Herzschrittmacher, Defibrillator

Herzschrittmacher und Defibrillatoren sind kleine elektrische Geräte. Sie unterstützen ein erkranktes Herz, wieder im richtigen Takt zu schlagen bzw. beenden zu schnelle Herzschläge mit einem Stromschlag. Herzschrittmacher werden eingesetzt bei Herzrhythmusstörungen, die durch einen zu langsamen Herzschlag oder durch längere Unterbrechungen gekennzeichnet sind. Defirbillatoren schützen vor Kammertachykardien oder das Kammerflimmern, die man auch als „elektrische Unfälle“ im Herzen bezeichnen könnte.

Welche Arten von Herzschrittmachern gibt es?

Grundsätzlich bestehen Herzschrittmacher aus einem Computer-Chip und einer Lithium-Batterie, die von einem gemeinsamen Metallgehäuse umgeben sind. Elektroden, speziell ummantelte Drähte, stellen die Verbindung zu einer oder mehreren Herzkammern her.

Je nach Anzahl der Elektroden spricht man von Einkammer-, Zweikammer- oder Dreikammersystemen.

Seit wenigen Jahren gibt es auch kleine Mini-Schrittmacher, sogenannte Kardio-Kapseln, die ganz ohne Elektroden auskommen. 

Als eine der ersten großen Herzzentren in Deutschland haben wir seit 2016 weitreichende Erfahrungen mit sondenlosen Herzschrittmachern gesammelt. Diese innovativen, kapselförmigen Geräte werden mittels eines Herzkatheters direkt im Herzen platziert. 

Die sondenlosen Schrittmacher sind deutlich kleiner und leichter als herkömmliche Schrittmacher. Bislang können nur Patienten, die einen Einkammer-Herzschrittmacher benötigen, von dieser neuen Technik unter dem Namen Micra® Kardiokapsel profitieren.

Wann kommt welches System zum Einsatz?

Wie viele Herzkammern mit dem Herzschrittmacher verbunden sein müssen, hängt davon ab, welche Herzrhythmusstörung vorliegt.

  • Einkammer-Systeme
    Einkammer-Systeme kommen in der Regel dann zum Einsatz, wenn ein Vorhofflimmern mit langsamem Herzschlag vorliegt.
  • Zweikammer-Systeme
    Zeigt sich ein schwacher Herztaktgeber (Sinusknoten) und zudem eine Erkrankung des AV-Knotens, benötigt man Zweikammer-Systeme.
  • Dreikammer-Systeme
    Bei ausgeprägter Herzschwäche und (meist) einem Linksschenkelblock, raten wir zu Dreikammer-Systemen, um den Herzschlag in den beiden Kammern synchronisieren zu können. Der Dreikammer-Schrittmacher wird daher auch CRT-Schrittmacher genannt, entsprechend der englischen Begriffe „Cardiac Resynchronisation Therapy“.

Wie funktioniert ein Herzschrittmacher?

Kann man überhaupt noch alles machen?

Sämtliche modernen Schrittmacher nehmen über die Elektroden zunächst den natürlichen Herzrhythmus wahr und geben nur bei Bedarf elektrische Impulse ab, damit das Herz rechtzeitig und somit regelmäßig schlägt.

Heutige Schrittmacher stellen sich darauf ein, wie aktiv ihr Träger gerade ist. Sie passen ihren Rhythmus beispielsweise auf sportliche Bewegung oder Ruhephasen an.

Muss immer ein Herzschrittmacher eingesetzt werden?

Sind die Herzrhythmusstörungen mit lebensbedrohlichen Risiken verbunden, dann raten wir auf jeden Fall zu einer Schrittmacher-Therapie.

Sind die Symptome nicht lebensbedrohlich, wägen wir gemeinsam mit jedem einzelnen Patienten ab, ob die Therapie für ihn sinnvoll ist. „Manche Menschen können sich mit einem verlangsamten Herzrhythmus, auch wenn dieser mit einer gering verminderten körperlichen Leistungsfähigkeit einhergeht, arrangieren“, berichtet Dr. Sebastian Reif, Oberarzt in der Klinik für Kardiologie der München Klinik Bogenhausen.

Für andere Patienten jedoch seien die Beschwerden derart störend, dass sie sich für einen Herzschrittmacher entscheiden. Bei den Empfehlungen orientieren sich unsere Kardiologen stets an den neuesten medizinischen Leitlinien, die deutschlandweit anerkannte Experten dieses Fachs gemeinsam erarbeitet haben und in die alle aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse einfließen.

