Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie)

Das Erregungsleitsystem des Herzens sorgt für einen regelmäßigen Herzschlag, den sogenannten Sinusrhythmus. Ist dieses System gestört, gerät das Herz aus dem Takt, Rhythmusstörungen treten auf. Der Betroffene hat Herzrhythmusstörungen, medizinisch als Arrhythmie bezeichnet.

Herz außer Takt

Bei einer Herzrhythmusstörung kann das Herz langsamer oder schneller schlagen.

Einen Puls unter 60 Schlägen pro Minute bezeichnet man dann als bradykarde Herzrhythmusstörung.

Beträgt die Herzfrequenz pro Minute mehr als 100 Schläge, sind dies Symptome einer tachykarden Arrhythmie.

Auch zusätzliche Schläge des Herzens, sozusagen außer der Reihe, können vorkommen. Dabei handelt es sich um sogenannte Extrasystolen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Das Geschlecht spielt bei der Auslösung von Herzrhythmusstörungen eine wesentliche Rolle. Unabhängig vom Alter haben Frauen einen höheren Puls als Männer und die elektrische Erholung des Herzens ist bei Frauen verlängert. Erklären lassen sich diese Phänomene über die unterschiedliche Verteilung der Ionenkanäle am Herzen, die die elektrische Erregungsbildung und Erregungsausbreitung bedingen.

Ein weiterer Einflussfaktor ist der Östrogenspiegel vor der Menopause bzw. der Testosteronspiegel bei Männern.

Die bradykarde Rhythmusstörung wird bei Frauen häufiger durch einen kranken Sinusknoten, bei Männern dagegen durch einen kranken AV-Knoten verursacht.

Häufigste Form: Vorhofflimmern

Herzrhythmusstörungen sind für Menschen häufig belastend, da sie Herzstolpern oder Herzrasen verursachen können. Sie können aber auch völlig unbemerkt bleiben. Das Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen. Das Herz verliert beim Vorhofflimmern seinen typischen gleichmäßigen Sinusrhythmus, mit dem es das Blut normalerweise durch den Körper pumpt. Der Herzschlag ist dann unregelmäßig und meist beschleunigt.  

Rund zwei Prozent der Menschen in Deutschland leiden unter Vorhofflimmern. In der Altersgruppe der 70- bis 80-jährigen sind bereits rund 15 Prozent vom Vorhofflimmern betroffen.

Symptome eines Vorhofflimmerns

Vorhofflimmern ist charakterisiert durch einen unregelmäßigen, oftmals zu schnellen Herzschlag. Da sich ein zu schnell schlagendes Herz nicht gut füllen kann, gelangt zu wenig Blut in den Körper und es kommt zu Luftnot und Schwäche.

In vielen Fällen wird Vorhofflimmern nicht bemerkt, bei etwa einem Viertel der Patienten treten jedoch geringe oder starke Beschwerden auf wie Herzstolpern, Herzrasen, Luftnot bei Belastung, Schwindel oder allgemeine körperliche Schwäche.

Der natürliche Verlauf von Vorhofflimmern ist der Übergang von einer sporadischen Form, hin zu der anhaltenden Form, die nur schwer beendet werden kann. Das permanente Vorhofflimmern ist dauerhaft vorhanden und nicht mehr in den normalen Rhythmus zurückzubringen.

Verschleppung kann schwerwiegende Folgen haben
Das Vorhofflimmern ist zwar nicht lebensbedrohlich. Es kann aber unbehandelt schwerwiegende Folgen haben. Vor allem droht bei einem Vorhofflimmern die Bildung von Blutgerinnseln in den Herz-Vorhöfen. Werden diese verschleppt, kommt es zu Embolien oder auch einem Herzinfarkt. Die Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden, ist stark erhöht.

Ursachen & der Einfluss des Geschlechts

Die Hauptursache für Vorhofflimmern ist in 50 Prozent aller Fälle Bluthochdruck. Weitere Risikofaktoren sind das Alter, der übermäßige Genuss von Alkohol und die Vorerkrankungen Diabetes oder die koronare Herzkrankheit.

Die Häufigkeit von Vorhofflimmern nimmt mit dem Alter zu und tritt bei Männern in früherem Alter auf als bei Frauen. Hinzu kommt, dass Männer häufiger an einer koronaren Herzerkrankung leiden.

