das können Geschwister, Eltern oder Kinder sein – oder auch Fremdspender. Ziel ist es, dass das neue Immunsystem nicht nur gesundes Blut bildet, sondern auch gegen verbliebene Krebszellen vorgeht. Das macht die allogene Transplantation zu einer sehr effektiven Form der Immuntherapie.
In selteneren Fällen wird auch bei erblichen Erkrankungen transplantiert. Das betrifft häufiger Kinder und Jugendliche und wird zum Beispiel an der München Klinik Schwabing durchgeführt.Die Auswahl eines geeigneten Spenders ist hochkomplex. Neben der Verwandtschaft spielen Gewebemerkmale, Alter, Verfügbarkeit und viele andere Faktoren eine Rolle. Deshalb braucht es für die Planung und Durchführung einer Transplantation immer spezialisierte Zentren mit erfahrenen Teams.
Bei welchen Krebsarten kommt eine Knochenmarktransplantation in Frage und wann hat sie die größten Chancen auf Erfolg?
In der Erwachsenenmedizin ist die häufigste Indikation für eine allogene Stammzelltransplantation eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems. Besonders oft sind das akute Leukämien oder sogenannte Myelodysplastische Syndrome. Aber auch einige Lymphome – zum Beispiel T-Zell-Lymphome oder akute lymphatische Leukämien (ALL) – können mit einer Transplantation behandelt werden.
In den Anfangsjahren der Transplantationsmedizin war die Therapie so belastend, dass nur junge, sehr fitte Menschen in Frage kamen. Heute ist das anders: Dank großer Fortschritte in der Behandlung, besserem Verständnis der Erkrankungen und moderner Medizin sind Transplantationen auch im Alter von 70 oder mehr Jahren möglich. Entscheidend ist weniger das Alter als vielmehr die körperliche und geistige Verfassung. Die Erfolgsaussichten hängen ebenfalls von mehreren Faktoren ab: Wie aggressiv ist die Erkrankung? Wie gut spricht sie auf Vorbehandlungen an? Wie fit ist der Patient oder die Patientin? Und: Wie groß ist die Gefahr eines Rückfalls? Tatsächlich ist meist das Wiederauftreten der Erkrankung nach Transplantation das größte Risiko. Aber: Wenn die Transplantation gelingt, kann sie eine dauerhafte Heilung bedeuten. Es gibt Patienten, die vor über 40 Jahren transplantiert wurden und bis heute gesund sind.
Wie läuft eine Knochenmarktransplantation im Krankenhaus ab?
Eine Transplantation ist ein aufwändiger Prozess. Wenn alles optimal läuft, dauert der stationäre Aufenthalt etwa 6 Wochen. Bei Komplikationen kann es aber auch deutlich länger sein. Zunächst erfolgt die sogenannte "Konditionierung" – also die Vorbereitung des Empfängers mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung. Teilweise werden auch Antikörper eingesetzt. Parallel wird der Spender vorbereitet. Die Stammzellen werden dann frisch übertragen, dies geschieht mittels Infusion. Direkt danach ist das neue Immunsystem noch nicht aktiv, die Abwehr fast auf null. Deshalb benötigen Patientinnen und Patienten in dieser Phase besonders viel Schutz vor Infektionen. Sie sind auf Stationen mit Spezialluftfiltern untergebracht, in abgeschirmten Einzelzimmern. In dieser sensiblen Phase sind mehrere Wochen Isolation nicht ungewöhnlich. Nach dem "Anwachsen" des neuen Immunsystems beginnt die ambulante Nachsorge und die Patienten sind wieder zu Hause, kommen aber regelmäßig in der KMT-Ambulanz vorbei. In den ersten 100 Tagen sind die Kontrollen sehr engmaschig, zum Beispiel zwei Mal pro Woche. Später werden die Abstände größer. Bei stabilem Verlauf erfolgen, wenn überhaupt, nur noch jährliche Kontrollen.
Welche Nebenwirkungen und Risiken kann eine Knochenmarktransplantation haben?
