Schlaganfall (Apoplex), Hirnstamminfarkt

Hohe Kompetenz in der Behandlung neurologischer Notfälle.

Bei einem Schlaganfall, in der Medizin auch Apoplex oder Insult genannt, werden Bereiche des Gehirns nicht mehr ausreichend durchblutet. Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall. In Deutschland gehört der Schlaganfall, auch als Hirninfarkt bezeichnet, neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zu den häufigsten Todesursachen.

Schnelle Hilfe kann Leben retten und dafür sorgen, dass möglichst wenig langfristige Schäden entstehen. 

Was ist die Ursache für einen Schlaganfall?

ICD-Schlüssel

Der Schlaganfall ist mit folgenden ICD-Codes für medizinische Diagnosen verschlüsselt:

I61 Intrazerebrale Blutung

I63 Hirninfarkt

I64 Schlaganfall, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet

I69 Folgen einer zerebrovaskulären Krankheit

G45.8 Sonstige zerebrale transitorische Ischämie und verwandte Syndrome

G45.9 Zerebrale transitorische Ischämie, nicht näher bezeichnet

In über 85 Prozent aller Fälle ist eine akute Durchblutungsstörung des Gehirns durch einen Gefäßverschluss Ursache für einen Schlaganfall. Weniger häufig sind Blutungen im Gehirn Ursache für einen Schlaganfall.

Die häufigsten Gründe sind

  • Blutgerinnsel
  • Thrombosen
  • Gefäßverengung durch Ablagerungen (Arteriosklerose)
  • Hirnblutungen durch Gefäßrisse
  • Subarachnoidalblutung

Ein Hirnstamminfarkt ist ein Schlaganfall, der besonders schwerwiegende Folgen hat. Das liegt daran, dass im Hirnstamm wichtige Funktionen wie Schlucken, Atmen oder auch die Bewusstseinslage kontrolliert werden. Der Verschluss der Arteria basilaris im Hirnstamm - die Basilaris-Thrombose - kann eine vollständige Lähmung aller Extremitäten (Tetraparese) bis hin zum Tod zur Folge haben.

Ein schwerer Hirnstamminfarkt ist daher für die Patienten ein lebensbedrohliches Ereignis. 

Welche Menschen sind gefährdet?

Risikofaktoren sind unter anderem

  • Bluthochdruck
  • Übergewicht
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Verengungen der Halsschlagadern
  • Vorhofflimmern
  • Bewegungsmangel
  • Diabetes
  • Rauchen

Der Lebenswandel und die Ernährung spielen bei der Vorbeugung eine große Rolle. Risikofaktoren sind natürlich auch das Alter und zu einem kleineren Teil die Vererbung.

Schlaganfall-Risikotest - nach 13 Fragen wissen Sie mehr!

Wie hoch ist Ihr Risiko an Schlaganfall zu erkranken? Mit Hilfe unseres Schnelltests können Sie eine erste Einschätzung vornehmen, ob bei Ihnen ein erhöhtes Schlaganfallrisiko besteht.

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Zwar selten, aber mit den gleichen Folgen betroffen: Kinder & Jugendliche

Einen Schlaganfall erleiden meist ältere Menschen. 50 Prozent aller Schlaganfälle treten bei den über 75-jährigen auf. Aber auch deutlich jüngere und sogar Kinder können einen Schlaganfall erleiden. Bei Kindern, Jugendlichen, Neugeborenen und Föten tritt ein Schlaganfall zwar deutlich seltener auf - etwa 300 Kinder und Jugendliche im Jahr -  allerdings könnte die Dunkelziffer höher liegen, da er oft nicht erkannt wird.

Vor allem bei Neugeborenen und Kleinkindern kann ein Schlaganfall nicht sofort auffallen, da die Hirnreife noch nicht abgeschlossen ist und eine Hirnschädigung sich oft erst Monate oder Jahre später bemerkbar machen kann.

Zu den möglichen Ursachen eines Apoplex im Kindesalter zählen zum Beispiel Gerinnungsstörungen, Herz- und Gefäßerkrankungen, Infektionskrankheiten oder Komplikationen bei der Geburt.

Schlaganfall mit 15

Mit 15 Jahren hat Jonathan eine Erkrankung überlebt, die sonst nur Menschen betrifft, die das 60. Lebensjahr bereits weit überschritten haben.

Schnelles Handeln rettete sein Leben

Welche Warnzeichen deuten auf einen Schlaganfall hin?

