Plötzlicher Herztod

Er kommt aus heiterem Himmel, völlig unerwartet: der Sekundentod. Plötzlich bricht ein scheinbar völlig gesunder Mensch zusammen und bleibt regungslos liegen. Auch junge Sportler sind von dem Herzstillstand betroffen.

Risiko Sport?

Der plötzliche Herztod ist die häufigste tödliche Manifestation einer Herzerkrankung und tritt meist im höheren Alter auf. Allerdings sind auch Jüngere davon betroffen. Leistungssportler haben dabei ein 2,5fach höheres Risiko einen Sekundentod zu sterben als Nicht-Sportler. Allerdings ist nicht der Sport sondern das Vorliegen einer angeborenen Herzerkrankung die Ursache. 

In Deutschland erleiden im Jahr circa 900 Sportler einen Sekundentod. Insgesamt versterben bis zu 200.000 Menschen an dieser Form. Liegt bereits eine Herzerkrankung vor, ist das Risiko besonders hoch.

Neuigkeit
17.10.2019

Deutsche Herzwochen: Plötzlicher Herztod

Anfang November geht es eine ganze Woche lang nur um den Plötzlichen Herztod und wie man sich davor schützen kann. Informieren Sie sich.

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Warum hört das Herz plötzlich auf zu schlagen?

Eine Reihe von kardialen Grunderkrankungen können die Ursache sein, wenn das Herz plötzlich aufhört zu schlagen. "Sport ist lediglich der Auslöser“, erläutert Prof. Dr. Ellen Hoffmann, Chefärztin der Kardiologie an der München Klinik Bogenhausen. Bei unter 35-Jährigen sind häufig angeborene Herzerkrankungen verantwortlich: eine verdickte Herzwand, Fehlbildungen der Herzkranzgefäße oder eine Fehlfunktion der kardialen Ionenkanäle.

Bei den über 35-Jährigen hingegen spielen vor allem verkalkte Herzkranzgefäße eine Rolle. Auch eine unentdeckte Herzmuskelentzündung,etwa durch eine verschleppte Grippe, kann fatale Folgen haben – gerade wenn die Betroffenen sich zu früh übermäßig anstrengen. Bei hoher körperlicher Belastung werden Stresshormone ausgeschüttet: „Das kann in einem vorerkrankten Herzen bösartige Rhythmusstörungen und Kammerflimmern auslösen“, erläutert Hoffmann.

Herzscreening für Hobby- und Leistungssportler

Um mögliche Risiken auszuschließen, gerade bei Vorerkrankungen oder einer familiären Belastung, rät Hoffmann ambitionierten Hobbysportlern, sich einem (Belastungs-)EKG und Herzecho zu unterziehen. Die Bogenhausener Kardiologie bietet dafür ein spezielles Screening durch Kardiologen, die zugleich Sportmediziner sind, an. Für Leistungssportler sind jährliche Untersuchungen ohnehin Pflicht. An der Klinik wurde hierfür das GEPARD-Projekt (German Evaluation Program for Arrhythmia Related Death in Athletes) initiiert.

Das Präventionsprogramm sieht neben Labor und EKG auch Ultraschall und, falls notwendig, eine Herz-Kernspintomografie vor. Oberarzt Dr. Florian Straube leitet das sportkardiologische Ärzteteam. „Wir konnten in einer Studie feststellen, dass bereits das Ruhe-EKG ein sehr effektives Screening ermöglicht.“ Mit einem 12-Kanal-EKG kann der Experte sogar seltene Herzerkrankungen erkennen.

Unsere Spezialistinnen und Spezialisten für Sportkardiologie

Prof. Dr. med. Ellen
Chefärztin
Prof. Dr. med. Ellen Hoffmann
München Klinik Bogenhausen München Klinik Schwabing
PD Dr. med. Florian
Geschäftsführender Oberarzt
PD Dr. med. Florian Straube, FHRS, FESC
München Klinik Bogenhausen München Klinik Schwabing

Hobbysportler sollten es langsam angehen lassen

Hobbysportler, die zum Beispiel einen Marathon laufen möchten, sollten zunächst Vorerkrankungen abklären und dann den Fitness- und Leistungszustand bestimmen. Am besten geht das mit einem Belastungs-EKG. Bei Bedarf lässt sich der Trainingserfolg mit Messungen des Laktatwerts im Blut sowie der Atemgase steuern. Die Verfahren geben Aufschluss über Stoffwechselfunktionen bei Belastung.

Und ganz wichtig: beim Training nicht überanstrengen und drei bis sechs Monate vorher mit dem Laufen beginnen. Alle anderen sollten moderat Sport treiben – am besten fünf Mal pro Woche für mindestens 30 Minuten. Und es dabei langsam angehen lassen – damit das Herz im Takt bleibt.

Von Profis für Profis

Auch die Frauen-Nationalmannschaft des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB e. V.) profitiert von der Expertise der Bogenhausener. Die Spielerinnen werden in die Trainingslager und zu Wettkämpfen von Mannschaftsärzten aus Bogenhausen begleitet und dort betreut. Julia Zorn, Kapitänin der Frauen-A-Nationalmannschaft, weiß das zu schätzen. „Wir werden durchgecheckt und rundum versorgt, ein gutes Gefühl.“

Eishockey ist neben Fußball oder Profi-Radsport eine der härtesten Sportarten. Die Spieler werden nur 50 bis 60 Sekunden sehr intensiven Belastungen ausgesetzt und pausieren dann wieder für einige Minuten. „Nach einem Zweikampf ist der Puls schnell bei über 180“, schildert die 28-jährige Sportlerin. Die Pausen in den eiskalten Hallen machen die Spieler zudem anfällig für Erkältungskrankheiten. Daher behalten die Ärzte auch mögliche Infekte im Auge – zu groß wäre die Gefahr einer Herzmuskelentzündung.

Worauf Sie achten sollten

  1. Gehen Sie regelmäßig zum Arzt
    Ab dem 35. Lebensjahr nehmen koronare Gefäßverkalkungen zu, rauchen ist dabei ein starker Risikofaktor. Wer unter Bluthochdruck, hohen Cholesterinwerten oder Diabetes leidet, sollte Folgeschäden für das Herz abklären. Bei herzproblemen in der Familie kann das eigene Risiko erhöht sein. Warnsignale wie Herzstolpern, Schwindel oder Atemnot ernst nehmen!
  2. Infekte gründlich auskurieren
    Erst nach einer ausreichend langen Pause wieder mit dem Sport beginnen. Nicht mit Fieber trainieren. Wenn der Puls noch höher ist als normal, ist das Herz-Kreislauf-System noch nicht belastbar.
  3. Überanstrengung vermeiden
    Nicht in der mittagshitze loslegen, viel trinken und auf den Elektrolythaushalt achten. Kalium ist wichtig für die Rhythmusstabilität und Magnesium hilft der Körpermuskulatur. Eine Sportart wählen, die Spaß macht, und in Maßen trainieren. Besonders Wiedereinsteiger, die an alte Erfolge anknüpfen möchten, überschätzen sich gerne.

90 Prozent aller Sportler, die am plötzlichen Herztod sterben, sind Männer.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Überblick