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Aktuelle Mitteilung der München Klinik

Meldung
09.05.202212:33 Uhr

“Flying Intervention Team“ der München Klinik behandelt Schlaganfallpatienten 90 Minuten schneller – Projekt wird ausgeweitet

Wissenschaftliche Bestätigung für fliegende Heli-Ärzte gegen den Schlaganfall

Ergebnisse des einzigartigen Pilotprojektes „Flying Intervention Team“ (FIT) im weltweit renommierten Fachjournal JAMA veröffentlicht

Zeitgewinn von 90 Minuten bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten damit wissenschaftlich bestätigt – bessere Lebensqualität, weniger Folgeschäden

Projektleiter Dr. Gordian Hubert: „Hoffnung, dass die Idee auch in anderen Teilen der Welt umgesetzt wird“

In Verhandlungen über die Fortführung des Projekts konnten dadurch auch die Krankenkassen von einer notwendigen weiteren Finanzierung überzeugt werden

Mehr Flüge: FIT wird ab 1. Juni ausgeweitet, so dass noch mehr Schlaganfallpatient*innen in Südostbayern von den Vorteilen profitieren können

München, 9. Mai 2022. Ein Zeitgewinn von 90 Minuten bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten in Südostbayern – dieses Ergebnis des weltweit einzigartigen Pilotprojektes „Flying Intervention Team“ (FIT) wurde am 5. Mai im renommierten medizinischen Fachjournal JAMA (Journal of the American Medical Association, erscheint seit 1883 und ist die weltweit am weitesten verbreitete medizinische Fachzeitschrift) veröffentlicht. In der umfangreichen Publikation (verfügbar unter: www.jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2791843)  vergleicht die Forschungsgruppe der München Klinik um Projektleiter Dr. Gordian Hubert Patienten, die vom Flying Intervention Team behandelt wurden, mit Patienten, die auf herkömmliche Weise aus nicht-spezialisierten Partnerkliniken im Umland in ein Interventionszentrum wie die München Klinik Harlaching verlegt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die fliegenden Ärzte die Patienten fast immer deutlich schneller behandeln konnten, im Schnitt lag der Zeitgewinn bei 90 Minuten. Durch die schnellere Behandlung kann wertvolles Hirngewebe gerettet und das Risiko schwerer Behinderungen verringert werden. Die Autoren hoffen, dass die Publikation dazu beitragen wird, die Idee des Flying Intervention Teams auch in anderen Teilen der Welt umzusetzen. Dr. Gordian Hubert: „In vielen Regionen der Welt erhalten Patienten diese wichtige Therapie zu spät. Das Flying Intervention Team könnte hier eine Lösung sein. Wir hoffen, dass unser Versorgungsmodell bald Nachahmer findet – auch unser telemedizinisches Schlaganfallnetzwerk TEMPiS war eines der ersten und dient mittlerweile vielen Ländern als Blaupause für eine verbesserte Schlaganfallversorgung.“

Studie zeigt: Das Münchner Flying Intervention Team ist der herkömmlichen Behandlungspraxis überlegen

Das „Flying Intervention Team“ besteht aus einem Neuroradiologen und einem Angiographie-Assistenten und ist auf die Durchführung von sogenannten Thrombektomien bei Schlaganfallpatienten spezialisiert. Die Thrombektomie ist ein komplizierter Eingriff, bei dem das Blutgerinnsel, das das hirnversorgende Blutgefäß verstopft, mithilfe eines Katheters mechanisch entfernt wird. Die Behandlung muss so schnell wie möglich erfolgen, da nach einem Schlaganfall jede Minute Millionen von Nervenzellen absterben. Es gibt jedoch nur in wenigen Kliniken Experten, die den Eingriff durchführen können. An der nun veröffentlichten Studie nahmen 117 Patienten teil, die nach einem Schlaganfall in eine von 13 regionalen Partnerkliniken der München Klinik in Südostbayern aufgenommen wurden. Die Studienteilnehmer wurden wochenweise in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Hälfte der Patienten wurde auf herkömmliche Weise zur Thrombektomie in ein großes Krankenhaus weiterverlegt, die andere durch das Flying Intervention Team behandelt. Bei einem Flying Intervention Team Einsatz wird das Team direkt nach der Diagnose per Helikopter aus München eingeflogen um die Thrombektomie vor Ort in der regionalen Klinik vorzunehmen. Im Rahmen der Studie gingen die Forscher der Frage nach, ob der Eingriff bei Einsätzen des Flying Intervention Teams schneller durchgeführt werden könnte als nach der Verlegung. Die Ergebnisse bestätigen diese Vermutung auf beeindruckende Weise, das Flying Team war der Verlegungsgruppe mit rund 90 Minuten Zeitvorteil deutlich überlegen. Durch die Zeitersparnis litten im Rahmen des FIT-Projekts versorgte Schlaganfallpatienten auch seltener an langfristigen Folgeschäden und hatten eine höhere Lebensqualität im Vergleich zu Verlegungspatienten.

