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Klinik für Hämatologie und Onkologie Neuperlach

Leukämie

Dem Blutkrebs mit modernen Therapie-Konzepten begegnen

Patienten, die mit einem Verdacht auf Leukämie konfrontiert werden, erschrecken zunächst sehr. Aus unserer langjährigen Erfahrung mit Leukämie-Patienten wissen wir, dass sie die erste Zeit, bis sie eine klare Diagnose und Informationen über Behandlungsmöglichkeiten und Heilungschancen erhalten, als sehr belastend empfinden. Daher räumen wir Ihnen als Patienten rasch Untersuchungstermine ein und sind in unseren Gesprächen offen für alle Fragen und Sorgen.

Ursachen und Symptome: Was ist Leukämie?

Leukämien sind Formen des Blutkrebses, die entstehen, wenn bei der Blutbildung im Knochenmark Fehler eintreten. Statt gesunder Blutzellen bilden sich unreife, funktionsunfähige entartete Zellen, Leukämiezellen genannt. Diese verteilen sich im ganzen Körper, verdrängen die gesunden Blutzellen immer mehr aus dem Knochenmark.

Das Blut kann dann seine lebenswichtigen Funktionen nicht mehr ausreichend erfüllen:

  • nicht mehr genügend Sauerstoff transportieren
  • Infektionen nicht mehr zielgerichtet bekämpfen
  • Blutungen nicht mehr stoppen

Da die Krankheit nicht einzelne Organe, sondern den ganzen Körper betrifft, sprechen wir von einer systemischen Erkrankung.

Ursachen & Symptome der Leukämie

Die genauen Ursachen der Leukämie sind unbekannt. Genetische Faktoren, radioaktive Strahlung, Röntgenstrahlen und chemische Substanzen können das Risiko einer Leukämie erhöhen.

Die akute Leukämie zeigt sich meist innerhalb kurzer Zeit durch Symptome wie:

  • Müdigkeit & Mattheit
  • Auffällige Blässe
  • Knochenschmerzen, Fieber, hartnäckige Infektionen
  • ungewollter Gewichtsverlust
  • Blutungen (etwa Nasenbluten), die nicht zu stillen sind
  • Vergrößerung der Lymphknoten, der Leber und der Milz

Bei einer chronischen Leukämie treten oft zunächst keine Symptome auf. Sie wird häufig bei einer aus anderen Gründen durchgeführten Blutuntersuchungen entdeckt.

Typen & Klassifikation: Welche Arten von Leukämie gibt es?

Leukämie-Typen

In der München Klinik behandeln alle Formen der Leukämie. Zunächst müssen wir herausfinden, welche Form der Erkrankung vorliegt.

Wir unterscheiden zwischen myeloischen und lymphatischen Leukämien, je nachdem ob die Entartung in den myeloischen oder lymphatischen Vorläuferzellen der Blutzellen aufgetreten ist. Desweiteren unterscheiden wir zwischen akuten und chronischen Leukämien, die oftmals ganz verschiedener Therapie-Konzepte bedürfen. Bei Kindern treten fast ausschließlich akute Leukämieformen auf.

Die vier häufigsten Leukämieformen sind:

  • akute myeloische Leukämie (AML)
  • akute lymphatische Leukämie (ALL)
  • chronische myeloische Leukämie (CML)
  • chronische lymphatische Leukämie (CLL)

ICD-Schlüssel

Leukämie ist mit folgenden ICD-Codes für medizinische Diagnosen verschlüsselt (Auswahl):

ICD-10 C91.0 Akute lymphatische Leukämie (ALL)
ICD-10 C91.1 Chronische lymphatische Leukämie vom B-Zell-Typ (CLL)
ICD-10 C92.0 Akute myeloblastische Leukämie (AML)
ICD-10 C92.1 Chronische myeloische Leukämie (CML)
ICD-10 C94 Sonstige Leukämien näher bezeichneten Zelltyps
ICD-10 C95 Leukämie nicht näher bezeichneten Zelltyps

ICD-11 2B33.3 Akute lymphatische Leukämie (ALL)
ICD-11 2A82.00 Chronische lymphatische Leukämie vom B-Zell-Typ  (CLL)
ICD-11 2A60.3 Akute myeloblastische Leukämie (AML)
ICD-11 2B33.2 Chronische myeloische Leukämie (CML)
XH5J10 Haarzell-Leukämie

Leukämie Diagnostik: Früh erkennen, um schnell zu handeln

Von Anamnese über Sonografie bis KI-unterstützte Diagnostik von Blut und Knochenmark.

