Leistenbruch (Leistenhernie) OP

Erleidet man einen Leistenbruch, auch Leistenhernie genannt, bricht Gewebe aus dem Bauchraum durch die Leiste und stülpt sich aus. Die Leiste bildet den Übergang vom Bauch zum Oberschenkel. Dort sitzt der Leistenkanal, in dem sich wichtige Blutgefäße und Nerven befinden. Bei Männern verlaufen die Samenstränge durch den Leistenkanal. Bei Frauen befindet sich dort das so genannte Mutterband, das die Gebärmutter stabilisiert.

Leistenbruch verstehen - eine Kurzinformation

Wie entsteht ein Leistenbruch? Wie erkenne ich einen Leistenbruch?

Die Leiste wird durch kräftige Muskeln und Sehnen gestützt, denn wenn wir husten, niesen oder schwer heben, lastet dort hoher Druck.

Wird dem Druck nicht mehr Stand gehalten, kommt es zum Leistenbruch. Das Bauchfell durchbricht den Leistenkanal. Durch den Leistenbruch bildet sich ein Bruchsack. In diesem befinden sich Teile des Darmes oder des Fettgewebes, das den Darm wie ein Netz umgibt.

Patienten spüren bei einem Leistenbruch zunächst nur ein leichtes Ziehen in der Leistengegend. Später werden die Leistenbrüche oft als Beule sichtbar.

Klemmt sich der Inhalt des Bruchsackes ein, treten starke Schmerzen auf. Übelkeit, Erbrechen und Fieber können zu den Schmerzen als Symptome hinzukommen. Dann handelt es sich bei dem Leistenbruch um einen Notfall, der tödlich enden kann und eine Operation dringend erforderlich ist.

Von einem Leistenbruch betroffene, sollten deshalb sofort einen Arzt aufsuchen. 

Allgemeine Informationen zum Leistenbruch bei Wikipedia

Wann sollte ein Leistenbruch operiert werden?

Operationen an Leistenbrüchen können dann erforderlich sein, wenn Lücken im Bereich der Leiste aufgetreten sind und sich durch diese Lücken Gewebe des Bauchraums ausstülpt. Sackartig tritt dort ein Teil des Bauchfells hervor, weshalb die Mediziner von Bruchsack oder auch von Hernie (entsprechend dem griechischen Wort für Knospe) sprechen.

Der Inhalt des Bruchsacks, beispielsweise eine Darmschlinge, könnte sich einklemmen, wodurch eine lebensbedrohliche Situation eintreten kann.

Da sich Leistenbrüche im Erwachsenenalter nicht zurückbilden, sondern in vielen Fällen sogar vergrößern und die Schmerzen zunehmen, stellt die Operation die einzige Heilungschance dar.

Die OP-Verfahren bei Leistenbruch

Bei Leistenbrüchen setzen wir in der Regel drei Operationsverfahren ein:

  • Das Operationsverfahren nach Shouldice erfolgt über einen Hautschnitt als offenes Verfahren und verschließt den Bruch im Leistenkanal mittels Nähten.
  • Die Operation nach Lichtenstein ist ebenfalls ein offenes Verfahren, doch wird der Bruch mittels eines eingenähten Netzes verschlossen.
  • Als minimal-invasives Vorgehen haben wir uns auf das sogenannte TAPP-Verfahren spezialisiert, bei dem durch kleine Schnitte eingeführte Operationsinstrumente unter Videosicht ein Netz zwischen Bauchfell und der Muskulatur der Bauchwand einbringen

OP nach Shouldice

Beim Verfahren nach Shouldice setzen unsere Operateure zunächst einen querlaufenden Hautschnitt oberhalb des Leistenbandes und legen dann bei offener Sicht den Bruchsack frei, der durch den Leistenbruch ausgetreten ist.

Sie verlagern den Bruchsack-Inhalt wieder zurück in den Bauchraum, tragen den Bruchsack ab und verschließen die dadurch entstandene Lücke im Bauchfell mit einer kleinen Naht. Um den Leistenbruch als solchen zu überdecken und die Region zu stabilisieren, vernähen die Chirurgen eine Faszie der Bauchmuskulatur mit dem Leistenband – und zwar überlappend in mehreren Reihen.

