Aktuelle Mitteilung der München Klinik

Neuigkeit
27.02.201912:33 Uhr

Fliegende Heli-Ärzte helfen Schlaganfallpatienten zwei Stunden schneller

Erste Ergebnisse des weltweit einzigartigen Pilotprojekts an der München Klinik Harlaching

Im Februar 2018 ist das „Flying Intervention Team“ zum ersten Einsatz gestartet. Jetzt, ein Jahr später, stellen die fliegenden Ärzte an der München Klinik Harlaching die ersten Ergebnisse vor. Mit einer Zeitersparnis von 110 Minuten gegenüber der herkömmlichen Patientenverlegung sind die fliegenden Ärzte schneller als erwartet.

München, 27. Februar 2019. Bis dato wurden Patienten mit schwerem Schlaganfall in ein großes Zentrum verlegt. Mit dem Projekt „Flying Intervention Team“ kehren die Schlaganfallexperten der München Klinik Harlaching den Ablauf erstmals um – und fliegen stattdessen mit dem Helikopter zu den Schlaganfallpatienten in elf Partnerkliniken in Südostbayern. Mit einer Zeitersparnis von rund 100 Minuten rechnete der Neurologe und Projektleiter Dr. Gordian Hubert zu Beginn des Projekts, das eine weltweite Neuheit in der Patientenversorgung darstellt. Die ersten Auswertungen nach einem Projektjahr geben ihm recht und übertreffen die Erwartungen sogar leicht – denn die fliegenden Ärzte sind im Schnitt 110 Minuten schneller.

Zwei Stunden weniger bis zur lebensrettenden Schlaganfallbehandlung

Um vergleichen zu können, ob die fliegenden Ärzte schneller sind als die bislang angewandte Patientenverlegung, wird das Projekt während der Pilotphase im wöchentlichen Wechsel durchgeführt. In einer Woche werden Patienten, die für einen speziellen Kathetereingriff (Thrombektomie) in Frage kommen, in ein Schlaganfallzentrum mit spezialisierten Neuroradiologen verlegt. In der anderen Woche fliegen die Neuroradiologen direkt zum Patienten – und führen den Eingriff vor Ort in einer Partnerklinik im bayerischen Umland durch. In der ersten Auswertung zeigt sich: Das „Flying Intervention Team“ ist fast zwei Stunden schneller als der Standard. Von der Diagnose bis zum Eingriff brauchen sie im Schnitt nur 56 Minuten, während Patienten, die verlegt wurden, den Eingriff im Schnitt nach 166 Minuten erhielten. „Damit sind wir unserem Ziel, dauerhaft eine ortsunabhängig schnelle Behandlung für Schlaganfallpatienten zu ermöglichen, einen riesigen Schritt nähergekommen“, freut sich Projektleiter Dr. Gordian Hubert über die Ergebnisse. Das Pilotprojekt ist zunächst auf drei Jahre ausgelegt. Dann soll entschieden werden, ob die fliegenden Ärzte die Regelversorgung der Zukunft für Schlaganfallpatienten sind. Durch den Zeitvorteil können gerade schwer Betroffenen das Leben gerettet und schwerwiegende Behinderungen erspart werden. Außerdem ermöglicht die neue Methode den Patienten eine ganzheitlich wohnortnahe Behandlung.

Das Ziel ist eine flächendeckend schnelle Hilfe für Schlaganfallpatienten

Der Schlaganfall ist mit rund 270.000 jährlichen Betroffenen in Deutschland eine Volkskrankheit und hierzulande die dritthäufigste Todesursache. „Time is brain – Zeit ist Gehirn“ ist der maßgebende Faktor in der Schlaganfallmedizin. Jede Minute, die bis zum lebensrettenden Eingriff gespart wird, bedeutet für den Patienten ein geringeres Risiko für bleibende Behinderungen – denn beim Schlaganfall sterben pro Minute rund 1,9 Millionen Nervenzellen. Vielen schwer betroffenen Patienten kann seit einigen Jahren eine neue Behandlungsmethode helfen: die Thrombektomie. Dabei wird das Blutgerinnsel, das eine Hirnarterie verstopft, mechanisch mithilfe eines Katheters entfernt und die Durchblutung wiederhergestellt. Der Eingriff erfordert eine hohe medizinische Expertise und muss so schnell wie möglich durchgeführt werden. Erhält der Patient die Behandlung rechtzeitig, lassen sich dadurch schwere Behinderungen auch bei schweren Verläufen oft vermeiden. Es gibt bislang jedoch nur wenige Spezialisten, die einen solch komplizierten Eingriff vornehmen können. Diese Neuroradiologen befinden sich meist in großen Schlaganfallzentren, welche sich wiederum in großen Städten bilden. Patienten, die ihren Schlaganfall auf dem Land erleiden, müssen für die Thrombektomie aufwändig in ein solches Zentrum verlegt werden. Durch den Einsatz der fliegenden Ärzte können die Patienten nun viel schneller behandelt werden, ohne dem Risiko einer solchen Verlegung ausgesetzt zu sein.

