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Fragen und Antworten zur Booster-Impfung

Omikron: Wie wichtig ist der Booster jetzt?

Prof. Wendtner beantwortet die zentralen Fragen zur Covid-19 Auffrischungsimpfung und Omikron.

Das Boostern gegen die Delta-Variante nimmt gerade Fahrt auf. Da taucht Omikron auf. Was bedeutet das? Infektiologe Prof. Clemens Wendtner gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Booster-Impfung und die neue SARS-CoV-2-Variante. Fazit: Die Dreifachimpfung ist aktuell der bestmögliche Schutz - vor allem vor einem schweren Covid-19-Verlauf.

20-facheSchutzwirkung

In großen Booster-Studien mit über 1 Million Beteiligten zeigte sich bereits sieben Tage nach der Auffrischungsimpfung ein um den Faktor 20 erhöhter Schutz gegen schwere Covid-Erkrankung. Nach 14 Tagen noch mehr!

1 von 200Infizierten im Krankenhaus

Die Wahrscheinlichkeit für eine schwere Komplikation einer Covid-19-Erkrankung liegt bei 0,5 bis 1 Prozent der Infizierten (je nach Variante). In Deutschland sind bislang 1,8% der Infizierten gestorben (RKI, Stand 11/21).

3 bis 6Monate

Die Booster-Impfung sollte drei bis sechs Monate nach der letzten Impfung bzw. einer Covid-19-Erkrankung erfolgen. Perspektivisch werden immer wieder Auffrischungen des Impfschutzes, ähnlich der Grippe, notwendig sein.

Prof. Clemens Wendtner ist Chefarzt der Infektiologie in der München Klinik Schwabing und hat die ersten Covid-Patienten Deutschlands betreut.
„Die Daten zu Omikron sind ernüchternd bis besorgniserregend. Aber es besteht Hoffnung und es gibt eine „Exit-Strategie“: Boostern hilft auch gegen Omikron!“
Prof. Clemens Wendtner

Allgemeine Fragen und Antworten zur Auffrischungsimpfung

Booster

Was ist eine Auffrischungsimpfung?

Antwort: Die Booster-Impfung frischt den bestehenden Impfschutz gegen Covid-19 auf. Sie gibt dem Immunsystem und den Gedächtniszellen einen Schub, um SARS-CoV-2 schnell und effektiv bekämpfen zu können.

D.h. Auffrischungsimpfungen sind keine Ergänzung, sondern notwendig für eine vollständige Grundimmunisierung.

Die Regel und nicht die Ausnahme
Je nach Erreger bzw. Impfstoff müssen Impfungen regelmäßig wiederholt werden. So wird z.B. bei der Tetanus- oder Diphtherie-Impfung eine Auffrischung alle 10 Jahre empfohlen. Auch der Schutz gegen Hepatitis, FSME und natürlich Grippe muss aufgefrischt werden.
Impflinge

Für wen ist eine Booster-Impfung wichtig?

Antwort: Lange lag der Fokus bei der Empfehlung zur Auffrischungsimpfung auf älteren Menschen bzw. jenen mit geschwächtem Immunsystem (z.B. Krebs-, aber auch Rheuma- oder Colitis-Patient*innen).

Heute weiß man aber: Eine Booster-Impfung ist für uns alle essenziell für den vollständigen Impfschutz.

Vollständiger Impfschutz
Erst mit der Drittimpfung, dem Booster, erlangt man den vollständigen Impfschutz und damit die notwendige Grundimmunisierung gegen Covid-19. In der Immunologie spricht man von dem Impfschema "prime-boost-boost" (bekannt z.B. von der FSME-Impfung).
Antikörper

Was sagt der Antikörperspiegel über meinen Schutz aus?

Antwort: Je besser die Antikörper, desto besser die Abwehr gegen das Coronavirus. Deshalb gilt: Ein hoher Antikörperspiegel ist wichtig.

Aber: Wir wissen nicht, wann der Antikörperspiegel hoch genug ist. Es liegt kein Grenzwert nach oben vor, der sagt: Jetzt boostern! Deshalb sollte man sich auch bei einem vermeintlich hohen Spiegel nach Empfehlung boostern lassen.