Vorteile des OP-Verfahrens

  • kein Fremdmaterial benötigt
  • OP kann unter lokaler Betäubung stattfinden

Vor allem bei kleineren Leistenhernien und bei jungen Patienten ist die Operationsmethode nach Shouldice empfehlenswert.

Nachteile des OP-Verfahrens

Die Patienten müssen sich nach der Operation lange schonen und dürfen etwa sechs Wochen weder schwer heben noch Sport treiben, bis die Nähte gut verwachsen sind. Zudem verspüren sie in dieser Zeit oftmals ziehende Schmerzen in der operierten Region.

OP nach Desarda

Bei kleineren Brüchen und vor allem bei jungen Patienten ist die Desarda-Methode eine Alternative. Es ist ein netzfreies Verfahren, dass vom indischen Chirurgen Mohan P. Desarda entwickelt wurde. Dabei wird körpereigenes Fasziengewebe verwendet, um die Leistenkanalhinterwand zu verstärken. Die Stabilisierung erfolgt durch einen Faszienverschiebelappen.

Das Desarda-Verfahren ist eine Alternative zum Shouldice-Verfahren und kann in zahlreichen wissenschaftlichen Studien gute Ergebnisse aufweisen. Es erzielt eine hohe Festigkeit der inneren Narbe, so dass das Wiederauftreten eines Bruches an gleicher Stelle äußerst selten ist.

Vorteile der OP gegenüber Shouldice

  • einfachere OP
  • geringere Rezidivrate

Vorteile der OP gegenüber Lichtenstein

  • kein Fremdmaterial
  • weniger infektgefährdet

Nachteile der Methode

  • neuere Methode, wird nur in wenigen Zentren angeboten
  • noch nicht in den Leitlinien aufgenommen
  • etwas höherer Schmerzmittelbedarf als bei der Lichtenstein-Methode

OP nach Lichtenstein

Die Operation nach der Lichtenstein-Methode erfolgt ebenfalls mit einem Hautschnitt und unter offener Sicht.

Der Bruchsack-Inhalt wird zurück in den Bauchraum geschoben und das Bauchfell nach der Abtragung des Bruchsacks zugenäht.

Die Lücke im Bindegewebe der Leistenregion, also den Leistenbruch, schließen die Operateure mit einem dünnen Kunststoffnetz, das mit der Bauchwandmuskulatur vernäht wird.

Das Kunststoffnetz verbleibt als stabilisierendes Element in der Bauchdecke.

Die modernen Netze werden vom Körper gut angenommen, so dass die Patienten diese kaum mehr als Fremdkörper verspüren.

Vorteile des OP-Verfahrens

  • Da die Strukturen nicht zusammengezogen werden müssen, entstehen kaum ziehende Schmerzen in den Wochen nach der Operation
  • Das eingenähte Netz gibt schnell Stabilität, so dass sich die Patienten bald wieder belasten können 
  • OP kann bei örtlicher Betäubung erfolgen, was vor allem für ältere Patienten mit Nebenerkrankungen einen großen Vorteil darstellt

Nachteile des OP-Verfahrens

  • Fremdmaterial
  • es kann zu Nervenirritationen kommen
  • Infektanfälligkeit ist höher

Das TAPP-Verfahren

Bei dem minimal-invasiven TAPP-Verfahren (transabdominale präperitoneale Netzimplantation) erleiden die Patienten am wenigsten Schmerzen. Denn unsere Chirurgen benötigen nur ganz kleine Hautschnitte: Über einen etwa einen Zentimeter langen Schnitt unterhalb des Nabels führen sie ein stabförmiges Laparoskop ein, das vorne Licht und einen Kamerachip trägt.

Über nur etwa fünf Millimeter lange Schnitte können sie dann von beiden Seiten Operationsinstrumente in den Bauchraum einführen. Von innen schneiden sie anschließend das Bauchfell auf, lösen den Bruchsack vorsichtig aus dem Bindegewebe und drücken seinen Inhalt zurück in den Bauchraum.

