Grippe (Influenza)

Grippe (Influenza)

Wer an Grippe leidet, hat sich mit dem Influenza-Virus infiziert. Influenzaviren treten in  verschiedenen Serotypen auf, wobei v.a. die Serotypen A und B humanmedizinisch relevant sind, seltener auch der Serotyp C. Am häufigsten und am gefährlichsten ist das Influenza-Virus Typ A. Die WHO schätzt, dass jährlich 10 - 20% der Weltbevölkerung an Influenza erkranken und 400.000 bis eine Million Menschen pro Jahr an Grippe versterben. In Deutschland sterben jedes Jahr bis zu 30 000 Menschen an Influenza.

ICD-10-Schlüssel

ICD-10 ist ein Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen, die Schlüssel dienen der Internationalen Klassifikation von Krankheiten.

J09 Grippe durch nachgewiesene Vogelgrippe-Viren

J10 Grippe durch sonstige nachgewiesene Influenzaviren

J10.0 Grippe mit Pneumonie, sonstige Influenzaviren nachgewiesen

J10.1 Grippe mit sonstigen Manifestationen an den Atemwegen, sonstige Influenzaviren nachgewiesen

J10.8 Grippe mit sonstigen Manifestationen, sonstige Influenzaviren nachgewiesen

J11 Grippe, Viren nicht nachgewiesen

Aufbau des Grippevirus

Das Erbmaterial des Virus (RNA) ist von einer Fettschicht (Lipidmembran) umhüllt und in eine Proteinmatrix eingebettet. Das Matrix-Protein M1 ist dabei ein wichtiger Faktor für die strukturelle Stabilität des Influenza-Virus.

Innerhalb der M1-Hülle befinden sich weiterhin noch einige Moleküle des Matrix-Proteins M2. Als selektiver Ionenkanal ermöglicht dieses Protein den Transport von Protonen durch die Virus-Membran und spielt damit eine wichtige Rolle im Lebenszyklus des Influenza-Virus.

Bedingt durch die RNA-Struktur und der einzelnen Genomsegmente des Influenza-Virus kommt es sehr häufig zu Veränderungen dieser Viren. Für die Vermehrung muss die RNA durch eine sogenannte RNA-abhängige RNA-Polymerase wieder in RNA umgeschrieben werden. Diese RNA-Kopien dienen einerseits als mRNA für die Bildung der viralen Proteine. Sie dienen aber auch als Matrize zur Synthese neuer genomischer RNA-Fragmente, die in neue Viruspartikel verpackt werden.

Bestimmte Proteine übernehmen dabei die Funktion der RNA-abhängigen RNA-Polymerase. Sie arbeiten aber ziemlich unzuverlässig und bauen sehr oft falsche Basen in die sich neu bildenden RNA-Stränge ein. Aufgrund dieser extrem fehlerhaften Weitergabe der genetischen Informationkommt es zu Punktmutationen und damit zu einer ständigen Veränderung der antigenen Proteinbereiche. Dieses Phänomen wird als antigenic drift bezeichnet und ist der Grund, weshalb alljährlich die Zusammensetzung des Grippe-Impfstoffs neu angepasst werden muss.

Das Hämagglutinin dient als Anker zum Anheften an die Zelle.

Die Neuraminidase verhindert das Verklumpen der neu gebildeten Viren untereinander bzw. mit Schleim, den die Viren auf dem Weg zu ihren Wirtszellen durchdringen müssen.

Influenzaviren neigen zu einem häufigen Antigenwechsel (Antigenshift) aufgrund von genetischem Austausch verschiedener Influenzasubtypen. Deswegen hinterlässt eine Influenzaerkrankung keine sichere und anhaltende Immunität und deswegen ist eine ständige Adaptation des Impfstoffes mit jährlicher Wiederauffrischung unentbehrlich.

