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08.05.201518:28 Uhr

Spezial zum Tag des Schlaganfalls am 10. Mai: Gut gerüstet für den Fall der Fälle

Wie erkenne ich die Symptome? Was muss ich tun? Welche Behandlung hilft? Warum ein Spezialzentrum?

München, 7. Mai 2015. Rund 250.000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Schlaganfall aufgrund einer Durchblutungsstörung des Gehirns. Damit ist der Hirninfarkt die dritthäufigste Todesursache. Etwa eine Million Betroffene tragen gravierende Behinderungen davon. Sowohl die medizinische Behandlung als auch das richtige und schnelle Verhalten im Ernstfall spielen hier eine entscheidende Rolle. Eine Übersicht:

Zu den typischen Symptomen des Schlaganfalls gehören das plötzliche Auftreten eines Taubheitsgefühls, einer Halbseitenlähmung, Sprachstörungen, Verschlechterung der Sehfähigkeit oder Doppelbilder. Der Schlaganfall ist ein Notfall bei dem Geschwindigkeit gefragt ist. Je schneller die Diagnose und erste Therapiemaßnahmen eingeleitet werden, umso höher sind die Heilungschancen. Es geht bei der Therapie darum, die Durchblutung möglichst zügig wieder zu verbessern, um die gestörten oder ausgefallenen Hirnfunktionen wiederherzustellen.

Die Behandlung (Lyse) kann mittels eines blutverdünnenden Medikaments erfolgen, sofern zuvor eine Hirnblutung mit entsprechender Diagnostik ausgeschlossen werden konnte. Liegt ein schwerer Schlaganfall vor oder reicht die Lyse-Behandlung nicht aus, um das Blutgerinnsel aufzulösen, steigt die Gefahr von schweren bleibenden Schäden. Um die verschlossenen Arterien an Hals oder Kopf wieder zu öffnen, kann eine mechanische Katheter-Behandlung zusätzlich oder in Kombination mit der Lyse erfolgen. Der Katheter wird wie bei einer Herzkatheteruntersuchung über die Leistenarterie möglichst weit in die Hals- oder Nackenschlagader geschoben und ein noch kleinerer Mikrokatheter darin in die verschlossenen Arterien des Gehirns hineinmanövriert und ein körbchenartiges Drahtgeflecht eingesetzt (Stent). Dieses entfaltet sich in der Arterie, das Blutgerinnsel verfängt sich in seinen Maschen und kann anschließend herausgezogen werden. Die hohe Erfolgsquote dieser aufwendigen Therapieform, die in der München Klinik Bogenhausen und in der München Klinik Harlaching praktiziert wird, wurde jüngst durch wissenschaftliche Studien eindeutig belegt.

Um die bestmögliche Erkennung und Behandlung von Schlaganfällen zu erreichen, braucht es, neben der schnellen Reaktion nach den ersten Symptomen, ein versiertes Experten-Team aus unterschiedlichen medizinischen Disziplinen, die eng miteinander vernetzt und mit modernsten Geräten ausgestattet in spezialisierten Neurozentren arbeiten. Dazu gehören Neurologen, Neuroradiologen, Neurochirurgen und Anästhesisten, die gemeinsam in der Lage sind, jede Form des Schlaganfalls – auch Blutungen, sei es spontan oder im Rahmen von Gefäßmißbildungen (beispielsweise Aneurysmata) – in kürzester Zeit zu diagnostizieren und operativ oder interventionell auf höchstem Niveau zu therapieren.

Die Behandlung erfolgt in einer sogenannten Stroke Unit, einer auf die Behandlung von Schlaganfällen spezialisierten Station. Die Stroke Units des städtischen Klinikums München befinden sich an den Standorten Harlaching und Bogenhausen. Dort werden jährlich über 2.600 Schlaganfälle behandelt.

Jeder der Überwachungsplätze mit einem umfassenden Monitoring von EKG, Blutdruck und weiteren Parametern zur Akutbehandlung des Schlaganfalls ausgerüstet. Neben der zerebralen Bildgebung (Computertomographie oder Kernspintomographie) wird die weitere Diagnostik direkt am Krankenbett auf der Schlaganfalleinheit durchgeführt und die Akutbehandlung eingeleitet. Außerdem beginnt sofort die rehabilitative Therapie sowie, abgestimmt auf das Risikoprofil des Patienten, eine prophylaktische Therapie zur Vermeidung weiterer Schlaganfälle.