FIT geht weiter: Finanzierung durch Krankenkassen gesichert, Flugzeiten ab 1. Juni verdoppelt

Mit der Auswertung und Veröffentlichung der Daten wurde die auf 3 Jahre angelegte Pilotphase des Flying Intervention Teams erfolgreich beendet. Da sich der signifikante Mehrwert für Patienten bereits in Rahmen von Zwischenanalysen abgezeichnet hat, hat das Projektteam der München Klinik frühzeitig Verhandlungen mit den Kostenträgern und Projektpartnern über eine Fortführung der Schlaganfallversorgung per Helikopter aufgenommen. Auf Basis der erhobenen Daten konnten sich alle Stellen vom Nutzen des FIT-Projekts überzeugen. Über die alleinige Fortführung hinaus wurde sogar eine Erweiterung des Projekts beschlossen, um für noch mehr Patienten die wissenschaftlich überlegene Flugpraxis vorhalten zu können. Deswegen werden ab 1. Juni 2022 die Flugphasen verdoppelt. Ab dann ist ein FIT-Team der München Klinik Harlaching jeden Tag von 8.00 Uhr – 22.00 Uhr im Einsatz. In der Pilotphase hatten sich Verlegepraxis und FIT-Phasen im wöchentlichen Wechsel abgewechselt. Dr. Axel Fischer, Vorsitzender der Geschäftsführung der München Klinik: „Das Flying Intervention Team ist ein medizinisches Leuchtturmprojekt, das zeigt, was unsere hochspezialisierte Medizin für München und das Umland leisten kann. Es zeigt auch, wie eine medizinische Versorgung in Deutschland aussehen kann, die das Patientenwohl in den Mittelpunkt stellt. Ein solcher Paradigmenwechsel ist in allen Bereichen des Gesundheitssystems absolut wünschenswert und notwendig und wir danken allen Beteiligten ausdrücklich, die eine Fortführung unseres Schlaganfallprojekts ermöglichen.“

Das Flying Intervention Team: Ein weltweites Modell für die Zukunft?

Der renommierte amerikanische Schlaganfall-Spezialist Lee Schwamm von der Harvard Medical School in Boston ist überzeugt, dass das Flying Intervention Team auch in anderen Teilen der Welt Schule machen wird. Im Editorial der aktuellen Ausgabe von JAMA schreibt er: ...den Interventionalisten zum Patienten zu bringen kann eine wichtige Strategie sein, um hochqualitative Therapien in [ländliche] Gegenden zu bringen…“

Die Herausforderung: Viele Schlaganfallpatienten, wenige Spezialisten

Der Schlaganfall ist mit rund 270.000 jährlichen Betroffenen in Deutschland eine Volkskrankheit und hierzulande die dritthäufigste Todesursache. Vielen schwer betroffenen Patienten kann seit einigen Jahren eine neue Behandlungsmethode helfen: die Thrombektomie. Dabei wird das Blutgerinnsel, das eine Hirnarterie verstopft, mechanisch mithilfe eines Katheters entfernt und die Durchblutung wiederhergestellt. Der Eingriff erfordert eine hohe medizinische Expertise und muss so schnell wie möglich durchgeführt werden. Erhält der Patient die Behandlung rechtzeitig, lassen sich dadurch schwere Behinderungen auch bei schweren Verläufen oft vermeiden. Es gibt bislang jedoch nur wenige Spezialisten, die einen solch komplizierten Eingriff vornehmen können. Diese Neuroradiologen befinden sich meist in großen Schlaganfallzentren, welche sich wiederum in großen Städten bilden. Patienten, die ihren Schlaganfall auf dem Land erleiden, müssen für die Thrombektomie aufwändig in ein solches Zentrum verlegt werden.

Die Lösung: So funktioniert das „Flying Intervention Team“

Durch den Einsatz der fliegenden Ärzte („Flying Intervention Team“) können die Patienten, die eine Thrombektomie benötigen, nun viel schneller behandelt werden: Der Neuroradiologe und ein medizinisch-technischer Radiologieassistent fliegen zu zweit aus dem Zentrum in eine der 15 beteiligten Partnerkliniken im Radius von bis zu 150 Kilometern im Münchner Umland und führen direkt vor Ort den Eingriff durch. Während der Flugzeit kann der Patient in der Partnerklinik bereits auf den Eingriff vorbereitet werden – diese parallelen Abläufe sparen wertvolle Zeit, der Eingriff kann umgehend nach dem Eintreffen des Neuroradiologen durchgeführt werden. Außerdem ermöglicht die neue Methode den Patienten eine ganzheitlich wohnortnahe Behandlung. Bisher sind bereits etwa 400 Einsätze erfolgt

Die Flüge werden von spezialisierten Neuroradiologen der München Klinik Harlaching unter Leitung von Chefarzt Prof. Anastasios Mpotsaris übernommen. Kooperationspartner für die Helikopterflüge sind die ADAC Luftrettung gGmbH sowie die HTM Helicopter Travel Munich GmbH. „Wir sind stolz darauf dieses spannende Forschungsprojekt zusammen mit unserem Partner HTM von Anfang an zu begleiten und die Ärztinnen und Ärzte der München Klinik schnell und sicher in die angeschlossenen Kliniken zu bringen. So können wir mit unserer Kompetenz und Erfahrung einen Beitrag zum Erfolg des Flying Intervention Teams leisten“, erklärte Frédéric Bruder, Geschäftsführer der gemeinnützigen ADAC Luftrettung.