Mehr UND besser
Was nur wenige wissen: Die Auffrischungsimpfung sorgt nicht nur für eine quantitative, sondern auch qualitative Verbesserung der Antikörper. D.h. sowohl die Menge der Antikörper steigt als auch ihre Güte. Die Antikörper werden quasi noch besser auf das Virus zugeschnitten.
Kreuzimpfung

Mit welchem Impfstoff sollte man sich boostern lassen?

Antwort: Für die Auffrischungsimpfung empfiehlt die STIKO einen mRNA-Impfstoff, wahlweise von Biontech oder Moderna. Das sind die geeigneten Auffrisch-Impfstoffe unabhängig von der Wahl der ersten beiden Impfungen.

Eine Kreuzimpfung, z.B. Moderna zur Auffrischung nach zweimal Biontech, kann einen etwas besseren Effekt haben, ist aber kein Muss.

Aber Achtung!
Zwei wichtige Hinweise zum Booster-Impfstoff:
1. Der Booster von Moderna ist ein bisschen effektiver als jener von Biontech, macht aber auch etwas mehr Nebenwirkungen.
2. Der Moderna-Impfstoff soll laut STIKO nicht an Personen unter 30 Jahren verimpft werden.
Zeitraum

Wann sollte man sich gegen Covid-19 boostern lassen?

Antwort: Die Auffrischungsimpfung wird drei bis sechs Monate nach Grundimmunisierung bzw. auch nach Covid-Erkrankung/Impfdurchbruch empfohlen. Wie schon bei der Grippe-Impfung wird es auch bei Covid-19 notwendig sein, den Impfschutz immer wieder auffrischen zu lassen.

Wir können das Virus nicht im Keim ersticken, aber als Gesellschaft mit dem Virus leben. Perspektive: Aus der Pandemie wird eine Endemie.

Exkurs: Sweetspot-Mutation
Ein Virus möchte immer überleben! Es wäre also dumm von ihm, wenn er den Wirt zu schnell tötet. Deshalb wird das Phänomen beobachtet, dass sich Viren zwar immer besser vermehren, aber den Menschen nicht mehr so krank machen. Allerdings: Haben wir sehr viele Infizierte, steigt auch die absolute Zahl schwerer Verläufe!

Fragen und Antworten zu Delta und Omikron

Omikron

Ist die neue Covid-Mutation gefährlicher als Delta?

Antwort: Eins vorweg: Die Datenlage zu Omikron ist noch dünn. Bekannt ist, dass Omikron mindestens doppelt so ansteckend ist wie die Delta-Variante.

Gleichzeitig scheint eine Infektion mit Omikron milder als bei Delta zu verlaufen. Aus klinischer Perspektive ist jedoch noch zu wenig zum Verlauf der Erkrankung bekannt.

Besorgniserregende SARS-CoV-2-Virusvariante (VOC)
Die WHO stuft Omikron (B.1.1.529) als besorgniserregend ein. Die Virusvariante weist insgesamt 50 Mutationen auf, davon 32 am Spike-Protein. Zudem hat sich Omikron in kürzester Zeit als sehr infektiös erwiesen.
Impfstoff

Wirken unsere Covid-19-Impfstoffe gegen Omikron?

Antwort: Der Booster ist hier entscheidend! D.h. wer bereits seine Drittimpfung erhalten hat, um sich sehr gut gegen Delta zu schützen, genießt auch einen signifikanten Schutz gegen Omikron.

In Zahlen: Durch die dreifache Impfung besteht ein Schutz von ca. 70% gegen die Infektion mit der Omikron-Variante und 88% vor schweren Omikron-Verläufen.

Jetzt wird's wissenschaftlich
Neben den Antikörpern gibt es eine zweite Achse der Immunität: die T-Zellen. Wir wissen: Mindestens ¼ der Patient*innen, die keine neutralisierenden Antikörper gegen Covid-19 mehr haben, haben noch sehr gute T-Zellen - und damit sehr guten Schutz von schweren Krankheitsverläufen.
Zeitpunkt

Sollte man mit dem Booster auf einen neuen Impfstoff warten?