Welche Arten von Defibrillatoren gibt es?

Defibrillatoren sind in der Regel etwa streichholzschachtel-groß und damit größer als die Herzschrittmacher. Sie enthalten einen Computerchip, der sowohl Elektroschocks auslösen als auch einen zu langsamen Herzschlag regulieren kann. Demzufolge übernimmt ein implantierter Defibrillator gleichzeitig die Funktion eines Herzschrittmachers.

Da Elektroschocks mehr Energie benötigen, enthalten Defibrillatoren größere Batterien als Herzschrittmacher, weshalb das einzupflanzende Gerät größer ausfällt. Da die Patienten oftmals unter vielfältigen Formen von Herzrhythmusstörungen leiden, gibt es bei den Defibrillatoren wie bei den Herzschrittmachern Einkammer-, Zweikammer- und Dreikammer-Systeme.

Dreikammer-Systeme synchronisieren zusätzlich die Aktivität der linken und der rechten Herzkammer. Bei ausgeprägter Herzschwäche und deutlich verminderter Auswurfskraft des Herzens kommt es häufig zu asynchronen Herzschlägen; die Herzkammern schlagen nicht gleichzeitig. Diesen Patienten raten wir zu speziellen implantierten Defibrillatoren (ICD) mit drei Elektroden, die entsprechend dem englischen Fachbegriff „Cardiac Resynchronisation Therapy“ auch CRT-ICDs genannt werden. Da diese Geräte den Herzschlag synchronisieren, bessert sich die Pumpfunktion des Herzens.

Defibrillatoren ohne Elektroden

Seit einigen Jahren besteht auch die Möglichkeit, Defibrillatoren unter die Haut einzubringen, die komplett ohne Elektroden im Herzen arbeiten können. Diese sogenannten subkutanen Defibrillatoren werden nicht in der Nähe des Schlüsselbeins, sondern an der linken Brustkorbwand implantiert.

Die für die Überwachung der Herzschlagfrequenz und den Elektroschock erforderliche Elektrode verläuft unter der Haut parallel zum Brustbein, berührt also weder das Herz noch irgendeine Ader.

Wann wird ein Defibrillator eingesetzt?

Herzrhythmusstörungen können auch zu deutlich beschleunigter Aktivität des Herzens führen. Die Mediziner sprechen in diesen Fällen von Kammertachykardien. Durch die zu schnell aufeinanderfolgenden Herzschläge pumpt das Herz nur noch ineffektiv und kann die Organe nicht mehr mit ausreichend Blut versorgen.

Schwindel und Ohnmacht können dann die Folge sein. In der Extremform, beim Kammerflimmern, schlägt das Herz so schnell, dass es fast gar kein Blut weiterbefördert. Dies kann zu einem plötzlichen Herztod führen.

Patienten, die bereits einmal ein lebensbedrohliches Kammerflimmern oder eine vergleichbare Situation mit rasenden Herzschlägen durchlitten haben und möglicherweise sogar reanimiert werden mussten, empfehlen wir, sich einen Defibrillator einsetzen zu lassen. Denn es besteht ein hohes Risiko, dass erneut ein Zustand eintritt, der zum plötzlichen Herztod führen könnte.

Doch auch Patienten, die noch keine lebensbedrohliche Situation durchgemacht haben, bei denen unsere Kardiologen aber ein hohes Risiko für den plötzlichen Herztod erkennen, versorgen wir mit implantierten Defibrillatoren. Dazu zählen Betroffene mit einer hochgradig eingeschränkten Herzleistung, z.B. aufgrund einer Herzinsuffizienz.

Wie funktioniert ein Defibrillator?

Die implantierten Defibrillatoren sind über eine oder mehrere Elektroden mit dem Herzen verbunden. Ein ICD, der ausschließlich zu schnelle Herzschläge verhindern soll, kommt mit einer einzigen Elektrode in die rechte Herzkammer aus. In Krisensituationen versucht der implantierte Kardioverter-Defibrillator zunächst, die Kammertachykardie zu unterbinden, indem er für den Patienten nicht spürbare Impulse abgibt.

Wenn diese sogenannte Überstimulation nicht ausreicht, kann der implantierte Defibrillator einen stärkeren Stromschlag abgeben, der die chaotische Erregung in der Herzkammer unterbricht. Diese Maßnahme wird als „interne Defibrillation“ bezeichnet, im Gegensatz zur Defibrillation, die in Notfällen von außen erfolgt.