Eine präzise und schnelle Diagnostik ist bei Leukämie entscheidend. Dazu gehören Anamnese, Analyse von Blut und Knochenmark sowie bildgebende und molekulargenetische Verfahren:

  • Blutbildanalyse und mikroskopisches Differenzialblutbild
  • Digitale, KI-gestützte Befundung für schnellere Diagnostik von Blutbild und Knochenmark
  • Knochenmarkpunktion und -biopsie und Aspiration
  • Feinnadelpunktion von Organen (Lymphknoten, Leber, Milz, Schilddrüse, Tumoren)
  • Zytologische Beurteilung von Knochenmark- und Organpunktaten mit Zytochemie
  • Bildgebende Verfahren (CT, MRT, Ultraschall) zur Ausbreitungsdiagnostik
  • Erweiterte molekulargenetische Analysen

Nicht nur unsere moderne diagnostische Ausstattung, sondern auch die langjährige Qualifikation unserer Ärztinnen und Ärzte ermöglichen eine schnelle und differenzierte Diagnostik der Leukämie.

Welche Behandlungsstrategie ist wirksam?

Individuelle Behandlung nach medizinischen Leitlinien

Gemeinsam zur besten Therapiestrategie

Bei der Therapie der Leukämie verfahren wir stets nach zwei Grundsätzen:

  1. Wir ziehen die weltweiten Erfahrungen bei der Behandlung dieser heimtückischen Krankheit heran, indem wir uns an den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie empfohlenen Therapie-Protokollen orientieren. Diese enthalten die nach dem aktuellen Stand der medizinischen Forschung wirksamsten Behandlungsoptionen.
  2. Die Therapie-Strategie wird immer von vielen Experten gemeinsam festgelegt.

Individuell auf den einzelnen Patienten ausgerichtetes Konzept

Im Rahmen unserer Tumorkonferenzen sind stets Experten für die Krebsmedizin und unsere Hämatologen, die sich auf die Blutbildung spezialisiert haben, vertreten. Wir besprechen die Befunde auch gemeinsam mit unseren Pathologen, die die Zellen mit modernsten Verfahren untersucht haben, und den Experten für die bildgebenden Verfahren, den Radiologen.

Die Ärzte der verschiedenen Fachrichtungen beratschlagen sämtliche Untersuchungsergebnisse und klären so, welche Therapie-Empfehlung für jeden einzelnen Patienten die besten Heilungsaussichten verspricht. Dabei werden stets der Allgemeinzustand und eventuelle andere Erkrankungen des Patienten berücksichtigt, so dass auf Basis der anerkannten Leitlinien ein sehr individuell auf den einzelnen Patienten zugeschnittenes Behandlungskonzept entsteht.

Behandlungskonzept bei akuten Leukämien

Chemotherapie als erste Säule der Behandlung

Bei akuten Leukämien empfehlen wir in der Regel eine Chemotherapie. Gezielt ausgewählte und kombinierte Medikamente, so genannte Zytostatika, greifen die entarteten Zellen im ganzen Körper an und hemmen sie in ihrem Wachstum und ihrer Vermehrung.

Mit dieser – oftmals sehr intensiven – medikamentösen Therapie, die per Infusion verabreicht wird, streben wir an, die Krankheit so zurückzudrängen, dass keinerlei Leukämiezellen mehr in Blut und Knochenmark zu finden sind.

In einer zweiten Welle versuchen wir, auch die eventuell im Körper zurückgebliebenen, nicht erkennbaren Leukämiezellen anzugreifen und einen Rückfall zu vermeiden. In vielen Fällen kann die Chemotherapie in unserer onkologischen Tagesklinik durchgeführt werden, so dass die Patienten nicht über Nacht in unserer Klinik bleiben müssen.

