Klumpfuß

Klumpfußbehandlung nach Ponseti

Der Klumpfuß ist die zweithäufigste angeborene Fehlbildung des Bewegungsapparates und kommt in Deutschland bei 1-2:1000 Neugeborenen vor. Jungen sind doppelt so häufig betroffen wie Mädchen, in 50% der Fälle tritt die Klumpfußdeformität beidseitig auf. Die Ursachen der Fehlstellung sind bisher noch nicht vollständig geklärt.

Welche Formen von Fußfehlstellungen gibt es?

Der Klumpfuß stellt eine komplexe Fußdeformität dar, bei der vier Fehlstellungen gemeinsam auftreten.

  1. Einwärtsdrehung des gesamten Fußes - die Fußaußenkante ist nach unten gedreht (Pes supinatus)
  2. Hohlfuß - Das Fußlängsgewölbe des Fußes ist verstärkt. Das Ausmaß lässt sich an der Tiefe der queren Falte der Fußsohle abschätzen.
  3. Spitzfuß - die Wadenmuskulatur und die Achillessehne sind verkürzt und ziehen damit die Ferse nach oben, während der Vorfuß sich nach unten senkt. So lange eine Spitzfußstellung vorliegt, zeigt sich auch eine Hautfalte oberhalb der Ferse.
  4. Sichelfuß - Der Vorfuß und die Zehen zeigen nach innen. Von oben und unten betrachtet sieht der Fuß wie eine Sichel aus.

Das typische Bild des Klumpfußes

Diese Fehlstellungen ergeben zusammen mit einer dünneren Wade das typische Bild des Klumpfußes. Bei einseitiger Deformität ist der betroffene Fuß auch kürzer. Es sind sowohl knöcherne Strukturen als auch Bänder und Sehnen sowie einzelner Muskeln betroffen.

Im Gegensatz zu einer der Form ähnlichen, jedoch harmlosen Gewohnheitshaltung von Säuglingen, ist der Klumpfuß weitestgehend steif. Die Fehlstellung lässt sich zunächst nicht durch den Korrekturdruck der Hände ausgleichen

Wie erfolgt die Diagnose?

Klumpfüße können unter Umständen bereits bei der Ultraschalldiagnostik während der Schwangerschaft entdeckt werden oder sie werden unmittelbar nach der Geburt - meist durch den Kinderarzt - festgestellt.

Bei zusätzlichen Auffälligkeiten oder dem Verdacht auf eine Grunderkrankung werden weitere Untersuchungen bereits in den ersten Lebenswochen veranlasst.

Die konservative Behandlung des Klumpfuß

Seit 2005 hat sich weltweit zur Behandlung des Klumpfußes das Therapiekonzept nach I. Ponseti durchgesetzt.

Eltern, deren Kind mit ein- oder beidseitigem Klumpfuß geboren wird, kann versichert werden, dass bei fachgerechter Behandlung und sonst gesundem Kind, diese Füße nach der Therapie eine nahezu normale Form und Funktion haben werden.

Auch wenn die nichtoperative Klumpfußbehandlung die Therapie der ersten Wahl darstellt, können wir in der München Klinik bei Problemen oder Rückfällen das gesamte Spektrum operativer Maßnahmen in unseren kinderorthopädischen Abteilungen anbieten.

Zu der Behandlungsmethode nach Ponseti gehören spezielle Korrekturgriffe, Gipsverbände und eine Schienenbehandlung.

Die Behandlung des Klumpfußes sollte am besten innerhalb der ersten 2 Lebenswochen beginnen, um den Vorteil der anfänglich hohen Elastizität von verkürzten Bändern und Gelenkkapseln für die Therapie zu nutzen. Die Therapie beinhaltet eine weiche, wöchentliche Manipulation und Dehnung.

Erster Schritt: den Hohlfuß korrigieren

Ein Gipsverband, der von den Zehen bis zum Oberschenkel reicht, wird nach jeder Behandlung angelegt, um die erzielte Korrektur zu halten.

Dadurch werden die einzelnen Fußknochen nach und nach in die richtige Position gebracht. Wegen der empfindlichen Strukturen sollte eine solche Behandlung nur von hierfür speziell ausgebildeten Kollegen vorgenommen werden.

Im ersten Schritt wird der Hohlfuß korrigiert, der Fuß wir in den Folgebehandlungen weiter nach außen geführt, um die Sichelstellung und den Rückfuß einzustellen.

Schritt 2: Korrektur des Spitzfuß

Fünf bis acht Gipse im wöchentlichen Wechsel reichen üblicherweise aus, um den Klumpfuß größtenteils zu korrigieren.

Der verbleibende Spitzfuß kann nur mit einer Durchtrennung der Achillessehne ausreichend korrigiert werden.

Wir führen diesen kleinen Eingriff in einer kurzen Vollnarkose durch. Weder die Operation noch die Narkose bereiteten bislang Komplikationen.

Im Anschluss an den Eingriff erfolgt eine letzte Gipsanlage in maximaler Korrekturstellung des Fußes für 3 Wochen.

Nach Beendigung der Gipsbehandlung ist die Achillessehne in ihrer korrigierten Länge wieder vollständig zusammengewachsen.

