Sherlock Blood

Blut verrät eine Menge über die Gesundheit.

Wie Detektive müssen Labormediziner Blutproben genau analysieren, um Krankheiten auf die Spur zu kommen. Wir erzählen die Geschichte, wie aus einem Verdacht Gewissheit wird: Der erhöhte Wert von Immunglobulin A gibt den entscheidenden Hinweis. Spoiler: Der Patient hat eine Nierenentzündung.

Dem Blut auf der Spur

Als Werner S. eines Nachts auf die Toilette geht, traut er beim Blick in die Schüssel seinen Augen kaum: Der Urin ist blutrot. Auch am nächsten Morgen ist es wieder da, wieder färbt Blut den Urin rot. Der 60-Jährige geht noch am selben Tag zum Arzt. 

Der Arzt entnimmt Blut- und Urinproben und sendet sie ins Labor der München Klinik in Schwabing. 

Die erste Spur finden die Labormediziner im Blut aus dem Urin. Unter dem Mikroskop zeigt sich, dass viele rote Blutkörperchen von S. geschädigt sind. Sie sehen aus wie verformte Ringe. Aus den Wülsten stülpen sich kleine Blasen, die an Mickymaus-Ohren erinnern. Die Blutkörperchen sind verändert, Ärzte nennen sie Akanthozyten. Damit ist bewiesen, dass das Blut aus der Niere kommt, da Akanthozyten nur in der Niere entstehen können.

Aus Spuren werden Muster

Eiweiße im Urin führen auf eine zweite Spur. Dass Werner S. viel Eiweiß im Urin hat, zeigt schon die Eingangsuntersuchung mit einem Teststreifen. Im Anschluss ermitteln die Mediziner dann erhöhte Werte für die speziellen Eiweiße Albumin, Immunglobulin G und Alpha-1-Mikroglobulin im Urin des Patienten. Der Befund bei Werner S. ist eindeutig.

„Es liegt eine Schädigung des Nierengewebes vor.“
Prof. Dr. Walter Hofmann, Chefarzt Klinische Chemie

Wie stark die Nierenfunktion beweinträchtigt ist, soll der Kreatininwert anzeigen. Daher wird noch das Blutserum untersucht. Je höher der Wert, desto weniger funktionieren die Nieren. Bis 1,2 Milligramm pro Deziliter sind bei Männern normal. Bei S. ergibt die Messung 1,4 Milligramm.

Und noch ein Stoff im Blutserum von S. ist verändert: Immunglobulin A, abgekürzt IgA. Auch dieser Wert ist erhöht. Nierenkörperchen werden geschädigt, wenn sich Immunkomplexe, die IgA enthalten, dort ablagern. Diese Spur führt schließlich zur Verdachtsdiagnose.

Werner S. hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Nierenentzündung des Typs IgA-Nephritis. Weitere Untersuchungen wie beispielsweise eine Nierenbiopsie können die Verdachtsdiagnose absichern. Die Prognosen bei solchen Entzündungen sind oft gut. Bei S. ist sie zudem nicht weit fortgeschritten.

Es genügt, wenn Werner S. Medikamente gegen den Bluthochdruck einnimmt, auf seinen Kochsalzkonsum achtet und sein Blut regelmäßig kontrollieren lässt. Aufatmen also.

Eine Frage der Werte

Blutmessungen spielen bei der Diagnostik vieler Krankheiten eine wichtige Rolle.

DIABETES MELLITUS
Der HbA1c-Wert zeigt, wie hoch der durchschnittliche Zuckergehalt im Blut in den vergangenen acht bis zwölf Wochen war. Erhöhte Werte weisen auf einen möglichen Diabetes mellitus hin.

HERZINFARKT
Hinweise auf eine Schädigung des Herzmuskels geben der Eiweißkomplex Troponin und die Kreatinkinase-MB-Masse. In Notfällen ist die Verlaufskontrolle der Parameter wichtig. Die Erstmessung erfolgt bei Eintreffen in der Notaufnahme, die zweite Bestimmung nach drei Stunden.

FETTSTOFFWECHSELSTÖRUNG
Cholesterin und Triglyceride können Hinweise auf eine Fettstoffwechselstörung geben. LDL-Cholesterin sollte nicht erhöht sein, wohingegen beim HDL-Cholesterin durchaus höhere Konzentrationen sogar erwünscht sind.

Department Klinische Chemie - Speziallabor der München Klinik

Alle Spezialuntersuchungen für die Häuser der München Klinik findem in der München Klinik Schwabing statt. Für Notfälle gibt es an den Klinikstandorten eigene Labore. Alles in allem sind es mehr als fünf Millionen Untersuchungen jedes Jahr.

60 bis 70 Prozent aller Diagnosen werden heute auf der Basis von Blutuntersuchungen gestellt.

Labormedizin der München Klinik

Richtfest für neues Zentrallabor

Neues Zentrallabor in Neuperlach

Unsere Geschichten für Sie: Viel Freude beim Lesen!