8 Tage. 8 Menschen. 8 Berichte.

Acht Menschen, acht Berichte.

Nicht Betten versorgen Menschen. Menschen versorgen Menschen.

Die Anzahl freier Intensivbetten gilt als wichtige Kennzahl in der Corona-Pandemie. Dabei wird leicht vergessen, dass neben diesen Betten Menschen stehen, die die Patientenversorgung erst ermöglichen. Und dass diese Menschen dann an anderen Stellen fehlen. #WIRnichtICH heißt auch, über den Tellerrand zu blicken – und zu sehen, wieso #flattenthecurve nie wichtiger war.

Wir lassen hier die Mitarbeitenden der München Klinik zu Wort kommen. Sie berichten, wie sie die Corona-Pandemie tagtäglich in ihren Bereichen erleben. Die Menschen neben dem Bett im Video:

„Schlaganfälle werden auch in der Pandemie nicht weniger werden.“
Dr. Dennis Dietrich, Oberarzt der Klinik für Neurologie und neurologische Intensivmedizin in der München Klinik Harlaching

Aus der Erfahrung heraus, neben der Schlaganfallbehandlung zusätzlich eine Covid-19-Überwachungsstation mit aufzubauen und gemeinsam mit anderen Fachabteilungen zu betreiben, weiß Dr. Dietrich: Das „ist immer Teamarbeit, bei der ganz viele Berufsgruppen eine Rolle spielen.“ Gleichzeitig mahnt er, dass die Doppelbelastung nicht ewig durchzuhalten ist. Seine große Sorge ist, dass Patienten aus Angst die Klinik meiden – fatal bei einem Schlaganfall.

Seine Botschaft: Es ist für uns alle wichtig, die Kurve flach zu halten.

 

„Das Besuchsverbot bedeutet, dass wir Seelsorger mehr in Anspruch genommen werden.“
Clement Edathumparampil, Seelsorger in der München Klinik Schwabing und Bogenhausen

Dass die Corona-Pandemie nicht nur medizinisch und pflegerisch, sondern auch psychisch für alle eine große Herausforderung ist, weiß Clement Edathumparampil, der für Patienten und Angehörige, aber auch für Mitarbeitende da ist. Als Seelsorger erlebt er tagtäglich, welch große Belastung gerade das notwendige Besuchsverbot bedeutet: „Ich sehe, wie schmerzlich das für Angehörige und Patienten ist, aber wir tun was wir können und sind weiter da.“

Seine Botschaft: Bitte schützen Sie sich selbst und andere.

 

„Unsere hämato-onkologischen Patienten leiden sehr unter der Pandemie.“
Damaris Meyer, Fachkrankenpflegerin für Onkologie und palliative Pflege in der München Klinik Schwabing

Damaris Meyer war eine der freiwilligen Mitarbeiter*innen, die auf der Covid-19-Intensivstation ausgeholfen haben. Und sie ist alarmiert: „Die beatmeten Patienten sind jetzt im Durchschnitt jünger, ab Mitte 40. Das erschreckt mich schon sehr.“ Normalerweise betreut sie in der Tagesklinik Patienten, die eine Chemotherapie bekommen: „Es gibt viele, die gar nicht mehr außer Haus gehen, abgesehen von der Behandlung.“

Ihre Botschaft: Haltet euch an die Regel – egal, ob ihr an Corona glaubt oder nicht.

 

„Wir müssen uns als Gesellschaft in Zukunft mehr auf so etwas wie Pandemien einstellen.“
Frank Hiltenkamp, Abteilungsleiter der Anästhesiefunktion in der München Klinik Bogenhausen

Frank Hiltenkamp erlebte die erste Welle als echte Teamleistung, in der alle zusammengeholfen haben, betont aber auch: Die „Mitarbeiter waren sehr gefordert und mussten auf Urlaube verzichten.“ Umso mehr unterstreicht er, wie wichtig es ist, dass der Pflegeberuf wieder attraktiver gemacht wird, „damit man nicht immer wieder an diesen Punkt kommt, an dem man zwar genug Intensivbetten hat, aber kein Personal, das die Patienten versorgt.“

Seine Botschaft: Eine Maske zu tragen, ist nur ein kleines Opfer.

