Aktuelle Mitteilung der München Klinik

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18.05.201615:04 Uhr

Von der Schwesternschule zur Akademie für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen

München, 18. Mai 2016. Was im Jahre 1905 mit der Ausbildung von Säuglingsschwestern/Säuglingspflegerinnen im Gisela-Kinderspital (benannt nach der Gründerin Prinzessin Gisela von Bayern, der Tochter von Kaiserin Sissi) an der Haimhauser Straße in Schwabing begann, hat sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt.

Heute ist die „Akademie für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen“ der München Klinik eine der größten und ältesten Einrichtungen ihrer Art in Bayern. Zahlreiche Modellversuche und Innovationen gingen von der Münchner Akademie aus und haben entscheidend zur Weiterentwicklung der Ausbildung der Pflege beigetragen. Grund genug, einen stolzen Blick zurück auf die nun 111-jährige Geschichte dieser wichtigen Ausbildungsstätte zu werfen.

Im 19. Jahrhundert entstanden große Krankenanstalten, die medizinische Forschung brachte immer bessere Therapien hervor und wichtige Entdeckungen in der Hygiene verbesserten die Überlebensrate von Patienten. München wurde immer größer. Man brauchte qualifiziertes Pflegepersonal. Das führte 1905 zur Gründung der ersten Säuglingspflegeschule im Gisela-Kinderspital, die 1913 in das Schwabinger Krankenhaus (Gründung 1910) eingegliedert wurde. Die Voraussetzungen für den Zugang zur Säuglingsschwesternausbildung/Säuglingspflegerinnenausbildung waren damals ziemlich streng: So mussten die jungen Frauen eine Höhere Mädchenschule besucht haben und einen guten Leumund vorweisen können.

„Mein Kind, Du bist verrückt“, soll der Vater zu seiner Tochter, der jungen Gräfin von Paar zu Schönau, gesagt haben, als sie ihm eröffnete, sie wolle in Schwabing Säuglingspflege lernen. Damals, in der Zeit um 1920, war es eher ungewöhnlich, dass adlige Damen einen Beruf ergriffen. Und dazu im Kinderkrankenpflegedienst, für den bis dahin vor allem  Nonnen, Diakonissen und erste „freie Schwestern“ zuständig waren. Doch die junge Gräfin setzte sich durch. Später gründete sie den Freien Katholischen Berufsverband für Krankenpflege und leitete selbst eine Kinderkrankenpflegeschule in Genf.

Für die Pflege von Erwachsenen führten die Verantwortlichen vor dem Ersten Weltkrieg ebenfalls eine gezielte Ausbildung ein, aus der sich eine Krankenpflegeschule entwickelte, die 1924 die staatliche Anerkennung erhielt. Die Ausbildung dauerte damals ein Jahr. Im ersten Jahr machten 13 Schülerinnen ihren Abschluss, 1934 waren es bereits 70. 1957 trat dann das erste Krankenpflegegesetz der Bundesrepublik in Kraft. Demnach dauerte die Ausbildung bereits drei Jahre und beinhaltete 400 Stunden Theorie, die 1965 auf 1200 Stunden Theorie verdreifacht wurden. Die Bezeichnung „Säuglings- und Kleinkinderkrankenschwester“ wurde durch „Kinderkrankenschwester“ ersetzt und staatlich geschützt.

Die 68er Generation modernisierte das Land – und so auch das Gesundheitswesen. Besuchszeiten für Angehörige wurden neu geregelt. So konnten dann auch Wochentags Kranke besucht werden. Krankenschwestern legten das Häubchen ab, der Zwang im Schwesternwohnheim zu leben wurde abgeschafft, und immer mehr Krankenschwestern heirateten. Männern wurde erst in den 1980er Jahren erlaubt, den Beruf des Kinderkrankenpflegers zu erlernen. Schon bald darauf arbeitete der ersten Kinderkrankenpfleger im Schwabinger Krankenhaus.

Heute bietet die Akademie fast 500 Ausbildungsplätze in Pflegeberufen und medizinischen Assistenzberufen an und ist damit einer der größten  Bildungseinrichtung im Pflegebereich in Bayern. Sie vereint Aus-, Fort- und Weiterbildung und bietet Qualifizierungsmaßnahmen sowohl für die Mitarbeiter der München Klinik als auch für externe Kunden aus dem Gesundheits- und Sozialbereich an – über 11.500 Teilnehmer besuchen die rund 750 verschiedenen Veranstaltungen jährlich.

Die Akademie besteht heute aus der Berufsfachschule für Krankenpflege, der Berufsfachschule für Kinderkrankenpflege, der Berufsfachschule für Krankenpflegehilfe, der Schule für Operationstechnische und Anästhesietechnische Assistenz, der Abteilung für Fort- und Weiterbildung sowie den Wohnheimen.