 

Wie herkömmliche Herzschrittmacher / Defibrillatoren eingesetzt werden

In der Regel benötigen die Patienten keine Narkose. Sie erhalten stattdessen eine Sedierung, die Schlafmittel und Schmerzmedikamente kombiniert, aber keiner künstlichen Beatmung bedarf. 

Bei der Operation sind mindestens drei Personen anwesend: Neben dem Kardiologen eine Pflegekraft, die assistiert, und eine weitere Pflegekraft, die das EKG und die Atmung des Patienten sorgfältig überwacht.

Herzschrittmacher setzen wir meist an der rechten Seite, einige Zentimeter unter dem Schlüsselbein im Unterhautfettgewebe ein. Bevor wir den etwa vier Zentimeter langen Hautschnitt anbringen, wird die Region zusätzlich örtlich betäubt. Unsere Kardiologen bauen zunächst eine Höhle im Gewebe, um das Gerät später dort platzieren zu können.

Dann schieben sie die notwendigen Elektroden – speziell ummantelte Kabel – durch eine Vene, die unter dem Schlüsselbein verläuft, in die Herzkammern oder den Vorhof. Dies geschieht unter permanenter Kontrolle auf einem Röntgenbildschirm.

Während Herzschrittmacher in vielen Fällen an der rechten Seite platziert werden, bringen wir Defibrillatoren vorzugsweise an der linken Seite unter dem Schlüsselbein ein. Der Hautschnitt fällt mit meist etwa fünf Zentimetern etwas länger aus als beim Herzschrittmacher, da die implantierten Defibrillatoren wegen der Elektroschock-Funktion größer ausfallen müssen.

Fixierung der Elektroden

Sobald die Elektroden in einer guten Position im Herzen liegen, messen die Kardiologen deren Funktion. Zeigen sich gute Funktionswerte, befestigen sie die Elektrode im faserigen Gewebe des Herzmuskels. Dies kann mittels ausfahrbarer Mini-Schrauben oder Ankern geschehen.

Sobald die Elektroden gut fixiert sind, schieben wir ihr oberes Ende in den Herzschrittmacher ein und fixieren sie mittels Schrauben.

Das Gerät selber setzen wir in der vorgeformten Höhle ein, passen die Hautschichten an und verschließen die Nähte. Am Ende kontrollieren wir nochmals mittels Röntgenaufnahmen, dass die Elektroden sich tatsächlich an der richtigen Stelle befinden.

Auch bei der Defibrillator-Implantation bringen wir die Elektroden unter Röntgenkontrolle im Herzen ein und befestigen sie im Herzmuskelgewebe. Die weiteren Schritte erfolgen genauso wie bei der Herzschrittmacher-Implantation.

Programmierung des Herzschrittmachers

Der Herzschrittmacher, der in der Regel auf 60 Herzschläge pro Minute voreingestellt ist, beginnt sofort zu arbeiten. Mittels eines Schrittmacher-Programmiergeräts können wir die Einstellungen jedoch auf die individuellen Bedürfnisse des einzelnen Patienten anpassen. 

Das erfolgt zum Teil gleich nach der Operation, spätestens aber am nächsten Tag. Die Programmierung geschieht von außen durch die Haut und belastet die Patienten nicht.

Wie sondenlose Herzschrittmacher eingesetzt werden

Bei den sondenlosen Herzschrittmachern ist kein längerer Schnitt erforderlich, um den Schrittmacher zu platzieren. Stattdessen erfolgt ein kleiner Schnitt in der Leistenregion, um die Kardiokapsel mittels eines Herzkatheter-Schlauchs durch eine Vene in die rechte Herzkammer zu führen und dort zu verankern. Dieser Eingriff erfolgt unter permanenter Röntgenkontrolle.

Der Vorteil der innovativen Geräte besteht darin, dass eventuelle (seltene) Komplikationen, die beim Einbringen der Elektroden oder durch mögliche Infektionen oder Verschleißerscheinungen an den Elektroden auftreten können, nochmals reduziert sind.

In der München Klinik Bogenhausen sind wir eins der erfahrensten Zentren bundesweit, was diese innovative Herzschrittmacher-Technik anbelangt. Zahlreiche Patienten haben unsere Kardiologen bereits mit diesen neuartigen Systemen versorgt – mit sehr zufriedenstellenden Ergebnissen. Oberarzt Dr. Sebastian Reif ist überzeugt, dass derartige Kapseln die Zukunft der Schrittmachertechnologie bestimmen werden: „Auch für Mehrkammer-Systeme laufen bereits Entwicklungen, die aufhorchen lassen.“

Wie subkutane Defibrillatoren eingesetzt werden

Für Patienten, bei denen das Risiko eines plötzlichen Herztods aufgrund deutlich zu schneller Herzschläge besteht, die aber keinen Herzschrittmacher benötigen, stellen subkutane Defibrillatoren eine Alternative dar.