Ein ausreichend großes Kunststoffnetz, das zwischen dem Bauchfell und dem Muskel- und Bindegewebe der Leistenregion eingebracht wird, verhindert, dass erneut ein Bruchsack vorfallen könnte. Das geöffnete Bauchfell wird abschließend wieder zugenäht, so dass es keinesfalls zu einem Kontakt zwischen Darmschlingen und dem Kunststoffnetz kommen kann und somit das Risiko von Verklebungen ausgeschlossen ist.

Liegen auf beiden Seiten Hernien vor, können diese im Rahmen eines einzigen Eingriffs versorgt werden. Auch wenn zum wiederholten Male Leistenbrüche aufgetreten sind, bevorzugen unsere Chirurgen in vielen Fällen die minimal-invasive TAPP-Methode.

Nahezu alle laparoskopischen Operationen, die dank Kamerasicht mit kleinen Schnitten auskommen, erfordern, dass der Bauchraum zu Beginn mit Kohlendioxid gefüllt und somit aufgebläht wird. Nur so können die Chirurgen den Darm zurückdrängen und sich freie Sicht – in diesem Fall auf die Leistenregion – verschaffen. Dieses Aufblähen während der Operation wäre mit zu großen Schmerzen für den Patienten verbunden, daher führt man diese minimal-invasiven Eingriffe unter Vollnarkose durch.

Somit kommen diese schonenden Operationsverfahren, die in der Regel eine baldige Belastung ermöglichen und nur sehr selten chronische Schmerzen verursachen, für ältere Menschen mit Nebenerkrankungen, die eine Vollnarkose zu riskant erscheinen lassen, nicht in Frage.

Vorteile des Verfahrens

  • Bei diesem Verfahren treten die wenigsten postoperativen Schmerzen auf
  • Kleinere Narben
  • Schnellere Belastung
  • Besonders schonendes OP-Verfahren
  • Bevorzugte Methode bei wiederholten Leistenbrüchen

Nachteile des Verfahrens

  • Muss unter Vollnarkose durchgeführt werden
  • Nicht für ältere Menschen mit Nebenerkrankungen geeignet
  • es kann zu Nervenirritationen kommen

Das TEP- oder TEPP-Verfahren

Das TEP- oder TEPP-Verfahren (total extraperitoneale Hernioplastik oder auch transkutane Endoskopische Promesh-Plastik)  ist eine minimal-invasive OP-Technik. Dabei wird eine Bauchdeckenspiegelung durchgeführt, aber keine Bauchhöhlenspiegelung, was es von der TAPP-Technik unterscheidet.

Ein Kunststoffnetz wird zwischen den Bauchdeckenschichten eingelegt und verstärkt die Bauchwand. Das Netz wird dabei durch den Bauchinnendruck und den Gegendruck der Bauchmuskulatur fixiert. Zusätzliche Befestigungen mit Clips sind daher meist nicht notwendig.

Vorteile des OP-Verfahrens

  • sofortige Belastbarkeit mit gering belastenden alltäglichen Tätigkeiten
  • keine Verwachsungen
  • besonders geeignet bei beidseitigen Leistenbrüchen und Wiederholungsbrüchen

Nachteile des Verfahrens

  • technisch anspruchsvoll
  • eingeschränkt anwendbar bei Patienten mit Narkoserisiken
  • muss unter Vollnarkose durchgeführt werden
  • kann nicht durchgeführt werden, wenn bereits Organe eingeklemmt wurden

Was passiert nach der Leistenbruch-OP?

Wie lange bleibt man in der Klinik?

Je nach Größe der Bauchwandlücken und je nach Gesundheitszustand und Wünschen unserer Patienten führen wir Leistenbruch-Operationen ambulant oder stationär durch. Einige Patienten gehen noch am gleichen Nachmittag nach Hause, andere bleiben über Nacht in unserer Klinik.

In der Regel zieht der Hausarzt etwa eine Woche nach der Operation die Fäden, mit denen wir den Hautschnitt genäht haben. Manche Patienten bevorzugen, diese Fäden in unserer Sprechstunde entfernen zu lassen. Dort sind wir auch stets ansprechbar für Patienten, bei denen Probleme auftreten – was jedoch erfahrungsgemäß sehr selten vorkommt.

