OP der Gallenblase

Die große Mehrheit der Operationen an der Gallenblase – gelegentlich umgangssprachlich als Operationen an der Galle bezeichnet – erfolgt, wenn Gallensteine Symptome wie Schmerzen, Koliken oder Entzündungen hervorgerufen haben. Dann raten die Mediziner dazu, nicht nur die Gallensteine, sondern die gesamte Gallenblase zu entfernen. Sonst verbliebe ein sehr hohes Risiko, dass sich erneut Gallensteine bilden und möglicherweise heftige Probleme verursachen.

Wann muss eine Operation an der Gallenblase erfolgen?

Die minimal-invasive Entfernung der Gallenblase ist mit Abstand die häufigste minimal-invasive Operation im Bauchraum weltweit. In den meisten Fällen erfolgt dieser Eingriff, weil Gallensteine zu Komplikationen geführt haben.

Beispielsweise können Gallensteine den Ausgang der Gallenblase blockieren, was zu kolikartigen Schmerzen oder auch zu einer Entzündung der Gallenblase führt. Oder die Steine wandern in den Gallengang und rufen dort Entzündungen oder einen Gallenstau hervor.

Da die Gallengänge und die Bauchspeicheldrüsengänge bei den meisten Menschen an der gleichen Stelle in den Dünndarm münden, können Gallensteine sogar gefährliche Bauchspeicheldrüsenentzündungen verursachen. 

Bei Gallenstein-bedingten Symptomen reicht es nicht aus, nur die Gallensteine zu beseitigen: „Das kranke Organ ist die Gallenblase, daher müssen wir diese entfernen“, erklärt Dr. Ralf Schmid, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der München Klinik Harlaching.

Denn mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit würden nach einer alleinigen Entfernung der Gallensteine erneut Steine – und möglicherweise schwerere Komplikationen – auftreten.

Weitere, sehr seltene Gründe für Operationen an der Gallenblase

In seltenen Fällen können auch andere Umstände und Erkrankungen zu einer Operation an der Gallenblase führen:

  • Bei einem Vorsorge-Check-up oder einer Ultraschalluntersuchung wegen anderer Erkrankungen entdecken Mediziner manchmal große Gallensteine. Wenn diese mehr als drei Zentimeter im Durchmesser umfassen, raten sie auch dann, wenn keine Symptome aufgetreten sind, dazu, die Gallenblase zu entfernen. Der Grund: Nachweislich ist das Krebsrisiko bei so großen Gallensteinen relevant erhöht.
  • Auch Polypen in der Gallenblase oder Gallenblasentumore sind sehr selten und erfordern ebenfalls, dass die Gallenblase entfernt wird.
  • Auch bei Gallengangskrebs muss in fast allen Fällen die Gallenblase mitentfernt werden.

Die Gallenblasen-OP im Detail

Die Laparoskopie (Schlüssellochtechnik)

Ganz überwiegend führen wir die Operation dann mittels eines minimal-invasiven Operationsverfahrens durch, für das lediglich vier kleine Hautschnitte erforderlich sind. Diese Methode wird oft auch als Schlüssellochtechnik bzw. Laparoskopie bezeichnet. Durch einen etwa einen Zentimeter langen Schnitt unter dem Nabel führen unsere erfahrenen Viszeralchirurgen das Laparoskop ein, ein stabförmiges Instrument, das vorne Licht und einen Kamerachip trägt. Somit ist eine permanente, hochauflösende Videosicht auf das Operationsfeld gewährleistet.

Drei weitere kleinere Schnitte im Oberbauch ermöglichen, Operationsinstrumente einzubringen, beispielsweise Zangen oder Scheren. Wir verfügen über spezielle Instrumenten-Sets, die nur fünf oder gar drei Millimeter lange Schnitte erfordern. 

Um eine gute Sicht auf die Organe zu erhalten, müssen die Operateure bei der Laparoskopie den Bauchraum aufblähen. Dies geschieht, indem sie Kohlendioxid einströmen lassen. Da das Aufblähen zu schmerzhaft für einen wachen Patienten wäre und zu störenden Verspannungen führte, werden Laparoskopien stets unter Vollnarkose durchgeführt.

Die Entfernung der Gallenblase

Mittels der von außen lenkbaren Spezialinstrumente legen wir – stets unter Videosicht – die Gallenblase, die sie versorgende Arterie und den abführenden Gallenblasengang frei. Nachdem wir den Gang und die Arterie mittels Metallclips abgeschnürt haben, schälen wir die Gallenblase sorgsam aus ihrem Bett in der Leber heraus und ziehen sie mittels eines Bergebeutels durch den Schnitt unter dem Nabel aus dem Bauchraum.

Abschließend lassen wir das Kohlendioxid entweichen und vernähen die kleinen Haut- und Muskelschnitte mittels Fäden.

