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ARDS, Akutes Lungenversagen (ECMO-Behandlung)

Das akute Lungenversagen ist gekennzeichnet durch eine unterschiedlich schwer ausgeprägte akute oxygenatorische Insuffizienz, in manchen Fällen kann es bedingt durch ein Ventilations-Perfusions-Missverhältnis zusätzlich zur Oxygenierungsstörung zum hyperkapnischen (CO2- Retention) Lungenversagen kommen.  

Wie kommt es zu einem ARDS?

Zu den häufigsten Ursachen eines ARDS gehören die schwere Pneumonie und die schwere Sepsis. Aber auch andere Erkrankungen wie z.B. Polytrauma, Pankreatitis, Beinahe-Ertrinken, toxische Schädigung, etc. können zum akuten Lungenversagen führen.

Typische intensivmedizinische Erkrankungen, die zu einer Ventilationsinsuffizienz mit vorwiegend hyperkapnischer Gasaustauschstörung führen, sind Erkrankungen mit Atemfluss-Limitierung, wie z.B. akute Exazerbation der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Hier wird primär die Behandlung durch nicht-invasive Beatmung angestrebt.

Ihr direkter Kontakt

Für Fragen der Therapieoptimierung, Übernahmeanfragen und zur Anforderung unseres mobilen ECMO-Teams stehen wir Ihnen rund um die Uhr zur Verfügung.

Tel.: (089) 6210-5381

Schwere Verlaufsformen des ARDS

Bei schweren Verlaufsformen des ARDS ist eine invasive Beatmung in der Regel unumgänglich, die als sogenannte BiPAP-Beatmung mit hohem PEEP vorgenommen wird.

Alternativ kommt phasenweise zur Senkung des Spitzendrucks auch die sogenannte APRV-Beatmung (airway pressure release ventilation) zum Einsatz.

Unter Berücksichtigung der protektiven Beatmungsstrategien kommen im Einzelfall zur Reduktion der physikalischen und mechanischen Belastung der erkrankten (und auch gesunden) Lungenanteile zusätzlich die gängigen Lagerungstherapien (kinetische Therapie, intermittierende Bauchlagerung) zum Einsatz.

Neben einer ausreichenden Oxygenierung und Ventilation ist es unser besonderes Ziel, die durch die Beatmungstherapie bedingte mechanische Schädigung der Lungen (VALI, ventilator associated lung injury) möglichst gering zu halten.

Schwerste Lungenschädigungen

Beatmungs- und Behandlungsstrategien, z.B. extrakorporale Lungenersatzverfahren

Patientinnen und Patienten mit schwerster Lungenschädigung mit refraktärer oxygenatorischer und/oder ventilatorischer Insuffizienz können bei uns zusätzlich zur konventionellen Beatmung mit extrakorporalen Lungenersatzverfahren therapiert werden.

In Frage kommt u.a. eine Low-Flow-Therapie. Wenn die Funktion der Lunge trotz Beatmung nicht mehr ausreicht, um den Körper mit Sauerstoff zu versorgen und von Kohlendioxid zu befreien, dann ist die ECMO häufig der letzte Ausweg für Patient*innen. 

„Bei akutem Lungenversagen gewinnen wir mit der ECMO vor allem Zeit zur Überbrückung – bis sich die Lunge erholt.“
Dr. Findeisen, Oberarzt der pneumologischen Intensiv- und Beatmungsstation, München Klinik Harlaching

Extrakorporale Lungenersatzverfahren im Detail

Low-Flow-ECCO2R

Niedrig-Fluss extrakorporale CO2-Elimination

Pumpenbetriebene überwiegende CO2-Elimination (aber auch Oxygenation bis zu einem Blutfluss von 2 l/min) über Gasaustauschermodul nach Kanülierung einer großlumigen Vene mit einem Doppel-Lumen-Katheter (überwiegend jugulär, aber auch femoral).

  • Einsatz bei überwiegender hyperkapnischer Ventilationsstörung/Vermeidung einer Intubation bei z.B. AECOPD.

  • Vorteil: rasche Mobilisation möglich.

  • Durchführung mit dem iLA-activve-System der Firma Novalung® oder mit dem PALP-System (pump assisted lung protection) der Firma Maquet®

 

 

VV-ECMO

veno-venöse extrakorporale Membranoxygenierung

Klassische pumpenbetriebene extrakorporale Membranoxygenierung zur Gewährleistung einer ausreichenden Oxygenierung auch bei schwerstem ARDS (Blutflussraten von 4-5 l/min). Nach Kanülierung zweier großlumiger Venen (meist rechte Jugularvene und Femoralvene) erfolgt der veno-venöse Anschluss an die Gasaustauschermembran.

Die Regulierung des Blutflusses entsprechend der Schwere der oxygenatorischen Insuffizienz, die CO2-Elimination über den regulierbaren Gasfluss.

  • Einsatz bei schwerem Lungenversagen, der mit konventionellen Beatmungsstrategien nicht mehr zu beherrschen ist.

  • Bei uns kommen miniaturisierte Systeme der Firma Novalung® (Gerät iLA activve) und der Firma Maquet® (Gerät Cardiohelp) zum Einsatz.  

Schwere katecholaminrefraktäre Herzkreislaufversagen

vaECMO: Die Herz-Lungen-Maschine übernimmt die Funktion von Lunge und Herz.

Bei schwerem katecholaminrefraktärem Herzkreislaufversagen (z.B. kardiogenem Schock im Rahmen eines akuten Myokardinfarktes) können wir im Einzelfall verschiedene Systeme einsetzen.

Zum einen ist es das genannte Cardiohelp-System der Firma Maquet® auch als VA-ECMO als Kreislaufunterstützungssystem oder zum anderen das VAV-ECMO im Sinne eines Hybridverfahrens bei kombiniertem schwerem Herzkreislauf- und Lungenversagen.

Wann die ECMO-Verfahren zum Einsatz kommen

Die Indikationen zum Einsatz des VA-ECMO- oder VAV-ECMO-Verfahrens werden bei uns von erfahrenen Intensivmedizinern individuell unter sorgfältiger, interdisziplinärer Abwägung von Nutzen und Risiko gestellt.

Mobile ECMO

Maximalversorgung im Außendienst: Wir unterstützen Notfälle in anderen Häusern mit einem mobilen ECMO-Team, das Patient*innen vor Ort an die ECMO nimmt und dann zu uns transportiert.

1/2Zuverlegungen

Rund die Hälfte unserer ECMO-Patient*innen sind Zuverlegungen aus ganz Bayern, welche in den Krankenhäusern vor Ort nicht mit der ECMO behandelt werden können.

1Mobiles ECMO-Team

Da der Transport selbst ein Risiko darstellt, wurde in Harlaching ein mobiles ECMO-Team etabliert, das Patient*innen vor Ort an die ECMO nimmt und dann in die München Klinik transportiert.

8Stunden

Ein Einsatzteam besteht aus zwei erfahrenen Intensivmedizinern. Drei Rucksäcke stehen stets bereit. Ein Einsatz kann von der Alarmierung bis zur Rückkehr bis zu 8 Stunden dauern.