Ein Elefant auf der Brust

Ein lebenslustiger 50-Jähriger kommt uns fröhlich winkend durch den Park entgegen. Dass Hassan Kharbeiti an der Schwelle des Todes stand, sieht man ihm heute überhaupt nicht mehr an. Er sprüht vor Vitalität und kann nicht mehr aufhören, auf und ab zu gehen. Warum er so umtriebig ist? Er kann endlich wieder gehen  - und Auto fahren.

Auf Messers Schneide

Vor ein paar Monaten sah es für den siebenfachen Familienvater schlecht aus. Gefährlicher grüner Schimmel an einer Zimmerwand setzte seiner Lunge schwer zu. Nach einem schweren Asthmaanfall brach er zusammen. Mehrere Klinikaufenthalte folgten. Sein Zustand war so kritisch, dass er mehrere Wochen im künstlichen Koma lag und auf die Intensivstation der München Klinik Harlaching verlegt wurde. „Die Ärzte hatten zwischendurch schon die Hoffnung verloren“, sagt Kharbeiti.

"Ich hatte das Gefühl zu ertrinken"

Kharbeiti gab nicht auf. Er kämpfte sich zurück ins Leben. Als er aus dem Koma erwachte, konnte er nicht sprechen und sich nicht bewegen. Von selbstständig atmen ganz zu schweigen „Ein furchtbares Gefühl, als ob man ertrinken würde“, erzählt der Landshuter.

Nach der wochenlangen künstlichen Beatmung ist seine Atemmuskulatur erschlafft. Wie alle anderen Muskeln im Körper bilden sie sich zurück, wenn sie nicht genutzt werden. Die ersten Versuche wieder selbst zu Atmen waren für Kharbeiti sehr anstrengend und stressten ihn immens. Viele Betroffene haben das Gefühl, als ob ihnen ein Elefant auf der Brust sitzt. Und Kharbeitis Elefant war gewaltig. Ihm fehlte schlicht die Kraft, ausreichend Luft in die Lungen zu pumpen.

Muskeltraining für die Lunge

Kharbeiti ist mit dem Problem nicht alleine. Etwa 40 Prozent aller Langzeitbeatmeten falle es schwer, wieder selbstständig atmen zu lernen. Es ist ein langwieriger Prozess, der umso erfolgreicher ist, wenn man sich in einem Lungenzentrum mit Weaningstation befindet. „Die Wahrscheinlichkeit, von der künstlichen Beatmung wegzukommen, ist in einer Weaning-Einheit viel höher als in einer normalen Intensivstation“, so Prof. Dr. med. Joachim Meyer, Chefarzt und Leiter des Lungenzentrums München mit Weaning-Einheit.

Erst drei, dann zwölf, dann 47

Gerade mal 55 kg brachte der 50-Jährige auf die Waage, als er aus dem Koma erwachte. An seine ersten Schritte nach dem künstlichen Koma kann sich Kharbeiti noch gut erinnern. Es waren genau drei. Dann war die Puste aus. „Ich wollte sofort wieder ins Bett. Ich war am Ende.“ Am darauffolgenden Tag waren es schon zwölf, dann 47.

Atemzug für Atemzug kämpft sich Kharbeiti nun wieder in sein altes Leben zurück. Trotz gelegentlicher Rückschläge ist er glücklich. Vor allem über die zurückgewonnene Selbstständigkeit: „Das erste Mal wieder richtig Duschen zu können. Da habe ich mich gefühlt wie Gott in Frankreich.“ Inzwischen wiegt er wieder gesunde 80 kg. Wann er in seinen anstrengenden Job in einer Landshuter Metzgerei zurückkehren kann, ist noch ungewiss. Im Moment ist sein größtes Ziel, wieder völlig gesund zu werden.

Zertifizierte Weaningstation

Das englische Wort „to wean“ bedeutet übersetzt so viel wie entwöhnen. Und genau darum geht es: der Patient muss wieder lernen, zu atmen. Im Gegensatz zur Intensivstation kann die Weaning-Einheit der München Klinik Harlaching ganz anders auf die Bedürfnisse der langzeitbeatmeten Patienten eingehen und damit eine Entwöhnung von der künstlichen Beatmung ermöglichen.

Um den Teufelskreis der künstlichen Beatmung zu durchbrechen, verfolgen die Experten der Weaning-Station ein multidisziplinäres Konzept. Intensivpflegekräfte und Intensivmediziner arbeiten eng zusammen mit speziell geschulten Atmungstherapeuten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden.

Weaning-Einheit München Klinik Harlaching

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