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Forschung, Studien, Lehre

Gendermedizin und -pflege

Ungleichbehandlung ist besser - für Frau und Mann.

Ein- und dieselbe Krankheit kann sich auf Frauen und Männer verblüffend unterschiedlich auswirken. Ziel einer Gendermedizin und -pflege ist daher, dass die geschlechterspezifischen Unterschiede bei Krankheiten erkannt werden und dieses Wissen in Medizin und Pflege einfließt.

Veranstaltung
Für Fachpublikum:23.07.202408:30 Uhr
Ort: München Klinik Bogenhausen

Culture, Sex & Gender in der Notfallmedizin

Laufende, kostenfreie Fortbildungen: November 2023 bis Dezember 2024
Für alle in der Notfallversorgung: Lernen Sie, welche Rolle kulturelle und geschlechterspezifische Einflüsse im notfallmedizinischen Alltag spielen. Kostenfrei dank LHM-Förderung.

Zur Veranstaltung
Frauensind anders krank als Männer.

Frauen leiden bei Herzinfarkten oder Diabetes stärker unter den Folgen als Männer. Auch benötigen Frauen in vielen Fällen andere Medikamente oder Dosierungen, bzw. begleitende Maßnahmen, um Nebenwirkungen aufzufangen.

2xlänger dauert der Weg einer Tablette durch den Körper einer Frau.

Der Weg einer Tablette dauert etwa doppelt so lang wie bei einem Mann. Die Leber und Nieren einer Frau brauchen ebenfalls länger, um Wirkstoffe von Medikamenten abzubauen.

Männersind anders krank als Frauen.

Männer haben beispielsweise ein deutlich höheres Risiko an einer Covid-19-Infektion schwer zu erkranken als Frauen. Auch zeigen sie andere Symptome bei Osteoporose oder psychischen Erkrankungen.

Gendermedizin sorgt für sensibles Vorgehen

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden in der Gendermedizin hervorgehoben. Der Begriff „Gender“ stammt aus dem englischen und bezeichnet die Geschlechteridentität unter sozialen Gesichtspunkten – d.h. die Unterschiede werden nicht nur biologisch, sondern auch sozialpsychologisch betrachtet. Die beste medizinische und pflegerische Behandlung hängt von der unterschiedlichsten Faktoren ab und ist für jeden Indivduell. Das Fachreferat „Gendermedizin und -pflege“ setzt sich in der München Klinik dafür ein, eine zielgruppengerechte Versorgung für unsere Patientinnen und Patienten herzustellen.

„Bei der Gendermedizin schauen wir auch darauf, wie die Rollenvorstellungen von Männern und Frauen sich auf die Therapien auswirken. Männer gehen zum Beispiel bei Depressionen seltener zum Arzt, doch leider gibt es eine höhere Selbstmordrate. Auch bei den Therapie-Erfolgen des Diabetes spielen geschlechterspezifische Muster möglicherweise eine Rolle.“
Dr. Hildegard Seidl, Fachreferentin für Gendermedizin und -pflege

Frauen und Männer sind anders krank

Geschlechterspezifische Unterschiede

In der München Klinik gibt es seit geraumer Zeit Initiativen von Ärztinnen und Ärzten, dem Thema Geschlecht in der Gesundheitsversorgung mehr Gewicht zu verleihen. Derzeit wird einKonzept für die geschlechterangepasste Versorgung in der München Klinik entwickelt. Insbesondere in den Notfallzentren, wo auf unterschiedliche Krankheitsanzeichen und Risikokonstellationen geachtet wird, im Bereich der inneren Medizin, bei Herzerkrankungen, Diabetes und Stoffwechselerkrankungen, aber auch im Bereich der physikalischen Medizin gibt es bereits weitreichende Kompetenzen. Eine kurze Vorstellung über bereits wichtige Erkenntnisse aus der Gendermedizin.

Herzinfarkt: Frauen kommen später in die Notaufnahme

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Verkannte Warnzeichen

Bei Frauen treten häufiger Beschwerden auf, die sich nicht so eindeutig zuordnen lassen: Kurzatmigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen im Rücken, Nacken und Kiefer sowie im Oberbauch. Mittlerweile zeigen Schulungsprogramme Wirkung, sodass der "weibliche" Herzinfarkt in der Notaufnahme nicht übersehen wird.

