Schutzschild gegen Infektionen

Gutes im Schilde führen: mit Sicherheit!

Wenn Mediziner zu Erfindern werden

Man nehme vier Drehrollen, drei Alu-Verbundplatten und eine Platte aus Acrylglas ... Nein, das ist keine Bauanleitung aus einem Heimwerker-Handbuch, sondern eine handfeste klinische Innovation! Was so einfach klingt, kann künftig Krankenhausmitarbeiter*innen weltweit zusätzlich vor Infektionen schützen: das neue COVID-19 Protektionssystem mit dem offiziellen Namen "Universal mobile protection system for aerosol-generating medical interventions in COVID-19 patients".

Schutzschild im Einsatz

Maximale Sicherheit in hochsensiblen Bereichen

Man stelle sich vor, man ist Arzt oder Pflegekraft und hat täglich direkten Kontakt mit infizierten oder möglicherweise infizierten Personen. Und jetzt ist man auch noch in einem Bereich tätig, in dem kopfnahe Untersuchungen und Eingriffe an der Tagesordnung sind, wie z.B. das Einführen eines Beatmungsschlauches (Intubation), ein Schluckultraschall (TEE), eine Spiegelung der Atemwege (Bronchoskopie) oder auch einfach nur pflegerische Maßnahmen bei nicht-invasiv beatmeten Patienten.

Ärzte oder Pflegende wissen, dass bei den kopfnahen Tätigkeiten kleinste Tröpfchen, sogenannte Aerosole, entstehen. Und COVID-19 wird, wie andere Infektionskrankheiten, über Aerosole übertragen. Man trägt zwar zertifizierte Schutzkleidung, würde sich aber mit einem zusätzlichen Schutz viel sicherer fühlen. Aus diesem Impuls entstand die Idee für ein mobiles Protektionssystem.

Die neue Technik ist flexibel einsetzbar

Der Schutzschild bietet den „Anwendern“ einen frontalen Schutz und ist dank der Rollen portabel, so dass der Schild über die gesamte Untersuchungssituation hinweg angewendet werden kann. Durch zwei Öffnungen für die Arme kann der Untersucher den Patienten weiterhin behandeln – nur die Gesichter von Patient und Arzt oder Pflegekraft werden durch eine Plexiglasscheibe getrennt.

Wiederverwendbar, desinfizierbar, robust

Form und Maße ermöglichen einen flexiblen Einsatz im Krankenhaus – und man ist trotzdem nah am Patienten. Der Schild lässt sich beispielsweise nah an Operationstische und Patientenbetten heranschieben und ist auch für einen Einsatz in den Isolationsboxen für COVID-19-Patienten auf der Intensivstation geeignet. Das Protektionssystem ist leicht zu reinigen und zu desinfizieren und daher häufig wiederverwendbar. Die Bauanleitung ist für alle Kliniken erhältlich.

Getestet und für gut befunden

Die Erfindung wurde als Gemeinschaftsprojekt der München Klinik Bogenhausen und Schwabing vorangebracht. Dr. Straube hat zusammen mit den betroffenen Bereichen, wie z.B. der Intensivmedizin, Infektiologie, und Krankenhaushygiene den zusätzlichen Schutz in einem Test-Parcours mit einem Prototyp verfeinert und auf die Bedürfnisse im Krankenhaus optimiert.

Das Modell wurde daher streng wissenschaftlich getestet, damit es im Klinikeinsatz wirklich echten Schutz bietet. Anhand von Untersuchungen des Systems in einem Wasserdampf-Modell konnte die Konstruktion durch den Einsatz von Seitenwänden weiter verbessert werden.

Weitere Videos zu den Tests sind unter https://osf.io/7u2tv/ abrufbar.

Der Wasserdampftest zeigt eindrucksvoll wie behandelnde Ärzte und Pflegende vor Aerosolen geschützt werden

Schutzschilder gehen bereits in Serie

In Zusammenarbeit mit der Münchner Firma Wenzel GmbH hat die München Klinik bereits die erstenSchutzschilder produzieren lassen. Diese sind seit einer Woche an allen Standorten der München Klinik im Einsatz und werden beispielsweise in den Notfallzentren, im Funktionsbereich, auf den Intensivstationen und Normalstationen mit COVID-19-Patienten eingesetzt.

Auch nach der Corona-Pandemie ist ein dauerhafter Einsatz in medizinischen Institutionen als Schutzmaßnahme vor weiteren Infektionskrankheiten, die primär über die Atemwege übertragen werden, denkbar.

#holdtogether - Für jeden nutzbar, nicht nur für uns

Der Bauplan und die Erklärung wurden bereits Ende März vorab veröffentlicht (DOI 10.31219/osf.io/2s93d, https://osf.io/2s93d). Daher kann das System auch von anderen Krankenhäusern und Arztpraxen als Schutz für das Personal zusätzlich zur bewährten Schutzkleidung zum Einsatz kommen.

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