Frauen erkranken häufiger an Bluthochdruck, Herzklappenerkrankung und Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion als Männer.

Gendermedizin in der München Klinik

Geschlechtsunterschiede bei Gesundheit und Krankheit sind bedeutender als bisher angenommen. Diese Erkenntnis wird in der München Klinik ernst genommen. Weitere Informationen zur Gendermedizin und den gesamten Fachartikel "Geschlechtsunterschiede beim Vorhoflimmern" mit Literaturnachweis finden Sie auf der folgenden Seite.

Gendermedizin und Fachartikel "Geschlechtsunterschiede beim Vorhofflimmern"

Wie wird Vorhofflimmern behandelt?

Vorhofflimmern ist sehr gut behandelbar. Die Abklärung und Behandlung einer möglichen Grunderkrankung steht immer am Anfang der Vorhofflimmerbehandlung.

Die Einstellung des Blutdrucks ist dabei sehr wichtig. Dies gilt besonders für Frauen, die häufiger am sogenannten Bluthochdruckherz leiden.

Die drei Eckpfeiler der Behandlung sind:

  1. Vorbeugung von Schlaganfällen und Embolien
  2. Einstellung der Herzfrequenz mit Medikamenten
  3. Wiederherstellung des normalen Sinusrhythmus mit Medikamenten, mit Elektrokardioversion oder mit Katheterablation

Vorbeugung von Schlaganfällen und Embolien mittels Medikamenten

Frauen ab 65 Jahre, die zusätzliche Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herzschwäche aufweisen, erleiden häufigere und schwerere Schlaganfälle als Männer. Zur Verhinderung von Schlaganfällen werden Antikoagulantien eingesetzt. Dazu gehören Vitamin-K-Antagonisten (VKA) wie Phenprocoumon (z.B. Marcumar©) oder neue Antikoagulantien/Gerinnungshemmer (NOAK) wie Apixaban (Eliquis©), Dabigatran (Pradaxa©), Edoxaban (Lixiana©) oder Rivaroxaban (Xarelto©). Aspirin hat heute keinen Stellenwert mehr in der Behandlung von Vorhofflimmern, da es gegen die Gerinnselbildung bei Vorhofflimmern nicht wirkt und trotzdem Blutungskomplikationen verursachen kann. Das Schlaganfallrisiko unter der Behandlung mit VKA ist bei Frauen höher als bei Männern, während das Blutungsrisiko bei beiden Geschlechtern gleich ist.

Die neuen Medikamente (NOAK) verhindern Schlaganfälle bei Frauen und Männern gleichermaßen, während das Blutungsrisiko für Frauen niedriger ist. Frauen mit Vorhofflimmern bekommen jedoch seltener eine Antikoagulation verschrieben als Männer, da bei den oftmals älteren und gebrechlicheren Patientinnen das individuelle Blutungsrisiko als zu hoch eingeschätzt wird. Wir empfehlen, dass Frauen genauso wie Männer eine Therapie mit Antikoagulantien zur Vorbeugung von Schlaganfällen erhalten.

Einstellung der Herzfrequenz mit Medikamenten

Die Einstellung der Herzfrequenz erfolgt üblicherweise mit einem Betablocker, der die Herzfrequenz herabsenkt. Frauen reagieren auf Betablocker häufiger als Männer mit einem zu langsamen Puls im Sinusrhythmus, obwohl die Herzfrequenz bei Vorhofflimmern immer noch zu hoch ist (Bradykardie-Tachykardie-Syndrom).

Diese Erkrankung wird mit einem Herzschrittmacher in Kombination mit einem Betablocker behandelt. Weil dieses Phänomen häufiger bei Frauen als bei Männern auftritt, werden mehr Frauen bei Vorhofflimmern mit einem Herzschrittmacher behandelt.

Erhalt des normalen Sinusrhythmus mit Medikamenten

Bei Vorhofflimmern können spezifische Medikamente den normalen Sinusrhythmus erhalten und das Wiederauftreten von Vorhofflimmern unterdrücken. Dazu zählen z.B. Flecainid, Propafenon und Amiodaron. Die Medikamente wirken auf die Ionenkanäle am Herzen.