So funktioniert das weltweit einmalige Projekt „Flying Intervention Team“

Die Pilotphase des Hubschrauberprojekts läuft seit Februar 2018 und soll zeigen, ob sich dahinter das wegweisende Modell der Zukunft verbirgt. Schlaganfall-Experten aus der München Klinik Harlaching haben das Projekt, das in enger Kooperation mit dem Klinikum rechts der Isar durchgeführt wird, initiiert und leiten die Untersuchung, die von den Bayerischen Krankenkassen zunächst für einen Zeitraum von drei Jahren finanziert wird. Das wissenschaftliche Projekt ist die Weiterentwicklung des vor 15 Jahren von der München Klinik Harlaching ins Leben gerufenen telemedizinischen Schlaganfallnetzwerks TEMPiS. Kommt ein Patient mit Schlaganfallsymptomen in eine regionale Partnerklinik, wird er umgehend per Videokonferenz von einem Neurologen aus München telemedizinisch untersucht. Stellt sich heraus, dass bei dem Patienten eine Thrombektomie durchgeführt werden muss, machen sich die fliegenden Ärzte per Helikopter auf den Weg. Zur gleichen Zeit wird der Patient in der Partnerklinik bereits optimal vorbereitet. So kann das Interventionsteam, bestehend aus Arzt und Assistent, gleich nach der Ankunft mit dem Eingriff beginnen und durch die parallelen Abläufe der Rettungskette entsteht ein entscheidender Zeitvorteil

Telemedizin bringt hohe Versorgungsqualität aus der Stadt auch auf das Land

Das „Flying Intervention Team“ ist ein Projekt des telemedizinischen Schlaganfallnetzwerks TEMPiS, das bereits im Jahr 2003 gegründet wurde. TEMPiS gehört mit 23 angebundenen Kliniken, zwei Telemedizinzentren in Harlaching und Regensburg und mehr als 10.000 Patienten pro Jahr zu den größten Netzwerken seiner Art in Europa. Die Ärzte in den Partnerkliniken werden bei der neurologischen Untersuchung, der bildgebenden Diagnostik und der Therapieentscheidung von ausgewiesenen Schlaganfallspezialisten in den Zentren telemedizinisch, also per „Video-Liveschalte“, unterstützt. Mit bis heute über 60.000 durchgeführten Telekonsilen hat sich das Konzept des Netzwerks als Erfolg erwiesen: höhere Versorgungsqualität, geringere Sterblichkeit, kürzere Verweildauer und frühere Diagnose heben den Versorgungsstandard in ländlichen Regionen auf das gleiche Niveau wie in der Stadt. Das „Flying Intervention Team“ soll nun dazu beitragen, dass die Patienten auch in Zukunft über das gesamte Therapiespektrum wohnortnah behandelt werden können. Die fliegenden Ärzte sind erfahrene interventionelle Neuroradiologen aus der München Klinik Harlaching und dem Klinikum rechts der Isar in München, die zunächst an 26 Wochen im Jahr, sieben Tage die Woche, jeweils in der Zeit zwischen 8.00 Uhr und 22.00 Uhr zur Verfügung stehen.

Projektpartner und Finanzierung

Projektträger ist die München Klinik, Kooperationspartner sind das Klinikum rechts der Isar der TU München, das Universitätsklinikum Regensburg und die regionalen Kliniken des TEMPiS-Netzwerks. Die Finanzierung des Projektes erfolgt vollständig durch die gesetzlichen und privaten Krankenkassen. Die wissenschaftliche Auswertung wird durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP) gefördert. Kooperationspartner für die Helikopterflüge sind die ADAC Luftrettung gGmbH sowie die HTM Helicopter Travel Munich GmbH.