Übertragung & Inkubationszeit

Die Übertragung der Grippe erfolgt meist durch Tröpfchen-Infektion, z.B. beim Sprechen oder Niesen. Die Viren können mehrere Stunden außerhalb des Körpers überleben. Bei niedrigen Außentemperaturen, wie in unseren Wintermonaten, können die Viren länger außerhalb des Körpers überleben als in den heißen Sommermonaten.

Auch eine Ansteckung über Schmierinfektion ist möglich über kontaminierte Gegenstände, wie beispielsweise Türklinken. Kommen die auf diesem Wege kontaminierten Hände dann in Kontakt mit den Schleimhäuten, wie z.B. Nase oder Augen, kann es zur Infektion kommen.

Inkubationszeit
Die Inkubationszeit  - also der Zeitraum von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome - beträgt meist nur ein bis zwei Tage.  

Übertragung
Personen, die an Grippe erkrankt sind, sind ab den ersten Symptomen meist ca. eine Woche lang ansteckend.

Es ist aber auch möglich, dass eine Person bereits zwei Tage vor Beginn der ersten Symptome ansteckend ist.

Symptome einer Grippe

Der Schweregrad der Grippe ist deutlich ausgeprägter als bei grippalen Infekten und die Rekonvaleszenz kann mitunter mehrere Wochen andauern. Natürlich gibt es auch bei der Grippe mildere und schwerere Verläufe. Kommt es zu einem schwereren Verlauf, treten folgende typische Symptome auf:

  • plötzlich auftretendes hohes Fieber
  • Schüttelfrost
  • Reizhusten
  • Kopf- und Muskelschmerzen
  • Dyspnoe (Atemnot, Kurzatmigkeit)

In der Regel treten bei Kindern die gleichen Symptome auf wie bei Erwachsenen – allen voran plötzlich eintretendes und sehr hohes Fieber, das 39 Grad Celsius und mehr erreichen kann. Zusätzliche Anzeichen, die auf eine Virus-Grippe hindeuten können, sind starke Halsschmerzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein trockener, starker Reizhusten.

Bei Kindern können aber auch eher untypische Symptome wie Bauchweh oder starke Übelkeit auftreten. Konsultieren Sie bei anhaltenden Beschwerden Ihren Kinderarzt.

Grippe, Erkältung oder Covid-19?

Habe ich mich mit dem Coronavirus infiziert? Oder ist es doch nur eine Erkältung?

Die Bezeichnung grippaler Infekt ist oft irreführend, da es sich eigentlich nur um eine (banale) Erkältung handelt und nicht um die - durch das Influenza-Virus verursachte - "echte Grippe". Diese wird, wie schon erwähnt, nur und ausschließlich durch Influenzaviren ausgelöst. Eine Erkältung dagegen kann durch über 100 verschiedene Viren ausgelöst werden.

Covid-19 kann ähnliche Symptome entwickeln wie eine Grippe oder eine Erkältung. Eine gute Unterscheidungsmöglichkeit zwischen Grippe und Covid-19 bietet der Erkrankungsverlauf. Eine Grippe ist aus heiterem Himmel da. Eben noch gesund treten auf einmal starke Kopf- und Gliederschmerzen sowie hohes Fieber und schweres Krankheitsgefühl auf.

Während die Grippe durch einen schlagartigen Erkrankungsbeginn manifest wird, ist der Krankheitsverlauf bei Covid-19 oder auch bei einer Erkältung eher schleichend mit steigender Intensität. Insbesondere die Erkältung beginnt meist schleichend, beispielsweise mit einem Kratzen im Hals, am nächsten Tag läuft die Nase und am darauffolgenden Tag kommt noch Husten hinzu.

Wie sich die Häufigkeit typischer Symptome der drei Erkrankungen unterscheiden, haben wir für Sie anschaulich gegenübergestellt.

