Der Blutzwilling

Stammzellen sind für unseren Körper enorm wichtig. Sie können unbegrenzt wachsen, bringen also neue Stammzellen hervor oder verwandeln sich in andere Körperzellen. Die blutbildenden Stammzellen des Knochenmarks produzieren u.a. die roten und weißen Blutkörperchen. Läuft bei der Produktion etwas schief, können Blutkrankheiten wie Leukämie entstehen. Wie bei Peter Obermeier. Sein Knochenmark produzierte zu wenige funktionstüchtige Blutzellen.

Die niederschmetternde Diagnose: Leukämie

Alles begann mit einer harmlosen Mandelentzündung. Der 71-jährige ging zu seinem Hausarzt und ließ sich behandeln. Aus Routine nahm sein Arzt noch Blut ab und ließ für einen Gesundheitscheck ein Blutbild machen. Die Werte waren beunruhigend. Er wurde sofort ins Klinikum Rosenheim für weitere Bluttests überwiesen.

Nach zwei Wochen stand der Befund fest. Der ehemalige Bundeswehrausbilder war an einem myelodysplastischen Syndrom (MDS) erkrankt. Das Syndrom ist eine Vorstufe der Leukämie und zählt zu den häufigsten bösartigen Bluterkrankungen bei Erwachsenen. Für Obermeier ein Schock, war er doch sein Leben lang gesund gewesen.

„Ich dachte, es sei das Alter“

Die Krankheit entwickelt sich nicht von heute auf morgen. Schon Monate vorher spürte er einen Leistungsabfall, den er aufs Alter schob. Bestieg er vorher Berggipfel ohne Probleme, schaffte er diesmal gerade so den Aufstieg.

Im Nachhinein ein klares Indiz, hatte er doch zu wenig rote Blutkörperchen, die für den Sauerstofftransport zuständig sind.

Auf der Suche nach dem Blutzwilling

Unbehandelt ist das MDS eine tödliche Erkrankung. Eine Chance auf Heilung gibt es nur bei der allogenen Stammzelltransplantation, wie sein Arzt in der München Klinik Schwabing - Prof. Dr. Christian Straka - erklärt, in die er überwiesen wurde. Blutstammzellen eines genetisch kompatiblen Spenders werden dem Erkrankten mittels Transfusion übertragen. Klingt einfach, ist es aber nicht.

Das Problem: Die Gewebestruktur muss von Spender und Empfänger übereinstimmen, damit es zu keiner Abstoßungsreaktion kommt. Die Suche kann Wochen oder Monate dauern. „Die Ungewissheit, ob sich ein Spender findet, zerrt an den Nerven.“ In der Zwischenzeit musste er sich einer Chemotherapie unterziehen.

Der Tag 0 beginnt

Eine Woche vor Weihnachten erhielt Obermeier den erlösenden Anruf, dass ein geeigneter Spender gefunden wurde. Für ihn das schönste Weihnachtsgeschenk. Ein halbes Jahr nach der Diagnose begann für ihn der Tag 0. An diesem Tag erhielt er ein völlig neues blutbildendes System, in der Medizin als Tag 0 bezeichnet.

Nach drei Wochen konnten in seinem Blutbild erstmals wieder 100 gesunde Leukozyten nachgewiesen werden. Klingt wenig, ist es auch. Bei gesunden Menschen liegt der Wert zwischen 4.000 und 10.000. Aber für Obermeier und seine Ärzte der Nachweis, dass die Spende erfolgreich war.

Es geht aufwärts

Nach sechs Wochen waren seine Leukozyten auf den Normalwert angestiegen und Obermeier konnte entlassen werden. Aber auch acht Monate später ist die Erkrankung noch nicht ausgestanden. Sein neues Immunsystem hat seine Haut noch nicht als ihr eigenes Organ erkannt und versucht, sie abzustoßen.

„„Ich muss Medikamente gegen die Abstoßungserscheinungen nehmen, muss Menschenmengen meiden und darf mich nicht der direkten Sonne aussetzen.““
Peter Obermeier

Aber das stört ihn nicht. Hauptsache er wird wieder gesund.

Wer sein Spender ist?

Bis heute weiß er nicht, wem er seine lebensrettende Spende zu verdanken hat. Ihm wurde nur mitgeteilt, dass der Spender aus Bayern stammt. Ansonsten bleiben die Spender anonym. Obermeier ist unendlich dankbar.

Denn nicht immer findet sich ein passender Spender. In Deutschland sind über acht Millionen Menschen als Stammzellspender registriert. Weltweit gerade mal über 35 Millionen.

Onkologische Expertise in der München Klinik

Das myelodysplastischen Syndrom (MDS) ist eine Erkrankung, die vor allem Ältere trifft. Die München Klinik Schwabing ist seit 1995 auf die Behandlung von Blutkrebs spezialisiert. Chefarzt Prof. Dr. med. Christian Straka betont, dass es nicht selbstverständlich ist, dass die Stammzelltransplantation auch für über 65-jährige angeboten wird. „Dank unser Expertise ist das bei uns aber möglich“, ergänzt Straka.

Hämatologie Schwabing

Onkologisches Zentrum, über 4.500 behandelte Patienten, alle Therapieformen - von Blutstammzeltransplantation bis Zytokin-Therapie.

Hämatologie, Onkologie München Schwabing

Unsere Geschichten für Sie: Viel Freude beim Lesen!