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Infos zur COVID-19-Impfung bei Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

COVID-19-Impfung bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Soll ich mich impfen lassen? Diese Frage stellen sich aktuell viele Kinderwunschpaare, Schwangere und Stillende. Wir geben Antworten.

Fruchtbarkeit und Schwangerschaft sind mit größten Emotionen verknüpfte Themen. So wundert es nicht, dass sich in der Diskussion um die COVID-19-Impfung schnell Fakten mit Mythen und Ängsten vermischen. Deshalb haben wir unseren Chefarzt Prof. Dr. Christoph Scholz gebeten, die zentralen Fragen rund um die COVID-19-Impfung bei Kinderwunsch sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit klarzustellen.

Prof. Dr. Christoph Scholz, Chefarzt der Frauenkliniken Neuperlach und Harlaching der München Klinik.
„Sorge um die Fruchtbarkeit ist ein sehr emotionales Thema und begleitet alle Impfkampagnen, wie z.B. jene gegen Kinderlähmung in Nigeria, gegen Masern und Tetanus in Pakistan und gegen Gebärmutterhals-Krebs in den USA. Bei der Impfung gegen SARS-CoV-2 tauchen leider auch wieder dieselben alten Mythen ohne wissenschaftliche Grundlage auf.“
Prof. Dr. Scholz

COVID-19-Impfung bei Kinderwunsch

Fertilität

Macht die COVID-19-Impfung unfruchtbar?

Antwort: Nein, die Impfung macht nicht unfruchtbar. Die Moleküle auf dem Virus und auf der Plazenta, über die diskutiert wird, haben nichts Wesentliches gemeinsam. Weltweit gibt es zehntausende Frauen, die während oder nach einer COVID-19-Infektion schwanger waren. Wir sehen keine vermehrte Unfruchtbarkeit und auch keine erhöhte Abortrate und keine erhöhte Rate an Fehlbildungen - d.h. keine Kreuzreaktivität zwischen Plazenta und Virus bzw. den durch die Impfung injizierten Bauplan des Virusproteins.

Gut zu wissen
Selbstverständlich wurden die zugelassenen Impfstoffe auch an jungen Frauen getestet; bei BioNTech/Pfizer bei Frauen ab 16 Jahren und bei Moderna sowie bei AstraZeneca ab 18 Jahren.
Wartezeit

Muss nach der Impfung der Kinderwunsch warten?

Antwort: Die COVID-19-Vakzine sind sog. Totimpfstoffe; d.h. nicht mehr vermehrungsfähige Viren bzw. im Falle der mRNA-Impfstoffe Baupläne für Virusproteine. Für diese gibt es keine Wartezeitempfehlung - weder für Frau noch Mann.

Im Vergleich: Lebendimpfstoffe enthalten vermehrungsfähige, aber abgeschwächte Krankheitserreger, die keine Erkrankung auslösen können. Hier kann eine Wartezeit sinnvoll sein.

Gut zu wissen
Es gibt überhaupt keinen Grund, einen Schwangerschaftstest zu machen bzw. eine Schwangerschaft auszuschließen, um sich gegen COVID-19 impfen zu lassen.

COVID-19-Impfung in der Schwangerschaft

Schwangerschaft

Wieso werden keine Schwangeren geimpft?

Antwort: Schwangere sind in dieser Phase der Entwicklung nie Teil von Impfstudien. Die STIKO wie auch z.B. die WHO berufen sich aber stets auf diese Studien. Für eine solche pauschale Empfehlung fehlt schlicht die Datenbasis.

Schwangeren kann aber nach Nutzen-Risiko-Abwägung eine COVID-19-Impfung angeboten werden, vor allem, wenn ihr Risiko sehr hoch ist, schwer an COVID-19 zu erkranken. Wie bei allen Medikamenten erfolgt dies in der individuellen Beratung mit der Frauenärztin oder dem Arzt.

Gut zu wissen
Es gibt auch Impfungen, die explizit und gerade in der Schwangerschaft empfohlen sind, wie etwa die Impfungen gegen Influenza oder Keuchhusten.
Datenlage

Bei den COVID-19-Impfstudien wurden keine gezielten Untersuchungen bei Kinderwunschpaaren, Schwangeren oder Stillenden durchgeführt. Die ist grundsätzlich nur selten der Fall.

