Die München Klinik (MüK) und das Klinikum Ebersberg München Ost etablieren mit „TelEmergencyBaby“ ein neues telemedizinisches Versorgungsangebot. Zusätzlich zur bestehenden langjährigen Kooperation im Erwachsenenbereich und seit einem Jahr zudem in der Kinderheilkunde unterstützt die München Klinik künftig auch die Neugeborenen-Notfallversorgung im Kreißsaal telemedizinisch. Um eine noch bessere Versorgung im Kreißsaal sicherzustellen, steht nach intensiven Trainings durch die Neonatolog*innen der MüK mit dem Team vor Ort rund um die Uhr ein Notfallteam der Münchner Neugeborenen-Intensivstation (Neonatologie) bereit, das bei Bedarf die Erstversorgung in Ebersberg telemedizinisch begleitet. Insgesamt bietet das Modell Lösungsansätze für die Zukunft einer wohnortnahen, sicheren Geburtshilfe im Flächenland Bayern und soll Ausgangspunkt für ein weiter wachsendes telemedizinisches Versorgungsnetzwerk der MüK in der Neugeborenen-Notfallversorgung sein.
Ebersberg/München, 08. September 2025. Milde Anpassungsstörungen, die bei jedem zehnten neugeborenen Kind auftreten können, können von den Geburtshelfer*innen und Anästhesist*innen vor Ort versorgt werden. Sollten jedoch Komplikationen auftreten, die eine intensivere Behandlung notwendig machen können, ist die Expertise eine*r Neonatolog*in erforderlich. Um diese Lücke zu schließen, bauen die München Klinik und das Klinikum Ebersberg München Ost ihre erfolgreiche telemedizinische Kooperation weiter aus: Im September ist das Pilotprojekt TelEmergency Baby gestartet, das die Expertise der Neonatologie (Frühchenversorgung) der München Klinik perspektivisch rund um die Uhr per Telemedizin in die Geburtsklinik nach Ebersberg bringt.
TelEmergency Baby bringt kinderärztliche Expertise in die Fläche
So funktioniert TelEmergency Baby: Bei Komplikationen oder Auffälligkeiten rund um die Geburt können Hebammen und Ärzt*innen in Ebersberg per Videokonsultation innerhalb weniger Minuten eine direkte Situationsanalyse durch Spezialist*innen der München Klinik erhalten – inklusive Anleitung zu stabilisierenden Maßnahmen, die vor Ort sofort umgesetzt werden können. So erhalten die Teams in Ebersberg im Bedarfsfall unmittelbar Unterstützung und Neugeborene eine Versorgung auf höchstem Niveau, auch wenn keine Kinderärzt*innen vor Ort sind. Die Spezialist*innen sind erfahrene Kinderärzt*innen aus der Neonatologie der München Klinik Harlaching – künftig soll auch die Neonatologie der München Klinik Schwabing in die telemedizinische Versorgung eingebunden werden. Beide Standorte versorgen jährlich über 800 Früh- und Risikogeborene stationär auf der höchsten Versorgungsstufe (Perinatalzentren Level 1). Im Regelfall erholt sich das Neugeborene rasch und es kann bei seiner Mutter in Ebersberg bleiben. Sollte in seltenen Fällen eine Verlegung notwendig werden, wird das Kind bis zur Übergabe an den/die Spezialist*in bereits optimal versorgt und für die Verlegung vorbereitet. Die Mutter kann direkt mitverlegt werden, was für die frühkindliche Bindung wichtig ist. Ergänzend finden regelmäßige Schulungen durch die neonatologischen Expert*innen für die Ebersberger Klinik-Kolleg*innen statt, um die Handlungssicherheit in Notfällen zusätzlich zu stärken.
Ein Modellprojekt für ganz Bayern
Das Modellprojekt TelEmergency Baby könnte wegweisend für andere Regionen sein: Rund 15 weitere Kliniken mit vergleichbarer Geburtshilfe und insgesamt etwa 10.000 Geburten pro Jahr in Bayern kommen für eine Ausweitung des Angebots in Frage. Ziel ist es, mit dem „Ebersberger Modell“ langfristig auch in anderen Häusern die Sicherheit von Müttern und Kindern zu erhöhen und unnötige Verlegungen zu vermeiden. Außerdem soll so ein Netzwerk entstehen, das Risikoschwangerschaften bereits weit vor der Geburt identifiziert und einer spezialisierten Versorgung zuführt.
