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Näher dran

Prof. Dr. Kim ist Chefärztin für Allgemein- und Viszeralchirurgie in der München Klinik Harlaching & Neuperlach.

Prof. Dr. Mia Kim leitet seit 2021 die Allgemein- und Viszeralchirurgie in der München Klinik Harlaching. Zum 1. Juni 2022 ging auch die ärztliche Leitung in Neuperlach auf sie über. Sie übernimmt den Schwerpunkt Koloproktologie. Ihr Ziel: die individuell beste Therapie für alle Patientinnen und Patienten. Im Gespräch erklärt die Chefärztin, wie dies gelingt, wieso Chirurgie das schönste Fach ist – und wie eine Jeckin auch ohne Karneval in München glücklich wird.

„Chirurgie, also Viszeralchirurgie, das ist für mich das schönste Fach. Nie ist man näher am Patienten dran.“

 

Aufschneiden, operieren, zumachen – so stellen sich viele die Chirurgie vor. Dass dies eben nicht alles ist, betont Prof. Dr. Mia Kim. Denn ja, operieren bereitet ihr große Freude. Ihre Stimme wird heller und das Gesicht strahlt, wenn sie von der Chirurgie spricht, von Schichten, die sich wie ein Blatt im Buch umschlagen lassen. Genauso wichtig, betont sie, ist aber die Zeit vor und nach der OP, das Behandlungskonzept und die enge Beziehung zum Patienten, das Vertrauensverhältnis, das man schaffen muss.

„In keinem anderen Fach kommt man dem Patienten näher.“, sagt sie. Und meint damit zum einen die Tatsache, dass sie als Chirurgin etwas tut, das unter normalen Umständen unvorstellbar wäre: Sie greift in die körperliche Integrität ein. Zum anderen meint sie damit aber auch das Bewusstsein für die Verantwortung dahinter und damit eine besondere Bindung, die auch nach der OP fortbesteht. „Man möchte der Person, die einen operiert, vertrauen. Man möchte, dass sich diese Person wirklich um einen kümmert.“

„Jede Jeck ist anders.“

Dem Rheinischen Gesetz folgt Prof. Dr. Kim, privat wie beruflich.

Prof. Dr. Kim gehört auf europäischer Ebene zu den anerkannten Expertinnen ihres Fachs. Ihre Schwerpunkte sind Dickdarm- und Enddarmkrebs, Proktologie sowie chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Sie steht für Medizin auf dem neuestem Stand der Technik und hat Erfahrung mit OP-Robotern. Zudem ist sie „Fellow of the European Board of Coloproctology“.

„Jeder operative Eingriff ist eine Grenzsituation für den Patienten. Jeder unserer Handgriffe hat Konsequenzen für seine Lebensqualität.“

 

Trotz ihrer großen Expertise zeugt jeder ihrer Sätze von großer Demut. Prof. Dr. Mia Kim sieht ihren Beruf als Privileg. So kann sie auch nicht sagen, wie viele Operationen sie schon gemacht hat. Ist ihr auch nicht wichtig. Denn zwar steigt die Erfahrung mit jedem Eingriff, doch ist keine OP gleich. „Jede OP ist neu. Jeder Patient ist anders!“ Gleich ist nur die Verantwortung, jeden Tag auf ein Neues. Denn eine Operation ist immer eine Grenzsituation für den Patienten. Für ihn geht es um alles, selbst wenn es eine vermeintlich kleine OP ist – es ist eine OP! „Für den Patienten ist das das Schlimmste, was er sich gerade vorstellen kann, ganz gleich, ob es sich um eine bösartige Erkrankung oder einen Leistenbruch handelt.“, weiß sie. Nicht die Größte und Komplexität der OP, sondern die gewonnene Lebensqualität, das einzelne Schicksal jeder Patientin, jedes Patienten beschäftigt und motiviert sie.

„Patienten in den Mittelpunkt unseres Tuns“ zu stellen, war schon immer ihr Anspruch. Bereits in ihrer Forschungsarbeit stellte sie die Lebensqualität von Patient*innen mit Enddarmerkrankungen in den Vordergrund. Am Universitätsklinikum Würzburg wurden unter ihrer Leitung neue, schonendere OP-Techniken für Patienten mit Mastdarmkarzinomen eingeführt.

Chirurgie ist das schönste Fach.

Für die Patienten setzt Prof. Dr. Kim auf interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Der Fokus liegt auf Lebensqualität.

„Ich weiß nicht, ob ich hier sitzen würde, hätte ich in meiner Ausbildung nicht ein weibliches Rollenvorbild gehabt. Das hat mir mehr gebracht als alles andere.“

 

In Neuperlach leitet Prof. Dr. Kim gemeinsam mit Prof. Dr. Nüssler die Chirurgie. Zwei Chefärztinnen der Allgemein- und Viszeralchirurgie als Doppelspitze ist eine wahrscheinlich einmalige Konstellation hierzulande – und das in Deutschlands größtem Darmkrebszentrum, in einem durch die DKG zertifizierten viszeralonkologischen Zentrum. „Der Grund, wieso ich mich hier beworben habe, ist, dass Sie eine Frau sind.“, sagte ihr einst eine Hospitantin. Ihrer Verantwortung als weibliches Vorbild ist sie sich sehr bewusst.

So wundert es kaum, dass Dr. Kim so einen großen Fokus auf die Ausbildung junger Ärztinnen und Ärzte legt: „Es ist fantastisch zu sehen, wie jemand erst ganz häufig bei der OP zusieht, dann assistiert und unter Assistenz operiert bis der Moment kommt, in dem sie oder er die OP ganz alleine kann.“

Ihre Begeisterung für das Fach endet nicht im OP. Sie liebt die operative Herausforderung, mehr aber noch die interdisziplinäre Herangehensweise. Nicht „OP, ja oder nein?“ ist die Frage, sondern welches Konzept, welche Therapiemöglichkeiten gibt es auch vor und nach einer OP. Nur im Team entsteht, worauf es ankommt: die individuell beste Therapie.

„Ich habe mich in München verliebt.“

 

Teamwork spielt für Prof. Dr. Kim eine große Rolle – als Chirurgin ebenso wie als Fußballfan oder beim Karneval. Letzteres kann ihr München nicht bieten. Dafür lässt sich die Chefärztin für die anderen Vorzüge der Stadt begeistern: „Ich wollte eigentlich nicht noch weiter in den Süden, aber München hat es mir angetan – sowohl das Monumentale rund um die Oper wie auch das positive Lebensgefühl in der Stadt oder am Flaucher liebe ich.“ 

Nach dem Medizinstudium in Düsseldorf und Heidelberg war ihre erste Station das Klinikum Nürnberg. 2008 zog es die Fachärztin für Viszeralchirurgie mit den Zusatzbezeichnungen Spezielle Viszeralchirugie und Proktologie ans Universitätsklinikum Würzburg. Dort war sie ab 2017 als Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie tätig und übernahm 2018 die dortige Koloproktologie. Seit 2021 ist sie in München und schafft mir ihrem Wirken in Harlaching und Neuperlach ein neues Zentrum für Viszeralchirurgie im Münchner Süden, wo sie insbesondere minimalinvasive Techniken weiter ausbauen möchte.

„50 Prozent Rheinländerin, 50 Prozent Koreanerin“, antwortet Prof. Dr. Kim auf die Frage nach ihrer Mentalität. Die Münchnerin Mia Kim passt perfekt dazu.

Dossier: Ärztinnen und Ärzte in der München Klinik

München Klinik - Machen können für Ärztinnen und Ärzte