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Aktuelle Mitteilung der München Klinik

Meldung
29.06.202112:33 Uhr

Frauen und Männer sind anders krank

Mediziner der München Klinik erklären die Unterschiede bei Herzinfarkt, Diabetes, Osteoporose und Depression

München, 29.06.2021. Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht: Ein- und dieselbe Krankheit kann sich auf Frauen und Männer verblüffend unterschiedlich auswirken. Bei Covid-19 haben Männer ein deutlich größeres Risiko, schwer zu erkranken. Bei Herzinfarkten oder Diabetes hingegen leiden die Frauen stärker unter den Folgen, Männer hingegen zeigen andere Symptome bei Osteoporose und Depression. Spezialisten der München Klinik erklären für vier der großen Volkskrankheiten, worin die Unterschiede bei den Geschlechtern liegen.

Verkannte Warnzeichen: Frauen mit Herzinfarkt kommen eine Stunde später in die Notaufnahme

Starke Schmerzen im Brustkorb, die in den linken oder beide Arme ausstrahlen und länger anhalten, gelten als das klassische Warnsignal bei einem Herzinfarkt. „Bei einem Großteil der Männer trifft dies auch zu, aber nur etwa ein Drittel der betroffenen Frauen verspüren diesen Schmerz“, warnt Prof. Stefan Sack, Chefarzt für Kardiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin in der München Klinik Neuperlach. Bei Frauen treten häufiger Beschwerden auf, die sich nicht so eindeutig zuordnen lassen: Kurzatmigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen im Rücken, Nacken und Kiefer sowie im Oberbauch. Dass die Symptome bei Frauen in manchen Fällen nicht klar die Alarmglocken für einen Herzinfarkt läuten, zeigt Konsequenzen: Im Durchschnitt kommen ältere Frauen mit einem Herzinfarkt – wie eine Studie des Deutschen Zentrums für Herz- und Kreislaufforschung zeigt – etwa eine Stunde später als Männer derselben Altersklasse in einer Klinik an. Und das obwohl gerade beim Herzinfarkt eine schnelle Behandlung unter Umständen überlebenswichtig ist. Denn bei einem Herzinfarkt verstopft ein Blutgerinnsel eines der Gefäße, das den Herzmuskel versorgt. Das Herz kann also nicht richtig arbeiten. „Nicht nur das Überleben, sondern auch die künftige Lebensqualität hängt stark davon ab, wie schnell wir das Blutgerinnsel auflösen und somit die normale Sauerstoffversorgung des Herzmuskels wieder herstellen können“, erläutert Prof. Sack. Je schneller die Ärzte reagieren können, desto weniger Herzmuskelgewebe geht durch den Herzinfarkt unwiederbringlich verloren.

Die Folgen eines Diabetes mellitus treffen Frauen härter

Zwar erkranken Frauen weniger häufig und erst im höheren Lebensalter an Typ2-Diabetes, der in den meisten Fällen infolge von Übergewicht und ungesundem Lebenswandel auftritt, doch birgt diese Krankheit bei ihnen im Vergleich zu Männern größere Gefahren: Frauen mit Diabetes haben ein über 30 Prozent höheres Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden als Männer mit Diabetes. Die Medikamente, die bei Diabetes mellitus zum Einsatz kommen, führen bei Frauen häufiger zu Nebenwirkungen wie Unterzuckerungen im Schlaf, Harnwegsinfekten oder Pilzerkrankungen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Frauen wegen der Nebenwirkungen die Medikamente unregelmäßiger oder in niedrigen Dosierungen zu sich nehmen – ohne sich des Risikos bewusst zu sein, dass sie damit schlimme Komplikationen riskieren. „Wir suchen zusammen mit unseren Patientinnen nach ganz individuellen Therapien, die ihre Blutzuckerwerte in den Zielbereich bringen, ohne dass die Frauen Unverträglichkeiten in Kauf nehmen müssen“, unterstreicht Dr. Amra Cuk, Leitende Oberärztin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie, Angiologie und Innere Medizin in der München Klinik Neuperlach. Sie berichtet, dass bereits bei der Diagnostik eines Diabetes der Unterschied zwischen Männern und Frauen deutlich sei: „Bei Männern weist ein erhöhter Nüchtern-Blutzucker auf den Typ-2-Diabetes hin, bei Frauen hingegen brauchen wir oft einen Glukosetoleranztest: Sie trinken dann eine Zuckerlösung und wir messen die Blutzuckerwerte davor und danach.“ Warum die Erfolge der Diabetes-Therapie bei Männern und Frauen so ungleich ausfallen, haben die Wissenschaftler noch nicht abschließend herausfinden können: Neben den biologischen Faktoren wie den Hormonen können auch Stress oder häufiger auftretende Depressionen Gründe darstellen, dass sich Frauen nicht auf ihre Therapie konzentrieren können. Ein Lichtblick: Frauen, die es schaffen, sich 30 Minuten täglich zu bewegen, können damit ihre Risiken stärker mindern als Männer bei gleicher Anstrengung.