Prof. Dr. Marcus Krüger, Chefarzt der Neonatologie der München Klinik, und
Dr. Christian Brickmann, Oberarzt der Neonatologie und Projektleiter, betonen: „Komplikationen bei Neugeborenen sind zwar selten, können aber innerhalb weniger Minuten lebensbedrohlich werden. Durch die telemedizinische Zuschaltung können wir unmittelbar unterstützen und die richtigen Schritte einleiten lassen, wichtig sind dabei die Schulungen vor Ort und die daraus entstehende vertrauensvolle Zusammenarbeit der Teams. Das bedeutet für die Kinder eine deutlich höhere Sicherheit und für die Teams vor Ort eine enorme Rückendeckung.“
Dr. Helen Budiman, Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe des Klinikum Ebersberg München Ost: „Wir haben es geschafft, die Abläufe vor, während und nach der Entbindung an beiden Standorten zu vereinheitlichen. Dies münzt auf intensive Vor-Ort-Trainings, Ablaufschulungen und Testbetriebe. Somit profitiert ein Neugeborenes von der Expertise des Perinatalzentrums der höchsten Versorgungsstufe auch an einer Geburtsklinik ohne Pädiatrie und wir können eine wohnortnahe, familiäre aber gleichzeitig sichere Geburtshilfe anbieten.“
Dr. Götz Brodermann, Vorsitzender der Geschäftsführung der München Klinik: „Mit TelEmergency Baby stellen wir unsere Expertise dort bereit, wo sie dringend gebraucht wird – in den Geburtskliniken ohne eigene Kinderintensivstation. Damit stärken wir die Versorgung in der Fläche und entlasten die Kolleg*innen vor Ort. Unser Ziel ist es, die Sicherheit von Mutter und Kind in ganz Bayern nachhaltig zu verbessern. Gleichzeitig bauen wir unsere Vorreiterrolle im Bereich der telemedizinischen Angebote weiter aus – für uns und eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung ein wichtiges Zukunftsfeld“
Dr. Christian Bayer, Medizinischer Direktor des Klinikum Ebersberg München Ost: „Für uns ist die erweiterte Kooperation mit der München Klinik ein großer Gewinn. Unsere Patient*innen können sich darauf verlassen, dass im Ernstfall ein neonatologisches Expertenteam erreichbar ist. Gleichzeitig profitieren unsere Mitarbeitenden von praxisnahen Schulungen und dem engen fachlichen Austausch.“
Hintergrundinformation: Langjährig gelebte telemedizinische Partnerschaft
Seit über 20 Jahren verbindet das Klinikum Ebersberg München Ost und die München Klinik eine enge telemedizinische Zusammenarbeit. Als Partnerklinik ist Ebersberg integraler Teil des an der München Klinik Harlaching beheimateten Schlaganfallnetzwerks TEMPiS. Die neurologischen Expert*innen im Harlachinger Zentrum unterstützen die Kolleg*innen in den insgesamt 25 bayerischen Partnerkliniken bei der Schlaganfalldiagnostik und Therapieentscheidung. Darauf auf setzen die Projekte TeleSchwindel zur Schwindeldiagnostik per Telemedizin und Videobrille und das weltweit einzigartige Flying Intervention Team (FIT), das die Harlachinger Neuroradiolog*innen per Helikopter in die Partnerkliniken bringt, um dort bei Schlaganfallpatienten schneller einen notwendigen Kathetereingriff (Thrombektomie) durchzuführen. Im Januar 2025 haben Ebersberg und München ihre telemedizinische Kooperation auf den Kinderbereich im Rahmen des Projektes TelEmergency Kids erweitert: In der Kindernotfallversorgung ermöglicht ein Telekonsil zwischen der Ebersberger Notaufnahme und dem Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der München Klinik Schwabing (in Kooperation mit der TUM), dass Kinder sofort von spezialisierten Kinder-Notfallmediziner*innen mitbeurteilt werden. Das neue Projekt TelEmergency Baby geht über die bisherige Zusammenarbeit im Kinderbereich noch hinaus und könnte Blaupause für ein bayerisches Telemedizinnetzwerk in der Neugeborenen-Versorgung sein.