Logout

Organe im Zentrum

Herz, Blut & Gefäße sowie Lunge, Bauchraum, Darm, Nieren & Blase

Lymphödem

Ein Lymphödem entsteht, wenn das Lymphsystem die Gewebsflüssigkeit nicht mehr richtig abtransportieren kann. Die Flüssigkeit staut sich und es kommt zu einer dauerhaften Schwellung, meist an Armen oder Beinen, aber auch an Kopf, Hals, Brust, Bauch oder im Genitalbereich.

Beim Lymphödem handelt es sich um eine chronisch fortschreitende Erkrankung, welche nach vier Stadien je nach Ausprägung des Ödems und des stattgefundenen Gewebeumbaus eingeteilt wird.

Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Lmyphödemen

ICD-Schlüssel

Lymphödeme sind mit folgenden ICD-Codes für medizinische Diagnosen verschlüsselt (Auswahl):

I89.0 Lymphödem, anderenorts nicht klassifiziert
I89.00 Lymphödem der oberen und unteren Extremität(en), Stadium I
I89.01 Lymphödem der oberen und unteren Extremität(en), Stadium II
I89.02 Lymphödem der oberen und unteren Extremität(en), Stadium III
I89.08 Sonstiges Lymphödem, anderenorts nicht klassifiziert
I89.09 Lymphödem, nicht näher bezeichnet

Primäre Lymphödeme

Beim primären Lymphödem liegt eine angeborene Schwäche oder Fehlbildung der Lymphgefäße vor, was zu einer Beeinträchtigung des Lymphabflusses führt. Primäre Lymphödeme entwickeln sich meist an beiden Beinen und steigen von den Zehen bis zum Oberschenkel auf.

Sie sind sehr selten: Nur etwa einer von 100.000 Menschen ist betroffen.

Sekundäre Lymphödeme

Die Schwellung durch ein sekundäres Lymphödem ist dagegen erworben z.B. nach Operationen, einer Bestrahlung, Verletzungen oder Infektionen. Brustkrebsoperationen mit Entnahme der Lymphknoten, Strahlentherapie, bestimmte Krebsarten wie Leukämie oder Morbus Hodgin oder eine Entzündung der Lymphbahnen sind dann z.B. die Ursache für ein Lymphödem.

Im Gegensatz zu den primären Lymphödemen breiten sich sekundäre Ödeme eher absteigend aus, d.h. zum Beispiel von der Achsel in Richtung Unterarm. Diese Lymphödeme treten in der Regel einseitig auf. Zehen und Vorfuß sind nicht betroffen.

Wie stellt man ein Lymhpödem fest?

Die Diagnose wird durch klinisches Bild, Anamnese sowie ggf. eine apparative Funktionsuntersuchung (z.B. Lymphsequenzszintigraphie, Lymph-MRT) gestellt. 

Ein einfaches diagnostisches Mittel zur Erkennung eines Lymphödems ist das sogenannte Stemmer-Zeichen: Die Haut auf dem zweiten Zeh wird gegriffen. Lässt sich die Haut nicht als Falte anheben, ist ein Lymphödem wahrscheinlich.

15Prozent

Ca. 15 % der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland weist ein positives Stemmersches Zeichen auf.

1. Option Lymphdrainage und Kompressionstherapie

Die lebenslange Basis der Behandlung des Lymphödems stellt die konservative Therapie dar. Diese umfasst neben dem Tragen einer konsequenten Kompressionsbekleidung der betroffenen Extremität, die regelmäßige Durchführung einer Lymphdrainage. Ohne Behandlung verschlechtert sich ein Lymphödem. In späterem Stadium entzündet sich die Haut. Durch ein zu spät entdecktes Lymphödem bilden sich Ekzeme.

An erster Stelle der Therapieoptionen steht weiterhin die komplexe physikalische Entstauung (KPE), die sich aus mehreren Einzeltherapien zusammensetzt:

  • Manuelle Lymphdrainage
  • Kompressionstherapie
  • Sportliche Betätigung
20 - 50Prozent

Zwischen 20 - 50 Prozent kann das Volumen des Lymphödems durch konservative Behandlung reduziert werden.