Schranke

Es gibt keine belastbaren Daten für eine Übertragung des SARS-CoV-2-Virus über die Plazenta; d.h. es findet keine Ansteckung im Mutterleib statt. Nach der Geburt ist eine Ansteckung natürlich möglich.

Sicherheit

Wir sehen keine vermehrte Unfruchtbarkeit und keine höhere Abort- oder Fehlbildungsrate bei Frauen, die zuvor mit SARS-CoV-2 infiziert waren. Die Antikörper richten sich nicht gegen die Plazenta.

Kontaktpersonen

Warum sollen enge Kontakte von Schwangeren mit Prio geimpft werden?

Antwort: Die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangere mit COVID-19-Erkrankung, im Krankenhaus behandelt zu werden, ist erhöht im Vergleich zu Nicht-Schwangeren gleichen Alters. Da Schwangere eine besonders schützenswerte Gruppe in der Gesellschaft sind, sollte auch ihr Umfeld möglichst sicher gestaltet werden, wozu eine Impfung gegen SARS-CoV-2 zählt.

Gut zu wissen
Auch für junge Frauen kann SARS-CoV-2 bzw. COVID-19 gefährlich sein. Zwischen 20 und 39 Jahren gilt: Von 1.000 Frauen erkranken zwei bis acht schwer und müssen im Krankenhaus behandelt werden.
(mRNA-)Impfstoffe

Wie sicher kann ein neuer Impfstoff für Schwangere sein?

Antwort: Die aktuell zugelassenen Impfstoffe haben alle Studienphasen durchlaufen. Zudem basiert der neuartige mRNA-Impfstoff auf der langjährigen wissenschaftlichen Arbeit Tausender Wissenschaftler. Was wir sehen, ist das wirksame Produkt, das nicht aus Überlegungen des letzten Jahres, sondern von wissenschaftlichen Arbeiten aus über 10 Jahren getragen wird.

Gut zu wissen
Die Fachinformationen zu Schwangerschaft, Stillzeit und Fertilität sind bei den drei aktuell zugelassenen Impfstoffen quasi deckungsgleich.

COVID-19-Impfung in der Stillzeit

Stillzeit

Wieso gibt es keine STIKO-Empfehlung für die Stillzeit?

Antwort: Die STIKO hält es für unwahrscheinlich, dass eine Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling darstellt. Zur Impfung-Empfehlung in der Stillzeit liegen ihr aber noch zu wenige Daten vor. Mittlerweile gibt es aber auch Daten, Sekundäranalysen, die die Sicherheit der Impfung auf einem für dieses Kollektiv sehr guten Niveau bestätigen.

Gut zu wissen
In einer israelischen Studie wurden 84 stillende Frauen untersucht, die mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff vollständig geimpft wurden. Bei keiner der Frauen oder der Säuglinge traten ernste gesundheitliche Störungen auf. Die Studie ist im April 2021 im "Journal of the American Medical Association" erschienen.
Sicherheit

Ist eine Impfung in der Stillzeit zu empfehlen?

Antwort: Es gibt aktuell keinen Hinweis darauf, dass eine stillende Frau anders auf die Impfung reagiert als eine nicht-stillende Frau. Zudem finden sich keine gehäuften Reports, dass Stillende besondere Nebenwirkungen hätten. Auch ist kein negativer Einfluss der Impfung auf das Stillen selbst oder das Neugeborene zu sehen. In Bayern können Stillende mit einer ärztlichen Empfehlung geimpft werden.

Gut zu wissen
Eltern schützen mit einer Impfung nicht nur sich selbst, sondern so auch ihre noch nicht geimpften Kinder. Auch ein Neugeborenes kann sich natürlich mit SARS-CoV-2 anstecken. Ob es einen sogenannten "Nestschutz" gibt, wenn eine immunisierte Mutter ihr Baby stillt, ist noch nicht wissenschaftlich geklärt.

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