SymptomeGrippeGrippaler InfektCOVID-19
FieberFast immerSeltenHäufig
Müdigkeit, AbgeschlagenheitFast immerMöglichMöglich
Husten (Schleim)HäufigHäufigSelten
Husten (trocken)Fast immerSeltenHäufig
NiesenSeltenFast immerFast nie
GliederschmerzenFast immerHäufigSelten
KopfschmerzenHäufigHäufigMöglich
SchnupfenSeltenFast immerSelten
HalsschmerzenMöglichFast immerMöglich
DurchfallMöglich bei KindernNieSelten
Kurzatmigkeit, AtemnotMöglichFast nieHäufig
Geruchs- & GeschmacksverlustFast nieSeltenHäufig

Wer ist gefährdet an Grippe zu erkranken?

Bestimmte Personengruppen sind besonders gefährdet, an Grippe zu erkranken oder einen schweren Verlauf zu erleiden.

Zur Risikogruppe zählen:

  • Menschen ab 60 Jahre
  • Bewohner sowie Mitarbeiter von Alten- oder Pflegeheimen
  • Schwangere
  • Menschen mit einer Grunderkrankung wie Asthma, COPD, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- oder Nierenerkrankungen, Diabetes, Multiple Sklerose, angeborener oder erworbener Immunschwäche (z.B. bei HIV/Aids)
  • Menschen mit erhöhter beruflicher Gefährdung (z.B. medizinisches Personal)
  • Menschen, die mit Risikopersonen (wie Immungeschwächten) zusammenleben oder solche betreuen, z.B. Angehörige, Pflegekräfte

Besonders ansteckungsgefährdet sind ebenfalls Kinder im Vor- und Grundschulalter, da sie häufig mit Viren und Bakterien in Kontakt kommen, sowie deren Eltern.

 

Wie kann eine Grippe diagnostiziert werden?

Liegt aufgrund der Symptomatik oder einer aktuellen regionalen Grippeepidemie der Verdacht auf eine Influenza-Erkrankung nahe, wird der behandelnde Arzt üblicherweise einen Abstrich aus der hinteren Nasenhöhle oder aus dem tiefen Rachen vornehmen. Mit einem sogenannten Influenza A/B-Schnelltest kann innerhalb von 15 Minuten eine Influenza nachgewiesen werden.

Dabei werden Proteine des Virus mittels farblich markierter Antikörper auf einem Teststreifen sichtbar gemacht.

Exakter ist allerdings der Nachweis mittels eines PCR-Tests, der das Erbgut des Virus im Blut direkt nachweist und identifiziert. Bis aber ein Ergebnis vorliegt, dauert es unter Umständen einige Stunden.

Wie wird die Grippe (Influenza) behandelt?

Ist man an einer Grippe erkrankt, kann die Dauer der Erkrankung zwischen wenigen Tagen und bis zu zwei Wochen variieren. Manchmal bleibt auch noch ein allgemeines Schwächegefühl für einige weitere Wochen bestehen.

Bei Grippe-Erkrankten ohne Vorerkrankungen und ohne Hinweise auf einen komplizierten Verlauf ist eine symptomatische Therapie ausreichend. Das wären beispielsweise die Behandlung mit fiebersenkenden und schmerzstillenden Mitteln, Bettruhe halten und genug Flüssigkeit zuführen.  

Eine antivirale Therapie sollte bei Risikogruppen in Betracht gezogen werden. Allerdings müssten die Medikamente innerhalb von 48 Stunden nach Erkrankungsbeginn eingenommen werden. Die Neuraminidase-Hemmer wie Oseltamivir oder Zanamivir sollen die Virusvermehrung in den Zellen und damit lebensgefährliche Komplikationen verhindern. Trotzdem ist die Wirkung der Neuraminidase-Hemmer beschränkt.