Antwort: Im kommender Jahr wird ein neuer Impfstoff auf Proteinbasis erwartet. Zudem sind wir uns sicher: Es wird einen angepassten Impfstoff gegen Omikron geben. Beides kann aber bis April dauern. Doch das Risiko besteht jetzt.

D.h. jede*r sollte sich jetzt impfen bzw. boostern lassen. Das ist das Gebot der Stunde.

Weg aus der Pandemie
Die aktuell laufende Booster-Impfkampagne sagte Delta den Kampf an - und traf auf Omikron. Die gute Nachricht: Die Auffrischungsimpfung schützt gut gegen Omikron. Die endemische Phase wird erst kommen, wenn wir eine ausreichende Kontrolle des Infektionsgeschehens durch eine Impfung haben.

Fragen und Antworten zu Sicherheit und Nebenwirkungen

Nebenwirkungen

Kann ich mich trotz allergischer Reaktion bei letzter Impfung boostern lassen?

Antwort: Allergische Reaktion ist nicht gleich allergische Reaktion. D.h. bei kleinen, normalen Reaktionen kann geboostert werden.

Anders verhält es sich bei anaphylaktischen Reaktionen. Personen, die eine schwere Reaktion auf einen Covid-Impfstoff hatten, werden mit diesem nicht geboostert. Dann weicht man auf einen anderen z.B. Proteinimpfstoff aus oder es ist - äußerst selten - keine Impfung möglich.

Impfarm & Co.
Wie bei jeder Schutzimpfung kommt es auch bei der Covid-19-Impfung bei einigen Menschen zu leichten Reaktionen. Ein Klassiker ist der Impfarm: Die Einstichstelle wird rot. Der Arm fühlt sich schwer an. Auch können Schwellungen der Lymphknoten vorkommen. All dies sind normale Reaktionen. Es spricht nichts gegen den Booster!
Kontraindikation

Wieso ist PEG in den mRNA-Impfstoffen enthalten? Und kann das gefährlich werden?

Antwort: Polyethylenglykol (PEG) kennt man z.B. aus Kosmetika. Sie werden bei mRNA-Impfstoffen zur Stabilisierung der Fetthülle eingesetzt.

Es gibt Personen, die allergisch auf PEG reagieren. In diesem Fall ist eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff nicht möglich. Hier wäre z.B. ein Vektorimpfstoff eine Option. Wer eine PEG-Allergie vermuten, sollte dies abklären lassen.

Schutz ohne Impfung
Sehr selten gibt es Menschen, die wirklich keinen der zugelassenen Impfstoffe nutzen können. Hier gibt es eine Option: schützende Infusionen mit Antikörpern, die wir unseren Patient*innen über den Winter geben können. Die neutralisierenden Antikörper schützen dann diese Menschen.
Sicherheit

Nach zwei Jahren Impfkampagne - wie sicher ist die Coronaimpfung wirklich?

Antwort: Heute wissen wir: Die Wahrscheinlichkeit für eine schwere Nebenwirkung durch einen der verfügbaren Impfstoffe (Biontech, Moderna, Johnson&Johnson, AstraZeneca) liegt bei ca. 1 zu 100.000. Die Wahrscheinlichkeit für eine schwere Komplikation einer Covid-19-Erkrankung mit potenziell tödlichem Ausgang liegt bei 0,5 bis 1,3 Prozent der Infizierten (je nach Virus-Variante); d.h. jede*r 200. Covid-Infizierte nimmt ernsthaft schweren Schaden.

zum Vergleich
Die Wahrscheinlichkeit zu sterben vergleicht Prof. Wendtner mit jener, wenn man mit dem Auto mit 200 km/h und ohne Sicherheitsgurt vs. mit dem Auto mit 30 km/h und Gurt unterwegs ist. Ja, in beiden Fällen existiert eine Wahrscheinlichkeit für einen Unfall - und doch liegen Welten dazwischen.

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