Weniger Depressionen, mehr Selbstmorde

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Rätselhafter Kontrast bei Männern:

Psychische Probleme treten bei Frauen deutlich häufiger auf als bei Männern: Frauen sind beispielsweise von Depressionen, so lassen die Zahlen vermuten, etwa doppelt so oft betroffen. Dass jedoch die Selbstmordraten männlicher Bürger Deutschlands in allen Altersklassen deutlich höher sind als bei den Frauen deutet darauf hin, dass viele Depressionen bei Männern unerkannt bleiben.

Diabetes: Frauen von den Folgen härter betroffen

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Diabetes mellitus

Zwar erkranken Frauen weniger häufig und erst im höheren Lebensalter an Typ2-Diabetes, der in den meisten Fällen infolge von Übergewicht und ungesundem Lebenswandel auftritt, doch birgt diese Krankheit bei ihnen im Vergleich zu Männern größere Gefahren: Frauen mit Diabetes haben ein über 30 Prozent höheres Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden als Männer mit Diabetes.

Knochenschwund bleibt bei Männern oft unentdeckt

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Oftmals zu spät erkannt

Nur ein Fünftel der Osteoporose-Kranken in Europa ist männlich: „Weder die männlichen Patienten selbst, noch die behandelnden Ärzte denken bei den ersten Krankheitsanzeichen an eine Osteoporose-Erkrankung“, warnt unsere Expertin und ltd. Oberärztin Dr. Amra Cuk. Bei dem Thema „poröse Knochen, die vermehrte Knochenbrüche verursachen“, denkt man vor allem an ältere Frauen.

Unsere Ansprechpartnerin für Sie

Seidl

Dr. Hildegard Seidl

Fachreferentin für Gendermedizin


Tel: (089) 3068-5817

E-Mail an Dr. Hildegard Seidl

Handlungsfelder in der medizinischen Versorgung

  1. Informationsgewinnung und Daten 
    Die Hauptaufgabe der München Klinik liegt in der kommunalen Gesundheitsversorgung, dennoch gibt es auch Beteiligungen an medizinischen Forschungsprojekten. Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Möglichkeiten muss systematisch auf eine geschlechterdifferenzierte Auswertung aller vorliegenden Daten und Informationen geachtet werden. Dasselbe gilt für die Gewinnung und Auswertung eigener Daten, etwa anonymisierter Patientenbefragungen, Klinikbewertungen oder medizinischer Daten.   
  2. Interne Bewusstseinsbildung und Vernetzung
    Das Bewusstsein für die Relevanz von Geschlecht (neben Alter, kultureller Prägung und sozialer Lage) für die medizinische Versorgung ist zu schärfen. Dazu bedarf es einer internen Vernetzung und interdisziplinären Zusammenarbeit jeweils relevanter Fachbereiche. Derzeit wird die Entwicklung eines Kompetenznetzwerkes Gendermedizin in der München Klinik vorangetrieben.
  3. Wissenserwerb und Wissensvermittlung
    Das Wissen über Geschlechterunterschiede in der Medizin nimmt derzeit sehr schnell zu. Aktuelle wissenschaftliche Forschungsergebnisse müssen laufend zur Kenntnis genommen werden. Dafür sind systematische Recherchen in allen Fachbereichen erforderlich, wofür geeignete Strukturen geschaffen bzw. angepasst werden. Darüber hinaus werden die neuen Erkenntnisse in die Aus- und Weiterbildung – sowohl in der Medizin als auch in der Pflege – integriert.
  4. Geschlechterspezifische Versorgung
    Dieses Handlungsfeld bedarf einer interdisziplinären Zusammenarbeit jeweils relevanter medizinischer Fachbereiche. Derzeit wird ein Konzept zu Möglichkeiten und Strukturen geschlechterspezifischer Versorgung in der München Klinik entwickelt. Begonnen wird damit im Bereich der Inneren Medizin, bei Herzerkrankungen, Diabetes und Stoffwechselerkrankungen, wo bereits weitreichende Genderkompetenzen bei den Ärztinnen und Ärzten der München Klinik vorliegen. Darüber hinaus gibt es seit September 2019 eine Jungensprechstunde.
  5. Öffentlichkeitsarbeit
    Es ist wichtig, für die Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass in der München Klinik die Beachtung von Geschlechteraspekten in Diagnostik und Therapie sehr wichtig genommen wird und aktiv in das medizinische und pflegerische Handeln einfließt. Deshalb muss auch in der medialen Aufbereitung und in der Unternehmenskommunikation auf diesen Aspekt großer Wert gelegt werden. Dazu gehört auch, den Münchner Bürgerinnen und Bürgern bestehende Geschlechterunterschiede in häufigen Erkrankungen aufzuzeigen und so einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitserziehung zu leisten.

