Münchner Geschichte: Beckenbodenhilfe in Nepal

Ein Gynäkologe am Dach der Welt

Mit Nepal verbinden die meisten Menschen viele Tempel, das Himalaya und vor allem den Mount Everest. Dr. Olaf Neumann, Chefarzt der Frauenklinik der München Klinik Schwabing hat eine ganz eigene, persönliche Bindung zu dem Land und seiner Bevölkerung.  

Die Frauen vor Ort leiden

Alle zwei Jahre reist Neumann nach Nepal. Nicht um das Land zu bereisen und seine Kultur und Natur näher kennen zu lernen, sondern um etwas zu bewirken. Nämlich die Verbesserung der medizinischen Versorgung der nepalesischen Frauen.

In Nepal ist die medizinische Versorgung schlecht, vor allem auf dem Land. Eine Infrastruktur ist kaum vorhanden, da kann es schon vorkommen, dass für 25 km vier Stunden benötigt werden. Dementsprechend hoch ist die Frauensterblichkeit, vor allem bei den Geburten, da es vor Ort in den Dörfern weder Ärzte noch Krankenhäuser gibt.

Harninkontinenz, Blasen- oder Beckenbodensenkung scheinen in dem Zusammenhang für die Frauen eher nebensächlich zu sein. Doch die Frauen leiden, nicht nur an ihrer Erkrankung, sondern auch an sozialer Ausgrenzung. Hauptproblem ist dabei der unwillkürliche Urinverlust, an dem jede dritte Nepalesin leidet.  

50 kg und mehr? Für Nepalesinnen kein Problem. Mit schweren Folgen

Nepalesische Frauen müssen bereits als Mädchen schwer körperlich arbeiten und tragen auch später Lasten, die schwerer sind als sie selbst. 50 Kilogramm auf dem Rücken plus eine weitere Last auf dem Kopf sind keine Seltenheit. Zudem bekommen sie bereits in jungen Jahren viele Kinder. Das wirkt sich negativ auf den Beckenboden aus.

Schädigungen des Beckenbodens, Gebärmuttersenkungen und Inkontinenz sind die Folge. „Häufig kann dann nur eine Operation helfen, die das Gewebe stützt und anhebt“, erklärt der Gynäkologe.

Andere Bedingungen – für beide Seiten

Gemeinsam mit einem Team aus einem Narkosearzt, einem weiteren Gynäkologen und einem Assistenten ist Neumann am Sushma Koirala Memorial Hospital in Sankhu tätig, um dort Frauen mit Inkontinenz und Gebärmuttersenkungen zu behandeln. 

Sankhu liegt circa 17 Kilometer von der Hauptstadt Kathmandu entfernt. Für die deutschen Operateure sind die Bedingungen vor Ort immer eine Umstellung, weisen die Standards doch erhebliche Unterschiede auf. „Aber man gewöhnt sich schnell dran“, so Neumann.

Neumann und sein Team operieren nicht nur die Frauen, sondern führen auch mit den Ärzten vor Ort Workshops durch, um sie z.B. in neue OP-Techniken bei Beckenbodenrekonstruktionen zu unterweisen. „Obwohl der Behandlungsbedarf groß ist, gibt es für die vorherrschenden Krankheitsbilder zu wenig ausgebildete Operateure“, so Neumann.

Daher findet neben den Besuchen vor Ort auch immer ein regelmäßiger Austausch statt. Dazu gehören Fachkongresse mit Vorträgen von Deutschen und Nepalis sowie regelmäßige Hospitationen. Auch bei ihm in der München Klinik Schwabing waren bereits Ärztinnen, die bei Operationen assistierten.

Die Freude ist groß

Im Sushma Koirala Memorial Hospital werden die Ärzte von den einheimischen Pflegekräften unterstützt, die in Arbeitsabläufen und Hygienemaßnahmen geschult werden. „Die Arbeit vor Ort ist mir immer eine Freude. Die herzliche Art der Nepalesen und die Dankbarkeit der Frauen nach geglückter Operation bleiben einem im Gedächtnis“, erzählt der erfahrene Beckenbodenchirurg.

Das Sushma Koirala Memorial Hospital

Das Sushma Koirala Memorial Hospital (SKMH) in Sankhu/Kathmandu, Nepal wurde 1996 als ein medizinisches Hilfsprojekt für Plastische Chirurgie des gemeinnützigen Vereins INTERPLAST Germany e.V. in Kooperation mit dem nepalesischen Partner Sushma Koirala Memorial Trust gegründet und 1997 in Betrieb genommen.

Vorrangig, um Verbrennungsopfer zu behandeln, denn die Menschen vor Ort leben in sehr einfachen Verhältnissen, mit offenen Feuerstellen. Insbesondere Kinder verbrennen sich dann schwer.

Das Hospital trägt sich fast ausschließlich aus privaten Geld- und Sachspenden, die überwiegend aus Deutschland kommen. Zusätzlich unterstützen ehrenamtlich engagierte Ärzte und Helfer die Mediziner und Pflegekräfte vor Ort.

Im Krankenhaus werden vor allem arme Leute kostenlos medizinisch behandelt. Neben dieser Aufgabe soll durch Aus- und Weiterbildung von nepalesischen Ärzten und Schwestern auch Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden.

Deutsch-Nepalesische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

Die Deutsche Fachgesellschaft für Gynäkologie gründete die Deutsch-Nepalesische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, um in dem Hospital mit Spendengeldern eine Gynäkologie aufzubauen.

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