Die Symptome eines Schlaganfalls treten plötzlich auf und sind in der Regel gut erkennbar. Dazu gehören etwa einseitige Lähmungen oder Sensibilitäts-, aber auch Sprach-, Gleichgewichts- und Bewusstseinsstörungen sowie Sehstörungen oder Doppelbilder.

Schlaganfall Patienten können auch bewusstlos sein oder an heftigen Kopfschmerzen leiden. Zu den Ursachen eines Schlaganfalls gehören Hirnblutungen und Hirn-Thrombosen, bei denen ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß im Gehirn verschließt.   

Auch wenig ausgeprägte Symptome wie ein herabhängender Mundwinkel oder eine gestörte Mimik in einer Gesichtshilfe können Anzeichen für einen Schlaganfall sein. Betroffene, Angehörige, Freunde oder Kollegen sollten die Warnzeichen ernst nehmen und sofort handeln.

Auch wenn sich Symptome schnell bessern, besteht keine Entwarnung. Vielmehr sollte rasch die Ursache geklärt werden.

Schlaganfall-Warnzeichen: der FAST-Test

Die Symptome bei einem Schlaganfall schnell zu erkennen, ist überlebenswichtig. Mit dem FAST-Test prüfen Sie einen Schlaganfall-Verdacht in kurzer Zeit.

  • Face (Gesicht): herabhängende Mundwinkel. Lächeln nicht mehr möglich.
  • Arms (Arme): Beide Arme können nicht mehr gehoben werden. Ein Arm sinkt oder dreht sich.
  • Speech (Sprache): Sätze können nicht mehr gesprochen werden oder Stimme klingt verwaschen.
  • Time (Zeit): Wählen Sie unverzüglich die 112

Warnzeichen für die schwere Form Hirnstamminfarkt

Der Hirnstamm wird von den beiden Wirbelarterien mit Blut versorgt. Diese vereinen sich zur Arteria Basilaris. Verschließt sich eine der beiden Wirbelarterien, meist in Folge einer Arteriosklerose, spricht man in der Medizin vom Wallenberg-Syndrom. Das verlängerte Rückenmark wird dann nicht mehr mit Blut versorgt. Symptome sind:

  • gestörte Bewegungsabläufe
  • Probleme mit dem Schlucken und Sprechen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Hängendes Augenlid

Verschließt sich die Arteria Basilaris, spricht man auch von einer Basilaris-Thrombose. Bei dieser schwersten Form des Hirnstamminfarkts kann es zum Locked-in-Syndrom kommen. Die Patienten sind bei vollem Bewusstsein, aber vollständig reglos und können willkürlich nur noch die Augen bewegen.  

Die TIA - ein erster Warnschuss

Eine transitorische ischämische Attacke, kurz TIA genannt, ist nur eine kurze Durchblutungsstörung im Gehirn mit vorübergehenden Auswirkungen, wie Lähmungs- und Sprachstörungen. Auch wenn die Symptome nach kurzer Zeit wieder verschwinden, sollte man sie auf jeden Fall abklären lassen, denn die TIA ist der Warnschuss für einen Schlaganfall, also eine dauerhafte Durchblutungsstörung im Gehirn mit der Folge eines Infarktes.

„Jeder fünfte bis zehnte Patient mit einer TIA erleidet innerhalb von drei Monaten einen Schlaganfall.“
Prof. Dr. Roman Haberl, Chefarzt München Klinik Harlaching

Bewertung des TIA-Risikos in spezialisierten Kliniken

Ob es sich um eine echte TIA handelt, zeigen bestimmte neurologische Symptome wie Sprechstörung und Lähmung, insbesondere wenn Risikofaktoren wie erhöhter Blutdruck, ein Lebensalter über 60 Jahre oder ein Diabetes mellitus dazukommen.

Die Spezialisten in unseren Schlaganfallzentren forschen nach der Ursache der Durchblutungsstörung. Mithilfe des Computertomogramms können sie erkennen, ob es sich um eine Blutung im Gehirn handelt, bei der kein Aspirin gegeben werden darf. Engstellen an den Halsschlagadern macht eine spezielle Ultraschalltechnik, die Dopplersonographie, sichtbar. Herzrhythmusstörungen, wie Vorhofflimmern, erkennt das EKG.

Vorhofflimmern und eine Verengung der Halsschlagader (Carotisstenose) bedeuten ein besonders hohes Schlaganfallrisiko.

