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Aktuelle Mitteilung der München Klinik

Meldung
10.11.202112:33 Uhr

Frauen mit Diabetes mellitus von Begleiterkrankungen härter betroffen

Frauen mit Diabetes Typ II haben im Vergleich zu Männern ein deutlich erhöhtes Risiko für koronare Herzerkrankungen, die einen Herzinfarkt auslösen könnten

„Gender & Diabetes“ – Symposium der München Klinik in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt München am 19. November

Werden Frauen, die unter einem Diabetes mellitus Typ II leiden, medizinisch schlechter versorgt als Männer? Diese Vermutung legen zahlreiche Studien nahe, die bei Frauen ein erhöhtes Risiko feststellen, infolge des Diabetes eine koronare Herzerkrankung – die Vorstufe eines potentiellen Herzinfarkts – zu entwickeln. Die bei Frauen stärkeren Nebenwirkungen der Medikamente, welche überwiegend an männlichen Mäusen und Testpersonen erprobt wurden, könnten ein Ansatz sein, diese auffällige Diskrepanz zu erklären. Andere Argumente lassen sich aber ebenfalls finden.

München, 10. November 2021. Wer mit der Diagnose „Diabetes mellitus Typ II“ konfrontiert wird, muss sich plötzlich in einem viel stärkeren Maße um seine Gesundheit kümmern, als dies bisher nötig schien: Regelmäßig Blutzucker messen, entsprechend Medikamente oder Insulin einnehmen, auf liebgewonnene Gewohnheiten verzichten, mehr körperliche Aktivität an den Tag legen – die Liste der Anforderungen ist lang. Doch ist der Lohn für die Mühen im Hier und Jetzt kaum spürbar, sondern besteht überwiegend darin, Risiken für die Zukunft zu vermeiden.

Der Typ II-Diabetes ist eine Stoffwechselkrankheit, die mit einem zu hohen Zuckerspiegel im Blut verbunden ist. Dieser schädigt auf lange Sicht die Blutgefäße, die Nerven und die Organe. Herzinfarkte und Schlaganfälle sind gefürchtete Komplikationen, aber auch Nierenschäden, Netzhautablösungen und der diabetische Fuß können als Spätfolgen auftreten. Biologisch ist bei Männern mit steigendem Lebensalter die Wahrscheinlichkeit höher, an Diabetes mellitus zu erkranken, als bei Frauen. Doch die Folgen dieser Krankheit treffen die Frauen in einem stärkeren Maße: „Frauen mit Diabetes mellitus haben ein deutlich erhöhtes Risiko, eine koronare Herzerkrankung und offensichtlich auch eine schwere Herzinsuffizienz zu entwickeln“, berichtet Prof. Dr. Klaus-Dieter Palitzsch, Chefarzt der Endokrinologie, Diabetologie, Angiologie und Innere Medizin der München Klinik Neuperlach. Dies sei nicht nur in Deutschland so, sondern auch internationale Studien belegen diesen frappanten Unterschied bei den Folgerisiken, die Männer und Frauen mit Diabetes treffen.

Wirken die Therapien bei Frauen nicht?

Woraus könnten die höheren Risiken für die Frauen resultieren, wenn sie an einem Diabetes Typ II erkrankt sind? Die Studien zeigen eindeutig, dass die vorgeschlagenen Therapien bei den Frauen nicht ankommen oder nicht wirken: Frauen erreichen signifikant seltener den angestrebten HbA1c-Wert, der das Blutzucker-Gedächtnis für die vorangegangenen Wochen darstellt. Im Vergleich zu den Männern unter den Testpersonen erleiden Frauen häufiger Unterzuckerungen, die nächtlichen Unterzuckerungen liegen sogar fast viermal so hoch.