 

„Wir konnten nicht mehr alle Patienten so behandeln, wie wir sie behandeln wollten.“
PD Dr. Atiqullah Aziz, Chefarzt der Klinik für Urologie in der München Klinik Bogenhausen

Wer an Corona denkt, denkt an die Erkrankten. Doch Corona hat uns alle getroffen wie ein Schlag, weiß PD Dr. Atiqullah Aziz aus eigener Erfahrung. Natürlich konnte er weiterhin alle Krebspatienten versorgen, aber: „weniger dringliche Operationen, wie Steinleiden und anderen gutartigen Erkrankungen, mussten wir verschieben.“ Zudem hat er die Sorge, dass Patienten aus Angst das Krankenhaus meiden könnten – mit schlimmen Folgen.

Seine Botschaft: Krebsleiden hören in der Pandemie nicht auf.
 

„Natürlich wären wir dankbar, wenn uns dabei wieder freiwillige Helfer, gerne mit Pflegeausbildung, unterstützen würden.“
Renate Bock, Pflegekoordinatorin in der München Klinik Neuperlach

Personal ist ein großes Thema der Corona-Pandemie. Bevor jedoch interne oder externe freiwillige Helfer*innen die Patientenversorgung unterstützen können, durchlaufen sie theoretische und praktische Schulungen, die Renate Bock im pflegerischen Bereich verantwortet: „Es soll in der Tat so sein, dass jede freiwillige Pflegekraft auch mit einem sicheren Gefühl und auch schon wirklich als Unterstützung auf der Intensivstation verbleiben kann.“

Ihre Botschaft: Wir müssen alle solidarisch sein.
 

„Zwei Wochen nach dem Lockdown haben wir deutlich weniger Intensivpatienten zuverlegt bekommen als vorher.“
PD Dr. Ines Kaufmann, Oberärztin der Intensivstation der München Klinik Neuperlach

Hautnah erlebte PD Dr. Kaufmann, was es selbst für erfahrene Intensivmediziner*innen heißt, schwer an Covid-19 erkrankte Menschen auf einer Intensivstation zu behandeln: „Das hat uns ans Maximum unserer Belastungsgrenze gebracht und war emotional und fachlich eine Herausforderung für jeden Einzelnen von uns.“ Umso wichtiger ist es, die Chance zu nutzen, mit dem „Lockdown Light“ das Gesundheitssystem zu entlasten.

Ihre Botschaft: Jeder kann betroffen sein.
 

„Wir haben ohne Covid-19 schon knappe Personalressourcen, Covid-19 hat das verschlimmert.“
Markus Schopper, stellv. Stationsleiter der kardiologisch-internistischen Intensivstation in der München Klinik Bogenhausen

Schutzbrille, FFP2-Maske, dicke Spezialhandschuhe und zusätzliche Schutzvisiere – was für eine andere Welt es ist, Covid-19-Patienten in voller Schutzmontur zu versorgen, weiß Markus Schopper: „Wir mussten uns nach jedem Patienten umziehen, weil wir komplett durchgeschwitzt waren.“ Doch bei Blick auf die Infektionszahlen besorgt ihn nicht diese Anstrengung, sondern die Versorgung normaler kardiologischer Patienten – und das knappe Pflegepersonal.

Seine Botschaft: In der Klinik sind wir geschützt – aber draußen kommt es auf alle an.

 

Alle Menschen

Die erste Welle hat uns gelehrt: Wenn sich alle an die Aha-Regeln halten und Kontakte minimieren, kann das Gesundheitssystem entlastet werden. Dabei kommt es auf jeden Einzelnen von uns an. Denn nur gemeinsam lässt sich die Kurve flach halten. Und ja: Eine Maske zu tragen, ist anstrengend - und doch ein geringer Preis für eine beachtliche Wirkung.

Ein starkes Team

Kommen Sie zu uns!

Ärzte, Pflegekräfte, Logotherapeuten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, der Sozialdienst und viele mehr garantieren eine herausragende Patientenversorgung, nicht nur während der Corona-Pandemie.

Alle Patienten

Die Welt steht nicht still: Es geht nicht nur um die Covid-19-Patienten, es geht um alle Patienten. Schlaganfälle, Krebsleiden - alle Krankheiten werden nicht weniger. Auch diese Menschen brauchen im Notfall einen Platz auf der Intensivstation. Und auch nicht lebensnotwendige Operationen sind wichtige Operationen, auf die Menschen warten.