Unsere Experten in den Stroke Units entscheiden über die weiteren nötigen Therapiemaßnahmen. Das kann z.B. eine Stent-Einlage, eine Operation der Halsschlagader innerhalb der nächsten Tage oder der Beginn einer Behandlung mit Medikamenten sein, die die Blutgerinnung hemmen. Überdies werden Cholesterin- und Blutzuckerwerte bestimmt.

Wie behandelt man einen Schlaganfall?

Generell gilt: Je früher die Behandlung einsetzt, desto größer ist die Chance, zu überleben – und das mit möglichst wenig bleibenden Schäden. Damit das Gehirn wieder mit Sauerstoff versorgt werden kann, ist es wichtig, das verstopfte Gefäß so schnell wie möglich zu öffnen.

Betroffene, die zeitnah in einer so genannten Stroke Unit, einer speziellen Abteilung für die Erstversorgung von Schlaganfall-Patienten, behandelt werden, haben gute Chancen, dass die Ärzte die Sauerstoffversorgung im Gehirn wieder herstellen können, bevor es zum gravierenden Absterben von Hirnzellen kommt. So werden negative Folgen und Beeinträchtigungen der betroffenen Menschen verhindert.

Wir raten Betroffenen daher, schnellstmöglich ein Krankenhaus mit einer Stroke Unit aufzusuchen, wie wir sie zum Beispiel an unseren Standorten Bogenhausen und Harlaching vorhalten.

Auf der Stroke Unit arbeiten verschiedene Berufsgruppen eng zusammen. Diese professionelle Vernetzung aus Ärzten, Pflegenden, Therapeuten und dem Sozialdienst ist die Basis einer erfolgreichen Schlaganfallbehandlung.

In der Stroke Unit erheben wir zunächst eine umfassende Diagnose, um jede denkbare Komplikation möglichst zu vermeiden. Gleichzeitig beginnt die für den einzelnen Patienten wirksamste Vorbeugung vor einem weiteren Anfall. Unser erfolgreicher Standard ist dabei eine intravenöse Auflösungstherapie, die Lyse-Therapie.

30 Jahre Stroke Unit

1990 wurde die erste Stroke Unit Deutschlands in der München Klinik Harlaching gegründet. Damals noch umstritten, heute in der Schlaganfallbehandlung nicht mehr wegzudenken.

Seit 30 Jahren Wegbereiter in der Schlaganfallmedizin

Thrombektomie - noch effektiver bei Blutgerinnsel

Verstopft ein Blutgerinnsel eine Hirnarterie und löst dadurch einen Schlaganfall aus, kann durch die Thrombektomie in fast 90 Prozent der Fälle die Durchblutung wieder hergestellt werden. Dabei wird das Blutgerinnsel mechanisch mithilfe eines Katheters entfernt. Der Eingriff erfordert eine hohe medizinische Expertise und muss so schnell wie möglich durchgeführt werden.

Nach Schlaganfall mit 90 zurück ins Leben

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Dank Thrombektomie wieder fit

Spezialeinheit der Lüfte

Statt dass der Patient für eine Thrombektomie zum Arzt kommt, fliegt der Arzt zum Patienten. Das spart Zeit, die bei einem Schlaganfall entscheidend ist.

Die Flying Interventionalists

Unsere Schlaganfall-Spezialisten in München

Chancen auf Wiederherstellung durch Frührehabilitation

Kann die Therapie nach einem Schlaganfall schnell eingeleitet werden, und bekommt der Patient anschließend zeitnah eine gute Rehabilitation, stehen die Chancen gut, ohne allzu große körperliche Einschränkungen leben zu können.

Der Weg zurück: Neurologische Früh-Reha

Neurologische Frührehabilitation in München

Fachbegriffe - Kurz erklärt

Im Arztbrief finden sich dazu oft für Laien unverständliche Fachbegriffe.

Als Dysphagie zum Beispiel bezeichnen Mediziner Schluckstörungen. Hemiplegie nennen sie die Lähmung einer Körperhälfte, bei der Hemiparese ist diese Lähmung nicht vollständig ausgeprägt.

Oft nehmen PatientInnen die betroffene Körperhälfte kaum wahr. Das Fachwort dafür ist Neglect.

Eine Gesichtslähmung bezeichnen Fachleute als Facialisparese, mit einer Dysarthrie sind Sprechstörungen gemeint.

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