Operation des Lymphödems

Die lebenslange Basis der Behandlung des Lymphödems stellt die konservative Therapie dar. Diese umfasst neben dem Tragen einer konsequenten Kompressionsbekleidung der betroffenen Extremität die regelmäßige Durchführung einer Lymphdrainage. Zusätzlich kann eine Operation die Ödembildung langfristig verbessern. Hierbei werden rekonstruktive und resezierende Operationstechniken unterschieden.

Was sind die Vorteile einer Operation?

Eine Vielzahl an Studien hat gezeigt, dass dadurch nicht nur das Extremitätenvolumen langfristig reduziert werden kann, sondern auch die Kompressionsversorgung und Frequenz der manuellen Lymphdrainage. Zudem profitieren die Patienten von einer besseren Lebensqualität und Funktion der betroffenen Extremität. Die genannten Operationsverfahren können als selbstständige Eingriffe zur Behandlung des primären und sekundären Bein- oder Armlymphödems durchgeführt werden oder in Kombination mit einem Brustaufbau mit Eigengewebe nach Brustkrebs. Gerne beraten wir Sie dazu in unserer Sprechstunde.

Rekonstruktive Operationstechniken

Ziel der rekonstruktiven Operationstechniken ist eine Wiederherstellung des Lymphabflusses. Die hierbei am meisten verwendeten Methoden sind die lymphovenösen Anastomosen und der mikrovaskuläre Lymphgewebetransfer.

Lymphovenöse Anastomosen

Eine lymphovenöse Anastomose stellt eine neue Verbindung zwischen Lymphgefäss und Vene dar, welche ermöglichen soll, dass die Lymphflüssigkeit in den Blutkreislauf abfliessen kann. Dazu wird durch einen kleinen Hautschnitt ein Lymphgefäss unter dem Mikroskop unter hoher Vergrösserung dargestellt und an eine oberflächliche Vene angeschlossen. Dieses Verfahren eignet sich nur in frühen Krankheitsstadien, da bei zunehmender Sklerosierung (Verhärtung) der Lymphgefässe im Krankheitsverlauf die Lymphtransportkapazität deutlich abnimmt und eine Verbindung mit Venen erschwert ist. Der Effekt dieser Methode ist in der Regel innerhalb weniger Wochen schon sichtbar.

Mikrovaskulärer Lymphgewebetransfer

Beim mikrovaskulären Lymphgewebetransfer werden gesunde Lymphknoten eines körpereigenen Spenderareals in die betroffene Region transplantiert. Dabei wird die Gefässversorgung rekonstruiert. Die häufigsten Entnahmestellen sind das Omentum majus, auch bekannt als grosses Netz am Magen, die Achselhöhle und die Leiste. Das transplantierte Gewebe enthält Lymphknoten und Lymphgefässe und kann somit die Lymphe aufnehmen,  was langfristig die Drainage der betroffenen Extremität verbessert. Zudem wird vermutet, dass sich neue Lymphgefässe ausbilden, welche ebenfalls die angestaute Lymphflüssigkeit abtransportieren. Daher ist der Effekt dieser Methode in der Regel erst nach 9 - 12 Monaten spürbar.

Resezierende Operationstechnik

Bei einem fortgeschrittenen Lymphödem kommt es oft nicht nur zu einer Flüssigkeitsansammlung, sondern langfristig auch zu einer Vermehrung von Fett- und Bindegewebe. In solchen Fällen kann eine Liposuktion (Fettabsaugung) helfen. Durch das Entfernen des vermehrten Fettgewebes wird die Lymphlast reduziert, sodass das Lymphsystem entlastet wird. Das kann dazu beitragen, die Schwellung zu verringern, die Beweglichkeit und die Lebensqualität im Alltag zu verbessern. Eine Liposuktion kann als eigenständiger Eingriff oder in Kombination mit einer operativen Lymphrekonstruktion durchgeführt werden.

Behandlung von Lymphfistel und Lymphozele

Eine Lymphfistel (Austritt von Lymphflüssigkeit) oder Lymphozele (Ansammlung von Lymphflüssigkeit in einer Wundhöhle) kann nach Entfernung eines Tumors oder Lymphknoten entstehen. In den meisten Fällen können diese durch wiederholtes Ablassen der Lymphflüssigkeit oder eine operative Revision mit Drainageneinlage erfolgreich behandelt werden.