Die offene Operation

Wann offen operiert werden muss

Bei einigen Patienten ist eine Operation mittels der Schlüssellochtechnik nicht möglich. Dann erfolgt eine offene Operation, bei der die Bauchdecke mittels eines acht bis zehn Zentimeter langen Schnitts unter dem rechten Rippenbogen eröffnet wird. Diese Operationstechnik, die mit einem längeren Krankenhausaufenthalt verbunden ist, müssen wir immer dann einsetzen, wenn

  • aufgrund von Voroperationen zu große Verwachsungen in der oberen Bauchregion entstanden sind, die eine minimal-invasive Vorgehensweise vereiteln;
  • die Gallenblase und die Umgebung bereits so stark entzündet sind, dass die Blase nicht aus dem Lebergewebe herauszuschälen ist;
  • bösartige Erkrankungen der Gallenblase vorliegen.

Tumore in Gallenblase oder Gallengang müssen stets im Rahmen einer offenen Vorgehensweise operiert werden: Diese Erkrankungen verlangen, dass auch anliegendes Lebergewebe und zudem befallene Lymphknoten in der Umgebung entfernt werden. Nur so können die Operateure einen ausreichenden Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe herstellen und verhindern, dass sich die Tumorzellen über die Lymphbahnen im ganzen Körper ausbreiten.

Onkologische Bauchoperationen verlangen eine hohe Expertise der ausführenden Chirurgen: Aufgrund der Vielzahl bereits ausgeführten chirurgischen Eingriffe können wir auf ein dezidiertes Fachwissen und viel Erfahrung verweisen.

Sonderfall: Wenn Gallensteine den Gallengang versperren

Sollten ein oder gar mehrere Gallensteine aus der Gallenblase in den Hauptgallengang gewandert sein und dort den Durchfluss der Gallenflüssigkeit versperren, müssen wir unser Vorgehen variieren.

Zunächst entfernen unsere Gastroenterologen die Gallensteine im Rahmen eines endoskopischen Verfahrens, einer speziellen Magenspiegelung. Mit einem Seitblick-Endoskop, das durch den Rachen eingeführt wird, können sie die Gallensteine orten und auch gleich entfernen, gegebenenfalls sogar vorher zertrümmern.

Endoskopisch-retrograde Cholangiografie (ERC) nennt sich diese spezielle Form der Endoskopie.

Ein zweiter Schritt erfolgt je nach individuellem Krankheitsverlauf im Abstand von einer bis sechs Wochen, nachdem die Gallensteine aus dem Gallengang entfernt wurden: Im Rahmen der in der Regel minimal-invasiven Operation entnehmen unsere Chirurgen dann die Gallenblase, damit sich nicht erneut Steine bilden.

Sicherheit eines Maximalversorgers

Einen entscheidenden Vorteil sieht Dr. Ralf Schmid darin, dass die München Klinik als Maximalversorger auch auf Menschen mit Risikofaktoren durch Begleiterkrankungen eingestellt ist.

„Wir haben sehr gut ausgebildete Anästhesisten, die viel Erfahrung mit schwerkranken Menschen besitzen“, so Dr. Schmid. Dass Experten verschiedenster Fachrichtungen – bis hin zu den Intensivstationen – in der Klinik bereit stehen, ermögliche, auch schwierige Anforderungen zu schultern.

Vorteile eines eigenen pathologischen Labors

Die Größe unserer Klinik, die über eigene pathologische Labors verfügt, bringt auch in weiterer Hinsicht Vorteile für die Patienten: Sollten die Chirurgen während der Operation auffällige Geschwulste entdecken, können sie das Gewebe sofort mittels eines sogenannten Schnellschnitt-Verfahrens im klinikeigenen Labor untersuchen lassen.

So kann noch während der Operation festgestellt werden, ob es sich bei dem auffälligen Gewebe um einen bösartigen Tumor handelt, der unter Umständen erfordert, die Operation auszuweiten.

Unsere Spezialistinnen und Spezialisten für eine Gallenblasen-OP

Prof. Dr. med. Ayman
Chefarzt, Stv. Leitung der Darmkrebs- & Pankreaskarzinomzentren
Prof. Dr. med. Ayman Agha
Prof. Dr. med. Natascha C.
Chefärztin (Allgemein-, Viszeralchirurgie und endokrine Chirurgie)
Prof. Dr. med. Natascha C. Nüssler
Dr. med. Thomas
Leitender Oberarzt (Viszeralchirurgie)
Dr. med. Thomas Klier

Die OP-Vorbereitung

Patienten, die von ihrem Hausarzt, Internisten oder Gastroenterologen mit der Diagnose oder dem Verdacht „Symptomatisches Gallensteinleiden“ – oder aufgrund einer anderen Erkrankung der Gallenblase – an eine Klinik verwiesen werden, erhalten bei uns zeitnah einen Termin in der Sprechstunde. 