Durch die unterschiedliche Verteilung der Ionenkanäle kommt es bei Frauen aber öfter zu einer gestörten elektrischen Erholung des Herzens. Wird durch den Arzt diese Störung nachgewiesen, muss das Medikament abgesetzt werden, um schwerwiegende Herzrhythmusstörungen aus den Herzkammern zu vermeiden. Abhilfe kann dann die Katheterablation schaffen.

Katheterablation (Pulmonalvenenisolation), Cryoablation

In vielen Fällen kann Vorhofflimmern auch mit einem kathetergeführten minimal-invasiven Eingriff am Herzen, der sogenannten Katheterablation, behandelt werden. Üblicherweise werden dabei die Zentren der Entstehung des Vorhofflimmerns und zwar die Lungenveneneinmündungen elektrisch vom Vorhof „ab-isoliert“.

Anders ausgedrückt: das Gewebe im Bereich der Pulmonalvenen wird verödet.

Das Ergebnis, d.h. kein Vorhofflimmern mehr nach der Ablation, hängt vor allem davon ab, inwieweit die Vorhöfe bereits vergrößert sind und ob das Vorhofmuskelgewebe bereits durch Bindegewebe ersetzt wurde.

Eine neuere Methode ist die Cryoablation. Statt mit Strom wird der Bereich um die Pulmonalvenen mit Kälte verödet. Die dabei entstehende Narbe sorgt für die elektrische Isolation. Der Vorteil der Cryotechnik ist der sehr kurze Eingriff und die gute Verträglichkeit.

Kardioversion

Bei einer Kardioversion wird der Herzrhythmus durch elektrische Stöße von außen normalisiert. Sie funktioniert ähnlich wie eine Defibrillation. Der Patient wird an Überwachungsgeräte angeschlossen und kurz narkotisiert. Für den Bruchteil einer Sekunde wird über zwei Elektroden Strom in sein Herz geleitet. Das Herz fällt wieder in seinen normalen Rhythmus.

Betroffene mit einem paroxysmalen Vorhofflimmern, also einem anfallsartig wiederkehrendem Vorhofflimmern, können mit dieser Methode behandelt werden.

Herzschrittmacher-Implantation bei der bradykarden Herzrhythmusstörung

Ist der Herzrhythmus zu langsam oder setzt zwischendrin immer wieder aus, kann die Herzrhythmusstörung nur mit einem Schrittmacher behandelt werden.

Der Schrittmacher ist ein kleines batteriebetriebenes Gerät, das unter lokaler Betäubung eingesetzt wird. Durch regelmäßig ausgesendete elektrische Impulse an das Herz normalisert der Schrittmacher den Herzrhythmus.

Die lebensgefährlichste Form von Herzrhythmusstörungen: Kammerflimmern

Sie zählen zu den gefährlichsten Formen von Herzrhythmusstörungen: Kammerflattern und Kammerflimmern. Das Herz schlägt unkoordiniert und viel zu schnell.

Bei 250 bis 320 Schlägen pro Minute spricht man vom Kammerflattern. Zieht sich der Herzmuskel öfter als 320 Mal pro Minute zusammen, handelt es sich um Kammerflimmern. Das Blut wird dann nicht mehr vom Herz durch den Körper gepumpt.

Mediziner bezeichnen diesen Zustand daher auch als funktionellen Herzstillstand. Es besteht absolute Lebensgefahr. Ohne Behandlung endet ein Kammerflimmern nach wenigen Minuten tödlich.

Meist sind die Ursachen für diese Herzrhythmusstörungen Herzerkrankungen wie z.B. Herzinsuffizienz, koronare Herzerkrankungen, Herzinfarkt, Herzmuskelentzündung oder auch angeborene Herzfehler. Aber auch Narkosemittel, Medikamente oder Magnesium- oder Kaliummangel können die Ursachen für Kammerflimmern oder Kammerflattern sein.

Unsere Spezialistinnen & Spezialisten für Herzrhythmusstörungen

Berichte aus unseren Münchner Zentren für Herz und Gefäße

Neuigkeit
16.10.2019

TAVI-Zentrum erneut zertifiziert

Gütesiegel für den kathetergestützten Aortenklappenersatz (TAVI) von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie verliehen.