Prüfsiegel der Deutschen Herniengesellschaft

Unsere Harlachinger und Schwabinger Kliniken für Viszeralchirurgie besitzen ein Gütesiegel für qualitätsorientierte Hernienchirugie, das von der Deutschen Herniengesellschaft verliehen wird. „Wir haben uns bereit erklärt, alle bei uns operierten Fälle von Hernien nach standardisierten wissenschaftlichen Kriterien in eine Datenbank einzugeben und bis zu zehn Jahre nachzuverfolgen“, erklärt Oberarzt Dr. Philipp Steiner.

Durch die Teilnahme an dieser Herniamed-Qualitätssicherungsstudie unterstützt die München Klinik nicht nur die Forschung, um die Versorgung der Patienten mit Hernien zu verbessern, sondern erhält selbst auch Transparenz über die eigenen Operationsergebnisse.

Unterdurchschnittliche Komplikationsraten

Aufgrund des umfangreichen Datenbestands wissen unsere Hernien-Chirurgen, dass ihre Komplikationsraten deutlich niedriger ausfallen als im Bundesschnitt: Nur bei etwa einem Prozent der bei uns operierten Patienten tritt erneut ein Leistenbruch auf. Auch andere Komplikationen sind ausgesprochen selten.

„Bei uns operieren sehr erfahrene Chirurgen, die sich stets auf dem neuesten Stand halten bei den Operationsverfahren, den verwendeten Materialien und Fixierungsmethoden“, unterstreicht Dr. Philipp Steiner, zertifizierter Herniamed-Operateur. So sei beispielsweise sichergestellt, dass nicht nur bei den minimal-invasiven Eingriffen, sondern auch bei den offenen Operationen die Hautschnitte so klein wie möglich ausfallen.

Erhöhte Sicherheit für Ältere und bei Mehrfacherkrankungen

Als Klinik mit Maximalversorger-Status können wir ohnehin einen hohen Sicherheitsstandard gewährleisten: Unsere Notaufnahmen sind Tag und Nacht, sieben Tage die Woche, geöffnet und jederzeit ist ein erfahrener Viszeralchirurg im Hause – falls doch wider Erwarten irgendwelche unvorhergesehenen Komplikationen auftreten sollten.

Zudem ermöglicht die enge Zusammenarbeit der vielen Fachbereiche in unserer großen Klinik, dass wir schnell und gezielt abklären können, ob Patienten mit Vorerkrankungen, etwa des Herzens, der Lunge oder der Nieren, ein erhöhtes Narkose-Risiko besitzen. Somit können sich die Patienten auf die vielfältige Expertise verschiedener Fachgebiete verlassen.

Spezielle Hernien-Sprechstunde mit Experten

Für alle Patient*innen, denen der Hausarzt eine Leistenbruch-Operation nahe gelegt hat.

Nach einem ausführlichen Patientengespräch und der körperlichen Untersuchung nehmen wir in der Regel einen Ultraschall der Leisten und der Bruchlücken vor. Wenn wir Behandlungsoptionen anraten, folgen wir dabei stets den aktuellen medizinischen Leitlinien, in die alle wissenschaftlichen Forschungsergebnisse eingeflossen sind.

Ein Muss: ausführliche OP-Aufklärung
Entscheidet sich der Patient noch während des Gesprächs in der Sprechstunde für einen zeitnahen Operationstermin, erklären wir ihm gleich, wie die Operation vonstattengehen wird und welche eventuellen Risiken damit verbunden sind. Steht der vorgesehene Operationstermin jedoch erst Wochen später an, erfolgt diese Aufklärung in den Tagen vor der Operation.

Welche Methode ist die Richtige?
„Ob wir Männern bei Leistenbrüchen tatsächlich eine Operation empfehlen und welche Methode wir dann vorschlagen, hängt immer von dem jeweiligen Patienten, seinen Beschwerden und Nebenerkrankungen ab“, erläutert Dr. Philipp Steiner, Oberarzt und Viszeralchirurg in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der München Klinik Harlaching.

Leistenbruch bei Frauen - wann wird operiert?
Frauen sind deutlich seltener von Leistenbrüchen betroffen, doch legen die Leitlinien bei ihnen stets eine Operation nahe, da ein höheres Risiko besteht, dass Gewebe in den Bruchsäcken einklemmt.

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Herniensprechstunde
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