Aktuelle Mitteilung der München Klinik

Neuigkeit
19.08.202012:33 Uhr

„Systemrelevanz kommt im System zu kurz“: München Klinik fordert bessere Finanzierung von Covid-19-Versorgung als Teil der Daseinsvorsorge

München, 19. August 2020. Das Gesundheitssystem hat der ersten Covid-Welle standgehalten. Ob gerade die kommunalen Krankenhäuser, die den Großteil der Covid-Versorgung gestemmt haben, auch die drohenden finanziellen Folgen überstehen werden, ist eine andere Frage. Allein bis Ende Mai wurden an der München Klinik über eine Millionen Mund-Nasen-Schutzmasken, rund 170.000 FFP2-Masken und 350.000 Schutzkittel verbraucht und aufgrund der Materialknappheit zu fast jedem Preis eingekauft. Hinzu kommen rund 42.000 Corona-Tests für Mitarbeitende und Patienten, fast 27.000 Mehrarbeitsstunden in der Pflege im Vergleich zum Vorjahr, 7.500 Flaschen selbst produziertes Desinfektionsmittel sowie weitere Ausgaben beispielsweise für den Sicherheitsdienst zur Einhaltung der Besuchsverbote bzw. –einschränkungen. Mehrere Millionen Euro hat die Covid-Versorgung die München Klinik damit bislang insgesamt gekostet. Da die Ausgleichszahlungen für weniger belegbare Betten nur bis zum 30.9. laufen, droht ab Herbst mit Erlösausfällen eine weitere finanzielle Belastung über die Zusatzkosten hinaus – da die Krankenhauskapazitäten mit Blick auf die weltweiten Fallzahlen realistischer Weise bis weit über den Herbst hinaus durch Abstandsmaßnahmen und vorgehaltene Kapazitäten zur Covid-Abklärung und Versorgung eingeschränkt bleiben.

Entgegen des Versprechens der Bundesregierung, dass keine Klinik an der Pandemie wirtschaftlichen Schaden nehmen soll, drohen viele dieser Kosten in den kommunalen Häusern, die den Großteil der Covid-19-Versorgung übernommen hatten, nicht oder nur teilweise refinanziert zu werden. Gleichzeitig profitieren Fachkliniken, die kaum in die Covid-Versorgung eingebunden waren, von höheren Ausgleichszahlungen bei gleichzeitig geringeren Ausgaben. „In den vergangenen Monaten hat sich einmal mehr gezeigt, dass die kommunalen Daseinsversorger die Kliniken sind, auf die unser Gesundheitssystem fußt. Die Mitarbeitenden der München Klinik haben sich in der Corona-Versorgung unermüdlich für die Stadt eingesetzt und tun dies unter aktuell erneut steigenden Fallzahlen weiterhin. Umso wichtiger ist es mir, die München Klinik bestmöglich bei ihrer wichtigen Arbeit zu unterstützen – während der Pandemie und darüber hinaus. Hier sehe ich den Bund und die Länder in der Pflicht. Kommunale Kliniken dürfen finanziell nicht schlechter gestellt werden, dafür, dass sie Verantwortung übernehmen. Wir müssen unser gesamtes Gesundheitssystem grundsätzlich überdenken, finanzielle Fehlanreize beseitigen und damit die Kernaufgabe der Krankenhäuser wieder stärken“, so Oberbürgermeister Dieter Reiter.

Finanzierungslücke Covid-19: „Die Rechnung geht nicht auf“

Die Bewältigung der Krise und die uneingeschränkte Versorgung der schwererkrankten Covid-Patienten hatten in der München Klinik von Anfang an höchste Priorität. „Wir haben unsere Verantwortung ernst genommen und nehmen sie mit Blick auf eine mögliche 2. Welle weiterhin ernst. Gleichzeitig haben wir darauf vertraut, dass wir uns auf die Regierung genauso verlassen können, wie sie sich auf uns verlassen konnte. Leider sieht es jetzt so aus, als würde die Rechnung nicht aufgehen – wir haben große Summen in Personal, Material und Schutzmaßnahmen investiert. Allein die Tests kosten bis zu 40.000 Euro am Tag – die Kosten haben wir lange selbst getragen. Damit werden wir allein gelassen, während Kliniken, die zur Covid-Versorgung wenig beigetragen haben, teilweise mehr Geld bekommen, da die Freihaltepauschale höher ausfällt als die Versorgung leichter Covid-Fälle und gerade die hochkomplexe Versorgung schwerkranker Covid-Patienten, die bis zu mehreren Monaten klinisch versorgt werden müssen, unterfinanziert ist“ sagt Dr. Axel Fischer, Vorsitzender der Geschäftsführung der München Klinik. Die München Klinik hat seit Januar die ersten Covid-Patienten Deutschlands (Webasto-Cluster) und seitdem über 800 Covid-Patienten, davon rund 170 Intensivpatienten, und 2.500 Verdachtsfälle behandelt. Noch vor den behördlichen Vorgaben hat die München Klinik elektive Operationen verschoben und intensivmedizinische Kapazitäten aufgebaut. Zum Schutz der Mitarbeitenden hat die München Klinik auch in Zeiten größter Materialknappheit keine Kosten gespart und für Schutzausstattung jeden Preis bezahlt, um durchgehend ausreichend Schutz zur Verfügung stellen zu können. Gerade die Kliniken, die früh Verantwortung für die Covid-Versorgung übernommen haben, werden in der teilweise auf den Zeitraum nach dem 14.5. begrenzten Refinanzierung nun benachteiligt. Darüber hinaus zeigt sich eine Diskrepanz zu Kliniken, die von den Finanzierungen über die Maßen profitieren, obwohl und gerade weil sie kaum in die Covid-Versorgung eingebunden waren.