„Subkutan“ bedeutet „unter der Haut“ und drückt in diesem Fall aus, dass keine Elektroden in Venen oder im Herzen gelegt werden, wodurch das Risiko bei diesem Eingriff geringer ausfällt. 

Der subkutane Defibrillator ist größer als das konventionelle Gerät und wiegt etwa doppelt so viel. Eingesetzt wird er an der linken Brustkorbwand. Eine Elektrode, die im Notfall den Elektroschock abgibt, verläuft unter der Haut hinüber zum Brustbein und dann parallel zum Brustbein nach oben.

Wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass die Elektrode der subkutanen Defibrillatoren eine längere Haltbarkeit aufweist als herkömmliche Elektroden. Derzeit läuft eine große Vergleichsstudie, doch stehen deren Ergebnisse noch aus.

Unsere Spezialistinnen und Spezialisten für Herzschrittmacher, Defibrillator

Prof. Dr. med. Ellen
Chefärztin
Prof. Dr. med. Ellen Hoffmann
München Klinik Bogenhausen München Klinik Schwabing
Dr. med. Bernhard
Ärztliche Leitung
Dr. med. Bernhard Nagel
PD Dr. habil. Tobias
Leitender Oberarzt, Leiter Herzkatheterlabor
PD Dr. habil. Tobias Heer, FESC
Dr. med. Theresa
Funktionsoberärztin - Schwerpunkt Herzschrittmacherambulanz
Dr. med. Theresa Luhmann

Kontrolluntersuchung vor dem Eingriff

In der München Klinik werden Herzschrittmacher-Patienten in der Regel einen Tag vor dem geplanten Eingriff noch einmal genau untersucht. Beispielsweise könnte, ein verlangsamter Herzschlag auch durch ein Medikament bedingt sein und sich wieder normalisieren, sobald das Medikament abgesetzt wird. Um auszuschließen, dass in solchen Fällen ein Herzschrittmacher implantiert wird, gehen unsere Kardiologen mit großer Sorgfalt vor.

Soll ein implantierten Defibrillator eingesetzt werden, wird häufig sowohl eine Herzkatheter-Untersuchung als auch bedarfsweise eine Kernspin-Untersuchung (MRT) des Herzens durchgeführt.

Sobald wir alle Untersuchungsergebnisse gesichtet haben, klären wir die Patienten ausführlich über den geplanten Eingriff, den Nutzen der vorgesehenen Therapie mittels der Geräte und auch über die Risiken und mögliche Alternativen auf. Wir nehmen uns viel Zeit für diese Gespräche, so dass die Patienten all ihre offenen Fragen klären können.

Nach dem Eingriff

Was nach der Operation geschieht

Am Tag nach der Operation überprüfen unsere Kardiologen die Wunde und nehmen stets eine komplette Herzschrittmacher- und Defibrillatoren-Kontrolle vor, bei der sie die aktuellen Messwerte einbeziehen. Mittels technisch ausgefeilter Programmiergeräte stellen wir die Schrittmacher und Defibrillatoren so ein, dass sie die Sicherheit und Lebensqualität unserer Patienten bestmöglich unterstützen.

Zudem erhalten die Patienten ausführliches Informationsmaterial über das Leben mit dem Herzschrittmacher oder Defibrillator. In der Regel können die Patienten dann am zweiten Tag nach dem Eingriff heimgehen.

Nachsorge

In welchen Zeiträumen Kontrollen ratsam sind

Die Nachsorge nach einer Herzschrittmacher- oder Defibrillator-Implantation kann entweder in der München Klinik oder bei einem niedergelassenen Kardiologen erfolgen. Wir arbeiten sehr eng mit den niedergelassenen Ärzten zusammen, die jederzeit mit uns Rücksprache nehmen können.

Bei einem Herzschrittmacher erfolgt eine erneute Kontrolle etwa sechs bis zwölf Wochen nach der Implantation, beim Defibrillator nach drei bis sechs Monaten. Danach erfolgen weitere regelmäßige Kontrollen, um die Programmierung des Geräts an den Gesundheitszustand des Patienten anzupassen und die langfristige Haltbarkeit der Batterien sicherzustellen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Überblick