Um die Abläufe für die Patienten möglichst unkompliziert zu gestalten, fragen wir gleich bei der Anmeldung, ob bereits ein Ultraschall des Oberbauchs erfolgt ist. Falls nicht, bieten wir an, die Ultraschall-Untersuchung in unserer Klinik am gleichen Tag vor dem Sprechstundentermin vornehmen zu lassen.

Was Sie zum Sprechstundentermin mitbringen sollten

Zu dem Sprechstundentermin bitten wir die Patienten, alle vorliegenden Befunde mitzubringen:

  • Ultraschall-Ergebnisse – falls dieser vorab erfolgte
  • spezifischen Blutwerte, wozu auch die Leber- und Gallenwerte
  • aktuellen Medikamentenplan
  • Unterlagen wie beispielsweise Arztbriefe nach Klinikaufenthalten, die schwere oder chronische Erkrankungen betreffen

OP-Vorgespräch am gleichen Tag

Bei dem ausführlichen Patientengespräch in unserer Sprechstunde stellen wir dem Patienten eine Reihe von Fragen und sichten die vorliegenden Befunde. „Nur wenn die Schmerzsymptomatik typisch ist und gleichzeitig das Ultraschallbild ein Gallensteinleiden zeigt, raten wir zu einer Operation“, betont Chefarzt Dr. Ralf Schmid. Sonst erfolgen weitere Untersuchungen – in der Regel in enger Zusammenarbeit mit der Gastroenterologie in unserer Klinik –, um eventuelle andere Ursachen für die Schmerzen zu ergründen.

Wenn das Gallensteinleiden sich klar darstellt und die Patienten sich für eine Operation entscheiden, bieten wir ihnen an, noch am gleichen Tag die Operationsvorbereitung durchzuführen. Dann entnehmen wir Blut für die von uns benötigten Blutwerte und innerhalb von etwa zwei Stunden klärt sowohl ein Chirurg über die geplante Operation und mögliche (extrem seltene) Komplikationen auf als auch ein Anästhesist über die Narkose. Dies hat für die Patienten den Vorteil, dass sie nicht noch einmal einen Termin für das OP-Vorgespräch benötigen.

Der Mensch im Mittelpunkt, nicht die Leitlinien

Bei unseren Therapie-Empfehlungen folgen wir stets den aktuellen medizinischen Leitlinien, die anerkannte Gastroenterologen und Chirurgen gemeinsam erarbeitet haben und fortlaufend entsprechend aktueller Forschungsergebnisse aktualisieren. Doch legen wir sehr viel Wert darauf, dass wir für jeden Patienten eine individuelle Entscheidung vorbereiten, die auch sein Alter und seine Begleiterkrankungen, also sein Risikoprofil, einbezieht.

„Bei einem 85-jährigen Patienten, der erstmalig leichte Gallenkoliken erlitten hat, würden wir beispielsweise die Operations-Entscheidung sehr kritisch abwägen“, schildert Chefarzt Dr. Ralf Schmid. Für ihn sei unerlässlich, stets den Einzelfall zu betrachten und nicht nur die Leitlinien zu sehen.

Was nach der Gallenblasen-Operation geschieht

In der Regel verlassen die Patienten, deren Gallenblase unsere Viszeralchirurgen im Rahmen eines minimal-invasiven Eingriffs entfernt haben, unsere Klinik nach zwei Tagen. Nach einer offenen Operation zur Gallenblasenentfernung bleiben die Patienten jedoch länger, meist fünf bis sieben Tage.

In der Regel benötigen die Patienten keine spezielle Nachsorge – außer es treten, was ausgesprochen selten ist, irgendwelche Probleme auf. Wenn wir die Gallenblase aufgrund einer Krebserkrankung entfernt haben, betreuen wir diese Patienten selbstverständlich weiter und können ihnen die gesamte Palette moderner Krebstherapien anbieten.

Es geht auch ohne Gallenblase!

Wir empfehlen den Patienten, die ersten Tage schonende Kost zu sich zu nehmen, doch spätestens eine Woche nach der Operation können sie wieder normal essen. „Die Gallenblase ist ein Relikt aus der Entwicklungsgeschichte, als die Menschen in langen Abständen große fettreiche Mahlzeiten zu sich nahmen“, erklärt Chefarzt Dr. Ralf Schmid.

Bei der heutigen Ernährung reiche die Galle in der Menge aus, die in der Leber kontinuierlich produziert werde, und die Gallenblasse als Reservoir sei im Grunde genommen überflüssig.

Häufig bei uns behandelte Erkrankungen der Organe des Bauchraums