Durch biologische Unterschiede lassen sich die mangelnden Therapie-Erfolge nicht erklären, doch zeigt eine amerikanische Untersuchung, dass Frauen mit Diabetes mellitus oft ein geringeres Verständnis für die gefährlichen Risiken einer begleitenden Herz-Kreislauf-Erkrankung haben. Zudem sind die Frauen medikamentös anders versorgt. Sie bekommen weniger Therapien, bei denen mehrere Medikamente kombiniert werden. Auch nehmen sie oft keine Cholesterin-Hemmer, wenn ihr Cholesterin-Spiegel zu hoch ist, obwohl das Doppelrisiko „hohes Cholesterin und hoher Blutzucker“ sehr tückisch ist. Denken etwa die Ärzte bei den Frauen weniger an das Risiko von Herzerkrankungen oder verweigern Frauen vielleicht die Medikamenten-Einnahme, weil beispielsweise der Herzinfarkt noch immer als typische Männerkrankheit gilt? 

Überwiegend Männer testen Medikamente

Eine heiße Spur auf der Suche, warum bei Frauen die Diabetes-Therapien nicht den gewünschten Erfolg erbringen, führt zu den Pharma-Studien: Bei diesen überwiegen die männlichen Testpersonen immer noch deutlich. Früher wurden fast alle Medikamente zunächst an männlichen Mäusen und dann an jungen Männern erprobt – die Einflüsse durch den weiblichen Zyklus erschienen den Pharmakologen zu kompliziert und seit dem Contergan-Skandal wollte niemand mehr riskieren, unerkannt schwangere Frauen in die Studien einzubinden. Immerhin verlangen medizinische Richtlinien seit den neunziger Jahren, dass Medikamente auch an weiblichen Testpersonen erprobt werden müssen. Aber noch immer ist es nicht Standard, die Daten getrennt nach Geschlechtern auszuwerten, um mögliche Geschlechterunterschiede bezüglich Wirksamkeit oder Dosierung festzustellen. Aus diesem Grund lauten die Dosierungsempfehlungen auf den Beipackzetteln fast immer gleich für beide Geschlechter.

Inzwischen ist aber bekannt, dass Frauen bei manchen Medikamenten eine andere Dosierung benötigen. Beispielsweise reicht Frauen bei den Betablockern – ein beliebtes Mittel, um den Bluthochdruck zu senken – schon die halbe Dosis. Vermehrt verordnete Anti-Diabetika, die SGLT-2-Inhibitoren, wirken bei Frauen erwiesenermaßen nicht so gut und sind häufig mit Nebenwirkungen wie Harnwegsinfekten oder Pilzinfektionen verbunden. Bei den Statinen, die gegen hohe Cholesterinwerte zum Einsatz kommen, würde bei Frauen oft schon eine niedrige Wirkmenge den gewünschten Effekt erreichen. Doch oftmals wird die Therapie mit der Standarddosis angesetzt und die Frauen leiden dann unter starken Muskelschmerzen, einer häufigen Nebenwirkung der Statine. Dass die Frauen dann unter Umständen diese Medikamente nicht mehr einnehmen und auch die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt scheuen, könnte den mangelnden Therapie-Erfolg begründen, den die Studien ans Tageslicht gebracht haben.

Die Medizinerinnen und Mediziner in der München Klinik haben sich auf die noch relativ neuen Erkenntnisse eingestellt: „Für unsere Patientinnen in der Diabetologie suchen wir nach ganz individuellen Therapien, die ihre Blutzuckerwerte verbessern, ohne dass sie Unverträglichkeiten in Kauf nehmen müssen“, unterstreicht Prof. Dr. Robert Ritzel, Chefarzt der Endokrinologie, Diabetologie und Angiologie in der München Klinik Bogenhausen. Für ihn ist es auch selbstverständlich, den Patientinnen erst eine niedrigere Dosis anzubieten und von vorneherein die Bereitschaft zu signalisieren, die Medikamente bei eventuellen Nebenwirkungen zu variieren.

Gendermedizin sorgt für sensibles Vorgehen

In der München Klinik hat sich die Sensibilität erhöht, wenn es um die unterschiedliche Behandlung von Krankheit bei Männern und Frauen geht. Denn es gibt ein eigenes Fachreferat für „Gendermedizin und Pflege“, deren engagierte Leiterin Dr. Hildegard Seidl sich dafür einsetzt, dass die geschlechterspezifischen Unterschiede bei Krankheiten erkannt werden und dieses Wissen in Medizin und Pflege einfließt. Der Begriff „Gender“ kommt aus der englischen Sprache und bezeichnet die Geschlechteridentität unter sozialen Gesichtspunkten – im Gegensatz steht das Wort „sex“ für das biologische Geschlecht. „Bei der Gendermedizin schauen wir auch darauf, wie die Rollenvorstellungen von Männern und Frauen sich auf die Therapien auswirken. Männer gehen zum Beispiel bei Depressionen seltener als Frauen zum Arzt, doch leider gibt es eine höhere Selbstmordrate. Auch bei den Therapie-Erfolgen des Diabetes spielen geschlechterspezifische Muster möglicherweise eine Rolle“, gibt Dr. Hildegard Seidl zu bedenken.