Warum der Knochenschwund bei Männern oft unentdeckt bleibt

Nur ein Fünftel der Osteoporose-Kranken in Europa ist männlich: Bei dem Thema „poröse Knochen, die vermehrte Knochenbrüche verursachen“, denkt man vor allem an ältere Frauen. Erhalten daher die betroffenen Männer seltener Medikamente, um künftige Knochenbrüche zu vermeiden, als die Frauen? Viele Studien haben tatsächlich gezeigt, dass der Knochenschwund bei Männern oftmals erst relativ spät und im ernsteren Stadium erkannt wird. Zudem sind einige Osteoporose-Medikamente nur bei Frauen getestet und für diese zugelassen. „Weder die männlichen Patienten selbst noch die behandelnden Ärzte denken bei den ersten Krankheitsanzeichen an eine Osteoporose-Erkrankung“, bedauert Frau Dr. Cuk. Daher erhalten Männer selbst nach Knochenbrüchen viel seltener die entsprechenden medikamentösen Therapien als Frauen. Auch dass die Osteoporose-Formen bei Männern anders ausfallen als bei Frauen, verstelle oft den Blick: Männer leiden viel häufiger an sekundären Osteoporose-Formen, etwa aufgrund von hohem Alkoholkonsum, einem Testosteronmangel oder nach einer Kortikosteroid-Therapie, während bei Frauen die Osteoporose nach der Menopause im Vordergrund steht. Die traurige Konsequenz: Das Sterberisiko bei Männern nach Osteoporose-Knochenbrüchen ist höher als bei Frauen.

Rätselhafter Kontrast bei Männern: Weniger Depressionen, mehr Selbstmorde

Psychische Probleme treten bei Frauen deutlich häufiger auf als bei Männern: Frauen sind beispielsweise von Depressionen, so lassen die Zahlen vermuten, etwa doppelt so oft betroffen. Lässt sich der Unterschied durch biologische Phänomene erklären oder scheuen sich die Männer zum Arzt zu gehen, wenn sie unter Depressionen leiden? Tatsächlich finden sich biologische Unterschiede in den Gehirnen von Männer und Frauen. „Wir wissen, dass der Hormonhaushalt und der Stoffwechsel bei Männern und Frauen in vielen Bereichen sehr unterschiedlich geregelt sind. Einige dieser Stoffe, etwa Serotonin, Östrogen oder Cortisol, spielen bei der Betrachtung depressiver Erkrankungen eine zentrale Rolle“, erklärt Dr. Matthias Nörtemann, Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der München Klinik Harlaching. Es sei zum Beispiel gut bekannt, dass Frauen in gewissen Phasen des Lebens, beispielsweise rund um die Geburt, eine besondere Anfälligkeit zeigen, Depressionen zu entwickeln. Dass jedoch die Selbstmordraten männlicher Bürger Deutschlands in allen Altersklassen deutlich höher sind als bei den Frauen deutet darauf hin, dass viele Depressionen bei Männern unerkannt bleiben. Männern fällt es deutlich schwerer, über seelische Probleme zu reden, und sie zeigen auch eher untypische Symptome, werden aggressiv, trinken mehr Alkohol, flüchten sich in die Arbeit. Studien haben zudem gezeigt, dass viele Hausärzte bei Männern eher körperliche Krankheiten hinter den Anzeichen einer Depression vermuten. „Auch wenn sich das inzwischen erfreulicherweise ändert – Depressionen gelten leider teils immer noch als ‚unmännlich‘. Dadurch bleibt vielen Männern eine wirklich gut wirksame Behandlung mit Psychotherapie oder auch Medikamenten verwehrt“, bedauert der psychosomatische Chefarzt Dr. Matthias Nörtemann.