 

Die München Klinik ist der größte und wichtigste Gesundheitsversorger unserer Stadt. Mit Kliniken in Bogenhausen (5), Harlaching (4), Neuperlach (6), Schwabing (2) und Europas größter Hautklinik in der Thalkirchner Straße (3) ist die München Klinik an insgesamt fünf Standorten jederzeit für alle Münchnerinnen und Münchner da. Die Akademie(1) ist mit rund 500 Ausbildungsplätzen die größte Bildungseinrichtung im Pflegebereich in Bayern. Die München Klinik bietet als starker Klinikverbund Diagnostik und Therapie für alle Erkrankungen – hoch spezialisiert und erster Ansprechpartner für die medizinische Grundversorgung. Der Verbund bietet innovative Medizin und Pflege ganz nah bei den Patienten und deren Bedürfnissen. Rund 135.000 Menschen lassen sich jährlich stationär und teilstationär behandeln. Auch in der Notfallmedizin ist Deutschlands zweitgrößtes kommunales Klinikunternehmen die Nr. 1: Rund 160.000 Menschen werden jedes Jahr in den vier Notfallzentren aufgenommen – das entspricht über 40 Prozent aller Notfälle der Landeshauptstadt. Die Kliniken sind entweder Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität oder der Technischen Universität München.

 

Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Das Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München widmet sich mit rund 5.500 Mitarbeitern der Krankenversorgung, der Forschung und der Lehre. Jährlich profitieren rund 60.000 Patienten von der stationären und rund 250.000 Patienten von der ambulanten Betreuung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Universitätsklinikum ist ein Haus der Supra-Maximalversorgung, das das gesamte Spektrum moderner Medizin abdeckt. Durch die enge Kooperation von Krankenversorgung und Forschung kommen neue Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Studien frühzeitig dem Patienten zugute. Seit 2003 ist das Klinikum rechts der Isar eine Anstalt des öffentlichen Rechts des Freistaats Bayern.

medbo Regensburg
Die medbo (Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz) ist Experte für psychische und neurologische Gesundheit und bietet medizinische Leistungen in den Fachgebieten Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Neurologie, Neurologische Rehabilitation, Neuroradiologie sowie Forensik. Als öffentlich-rechtlicher Krankenhausträger betreibt die medbo dazu an sechs Standorten in der Oberpfalz Kliniken, Ambulanzen, Institute und Pflegeheime zur Versorgung der etwa ein Millionen Einwohner. Ihre Einrichtungen befinden sich in Amberg, Cham, Parsberg, Regensburg, Weiden und Wöllershof.  Kooperationskliniken der Universität Regensburg zählen ebenso zur medbo wie das Institut für Bildung und Personalentwicklung IBP, das größte Bildungsinstitut im Gesundheitsbereich in Ostbayern, und die Berufsfachschulen für Krankenpflege und Krankenpflegehilfe Regensburg. Mit über 3.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die medbo einer der größten Arbeitgeber der Region.

ADAC Luftrettung gGmbH
Mit mehr als 50 Rettungshubschraubern und 36 Stationen ist die gemeinnützige ADAC Luftrettung eine der größten Luftrettungsorganisationen Europas. Seit 2017 gehört sie zur gemeinnützigen ADAC Stiftung. Die ADAC Rettungshubschrauber gehören zum deutschen Rettungsdienstsystem und werden immer über die Notrufnummer 112 bei der Leitstelle angefordert und sind im Notfall für jeden Verunglückten oder Erkrankten zur Stelle. „Gegen die Zeit und für das Leben“ lautet der Leitsatz der ADAC Luftrettung gGmbH. Denn gerade bei schweren Verletzungen oder Erkrankungen gilt: Je schneller der Patient in eine geeignete Klinik transportiert wird oder vor Ort vom Notarzt versorgt wird, desto besser sind seine Überlebenschancen bzw. seine Rekonvaleszenz.

HTM Helicopter Travel Munich GmbH
HTM Helicopter Travel Munich GmbH ist eines der größten Hubschrauberunternehmen im deutschsprachigen Raum mit IFR- und Offshore- Zulassung sowie einer eigenen Flugschule. 1997 von Hans Ostler in München gegründet, betreibt HTM 23 Hubschrauber an 6 Standorten und ist dabei, weiterhin zu expandieren. HTM ist für Sie mehr als 4000 Stunden pro Jahr im Einsatz.

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Das "Flying Intervention Team". Bildnachweis: Klaus Krischock

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Das Interventionsteam auf dem Weg zum Einsatz. Bildnachweis: Klaus Krischock

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Die fliegenden Ärzte heben ab. Bildnachweis: Klaus Krischock

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