  1. Finanzierung der Covid-Tests teilweise ungeklärt
    Die Kostenerstattung für die Testung von Mitarbeitenden und Patienten ist in vielen Bereichen weiterhin ungeklärt oder unzureichend. Bis Ende Juni hat die München Klinik rund 1,8 Millionen Euro in Tests für Mitarbeitende und Patienten investiert. Da München durch die Rückkehrer aus den Skigebieten in Italien und Österreich früh ein „Corona-Hotspot“ war und die München Klinik in die klinische Behandlung von Covid-Patienten und Abklärungsfällen von Anfang an eingebunden war, hat die München Klinik als Sicherheitsmaßnahme noch vor den behördlichen Vorgaben damit begonnen, alle stationären Patienten bei der Aufnahme zu testen. Alleine die Kosten für Patienten-Tests belaufen sich daher bis Ende Juni auf über 1,2 Millionen Euro. Im Bereich der Patientenversorgung werden Tests jedoch erst nach dem 14.5. finanziert, alle zuvor geleisteten Tests zahlt die Klinik. In der München Klinik betrifft das rund 800.000 Euro für Patiententestungen, die nicht refinanziert werden. Auch die Übernahme der Kosten für die Testung von vorstationären Patienten, die als Sicherheitsmaßnahme in einem Krankenhaus ebenfalls essentiell ist, ist weiter ungeklärt. Sämtliche Maßnahmen schaffen einen größtmöglichen Sicherheitsstandard für alle Beteiligten, sind Vorbild für andere Einrichtungen und orientieren sich an der Maxime: Sicherheit der Menschen in der Gesundheitsversorgung geht vor Wirtschaftlichkeit. Das gilt auch für die über 11.000 Covid-Testungen für das Klinikpersonal von Anfang März bis Mitte Juni. In Abstimmung mit der Klinikhygiene und dem regelmäßig tagenden Sicherheitsstab hält die München Klinik an einem engmaschigen Testkonzept fest. Die Finanzierung dieser Tests sowie der Testung von externen Dienstleistern (z.B. Reinigungskräften), die die Klinik selbst durchführt, läuft gerade erst an.
     
  2. Die Diskrepanz zwischen den Kliniken
    Auch in München und Umgebung profitieren u.a. operative Fachkliniken von den Ausgleichszahlungen, während die Covid-versorgenden kommunalen Kliniken mit Verlusten rechnen müssen. Das liegt daran, dass die Ausgleichszahlungen ausschließlich die Fallschwere und Verweildauer als Maßstab heranziehen – so erhalten Fachkliniken 760 Euro pro Belegungstag, kommunale Maximalversorger wie die München Klinik im Vergleich nur 560 Euro pro Belegungstag. Das deckt zwar die Erlösausfälle ab, aber nicht die zusätzlichen Kosten für die Covid-Versorgung, die der München Klinik durch die Behandlung von Covid-19-Patienten entstanden sind und weiterhin entstehen. Viele Bestandteile der Covid-Versorgung sind unterfinanziert – so werden zwar Beatmungsplätze finanziert, aber weitere nötige Maßnahmen wie Triage-Zelte, mobile CT-Trailer und Absperrungen nicht. Gleichzeitig hatten die Covid-versorgenden Kliniken trotz freigehaltener Betten durchgehend gleichbleibend laufende Kosten für Personal und die weiter vorgehaltene Infrastruktur. Durch Maßnahmen wie Security, Schutzmaterial und Testungen fallen während der Pandemie sogar Mehrkosten an, die durch Ausgleichszahlungen nicht oder nicht vollständig abgedeckt sind. Darüber hinaus zeichnet sich eine Erschwerung der Situation ab Herbst ab, da die Ausgleichszahlungen nur bis zum 30.09.2020 laufen sollen. Aufgrund der Covid-Infektionsschutzanforderungen wird die München Klinik durch weniger belegbare Betten und die Vorhaltung von Covid-Abklärungsstationen weiterhin deutliche Kapazitätseinschränkungen und dadurch weniger Erlöse bei gleichzeitig weiterlaufenden Kosten haben, die nach heutigem Stand überhaupt nicht refinanziert werden. Mit Blick auf die weltweite Pandemieentwicklung, fehlenden Impfstoff und eine mögliche zweite Welle wird die vorliegende Situation sowie der damit verbundene verantwortungsvolle Umgang mit einem Fokus auf die maximal mögliche Sicherheit auch weit bis in das Jahr 2021 hineinwirken.

