München, 10. November 2025. In den drei „Krankenhaustagen“ vom 05. bis 07. November kamen die engagierten Studierenden der Human-, bzw. Zahnmedizin und Pharmazie von LMU und TU, ebenso wie die Pflegeauszubildenden der München Klinik aus dem Schmunzeln kaum heraus: So herzerwärmend war es, in die kleinen staunenden Kindergesichter zu sehen, die mutig ihre Kuscheltierkinder zur Diagnostik und Behandlung an die großen Menschen mit den weißen oder blauen Kitteln übergaben. Das „Teddybärkrankenhaus“, eine jährliche, bundesweite Aktion, fand dieses Jahr im Bildungscampus der München Klinik statt, in dem auch die klinikeigene Pflegeberufsfachschule ansässig ist. Die kommunalen Kinderkliniken Schwabing und Harlaching unterstützen als akademische Lehrkrankenhäuser das Projekt in München und spenden regelmäßig Behandlungsmaterial für die zahlreichen kranken Plüschpatienten.
Rund 300 ehrenamtliche Student*innen waren als Teddy-Docs zusammen mit rund 50 Teddy-Pfleger*innen der MüK im Großeinsatz, um die vielen Hundert Stofftiere und deren kleine Eltern professionell, geduldig und liebevoll zu versorgen. Dabei profitieren sie selbst ebenso spielerisch – durch Üben, sowohl eines angemessenen Umgangs mit Kleinkindern, wie auch der interprofessionellen Teamarbeit, als wertvolle Vorbereitung auf ihren zukünftigen, gemeinsamen Arbeitsalltag.
Prädikat vorbildlich: Großer Dank an das Teddybärkrankenhaus!
Am zweiten Aktionstag freuten sich die fleißigen Teddy-Docs und Teddy-Pflegenden über „hohen“ Besuch aus den eigenen Reihen und das große Lob für ihre vorbildliche Mit- und interprofessionelle Teamarbeit: Die kinderchirurgische Expertise wurde dabei von Chefarzt Prof. Oliver Münsterer, Oberarzt Prof. Jan Gödeke (beide LMU Klinikum) sowie Chefarzt Prof. Stuart Hosie (München Klinik) vertreten, flankiert von seinem pädiatrischen Kollegen Dr. Armin Grübl (Leitender Oberarzt, Kinderklinik Schwabing). Aus dem MüK-Bildungscampus waren Prof. Alexandra Wuttig (Geschäftsbereichsleitung) und Marc Garven (Schulleitung Berufsfachschule ATA/OTA) anwesend und wertschätzten das Engagement der angehenden Pflegefachkräfte, die zusammen mit den ärztlichen Kolleg*innen in spe einen Großteil der Teddy-Operationen inklusive Narkosevorbereitung und Schmerztherapie durchführten. Dass dieses Jahr der Bildungscampus der München Klinik Heimat für das Teddybärenkrankenhaus sein durfte, freut Schulleiter Marc Garven sehr:
„Dieses Projekt ist ein Musterbeispiel dafür, wie man Kindern schon früh die Sorgen und Ängste vor Arzt oder ggf. auch Krankenhausbesuchen nehmen kann. Darüber hinaus wird so schon während des Studiums bzw. der Ausbildung die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen den späteren Ärzt*innen und den Pflegeberufen gestärkt – ein essentiell wichtiger Baustein für die optimale Versorgung aller Patientinnen und Patienten, ob klein oder groß, jung oder alt. Unser großer Dank geht an alle Beteiligten, vor allem die Organisator*innen des Teddybärkrankenhauses, die sich in ihrer Freizeit neben dem Studium für das Gelingen diesen vorbildlichen Projektes einsetzen. Wir freuen uns schon auf 2026!“
Am Anfang steht die 112! So lernen die Kinder die Rettungskette kennen
Oh großer Schreck – mein Kuscheltier hat einen Unfall! Es muss ins Krankenhaus… aber wie? Natürlich mit der 112! Die Kinder sollen früh lernen, dass Hilfe holen den ersten, wichtigen Aspekt der Rettungskette darstellt. Start-Highlight war somit auch in diesem Jahr der ebenfalls ehrenamtliche Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr München: Mit speziellen Hebegeräten wurde ein eingeklemmter Riesenteddy vor den Augen der faszinierten Kinder befreit und vom herbeipurzelnden Notarzt im Teddykostüm erstversorgt. Dann ging es schnell wie die Feuerwehr unter aufgeregtem „Tatütata“ auf einer Trage ins Teddybärkrankenhaus!
