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Mit Herz und Hirn

Prof. Dr. Lehmberg leitet die Neurochirurgie der München Klinik.

2018 hat Prof. Dr. Jens Lehmberg die Neurochirurgie in Bogenhausen als Chefarzt übernommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits mehr als 4.500 Eingriffe selbstständig operiert und zudem über 4.000 Assistenzen und Lehrassistenzen absolviert. Hinter jeder Zahl steht ein persönliches Schicksal. Genau dieses motiviert ihn bei jeder Operation aufs Neue. Im Gespräch offenbart Lehmberg, wie er arbeitet und was eigentlich in seinem Kopf vor und während so einer OP vorgeht.

„Ich behandle Patienten mit bösartigen Hirntumoren, mit deren Schicksal ich mich stundenlang auseinandergesetzt habe.“

 

Prof. Dr. Lehmberg ist die große Bühne vertraut. Er kam bereits aus einer Chefarztposition in die München Klinik, ist aufgrund seiner Expertise bei komplexen Eingriffen ein gefragter Redner auf nationalen und internationalen Kongressen und Seminaren. Und auch im OP ist er es gewohnt, von einem rund 10-köpfigen Team umgeben zu sein. Doch die wirklich große Bühne findet im Stillen statt – in seinem Kopf. „Vor jeder OP gehe ich alle Befunde durch und kenne alle Symptome der Patienten im Grunde auswendig. Schon beim Durchsehen der Kernspin und Computer-Tomografien spiele ich den Ablauf gedanklich durch.“ Akribisch bereitet er sich auf jede OP vor, ganz gleich, ob es sich um einen großen oder vermeintlich kleinen Eingriff handelt. Stunden, manchmal auch Tage kann das dauern. „Zudem lege ich vorab Exit-Strategien fest, d.h. was mache ich, wenn dieser oder jener Fall eintritt?“ Wenn es dann so weit ist, blendet er alles um sich herum aus und folgt seinem Plan. Die längste OP dauerte 13 Stunden.

„Man darf nichts verschweigen, denn die Tipps und Erfahrungen anderer helfen sehr.“

 

Einen herausragenden Ruf hat sich Lehmberg bereits mit Operationen höchster Komplexität erarbeitet, wie in der Behandlung seltener Tumore, in der peripheren Nervenchirurgie sowie in der Tiefen-Hirnstimulation bei Morbus Parkinson. Bereits 2009 entfernte er einen Hirntumor endoskopisch durch die Nase, damals ein noch neues Verfahren. Und auch heute noch lernt er laufend gerne dazu: „Immer wenn neue Operationstechniken eingeführt werden, bin ich vorher auf Kongressen oder im anatomischen Labor und übe an Körperspendern.“ Sein Wissen gibt er leidenschaftlich gerne weiter – in der Ausbildung von neurochirurgischen Kollegen, als Doktorvater an der Universität oder als Lehrer bei nationalen und internationalen Operationskursen. Der Austausch ist für ihn zentral, um besser zu werden. So ist er auch Mitglied diverser Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC). 2017 wurde er von der Medizinischen Fakultät der TU München zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

Im OP gilt: volle Konzentration.

Das OP-Team besteht bei einer Gehirnoperation aus bis zu 10 Personen.

Das Ziel: Der Einsatz lohnt sich!

„Wenn ich merke, dass ich keine Chance mehr habe und die Natur stärker ist, nimmt mich das mit.“

 

Doch nicht nur Wissen, auch Gefühl braucht ein Neurochirurg, da ist sich Lehmberg sicher. Zum einen Mitgefühl als Motivator in jeder einzelnen OP. Aber auch Bauchgefühl, was und wie viel dem Gewebe zugemutet werden kann. „Daher erwarte ich in den nächsten Jahren auch noch keinen OP-Roboter, der selbstständig operiert, denn er kann auf Unvorhergesehenes nicht so reagieren wie ein Operateur.“ Glücklicherweise gibt es nicht viel Unvorhergesehenes in der Neurochirurgie, u. a. weil viel Zeit in die Vorbereitung investiert wird. Und weil in Lehmbergs Team stets die Kompetenz entscheidet, wer einen Eingriff vornimmt: „Eine Chefarztbehandlung gibt es nicht nur für Privatpatienten, sondern der Chef operiert auch dann persönlich, wenn das seine besondere Expertise ist.“

„Es geht nicht nur um Lebenszeit, es geht auch um Lebensqualität.“

 

Mit 2.500 komplexen Eingriffen im Jahr gehört die Neurochirurgie in Bogenhausen zu den größten Kliniken in Deutschland und genießt national und international einen hervorragenden Ruf. 2019 wurde sie als neuroonkologisches Zentrum der DKG zertifiziert. Diesen Schwerpunkt auszubauen, war eines von Lehmbergs Zielen als er 2018 in der München Klinik als Chefarzt begann. In Zukunft steht daneben auch der Ausbau in den Bereichen Wirbelsäule und vaskuläre Neurochirurgie sowie der weitere Aufbau der Kinderneurochirurgie auf der Agenda. Lehmberg wird es auch hier machen wie immer - mit Konzentration in der ganzen Sache und Empathie für den einzelnen Patienten.

Unsere Geschichten für Sie: Viel Freude beim Lesen!