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27.06.201912:33 Uhr

Weltweite Premiere in der Lungenkrebsbehandlung: OP-Team der München Klinik Bogenhausen entfernt kompletten Lungenflügel an selbständig atmender Patientin

Medizinischer Quantensprung in der operativen Medizin

Die künstliche Beatmung stellt gerade bei großen Operationen an der Lunge ein „notwendiges Übel“ dar: sie belastet das durch die Operation ohnehin „gestresste“ Lungengewebe zusätzlich und erhöht dadurch das Risiko für nachfolgende Komplikationen. Außerdem kann der bei Lungeneingriffen größere und speziell gebogene Beatmungsschlauch (Tubus) zu Verletzungen der Atemwege führen. Umso bedeutender ist der Erfolgsfall aus der München Klinik Bogenhausen: Während die Thoraxchirurgen einer Patientin einen kompletten Lungenflügel entfernten, atmete sie - unter genauester Überwachung durch die Anästhesiologen - durchgehend selbständig. Weltweit ist dies die erste Entfernung eines kompletten krebserkrankten Lungenflügels, die ohne Intubation gelang. Für Patienten bedeutet das neue Hoffnung: derartige Eingriffe könnten verträglicher und die Sterblichkeitsrate deutlich gesenkt werden.

München, 27. Juni 2019. „Man kann das durchaus als medizinische Revolution bezeichnen“, beschreibt Prof. Johannes Bodner, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie an der München Klinik Bogenhausen, die erfolgreiche Entfernung des rechten Lungenflügels (Pneumonektomie) an der nicht-intubierten 58-jährigen Patientin. Bislang war ein derart komplexer Eingriff nur an tief narkotisierten, intubierten und maschinell beatmeten Patienten durchführbar: „Dass wir nun erstmals bei einer Lungenkrebserkrankung die größte aller Lungenentfernungen ohne Intubation durchführen konnten, trug sicherlich dazu bei, dass am verbliebenen zweiten Lungenflügel der Patientin die sonst relativ häufigen und gefürchteten Folgeschäden, wie Lungenentzündung und akutes Lungenversagen, ausblieben. Wir werden dieses Verfahren bei geeigneten Patienten schon bald routinemäßig anwenden und sind sehr zuversichtlich, dass dadurch die bei derartigen Eingriffen immer noch recht hohe Sterblichkeitsrate verringert werden kann.“ Zudem verkürzt sich die Regenerationsphase nach der Operation und gerade älteren Patienten und solchen mit begrenzter Lungenreserve kann häufiger eine mühsame Entwöhnung von der Beatmungsmaschine erspart werden.

Interdisziplinäre und langjährige Zusammenarbeit hat den Erfolg ermöglicht

Die erste nicht-intubierte Lungenflügelentfernung bei Lungenkrebs ist vor allem ein fächerübergreifender Teamerfolg zwischen Chirurgie und Anästhesiologie. Beide beteiligten Fachbereiche arbeiten in der München Klinik Bogenhausen eng zusammen und hatten den Eingriff lange vorbereitet und trainiert: An einem „Patienten-Dummy“ haben die Anästhesiologen auch eine mögliche Notfall-Intubation in der bei diesen Eingriffen üblichen Seitenlage ausgiebig geübt. Generell erfordern Lungenoperationen an selbständig atmenden Patienten von allen Beteiligten höchste Fachexpertise und stellen an das gesamte Team erhöhte Anforderungen: da die operierte Lunge wegen des fehlenden Beatmungsschlauches teilweise entfaltet bleibt, finden die Thoraxchirurgen in der Brusthöhle weniger Platz für ihre Instrumente vor und müssen diese noch dazu unter gewissen Mitbewegungen der Patienten steuern. Die Narkose muss so punktgenau dosiert werden, dass die Patienten zwar „ungestört“ schlafen aber eben doch noch selbständig atmen. „Der Eingriff war nur möglich, da die Thoraxchirurgen und Anästhesiologen hier in Bogenhausen ein langjährig eingespieltes Team sind. Da aus Rücksicht auf die nur oberflächlich schlafende Patientin während der OP höchstens geflüstert werden durfte, musste sich das komplette OP-Team aus Ärzteschaft und Pflege blind vertrauen und verstehen können“, so Prof. Patrick Friederich, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie an der München Klinik Bogenhausen.