Downloads

Veröffentlichungen zu Gender in Medizin und Pflege

  • Steinbeisser, K.; Grill E.; Holle, R.; Peters, A. & Seidl, H.: Determinants for utilization and transitions of long-term care in adults 65+ in Germany: results from the longitudinal KORA-Age study. BMC Geriatr. 18, 172:172 (2018)
    [Download PDF]
  • Krack, G.; Holle, R.; Kirchberger, I.; Kuch, B.; Amann, U.; Seidl, H.: Determinants of adherence and effects on health-related quality of life after myocardial infarction: a prospective cohort study. BMC Geriatrics 201818:136
    [Download PDF]
  • Seidl H, Hunger M, Meisinger C, Kirchberger I, Kuch B, Leidl R, Holle R. The 3-Year Cost-Effectiveness of a Nurse-Based Case Management versus Usual Care for Elderly Patients with Myocardial Infarction: Results from the KORINNA Follow-Up Study. Value in Health, 2016, DOI: 10.1016/j.jval.2016.10.001
    [Download PDF]
  • Kirchberger, I., Hunger, M., Stollenwerk, B., Seidl, H., Burkhardt, K., Kuch, B., Meisinger, C., Holle, R.: Effects of a 3-Year Nurse-Based Case Management in Aged Patients with Acute Myocardial Infarction on Rehospitalisation, Mortality, Risk Factors, Physical Functioning and Mental Health. A Secondary Analysis of the Randomized Controlled KORINNA Study. PLoS One. 2015 Mar 26;10(3):e0116693. doi: 10.1371/journal.pone.0116693.
    [Download PDF]
  • Meisinger, C., Stollenwerk, B., Kirchberger, I., Seidl, H., Wende, R., Kuch, B., Holle, R.: Effects of a nurse-based case management compared to usual care among aged patients with myocardial infarction: results from the randomized controlled KORINNA study. BMC Geriatrics, 13:115(2013)
    [Download PDF]
  • Peters, A … Seidl, H….: Multimorbidität und erfolgreiches Altern: Ein Blick auf die Bevölkerung im Rahmen der KORA-Age-Studie. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 44(Supp2):41-53(2011)
    [Download PDF]
  • Zebisch, Johanna (2015): Bei ärztlicher Kommunikation von Ärztinnen lernen? In: ÄRZTIN. Zeitschrift des Deutschen Ärztinnenbundes e.V., 62. Jhrg., August 2015, S.9. [Download PDF]
  • Zebisch, Johanna (2012): Gender-Medizin in der München Klinik. In: Arbeitshilfe des Deutschen Städtetages: Gender Mainstreaming. Beispiele aus den Kommunen zur Gleichstellung. Deutscher Städtetag, Berlin und Köln, September 2012, 37-45.
    Siehe Website Deutscher Städtetag
  • Quinones, A.; Seidl, H.; Holle, R.; Kuch, B.; Meisinger, C.; Hunger H.; Kirchberger I.: New potential determinants of disability in aged persons with myocardial infarction: results from the KORINNA-study. BMC Geriatrics 2014, 14:34 [Abstract]
  • K. Steinbeisser, L. Schwarzkopf, L. Schwettmann, M. Laxy, E. Grill, C. Rester, A. Peters and H. Seidl: Association of physical activity with utilization of long-term care in community-dwelling older adults in Germany: results from the population-based KORA-Age observational study. International J Behavioral Nutrition and Physical Activity, 2022 DOI:10.1186/s12966-022-01322-7
    https://ijbnpa.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12966-022-01322-z
  • H. Seidl, M. Schunk, L. Le, Z. Syunyaeva, S. Streiwieser, U. Berger, U. Mansmann, B. Szentes, C. Bausewein, L. Schwarzkopf: Cost-effectiveness of a Specialized Breathlessnes Service Versus Usual Care for Patients With Advanced Diseases. Value Health, 2023, DOI:10.1016/j.jval.2022.08.002
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36182632/

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