Das größte Risiko sind Infektionen. In der Phase nach der Transplantation fehlt dem Körper vorübergehend jede Abwehrkraft. Auch die sogenannte GvHD ("Graft versus Host Disease") kann auftreten – dabei bekämpft das neue Immunsystem Teile des Körpers des Empfängers. Zum Beispiel die Haut oder den Darm. Diese Reaktion kann akut oder chronisch verlaufen und muss engmaschig beobachtet und behandelt werden. Trotzdem: Viele Patientinnen und Patienten erleben die Zeit der Behandlung als anstrengend, aber bewältigbar. Manche sind sehr erschöpft, andere lesen, telefonieren oder nutzen digitale Medien. Manche Arbeiten sogar oder spielen Computer oder bauen ein Lego-Technik Löschfahrzeug mit über tausend Teilen zusammen. Die Möglichkeit zu essen, zu sprechen oder fernzusehen besteht weiterhin. Natürlich gibt es auch nicht so gute Tage. Aber heute gibt es viele Möglichkeiten, Beschwerden zu lindern und Nebenwirkungen zu behandeln. Gerade auf diesem Gebiet hat sich in den letzten Jahrzehnten viel verbessert.
Wie kann man sich als Patient auf eine Knochenmarktransplantation vorbereiten?
Eine gute Vorbereitung hilft sehr. Und zwar auf mehreren Ebenen:
- Psychisch: Wer informiert ist und sich bewusst mit der Therapie auseinandersetzt, kommt meist besser durch die belastende Phase.
- Körperlich: Bewegung, ausgewogene Ernährung, Rauchstopp – je besser der allgemeine Gesundheitszustand, desto besser die Aussichten. Ein 75-Jähriger, der gerade noch einen Halbmarathon gelaufen ist, hat oft bessere Karten als ein 60-Jähriger mit jahrzehntelanger Raucherbiografie.
Die München Klinik ist mit Kliniken in Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach, Schwabing und Europas größter Hautklinik in der Thalkirchner Straße Deutschlands zweitgrößte kommunale Klinik und der größte und wichtigste Gesundheitsversorger der Landeshauptstadt München. Die München Klinik bietet als starker Klinikverbund Diagnostik und Therapie für alle Erkrankungen in München und im Umland und genießt deutschlandweit einen ausgezeichneten Ruf – mit innovativer und hoch spezialisierter Medizin und Pflege und gleichzeitig als erster Ansprechpartner für die medizinische Grundversorgung. Rund 110 000 Menschen lassen sich hier im Schnitt pro Jahr stationär und teilstationär behandeln. Mit jährlich rund 6000 Geburten kommen hier deutschlandweit die meisten Babys zur Welt. Auch in der Notfallmedizin ist die München Klinik die Nummer 1 der Stadt: Über 130 000 Menschen werden jedes Jahr in den vier Notfallzentren aufgenommen – das entspricht rund einem Drittel aller Notfälle der Landeshauptstadt. Die Kliniken sind entweder Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität oder der Technischen Universität München. Der eigene Bildungscampus ist mit rund 500 Ausbildungsplätzen die größte Bildungseinrichtung im Pflegebereich in Bayern. Als gemeinnütziger Verbund finden in der München Klinik Daseinsvorsorge und herausragende Medizin zusammen und stellen das Gemeinwohl in den Vordergrund: Über die medizinisch-pflegerische Versorgung hinaus gibt es großen Bedarf, der vom Gesundheitssystem nicht refinanziert wird – wie etwa das Spielzimmer für Geschwisterkinder. Und auch die Mitarbeitenden aus Medizin und Pflege, die sich mit ihrer täglichen Arbeit für die Gesundheitsversorgung Münchens einsetzen, können von Zuwendungen in Form von Spenden profitieren – beispielsweise durch die Finanzierung von zusätzlicher Ausstattung, Erholungsmöglichkeiten und Fortbildungen. Dafür zählt jeder Euro.