Von Teddybär-Rettung bis zum Rezept
Jedes Kind wurde von möglichst einem eigenen Teddy-Doc zum Untersuchungsplatz begleitet, dort zu den Beschwerden der Plüschkinder befragt und diese genaustens körperlich untersucht. Wie bei einem richtigen Maximalversorger stand die ganze Palette der Diagnostik zur Verfügung (wobei sämtliche Geräte von den Teddy-Docs selbst gebastelt werden). Dazu gehörte Labor mit Blutabnahme und Mikroskopie, EKG-Aufzeichnung, Ultraschall, Röntgen und MRT sowie ein Routine-Check mit Tipps zum Zähneputzen in der Zahnklinik. Hier durften die Kinder selbst Hand oder Ohr anlegen: Stethoskop nehmen und lauschen, Haut desinfizieren und impfen oder Blut abnehmen, Manschette drum und Blutdruck messen, Creme drauf und Verband drumwickeln oder ihre Tierkinder in die Röhre schieben – natürlich nur in eine MRT-Röhre!
Der Anästhesie- und OP-Bereich lag bei den Pflegeauszubildenden der München Klinik, darunter Auszubildende der Generalistik sowie für Anästhesie- und operationstechnische Assistenz (ATA/OTA), in guter Hand.
Mit großer Geduld erklärten und übten sie mit den Kindern detailliert den Ablauf bei einer OP an einem besonders präparierten kindergroßen Teddy. So lernten die Kinder, wie der Teddy zuerst eine Narkose zum Einschlafen bekommt, durften ihn „richtig“ intubieren und mit Ambu-Beutel beatmen. Bei der nachfolgenden OP war es wichtig, das Fell mit Tupfern ordentlich zu „desinfizieren“, bevor im Reißverschlussbauch des Teddys operiert oder das gebrochene Beine wieder geradegerichtet werden darf. Neben der offenen OP-Technik erfreute sich auch die Laparoskopie besonderer Beliebtheit. Dabei versuchten die Kinder mit Greifzangen-Trokaren im Bauch eines Teddys Grummel-Murmeln zu erwischen und konnten dies sogar in Echtzeit auf einem Bildschirm kontrollieren. Nervenkitzel pur!
Die letzte Station, bevor die glücklichen Kuscheltiereltern ihre Schützlinge wieder mit nach Hause nahmen, war die Apotheke: Gegen Abgabe des ausgefüllten Rezeptes erhielten sie für die pelzigen Patienten von den Pharmaziestudent*innen süße Medizin, die selten wirklich im Bauch der Plüschtiere landete.
Mit großer Freude konnten die kleinen Plüschtiereltern somit die gesamte Rettungskette vom Einsatzort bis zur Ankunft im Krankenhaus überblicken, sich mit dem Ablauf in einer Klinik spielerisch vertraut machen und stolz selbst mitwirken.
Bundesweite Aktion nimmt Kindern die Angst vor Ärzten und Krankenhäusern Die Idee zum Teddybärenkrankenhaus stammt ursprünglich aus Schweden und findet als Initiative der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (BVMD) deutschlandweit an zahlreichen Universitäten statt. Ziel ist es, Kindern im Vorschulalter auf spielerische Art die Angst vor „Weißkitteln“ und der fremden Umgebung in Krankenhäusern und Arztpraxen zu nehmen. Dazu wird ein Krankenhaus simuliert, in dem Behandlungsräume und OP-Säle im Kleinen nachgebaut sind und die Patienten (= Kuscheltiere) zusammen mit ihren „Eltern“ (= Kindergartenkinder) durch die einzelnen Stationen geführt werden. Dazu werden die Kuscheltiere zunächst von den Kindern angemeldet. Nach einer kurzen Zeit im Wartezimmer wird jedes Kind einzeln von einem Medizinstudenten, dem zuständigen „Arzt“, aufgerufen und zum Untersuchungszimmer gebracht. Während der Untersuchung werden die Student*innen für das Kind verständlich erklären, was gemacht wird. Jeder Teddybär bekommt dazu einen persönlichen Teddyarzt zugewiesen und durchläuft zusammen mit den Teddyeltern den Parcours von Anmeldung über Untersuchungen bis hin zur Apotheke. Die Teddyärzt*innen sorgen während des Aufenthalts für eine komplette Betreuung von Kuscheltier und Kind.
Das Besondere des Münchner Teddykrankenhaus an der München Klink ist die Einbindung der Pflegeschüler*innen als Teampartner und damit die Möglichkeit des Erlernens und Erlebens des später essentiell wichtigen interprofessionellen Arbeitens. Zu den Effekten des Teddybärkrankenhauses bzgl. Angstreduktion und Lernzuwachs siehe beispielsweise auch: The effects of a Teddybear Hospital project on prescool childrens' knowledge and medical students' professionalism: a prospective cohort study - PubMed |