Hintergrundinformation Gendermedizin

Der Weg einer Tablette durch den Körper einer Frau dauert etwa doppelt so lang wie bei einem Mann. Ihre Leber und Nieren brauchen ebenfalls länger, um Wirkstoffe von Medikamenten abzubauen. Wen verwundert es da, dass Frauen deutlich häufiger unter den Nebenwirkungen von Arzneimitteln leiden? In vielen Fällen benötigen Frauen andere Medikamente, eine abweichende Dosierung oder begleitende Maßnahmen, um Nebenwirkungen aufzufangen. Früher wurden viele Medikamente zunächst an männlichen Mäusen und dann an jungen Männern erprobt. Das schien den Forschern einfacher: Kein weiblicher Zyklus verzerrte die Ergebnisse und das Risiko, ungeborenes Leben zu schädigen, wollte nach dem Contergan-Skandal in den 60er Jahren niemand mehr eingehen. Doch seit den 90er Jahren verlangen viele medizinische Richtlinien, dass Medikamente auch an weiblichen Testpersonen erprobt werden. Denn inzwischen ist bekannt, dass Medikamente bei Männern und Frauen unterschiedliche Wirkungen entfalten können. „Leider werden die Medikamentenstudien in der Regel aber immer noch nicht getrennt nach Geschlechtern ausgewertet. Nur so könnte aber erkannt werden, ob ein Medikament bei einem der Geschlechter nicht wirkt, besonders gut wirkt oder geschlechterspezifische Nebenwirkungen entfaltet“, bedauert Dr. Hildegard Seidl, die Fachreferentin für Gendermedizin in der München Klinik. Sie setzt sich dafür ein, dass die geschlechterspezifischen Unterschiede bei Krankheiten gesehen werden und das Wissen in Medizin und Pflege einfließt. Der Begriff „Gender“ stammt aus dem englischen und bezeichnet die Geschlechteridentität unter sozialen Gesichtspunkten – im Gegensatz zum englischen Wort „sex“ für das biologische Geschlecht.

Die München Klinik ist mit Kliniken in Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach, Schwabing und Europas größter Hautklinik in der Thalkirchner Straße Deutschlands zweitgrößte kommunale Klinik und der größte und wichtigste Gesundheitsversorger der Landeshauptstadt München. Die München Klinik bietet als starker Klinikverbund Diagnostik und Therapie für alle Erkrankungen in München und im Umland und genießt deutschlandweit einen ausgezeichneten Ruf – mit innovativer und hoch spezialisierter Medizin und Pflege und gleichzeitig als erster Ansprechpartner für die medizinische Grundversorgung. Rund 135 000 Menschen lassen sich hier im Schnitt pro Jahr stationär und teilstationär behandeln. Mit jährlich über 6000 Geburten kommen hier deutschlandweit die meisten Babys zur Welt. Auch in der Notfallmedizin ist die München Klinik die Nummer 1 der Stadt: Bis zu 160 000 Menschen werden jedes Jahr in den vier Notfallzentren aufgenommen – das entspricht rund einem Drittel aller Notfälle der Landeshauptstadt. Die Kliniken sind entweder Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität oder der Technischen Universität München. Die hauseigene Pflege-Akademie ist mit rund 500 Ausbildungsplätzen die größte Bildungseinrichtung im Pflegebereich in Bayern. Als gemeinnütziger Verbund finden in der München Klinik Daseinsvorsorge und herausragende Medizin zusammen und stellen das Gemeinwohl in den Vordergrund: Über die medizinisch-pflegerische Versorgung hinaus gibt es großen Bedarf, der vom Gesundheitssystem nicht refinanziert wird – wie etwa das Spielzimmer für Geschwisterkinder. Und auch die Mitarbeitenden aus Medizin und Pflege, die sich mit ihrer täglichen Arbeit für die Gesundheitsversorgung Münchens einsetzen, können von Zuwendungen in Form von Spenden profitieren – beispielsweise durch die Finanzierung von zusätzlichem Wohnraum. Dafür zählt jeder Euro.

 

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Dr. Amra Cuk, Leitende Oberärztin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie, Angiologie und Innere Medizin in der München Klinik Neuperlach. Bildnachweis: München Klinik.

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Dr. Matthias Nörtemann, Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der München Klinik Harlaching. Bildnachweis: München Klinik.

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