Tatsächlich ist in diversen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema „Frauen und Diabetes-Therapie“ davon die Rede, dass Frauen zwar ihre Familienangehörigen umsorgen und gegebenenfalls zum Arzt schicken, aber ihre Selbstfürsorge weniger stark ausgeprägt ist. Zudem achten sie weniger als die Männer auf einen gesunden Lebensstil, haben bereits als junge Frauen und dann wieder nach den Wechseljahren häufiger Übergewicht und bewegen sich nur wenig.

Beiden Geschlechtern fällt es etwa genauso schwer, den inneren Schweinehund zu überwinden und ihren Lebensstil hin zu mehr Bewegung und weniger Gewicht umzustellen. Doch wenn sie sich aufraffen konnten, dann vermelden die Männer viel schneller Erfolge. „Dies könnte erklären, dass viele Frauen wieder aufgeben,“ meint die Gender-Expertin Dr. Hildegard Seidl. In ihren Augen wäre es ganz wichtig, die Frauen gut aufzuklären, ihnen also schon vorab zu sagen, dass die Pfunde anfangs nur langsam purzeln werden. Und es wäre gut für sie zu wissen, dass sie mit 30 Minuten Bewegung am Tag die Risiken deutlich stärker mindern können als Männer bei gleicher Anstrengung. 

Symposium „Gender & Diabetes“ am 19.11.2021 ab 14.00 Uhr im Hörsaal des Krankenhauses für Naturheilweisen auf dem Gelände der München Klinik Harlaching. Anmeldung über www.muenchen-klinik.de/ge21 erforderlich

Die München Klinik ist mit Kliniken in Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach, Schwabing und Europas größter Hautklinik in der Thalkirchner Straße Deutschlands zweitgrößte kommunale Klinik und der größte und wichtigste Gesundheitsversorger der Landeshauptstadt München. Die München Klinik bietet als starker Klinikverbund Diagnostik und Therapie für alle Erkrankungen in München und im Umland und genießt deutschlandweit einen ausgezeichneten Ruf – mit innovativer und hoch spezialisierter Medizin und Pflege und gleichzeitig als erster Ansprechpartner für die medizinische Grundversorgung. Rund 135 000 Menschen lassen sich hier im Schnitt pro Jahr stationär und teilstationär behandeln. Mit jährlich über 6000 Geburten kommen hier deutschlandweit die meisten Babys zur Welt. Auch in der Notfallmedizin ist die München Klinik die Nummer 1 der Stadt: Bis zu 160 000 Menschen werden jedes Jahr in den vier Notfallzentren aufgenommen – das entspricht rund einem Drittel aller Notfälle der Landeshauptstadt. Die Kliniken sind entweder Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität oder der Technischen Universität München. Die hauseigene Pflege-Akademie ist mit rund 500 Ausbildungsplätzen die größte Bildungseinrichtung im Pflegebereich in Bayern. Als gemeinnütziger Verbund finden in der München Klinik Daseinsvorsorge und herausragende Medizin zusammen und stellen das Gemeinwohl in den Vordergrund: Über die medizinisch-pflegerische Versorgung hinaus gibt es großen Bedarf, der vom Gesundheitssystem nicht refinanziert wird – wie etwa das Spielzimmer für Geschwisterkinder. Und auch die Mitarbeitenden aus Medizin und Pflege, die sich mit ihrer täglichen Arbeit für die Gesundheitsversorgung Münchens einsetzen, können von Zuwendungen in Form von Spenden profitieren – beispielsweise durch die Finanzierung von zusätzlichem Wohnraum. Dafür zählt jeder Euro.

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