Telemedizin bringt hohe Versorgungsqualität aus der Stadt auch auf das Land

Das „Flying Intervention Team“ ist Teil und Weiterentwicklung des telemedizinischen Schlaganfallnetzwerks TEMPiS, das bereits im Jahr 2003 gegründet wurde. TEMPiS gehört mit 24 angebundenen Kliniken (davon 15 Kliniken, die zusätzlich am FIT-Projekt beteiligt sind) in Südostbayern, zwei Telemedizinzentren in der München Klinik Harlaching und dem medbo Bezirksklinikum Regensburg und mehr als 10.000 Patienten pro Jahr zu den größten Netzwerken seiner Art in Europa. Die Ärzte in den Partnerkliniken werden bei der neurologischen Untersuchung, der bildgebenden Diagnostik und der Therapieentscheidung von ausgewiesenen Schlaganfallspezialisten in den Zentren telemedizinisch, also per „Video-Liveschalte“, unterstützt. Mit bis heute über 80.000 durchgeführten Telekonsilen hat sich das Konzept des Netzwerks als Erfolg erwiesen: höhere Versorgungsqualität, geringere Sterblichkeit, kürzere Verweildauer und frühere Diagnose heben den Versorgungsstandard in ländlichen Regionen auf das gleiche Niveau wie in der Stadt. Stellt sich im Telekonsil heraus, dass bei dem Patienten eine Thrombektomie durchgeführt werden muss, machen sich die fliegenden Ärzte per Helikopter auf den Weg. Mehr Informationen zum Schlaganfallnetzwerk TEMPiS unter: www.muenchen-klinik.de/tempis-fit, bzw. www.tempis.de

Die München Klinik ist mit Kliniken in Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach, Schwabing und Europas größter Hautklinik in der Thalkirchner Straße Deutschlands zweitgrößte kommunale Klinik und der größte und wichtigste Gesundheitsversorger der Landeshauptstadt München. Die München Klinik bietet als starker Klinikverbund Diagnostik und Therapie für alle Erkrankungen in München und im Umland und genießt deutschlandweit einen ausgezeichneten Ruf – mit innovativer und hoch spezialisierter Medizin und Pflege und gleichzeitig als erster Ansprechpartner für die medizinische Grundversorgung. Rund 135 000 Menschen lassen sich hier im Schnitt pro Jahr stationär und teilstationär behandeln. Mit jährlich über 6000 Geburten kommen hier deutschlandweit die meisten Babys zur Welt. Auch in der Notfallmedizin ist die München Klinik die Nummer 1 der Stadt: Bis zu 160 000 Menschen werden jedes Jahr in den vier Notfallzentren aufgenommen – das entspricht rund einem Drittel aller Notfälle der Landeshauptstadt. Die Kliniken sind entweder Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität oder der Technischen Universität München. Die hauseigene Pflege-Akademie ist mit rund 500 Ausbildungsplätzen die größte Bildungseinrichtung im Pflegebereich in Bayern. Als gemeinnütziger Verbund finden in der München Klinik Daseinsvorsorge und herausragende Medizin zusammen und stellen das Gemeinwohl in den Vordergrund: Über die medizinisch-pflegerische Versorgung hinaus gibt es großen Bedarf, der vom Gesundheitssystem nicht refinanziert wird – wie etwa das Spielzimmer für Geschwisterkinder. Und auch die Mitarbeitenden aus Medizin und Pflege, die sich mit ihrer täglichen Arbeit für die Gesundheitsversorgung Münchens einsetzen, können von Zuwendungen in Form von Spenden profitieren – beispielsweise durch die Finanzierung von zusätzlichem Wohnraum. Dafür zählt jeder Euro.

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Ein Neurologe, auf dem Bild Dr. Gordian Hubert (Projektleiter und Oberarzt für Neurologie in der München Klinik Harlaching), unterstützt die Partnerklinik per Telekonsil bei der Diagnose. Bildnachweis: Klaus Krischock.

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Sollte es sich um einen Schlaganfall handeln und ein spezieller Kathetereingriff (Thrombektomie) durchgeführt werden müssen, startet ein Team aus Neuroradiologe und Medizinsch-technischer Radiologieassistenz (MTRA) aus dem Zentrum per Helikopter und führt den Eingriff direkt in der Partnerklinik durch. Das spart wichtige Zeit und verbessert die Lebensqualität der Patienten. Bildnachweis: München Klinik.

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Bildnachweis: München Klinik.

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