„In vielen Fällen kann die Chemotherapie in unserer onkologischen Tagesklinik durchgeführt werden, so dass die Patienten nicht über Nacht in unserer Klinik bleiben müssen.“
Prof. Dr. med. Stefan Böck, Chefarzt

In manchen Fällen: Strahlentherapie

Bei manchen Patienten, vor allem bei denjenigen mit einer akuten lymphatischen Leukämie, ergänzen wir die Chemotherapie mit einer Strahlentherapie.

Die Strahlen bekämpfen die Krebszellen gezielt an einzelnen Stellen des Körpers, an denen die Chemotherapie nicht ausreichend wirkt, etwa dem zentralen Nervensystem, und zerstören dort die Leukämiezellen.

Wir kümmern uns auch um die Nebenwirkungen der Therapien

Um Nebenwirkungen und mögliche Komplikationen zu vermeiden, helfen wir unseren Patienten auch mit unterstützenden (supportiven) Therapien.

Dazu gehören Mittel gegen Übelkeit oder entzündete Schleimhäute ebenso wie eine Infekt-Prophylaxe und -Therapie oder die Transfusion von roten Blutkörperchen oder Blutplättchen, damit das Blut bald wieder seine volle Funktion aufnimmt.

Wachstumsfaktoren, die wir verabreichen, können nach einer Chemotherapie anregen, dass sich wieder ausreichend gesunde weiße Blutkörperchen bilden.

Behandlungskonzept bei chronischer Leukämie

Bei chronischer myeloischer Leukämie helfen zielgerichtete Medikamente

Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie bemerken oft erst nach längerer Zeit, meist Monate bis Jahre, dass sie an dieser Krankheit erkrankt sind. Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit sind unspezifische Symptome, die meist auftreten.

Wenn die Krankheit noch nicht weit fortgeschritten ist, können wir die Beschwerden in vielen Fällen völlig zurückdrängen, indem wir so genannte zielgerichtete Medikamente empfehlen, die sich eine bestimmte Zellfunktion zunutze machen und dort angreifen. Die Tyrosinkinasehemmer blockieren das Wachstum der Leukämiezellen.

Durch eine regelmäßige Betreuung und Überwachung der Patienten stellen wir sicher, dass die Therapien gut wirken und keine Verschlechterung eintritt. Sollte die chronische myeloische Leukämie jedoch dramatisch voranschreiten, setzen wir – wie bei den akuten Leukämien - in der Regel eine Chemotherapie ein.

Meist zunächst nur Kontrollen bei chronischer lymphatischer Leukämie

An der chronischen lymphatischen Leukämie erkranken überwiegend ältere Menschen. Da sie zudem nur langsam fortschreitet, warten wir– entsprechend der aktuellen Leitlinien – meist mit der Therapie und führen lediglich regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch.

Bei belastenden Beschwerden oder wenn sich die Blutwerte verschlechtern, hilft eine Chemotherapie in Kombination mit gezielt wirksamen Antikörpern, die Krankheitssymptome zurückzudrängen.

Bei jüngeren Patienten setzen wir stärkere Medikamenten-Kombinationen ein – in der Hoffnung, die Leukämiezellen für einen längeren Zeitraum völlig einzudämmen.

Bei älteren Patienten wählen wir weniger starke Dosen, um ihnen die Nebenwirkungen zu ersparen, die Krankheit aber dennoch aufzuhalten und die Beschwerden zu lindern.

Auch neue Therapien mit sogenannten kleinen Molekülen können heute oftmals helfen, die Leukämiezellen zu bekämpfen.

Stammzelltransplantation, falls Hochdosis-Therapien erforderlich

Falls die zunächst gewählten Therapie-Optionen die Leukämie nicht ausreichend bekämpfen können oder es im weiteren Verlauf der Erkrankung zu einem Rückfall (Rezidiv) kommt, können wir die Leukämiezellen eventuell mit einer Hochdosis-Chemotherapie oder einer Ganzkörperbestrahlung vernichten. Da in diesen Fällen aber das Knochenmark auch komplett zerstört wird, bedürfen die Patienten einer Stammzellentransplantation.