Zum Newsartikel
Neuigkeit
09.10.2019

Deutsche Herzwochen: Plötzlicher Herztod

Anfang November geht es eine ganze Woche lang nur um den Plötzlichen Herztod und wie man sich davor schützen kann. Informieren Sie sich.

Zum Newsartikel
Neuigkeit
23.09.2019

Erfolgreicher Aktionstag Wiederbelebung

Gemeinsam mit der Feuerwehr München führten wir Interessierte in die Grundlagen der Wiederbelebung ein.

Zum Newsartikel
Neuigkeit
16.09.2019

Woche der Wiederbelebung

Mehr Menschen können gerettet werden, wenn Anwesende handeln und erste Hilfe leisten. Experten zeigen das richtige Verhalten im Ernstfall.

Zum Newsartikel
Neuigkeit
24.06.2019

Die Hitze-Welle ist da

Mit über dreißig Grad schlägt die Hitzewelle zu. Unsere Experten geben Tipps, wie man die hochsommerlichen Temperaturen übersteht.

Zum Newsartikel
Neuigkeit
04.06.2019

Wie fit ist Ihre Lunge?

Mit unserem Schnelltest können Sie ganz einfach zu Hause Ihr Lungenvolumen bestimmen.

Zum Newsartikel
Neuigkeit
31.05.2019

Rauchfreitag

Die München Klinik ruft auf zum Rauchfreitag – Weil weniger Rauch mehr ist. Schaffen Sie einen Tag?

Zum Newsartikel
Neuigkeit
31.05.2019

Wie hoch ist Ihr COPD-Risiko?

Husten, Schleim oder Atemnot? Machen Sie den Test und erfahren Sie, ob bei Ihnen ein erhöhtes COPD-Risiko besteht.

Zum Newsartikel
Neuigkeit
11.04.2019

Aktuelle Münchner G'schichte

Roland Dotzler ist ein kerniger, durchtrainierter Mann. Ein plötzlicher Stich in der Brust ändert sein Leben.

Zum Newsartikel
Neuigkeit
08.04.2019

Aktuelle Münchner G'schichte

Bakterien zerstörten sein Herz. Der Medizin-Nobelpreisträger Bert Sakmann schwebte in Lebensgefahr.

Zum Newsartikel
Neuigkeit
28.01.2019

Kältewelle: Vorsicht bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Kälte und Eis erhöhen nicht nur die Sturzgefahr, sondern sorgen auch für Dauerstress für den Herzmuskel.

Zum Newsartikel
Neuigkeit
14.12.2018

Aktuelle Münchner G'schichte

Es sollte eigentlich ein ganz normaler Arbeitstag werden. Doch er begann dramatisch.

Zum Newsartikel
Neuigkeit
10.10.2018

Deutsche Herzwochen - Herz aus dem Takt

Im Rahmen der Deutschen Herzwochen der Deutschen Herzstiftung informieren wir ab dem 05.11. zum Thema "Vorhofflimmern und Gerinnungshemmung".

Zum Newsartikel
Neuigkeit
19.09.2018

Werden Sie Lebensretter!

Anlässlich der Woche der Wiederbelebung rufen wir alle Münchner Bürger auf, im Ernstfall Lebensretter zu werden.

Zum Newsartikel
Neuigkeit
17.09.2018

Cardiac Arrest Center

Neues Kompetenzzentrum zur spezialisierten Versorgung von Reanimationspatienten nach neuesten nationalen Qualitätsstandards.

Zum Newsartikel
Neuigkeit
27.08.2018

Gesunde Herzen für München

Die Weltstadt mit Herz zeigte sich am 25.08. herzgesund. Mehr als 10.000 Bürger besuchten die große Erlebnisveranstaltung.

Zum Newsartikel
Neuigkeit
27.10.2017

Aktuelle Münchner G'schichte

1000 Herzen und ein Weltrekord: Mit Hightech wieder den Lebensabend genießen.

Zum Newsartikel
Neuigkeit
06.10.2016

Lebensrettender Herzklappen-Ersatz

Wir erfüllen erfolgreich die strengen Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - als eines der wenigen in Deutschland zertifizierten…

Zum Newsartikel