DRG-System vergisst die Daseinsvorsorge und die Pflege

Daseinsvorsorge ist das, was der breiten Öffentlichkeit im Covid-Kontext als „systemrelevant“ bekannt wurde. Mit der Notfallversorgung, der Geburtshilfe, der Versorgung schwerkranker Kinder, Erwachsener und älterer Patienten stellt sie im Grunde die Kernaufgabe der Krankenhäuser dar. Dennoch sieht es mit Blick auf die deutsche Krankenhauslandschaft anders aus: Allein in München gibt es über 50 Kliniken, davon haben jedoch nur 4 eine Kinderklinik (davon 2 städtisch), 10 haben eine Geburtsklinik (davon 3 städtisch) und 9 haben größere Notfallzentren (davon 4 städtisch). Im städtischen Klinikverbund München Klinik kommt jedes dritte Münchner Kindl zur Welt, über ein Drittel aller Notfälle der Stadt wird hier versorgt. So sieht es auch in anderen deutschen Städten aus. Die Daseinsvorsorge übernehmen die öffentlichen und insbesondere die kommunalen Häuser. Dieses Ungleichgewicht wird in der Covid-19-Pandemie besonders deutlich. Die Versorgung von schwerkranken Covid-Patienten ist eine neue Säule der Daseinsvorsorge, die in der ersten Welle erneut zum Großteil von öffentlichen Häusern gestemmt wurde.

„Der Fehler liegt generell im System“, so Dr. Fischer weiter. „Systemrelevante Versorgung kommt darin einfach zu kurz. Daran liegt es, dass in einer Metropole wie München viele Kliniken Hüftendoprothetik anbieten, aber für ein schwerkrankes Kind nur eine Hand voll Kinderkliniken zur Verfügung stehen. Weil das eine sich wirtschaftlich lohnt, und das andere defizitär ist.“ Das DRG-System ist ein leistungsorientiertes Vergütungssystem, das auf Diagnose, Schweregrad der Erkrankung, Verweildauer und den erbrachten Leistungen (Operationen, Eingriffe) fußt. „Das System setzt auf Effizienz – viele in wenigen Tagen erbrachte Eingriffe gelten als leistungsorientiert. Doch unsere Gesellschaft altert, viele Patienten haben eine Vielzahl von Vorerkrankungen und benötigen eine komplexe ärztliche Behandlung sowie hochprofessionelle Pflege. Diese Bedürfnisse sind in den aktuellen Strukturen nicht abgedeckt und der große Verantwortungsbereich von Maximalversorgern unterscheidet sich in der Finanzierung nicht von hochspezialisierten Fachkliniken mit einer sehr begrenzten Patientenklientel. Das muss sich dringend ändern. Es darf keinen Anreiz geben, das eine Krankheitsbild zu versorgen und das andere nicht. Daseinsvorsorge muss sich lohnen, um auch für die Zukunft ausreichend Versorgungskapazitäten zu sichern und gerade der Pflegebereich muss besser finanziert werden – das zeigt sich aktuell mehr denn je.“

 

Die München Klinik ist mit Kliniken in Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach, Schwabing und Europas größter Hautklinik in der Thalkirchner Straße Deutschlands zweitgrößte kommunale Klinik und der größte und wichtigste Gesundheitsversorger der Landeshauptstadt München. Die München Klinik bietet als starker Klinikverbund Diagnostik und Therapie für alle Erkrankungen in München und im Umland und genießt deutschlandweit einen ausgezeichneten Ruf – mit innovativer und hochspezialisierter Medizin und Pflege und gleichzeitig als erster Ansprechpartner für die medizinische Grundversorgung. Rund 135.000 Menschen lassen sich hier jährlich stationär und teilstationär behandeln. Mit jährlich über 6.000 Geburten kommen hier deutschlandweit die meisten Babys zur Welt. Auch in der Notfallmedizin ist die München Klinik die Nummer 1 der Stadt: Rund 160.000 Menschen werden jedes Jahr in den vier Notfallzentren aufgenommen – das entspricht über 40 Prozent aller Notfälle der Landeshauptstadt. Die Kliniken sind entweder Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität oder der Technischen Universität München. Die hauseigene Pflege-Akademie ist mit rund 500 Ausbildungsplätzen die größte Bildungseinrichtung im Pflegebereich in Bayern. Als gemeinnütziger Verbund finden in der München Klinik Daseinsvorsorge und herausragende Medizin zusammen und stellen das Gemeinwohl in den Vordergrund: Über die medizinisch-pflegerische Versorgung hinaus gibt es großen Bedarf, der vom Gesundheitssystem nicht refinanziert wird – wie etwa das Spielzimmer für Geschwisterkinder. Und auch die Mitarbeitenden aus Medizin und Pflege, die sich mit ihrer täglichen Arbeit für die Gesundheitsversorgung Münchens einsetzen, können von Zuwendungen in Form von Spenden profitieren – beispielsweise durch die Finanzierung von zusätzlichem Wohnraum. Dafür zählt jeder Euro.

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Dr. Axel Fischer, Vorsitzender der Geschäftsführung der München Klinik. Bildnachweis: München Klinik.

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