Bei der autologen Stammzellentransplantation werden eigene Knochenmark- oder Blutstammzellen rückübertragen, die wir vor der Hochdosistherapie entnommen und mittels moderner Blutwäsche-Verfahren (Apherese) von den anderen Blutbestandteilen getrennt haben.

Für allogene Stammzellentransplantationen, bei denen die Zellen von einem Fremdspender stammen, arbeiten wir eng mit der Hämatologie und Onkologie an der München Klinik Bogenhausen zusammen.

Begleitende & innovative Therapieangebote

Neben erfahrenen Ärzt*innen und Pflegekräften begleiten Kolleginnen und Kollegen aus u.a. Psychologie, Physiotherapie und Ergotherapie, Ernährungsmedizin oder auch Aromatherapie unsere Patientinnen und Patienten während des stationären oder teilstationären Aufenthaltes in der Tagesklinik durch die Leukämie Therapie.

Wir erachten jedes dieser begleitenden Angebote als wichtigen Baustein Ihres persönlichen Therapieplans. Körperlichen und auch psychischen Folgen von Krankheit und Behandlung des Blutkrebses möchten wir auf vielfältige Art mit Betroffenen, aber auch den Angehörigen begegnen.

Wir versuchen jede Behandlung möglich zu machen, die Sie persönlich wünschen und die Ihnen dabei hilft, gesund zu werden.

Blutkrebs-Studien zu neuen Verfahren

Wir sehen uns verpflichtet, unseren Patientinnen und Patienten stets die modernste Leukämie Behandlung anzubieten. Dazu gehört auch, die Teilnahme an vielfältigen Leukämie-Studien. Geeigneten Patientinnen und Patienten ermöglichen wir Zugang zu neuen, vielversprechenden Leukämie-Medikamenten, die kurz vor der Zulassung noch nicht auf normalem Weg erhältlich sind.

Selbstverständlich wird gewährleistet, dass die Wirksamkeit der Medikamente bereits in Vor-Studien erprobt wurde und wir den Behandlungserfolg stets engmaschig überwachen.

Sozialdienst & Nachsorge: Wie geht es nach der Therapie weiter?

Wir begleiten Sie über die Akutphase hinaus.

Auch in der Planung der Zeit nach dem stationären Aufenthalt können Sie auf uns zählen. "Wir können Sie morgen entlassen!" - wenn wir diesen Satz zu Ihnen sagen, dann haben die freundlichen Mitarbeitenden unser Sozialdienstes Sie und Ihre Angehörigen auf alles vorbereitetet.

  • Wie komme ich in die Reha? Unterstützung bei der Organisation eines Rehabilitationsaufenthalts.
  • Welche Schritte stehen an? Vom Arbeitgeber bis finanzielle Unterstützungsleistungen.
  • Wie beantrage ich häusliche Pflege? Von Pflegedienst bis Palliativdienst.

Auch nach der stationären oder teilstationären Leukämie Behandlung bleiben wir an Ihrer Seite. In unserer hämatoonkologischen Nachsorgesprechstunde begleiten wir Sie weiterhin mit u.a.:

  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen
  • Unterstützung bei Fatigue und Nebenwirkungen
  • Psychoonkologie, auch für Angehörige
  • Sozialberatung unterstützt bei Weg zurück ins Leben
  • Rehabilitationsplanung

Unser Angebot für Ihre Kontaktaufnahme zur München Klinik Neuperlach

Telefonische Kontaktaufnahme

Sie erreichen uns werktags zu Bürozeiten von 8:00 - 16:30 Uhr

Sekretariat, allgemeine Fragen, Sprechstunden
(089) 6794-2651

Hämatoonkologische Tagesklinik 
(089) 6794-2446

Online-Kontakt. Ihre E-Mail an uns

Zur Entlastung der Telefonleitungen nutzen Sie bitte auch unseren Online-Fragebogen. Das Formular hilft uns den für Sie geeigneten Ansprechpartner gezielt auszuwählen. Wir melden uns schnellstmöglich mit einer Antwort bei Ihnen.

Online: Termine & Anfragen an uns