Schritt 3: Schienenbehandlung für ca. 4 Jahre

Durch den Einsatz einer Schiene wird dem Rückfall in die frühere Fehlstellung durch das Wachstum des Fußes vorgebeugt.

Die Kapselstrukturen am Fußinnenrand sowie die verkürzten Muskeln werden konstant gedehnt. Bei der Schiene ( z.B. Alpha-Flex-Brace®) sind beide Füße in speziellen Schuhe durch eine Querstange miteinander verbunden.

Die Einstellung erfolgt in Kooperation von Arzt und Orthopädietechniker. Anfangs müssen die Kinder die Schiene Tag und Nacht tragen.

Nach 3 Monaten kann die Tragedauer von 24 Stunden auf ca. 12-14 Stunden reduziert werden und die Schiene wird dann nur noch zum Schlafen getragen.

Nur die konsequente Nachbehandlung mit korrekt eingehaltener Schienentragdauer kann einen dauerhaften Erfolg der Behandlung sicherstellen. Durch die Schienenbehandlung kann die Rückfallrate in die Klumpfußstellung auf 6% reduziert werden. Ohne Schienenbehandlung beträgt die Rückfallrate 80%.

Die Schienenbehandlung kann frühestens nach dem 3. oder 4. Lebensjahr beendet werden, da in diesem Alter der Fuß nicht mehr so schnell wächst und die Gefahr eines Rückfalls somit nicht mehr sehr hoch ist.

Welche Erfolgsaussichten haben Kinder durch die Ponseti-Behandlungsmethode?

Der korrekt behandelte Klumpfuß bedeutet keine Behinderung und ist den Anforderungen eines normalen, aktiven Lebens gewachsen. Die Therapie behindert keinesfalls die altersgerechte Entwicklung des Kindes. Ab dem Laufbeginn können die Kinder normale Kaufschuhe tragen.

Mit der konservativen Klumpfußbehandlung nach Ponseti lässt sich bei Säuglingen heutzutage in mindestens 90% der Fälle ein größerer operativer Eingriff vermeiden. Die mittel- und langfristigen Ergebnisse dieser Behandlungsmethode tragen zusätzlich dazu bei, dass sich die Therapie nach Ponseti weltweit an allen kinderorthopädischen Zentren durchgesetzt hat.

Der Therapieerfolg hängt neben dem Verständnis und der Erfahrung des behandelnden Orthopäden entscheidend von der Konsequenz der Schienennachbehandlung durch die Eltern ab.

Auch nach Abschluss der Schienenbehandlung sollten regelmäßige ärztliche Verlaufskontrollen in 6-12- monatigen Abständen durchgeführt werden. Ergänzend zur klinischen Untersuchung findet bei Bedarf eine Fotodokumentation, Röntgenaufnahme, Fußdruckmessung oder instrumentelle Ganganalyse statt.

Welche Probleme gibt es? Und welche Lösungen?

Probleme im Behandlungsverlauf sind selten und bis jetzt konnte fast immer eine individuelle Lösung gefunden werden.

  1. Die sogenannten „Weißgipse“ sind sehr gut hautverträglich. Bei der Gipsbehandlung können dennoch gelegentlich Druckstellen oder Hautprobleme entstehen. Leichte Druckstellen im Bereich der Korrekturpunkte sehen wir in 1-2% der Gipse, schwere Druckstellen, die ein weiteres Eingipsen verhindern, können in sehr seltenen schweren Fällen auftreten.
  2. Wir modellieren die Gipse sehr gut an, in wenigen Ausnahmefällen können die Füße im Gips verrutschen. Damit Sie selber gut sehen können, ob der Fuß im Gips gerutscht ist, markieren wir die Stellung der Zehen im Gips. Wenn der Fuß mehr als 3 mm in den Gips zurückrutscht, muss dieser in unserer Klinik oder im nächstgelegenen Krankenhaus noch am selben Tag entfernt werden, da sich sonst Druckstellen bilden. Bei der Abnahme darf keine Gipssäge verwendet werden!
  3. Die schwierigste Zeit ist die Umstellung von Gips auf Schienenbehandlung. Ihr Kind ist in den ersten zwei bis drei Tagen eventuell unruhiger, akzeptiert dann aber die Schiene erfahrungsgemäß gut. Da Kinderfüße sehr empfindlich sind und es sich bei den zur Schiene ausgelieferten Schuhen um Konfektionsschuhe handelt, wird in seltenen Fällen wegen Druckstellenproblemen eine Maßschuhversorgung erforderlich. Sollte auch eine Maßschuhversorgung nicht toleriert werden oder weiterhin Druckstellen auftreten, stehen uns noch spezielle Lagerungsschienen zur Verfügung.
  4. Auch wenn Gips- und Schienenbehandlung optimal und komplikationslos verlaufen, treten ca. 6% Rückfälle in die Klumpfußfehlstellung auf. Es kann dann problemlos erneut in der Ponseti-Technik gegipst werden.
  5. Überwiegend bei Kindern, die den Klumpfuß im Rahmen einer übergeordneten Grunderkrankung oder eines Syndroms haben, wird manchmal eine zweite Achillessehnendurchtrennung erforderlich.

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