Da Stroke Units nahezu ausschließlich in Ballungsräumen eingerichtet sind, haben in Deutschland nicht alle Schlaganfall-Patienten Zugang zu diesen Behandlungsformen. In den Krankenhäusern in den ländlichen Gebieten fehlt oft das nötige Spezialwissen, um rasch geeignete Maßnahmen einzuleiten. Um hier eine Brücke in der Versorgung zu bauen, in der München Klinik Harlaching das telemedizinische Schlaganfallnetzwerk „TEMPiS“ (Telemedizinisches Projekt zur integrierten Schlaganfallversorgung in der Region Süd-Ost-Bayern) gegründet.

Seit 2003 werden jährlich über 7.000 Schlaganfallpatienten in Kooperation mit 19 regionalen Kliniken in Süd-Ost-Bayern behandelt. Kompetente Unterstützung erhalten die Ärzte vor Ort dabei durch Spezialisten aus den Schlaganfallzentren der München Klinik Harlaching und der Universitätsklinik Regensburg – und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit. Der Schlaganfallexperte wird dafür noch in der Notaufnahme sofort über eine Videokonferenz zugeschaltet, er kann den Patienten direkt befragen und ihn neurologisch untersuchen. Gleichzeitig werden die Computertomographie-Bilder des Patienten innerhalb weniger Sekunden zur Beurteilung in das Zentrum überspielt. Der Schlaganfallexperte kann somit innerhalb von wenigen Minuten entscheiden, welche Behandlung durchgeführt werden soll. Für die Bevölkerung in der ländlichen Region steht damit eine hochkompetente medizinische Schlaganfallversorgung zur Verfügung, die es sonst nur in Großstädten gibt.

Insgesamt wurden seit 2003 rund 45.000 sogenannte Telekonsile abgehalten. Damit ist TEMPiS eines der größten Netzwerke dieser Art in Europa. Ein weiterer Schwerpunkt und Alleinstellungsmerkmal des Netzwerkes ist das interdisziplinäre Fortbildungsteam, das über die telemedizinische Beratung hinaus, mit regelmäßigen Visiten in den Partnerkliniken, Schulungen und festen Veranstaltungen für einen kontinuierlichen Wissenstransfer sorgt. So wurden in allen regionalen Kliniken spezialisierte Schlaganfallstationen aufgebaut und eine kontinuierliche Fortbildung und Qualitätssicherung für alle Teilnehmer eingerichtet.

Insgesamt konnte in den regionalen Kliniken neben der Lysetherapie auch die Qualität der gesamten Schlaganfalltherapie verbessert werden. Mehr Patienten erhalten eine frühe Diagnostik (z.B. Computertomographie), spezifische Therapie und frühe rehabilitative Behandlung. Die telemedizinische Beratung hat daneben dazu beigetragen, dass sowohl Ursachen von schlaganfallähnlichen Erkrankungsbildern als auch spezielle Schlaganfalltypen häufiger bzw. früher erkannt und einer entsprechenden Therapie zugeführt werden konnten.

Hintergrund TEMPiS: In einem Vergleich zwischen Kliniken mit und ohne telemedizinische Beratung zeigte sich für die Patienten innerhalb des Netzwerkes eine Prognoseverbesserung um 37 Prozent für Sterblichkeit, Pflegeheimversorgung und schwere Behinderung. Dies konnte ohne Steigerung von Krankenhausverlegungen bei gleichzeitig signifikanter Verkürzung des Krankenhausaufenthaltes erreicht werden. Da sich auch eine deutliche Reduktion der Pflegeeinstufungen ergab, geht die kostengünstige Vernetzung unterschiedlicher Versorgungsstufen mit einer Reduktion der gesundheitsökonomischen Gesamtkosten einher.

Das Städtische Klinikum München versorgt mit seinen fünf Standorten Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach, Schwabing und der Fachklinik für Dermatologie und Allergologie an der Thalkirchner Straße jährlich rund 160.000 Menschen, davon etwa 90 Prozent vollstationär. Der Klinikverbund verfügt über mehr als 3.600 Betten sowie teilstationäre Behandlungsplätze. Gut 80 Prozent der etwa 8.000 Beschäftigten aus über 80 Ländern sind im ärztlichen oder pflegerischen Bereich tätig.

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