Neuigkeit
02.05.2017 14:04 Uhr

Tiertherapeutische Expertise in der Schlaganfallreha

Wastl wird Nachfolger von Anabell

Über 100 Patienten haben Anabell und ihre drei Zwergkaninchenkollegen während des tiertherapeutischen Einsatzes in den vergangenen Jahren im Klinikum Harlaching behandelt. Die Tiere waren ein Therapiebaustein der komplexen Schlaganfallnachsorge in der Klinik für Neurologie. „Anabell hat wunderbare Arbeit geleistet“, sagt die klinische Neuropsychologin Dr. Stefanie Böttger. Jetzt tritt das siebenjährige Dackelmännchen „Wastl“ die Nachfolge an und wird versuchen, unter angepassten Hygienevoraussetzungen den großen Pfotenabdrücken seiner Vorgänger in der neurologischen Frührehabilitation gerecht zu werden.

„Zwar bleiben Nervenzellen zerstört, das Gehirn hat aber die Fähigkeit sich anzupassen und die Ausfälle zu kompensieren. Diese sogenannte Neuroplastizität ist in wissenschaftlichen Studien belegt und wird im Rahmen der Frührehabilitation gezielt stimuliert“, erklärt der Chefarzt der Harlachinger Neurologie Prof. Roman Haberl. Ziel ist es die früheren Fähigkeiten wieder zu erlernen oder einfache Hilfsmittel für den Alltag zu finden, die wieder mehr Selbstständigkeit ermöglichen. 

Tiere fördern die Motivation

Therapietiere sind besonders attraktiv und führen nachweislich zu stärkeren Hirnaktivitäten verglichen mit emotional weniger starken Reizen. Deshalb kommen Therapietiere bei Übungen, die die Motorik oder Konzentration trainieren zum Einsatz. Ein weiteres Feld ist die Behandlung des sogenannten „Neglect“. Hier sind sich Patienten einer Raumhälfte nicht mehr bewusst, obwohl Reize auf dieser Seite gesehen, gehört und gespürt werden können. Befindet sich ein Therapietier auf der nicht wahrgenommenen Seite, reagieren Patienten durch den ausgelösten Reiz spontan, richten den Blick in diese Richtung und greifen nach dem Tier. Zudem lindern Tiere psychische Belastungen der Patienten und fördern die Motivation auf dem Weg zurück in den „normalen“ Alltag.

Hintergrund für die tierische Staffelübergabe im Klinikum war die Schließung des Wörnbrunner Begegnungshofes des Vereins „Menschen brauchen Tiere“. Von dort kamen die Kaninchen an zwei Tagen in der Woche zur Therapiebegleitung in die Klinik.

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