Laut aktuellen Studien verkürzt die Einnahme eines der oben genannten antiviralen Medikamente die Dauer der Erkrankungssymptomatik bei Grippe nur um etwa einen Tag. Im Gegensatz dazu treten bei Einnahme aber häufig Nebenwirkungen auf, wie z.B. Durchfall, Übelkeit und Erbrechen.

Durch das Grippevirus wird das Immunsystem geschwächt und Bakterien können leichter von den oberen Schleimhäuten in die tiefen Bronchien wandern und dort  zusätzlich eine bakterielle Infektion verursachen, wie beispielsweise bei Erwachsenen häufig eine Lungenentzündung (z.B. durch Streptokokken oder Staphylokokken). In diesem Fall muss eine Therapie mit Antibiotika erfolgen.

Warum kommt es bei Grippe zu Todesfällen?

Besonders bei Kindern, alten Menschen und Patienten mit einem geschwächten Immunsystem können lebensgefährliche Komplikationen auftreten. Grund sind meist die schwer verlaufenden Sekundärinfektionen oder auch Superinfektionen. Es kommt dann häufig zu einer bakteriellen Lungenentzündung, die in der Folge auch zu einer Sepsis mit Multiorganversagen führen kann.

Allerdings kann es auch zu primären Viruspneumonien durch das Influenzavirus kommen. Auch hier ist ein komplizierter Verlauf mit Entwicklung eines Lungenversagens - einer ARDS oder Schocklunge - möglich. Desweiteren können auch virale Herzmuskelentzündungen auftreten. Bei Kindern häufiger auch eine Otitis media, eine akute Mittelohrentzündung.

Ab einem Alter von 60 Jahren sollte eine Grippeimpfung im Herbst deshalb zur alljährlichen Routine gehören, auch wenn bayerische Senioren laut Statistiken des Robert-Koch-Instituts zunehmend „impfmüde“ werden.

Das Immunsystem von (Klein-)Kindern ist oft noch nicht vollständig ausgereift, deswegen stecken sich Kinder besonders häufig an. In der Regel ist die Grippe für Kinder nicht gefährlich und nimmt meist einen harmlosen Verlauf.

Wenn das Kind eine chronische Vorerkrankung, beispielsweise des Herz-Kreislauf-Systems, des zentralen Nervensystems, des Immunsystems oder des Stoffwechsels hat, kann die Grippe allerdings auch hier zu gefährlichen Folgeerkrankungen wie einer Lungenentzündung oder Herzschäden führen.

Chronisch kranke Kinder sollten deshalb vorsorglich geimpft werden. Da die Impfung erst ab einem Alter von 6 Monaten möglich ist, sollte sich bei Babys und Kleinkindern auch das familiäre Umfeld immunisieren lassen.

Wie kurieren Senioren eine Grippe am besten aus?

Ältere Menschen sollten sich auf jeden Fall ausreichend Zeit zur Genesung geben und dem Körper und der Seele Ruhe gönnen. Mit steigendem Alter braucht der Mensch länger, um wieder zu Kräften zu kommen. Das kann oft mehrere Wochen dauern. Allerdings sollten Senioren deshalb keinesfalls strikte Bettruhe wahren, denn die Muskeln bauen im Alter schnell ab und das kann zu dauerhafter Gebrechlichkeit führen.

Ältere Menschen sollten deshalb sobald wie möglich wieder Bewegung in den Alltag integrieren, leichte Bewegung im häuslichen Umfeld ist anfangs schon ausreichend. Auch eine eiweißreiche Ernährung unterstützt während der Schonzeit die Muskeln. Körperliche Überanstrengung sollte indes vermieden werden.

Unsere Spezialistinnen & Spezialisten für Grippe (Influenza)

Prof. Dr. med. Stefan
Chefarzt, Pädiatrie, Direktor der Kinderklinik Schwabing
Prof. Dr. med. Stefan Burdach
München Klinik Harlaching München Klinik Schwabing

Häufig behandelte Allergien, Immunsystem- & Autoimmunkrankheiten, Infektionen