Sollte hierdurch keine Ausheilung erzielt werden können, stellt die Anlage von lymphovenösen oder lympholymphatischen Anastomosen, d.h. mikrochirurgischen Verbindungen zwischen den durchtrennten Lymphgefässen, eine gute Behandlungsoption dar. Hierdurch kann der Lymphabfluss wiederhergestellt und der kontinuierliche Austritt von Lymphe unterbunden werden.

Gerne beraten wir Sie individuell über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zur langfristigen Verbesserung Ihres Lymphödems.

Lymphödem nach Brustkrebs-OP

Trotz immer schonenderer onkologischer Operationsmethoden entwickeln einige Patientinnen aufgrund notwendiger Lymphknotenresektionen postoperative Lymphödeme. Diese manifestieren sich meist in den ersten zwei Jahren nach der chirurgischen Behandlung, es kann aber auch erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt in Erscheinung treten. Die Inzidenz des sekundären Armlymphödems nach Mammakarzinom wird je nach Studie mit 14 bis 22 Prozent angegeben, wobei das Risiko nach axillärer Lymphadenektomie mit zusätzlicher Bestrahlung am höchsten ist und eine Inzidenz von 31 Prozent zeigt.

Durch mikrochirurgische Rekonstruktionen der Lymphbahnen können die Lymphödeme erfolgreich therapiert werden. Patienten nach rekonstruktiver Lymphchirurgie profitieren langfristig von einer besseren Lebensqualität und reduzierten Symptomen, was diese Operationsverfahren zu einem wichtigen Bestandteil moderner Behandlungskonzepte macht. In Anbetracht eines in der Regel über die Jahre progredienten Lymphödems und des hohen Risikos nach stattgehabter Lymphadenektomie sollte bei geplanter Brustrekonstruktion frühzeitig eine gleichzeitige Lymphknotentransplantation evaluiert werden.

14 - 22Prozent

der Patientinnen entwickeln ein sekundäres Armlymphödem nach Mammakarzinom.

Operative Verfahren zur Gewebereduzierung

Im Verlauf kommt es in dem erkrankten Körperabschnitt jedoch auch zu einer Vermehrung des Bindegewebes (sog. Sekundärveränderungen), weshalb eine tatsächlich gewebereduzierende Maßnahme erforderlich werden kann. 

Unter den resezierenden Verfahren gilt die Aspirationslympholipektomie (Lipolymphosuktion) als minimalinvasives Standardverfahren. Jede der genannten Techniken hat seine speziellen Vor- und Nachteile. Der Therapieplan muss stets individuell erstellt werden.

Unsere spezialisierte Klinik zur rekonstruktiven Lymphchirurgie

München Klinik Bogenhausen

Ob selbstständige Eingriffe zur Behandlung des primären und sekundären Bein- oder Armlymphödems oder in Kombination mit einer autologen Brustrekonstruktion - in der Plastischen Chirurgie der München Klinik Bogenhausen befinden Sie sich in Expertenhänden.

Rekonstruktive Lymphchirurgie als Teil der Plastischen Chirurgie

360° -Behandlung

Die rekonstruktive Lymphchirurgie ist Teil der Plastischen Chirurgie der München Klinik Bogenhausen. Wir arbeiten mit verschiedenen Disziplinen unserer Klinik eng zusammen. Daher können wir eine ganzheitliche Behandlung anbieten - nicht nur selbstständige Eingriffe zur Behandlung des primären und sekundären Bein- oder Armlymphödems. Unsere Experten sind auch von Anfang in die Brustkrebsbehandlung involviert, so dass alle Behandlungsoptionen einer Rekonstruktion in Betracht gezogen werden können.

Unsere Spezialistinnen & Spezialisten für Lymphödeme

Priv. Doz. Dr. med. Lisanne
Leitende Oberärztin, Leitung Rekonstruktive und Ästhetische Brustchirurgie, Lymphchirurgie
Priv. Doz. Dr. med. Lisanne Grünherz, FEBOPRAS
Dr. med. univ. Zvjezdana
Oberärztin, Leitung Rekonstruktive Gesichtschirurgie (inkl. Fazialisparese) & Ästhetische Chirurgie
Dr. med. univ. Zvjezdana Milacak Kehrer

Fachlich geprüft von:

PD Dr. Lisanne Grünherz
Chefärztin Plastische Chirurgie

Weitere Gefäßerkrankungen im Überblick