Unterrichtet wird im 1962 bezogenen Gebäude an der Kraepelinstraße 18 in unmittelbarer Nachbarschaft zur München Klinik Schwabing. „Unsere langjährige Tradition und Erfahrung in der Bildungsarbeit im Gesundheitswesen verpflichtet“, sagt Rainer Ammende, der die Akademie seit zwölf Jahren leitet. „Wir wollen, dass unseren  Schülerinnen und Schülern nicht nur die fachlichen und sozialen Kompetenzen vermittelt werden, sondern dass sie in der Ausbildung erleben, was Pflege ist und sein kann.“

Die Voraussetzungen für eine Aufnahme in die Pflegeausbildung, die Inhalte der Ausbildung und die tägliche Arbeit haben sich in den letzten Jahrzehnten gravierend geändert. Viele Bewerber haben heute Abitur. Vor allem die Einführung der unbegrenzten Besuchszeiten, die Mitaufnahme und die Integration der Eltern in den Genesungsprozess haben dazu geführt, dass mehr Unterricht in Kommunikation und Beratung feste Bestandteile der Ausbildung sind. Dialogfähigkeit, Methoden- und Sozialkompetenz sind in der Arbeit mit Eltern eine wichtige Voraussetzung. Die Zusammenarbeit mit den Ärzten ist heute deutlich weniger hierarchisch geprägt und die „Rund-um-die-Uhr-Kontrolle, damit den Mädchen nichts passiert“, die bis in die 1960er Jahre in der Schule und dem „Schwesternwohnheim“ üblich war, gibt es natürlich auch nicht mehr.

Wenn es um neue Ansätze in der Pflegeausbildung ging, hat die Akademie immer  eine Vorreiterrolle übernommen. So auch jetzt in der Diskussion um die „generalistische“ Pflegeausbildung, in der die Kompetenz zur Pflege von Menschen aller Altersgruppen vermittelt wird. Nach der breiten Grundausbildung erfolgt dann je nach Arbeitsplatz bei Bedarf eine Spezialisierung. 2008 brachten die Akademie und die Hochschule München die erste grundständige akademische Pflegeausbildung in Bayern auf den Weg. Nun werden jährlich ca. 30 Studierende der Pflege in den Modellversuch aufgenommen. Erste Absolventinnen arbeiten in den Krankenhäusern und Kinderkliniken.

Da die Verweildauer der Patienten in den Krankenhäusern sinkt und die Komplexität der Fälle jedoch zunimmt, steigen die Anforderungen an das Pflegepersonal immer weiter. Akademieleiter Ammende wünscht sich, „dass das Pflegefachpersonal künftig mehr Entscheidungsbefugnisse erhält und Ansprechpartner sein soll, der alles um den Patienten steuert, bis hin zur Belegung.“

An neuen innovativen Ausbildungs- und Qualifizierungsmodellen wird klinikintern schon gearbeitet. Um die Pflegequalität weiter auf höchstem Niveau zu halten, sollen Lehrstationen geschaffen werden, in denen Auszubildende oder Wiedereinsteiger ihr praktisches Wissen vertiefen auf den aktuellen Stand bringen können und die ein „lebenslanges Lernen“ ermöglichen. Zudem begleiten und gestalten sogenannte Praxisanleiter vor Ort im Klinikum den optimalen Übergang von der Schule in den Beruf.

Wer als examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger die Akademie verlässt, findet schnell einen Arbeitsplatz auch in der München Klinik, denn der Bedarf ist nicht nur dort groß. Aber nicht nur aufgrund des allgemeinen Mangels an Pflegekräften, sondern vor allem wegen der bekannt exzellenten Ausbildung in der Akademie sind die beruflichen Aussichten sehr gut.

 

Mit seinen fünf Standorten in Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach, Schwabing und der Thalkirchner Straße sowie dem medizinischen Dienstleistungszentrum Medizet bietet die München Klinik eine umfassende Gesundheitsversorgung auf höchstem medizinischen und pflegerischen Niveau. Jährlich lassen sich hier rund 140.000 Menschen stationär und teilstationär behandeln – aus München, der Region und der ganzen Welt. Auch in der Notfallmedizin ist Deutschlands zweitgrößtes, kommunales Klinikunternehmen die Nr. 1: Rund 170.000 Menschen werden jedes Jahr in den vier Notfallzentren aufgenommen – das entspricht über 40 Prozent aller Notfälle der Landeshauptstadt. Die Kliniken sind entweder Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität oder der Technischen Universität München. In den über 60 Fachabteilungen gibt es zudem zahlreiche interessante Einsatzmöglichkeiten. Die hauseigene Akademie bietet vielfältige Einstiegs- und Entwicklungsperspektiven und verantwortet die aktive Nachwuchssicherung. Mit rund 500 Ausbildungsplätzen jährlich ist sie die größte Bildungseinrichtung im Pflegebereich in Bayern.

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