Lungenkrebsoperationen werden immer schonender und sicherer

Im interdisziplinären Lungenzentrum der München Klinik Bogenhausen arbeiten die Fachexperten seit langem daran, die operative Behandlung von Lungenkrebspatienten so schonend und sicher wie in der modernen Medizin nur möglich zu gestalten. Dabei stellt die Klinik für Thoraxchirurgie ein bundesweit und international anerkanntes Zentrum für Video Assistierte ThorakoSkopie (VATS) dar. Bei dieser besonders schonenden, minimal-invasiven Technik wird der Brustkorb nicht mehr großflächig eröffnet; die Operationsinstrumente werden stattdessen ebenso wie eine dünne Stabkamera, welche das Innere der Brusthöhle auf einen Monitor überträgt, über wenige und sehr kleine Zugänge eingeführt. Während dieses Verfahren bei kleineren Eingriffen und gutartigen Erkrankungen bereits allgemeine Anwendung findet, werden an der Thoraxchirurgie der München Klinik Bogenhausen auch die komplexesten Eingriffe bei Lungenkrebs und anderen Tumoren der Brusthöhle routinemäßig mittels VATS durchgeführt. „Durch das Verfahren der nicht intubierten Lungenchirurgie können wir unserem Anspruch einer möglichst schonenden Patientenbehandlung nun noch besser gerecht werden, weil wir dadurch den minimal-invasiven Ansatz auch auf den Bereich der Narkoseführung ausweiten und die Risiken und Nebenwirkungen der Intubation reduzieren können“, so Prof. Bodner. „Dabei haben wir uns von Anfang an vor allem auf jene Patienten und Eingriffe fokussiert, bei denen der Verzicht auf die Intubation die größten Vorteile erwarten lässt: bei kleinen Patienten kommt es beispielsweise häufiger zu Komplikationen, da die Luftröhre und der Tubus oft in einem ungleichen Größenverhältnis stehen. Dass wir nun erstmals bei einer komplexen Lungenflügelentfernung auf den Tubus verzichten konnten ist von enormer Bedeutung, denn gerade hier ist es wichtig die verbleibende Lunge auf keinen Fall zu schädigen“, ergänzt Prof. Friederich. Das gemeinsame Ziel beider Chefärzte bzw. Abteilungen ist es, diese maximal schonende Kombination aus Nicht-Intubation und minimal-invasiver OP-Technik künftig routinemäßig bei allen geeigneten Lungenoperationen anzuwenden und damit das Operationsrisiko und die Belastungen für die thoraxchirurgischen Patienten an der München Klinik Bogenhausen noch weiter zu minimieren. Angesichts der neuen Erfahrungswerte sehen beide Chefärzte in diesem Bereich enormes Potenzial und die gelungene OP als medizinischen Durchbruch.

 

Die München Klinik ist der größte und wichtigste Gesundheitsversorger unserer Stadt. Mit Kliniken in Bogenhausen (5), Harlaching (4), Neuperlach (6), Schwabing (2) und Europas größter Hautklinik in der Thalkirchner Straße (3) ist die München Klinik an insgesamt fünf Standorten jederzeit für alle Münchnerinnen und Münchner da. Die Akademie(1) ist mit rund 500 Ausbildungsplätzen die größte Bildungseinrichtung im Pflegebereich in Bayern. Die München Klinik bietet als starker Klinikverbund Diagnostik und Therapie für alle Erkrankungen – hoch spezialisiert und erster Ansprechpartner für die medizinische Grundversorgung. Der Verbund bietet innovative Medizin und Pflege ganz nah bei den Patienten und deren Bedürfnissen. Rund 135.000 Menschen lassen sich jährlich stationär und teilstationär behandeln. Auch in der Notfallmedizin ist Deutschlands zweitgrößtes kommunales Klinikunternehmen die Nr. 1: Rund 160.000 Menschen werden jedes Jahr in den vier Notfallzentren aufgenommen – das entspricht über 40 Prozent aller Notfälle der Landeshauptstadt. Die Kliniken sind entweder Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität oder der Technischen Universität München.

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Von links: Prof. Johannes Bodner, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie in der München Klinik Bogenhausen, Patientin Brigitte Ahlborn und Prof. Patrick Friederich, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie in der München Klinik Bogenhausen. Bildnachweis: München Klinik

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